Breit­ling

Uhren-Magazin - - Inhalt - Tex t — Martina Rich­ter Fotos — Breit­ling Breit­ling B01: Das Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber gibt es in­zwi­schen in ver­schie­de­nen Aus­füh­run­gen.

ist ei­nes der we­ni­gen noch un­ab­hän­gi­gen Uh­ren­un­ter­neh­men. Wir be­su­chen die hy­per­mo­der­ne Ma­nu­fak­tur in La Chaux-de-fonds.

——— Bei un­se­rem Be­such in der Breit­ling Chro­no­me­trie in La Chaux­de-fonds steht zu­nächst ein für uns au­ßer­ge­wöhn­li­ches The­ma im Mit­tel­punkt: Breit­ling er­fin­det ge­ra­de die Smart­watch neu, den ers­ten ei­ge­nen Smart­chro­no­gra­phen Exo­s­pace B55. Mit die­sem ver­folgt der Her­stel­ler ei­nen ei­ge­nen An­satz, »bei dem das Smart­pho­ne die Uhr für noch mehr Funk­tio­na­li­tät und Be­nut­zer­freund­lich­keit un­ter­stützt«, wie Vice Pre­si­dent Je­an-paul Gi­rar­din uns in ei­nem Ge­spräch vor Ort er­klärt. Breit­ling leh­ne es ent­schie­den ab, ei­ne Uhr nur als Er­wei­te­rung des Smart­pho­nes zu be­trach­ten. »Der Chro­no­graph ist und bleibt der Meis­ter«, sagt Gi­rar­din, »das Smart­pho­ne dient zur Ver­bes­se­rung sei­ner Funk­tio­nen.«

Dank der bi­di­rek­tio­na­len Kom­mu­ni­ka­ti­on bil­den bei­de In­stru­men­te ein kom­ple­men­tä­res Gan­zes, bei dem je­des für das ge­nutzt wird, was es am bes­ten kann. Das Smart­pho­ne über­zeugt durch die Grö­ße sei­nes Bild­schirms und die Er­go­no­mie sei­ner Be­nut­zer­ober­flä­che. Der Be­sit­zer der Exo­s­pace B55 kann sein Te­le­fon für be­stimm­te Ein­stel­lun­gen auf der Uhr – Zeit, Zeit­zo­nen, Weck­zei­ten und so wei­ter – nut­zen. Er­geb­nis ist ein deut­li­cher Kom­fort- und Zeit­ge­winn. Um­ge­kehrt kann er ge­mes­se­ne Zei­ten vom Chro­no­gra­phen auf das Smart­pho­ne über­tra­gen, um sie dort ein­fa­cher le­sen, spei­chern und ver­wal­ten zu kön­nen. Der elek­tro­ni­sche Mul­ti­funk­ti­ons­chro­no­graph Exo­s­pace

Breit­ling ist ei­ner der we­ni­gen, noch un­ab­hän­gi­gen Uh­ren­her­stel­ler. Mit dem ei­ge­nen Chro­no­gra­phen­ka­li­ber be­gab sich die Mar­ke auf Ma­nu­fak­tur­pfa­de. Ei­ne Smart­watch un­ter­streicht ih­re Kom­pe­tenz im Elek­tro­nik­be­reich und den An­spruch, auch in Zu­kunft den Pro­fis der Luft­fahrt ein Zeit­ge­ber zu sein.

B55 emp­fängt auch In­for­ma­tio­nen, wenn An­ru­fe oder Nach­rich­ten auf dem Smart­pho­ne ein­ge­hen, oder Ter­mi­ner­in­ne­run­gen er­fol­gen.

Weck­zeit oder Stopp­funk­ti­on – der Chro­no­graph bleibt der Meis­ter

Na­tür­lich ver­nach­läs­sigt Breit­ling über all dies sei­ne me­cha­ni­schen »In­stru­ments for Pro­fes­sio­nals« nicht. So prä­sen­tiert der Schwei­zer Chro­no­me­ter-spe­zia­list wäh­rend der Ba­sel­world 2016 zum Bei­spiel den neu­en Aven­ger Hur­ri­ca­ne Chro­no­gra­phen mit dem Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber B12 in­klu­si­ve 24-St­un­den-an­zei­ge. Sein Ge­häu­se be­steht aus dem so­ge­nann­ten »Breit­light«. Die­ses High­techMa­te­ri­al ist mehr als drei­mal leich­ter als Ti­tan, fast sechs­mal leich­ter als Edel­stahl und den­noch här­ter. Der ex­klu­si­ve Stoff ist kratz- und zug­fest, kor­ro­si­ons­re­sis­tent, ama­gne­tisch, an­ti­all­er­gisch und fühlt sich deut­lich wär­mer an als ein Me­tall. Ei­ne leich­te Mar­mo­rie­rung ver­stärkt sein De­sign. Auch ei­nen neu­en Na­vi­ti­mer gibt es zu se­hen – li­mi­tiert auf 1 000 Stück, mit dun­kel­grau­em Zif­fer­blatt und schwarz be­schich­te­tem Ro­tor im Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber Breit­ling 01. Der 1952 lan­cier­te Zeit­mes­ser avan­cier­te zum Kult­ob­jekt und ist heu­te als ers­tes Breit­ling-mo­dell aus­schließ­lich mit Ma­nu­fak­tur­ka­li­bern aus­ge­stat­tet.

»Wir sind nicht so früh wie an­de­re Her­stel­ler den Weg der Ma­nu­fak­tur ge­gan­gen«, plau­dert Gi­rar­din aus der Ge­schich­te. »Es gab Din­ge, die uns wich­ti­ger wa­ren. Zum Bei­spiel die Chro­no­me­trie.« Seit 1999 lie­fert Breit­ling als ein­zi­ger Schwei­zer Her­stel­ler al­le Zeit­mes­ser mit Chro­no­me­ter­zer­ti­fi­kat aus. Das sind heu­te et­wa 130 000 Uh­ren im Jahr, mehr als die Hälf­te da­von – et­wa 80 000 – Chro­no­gra­phen. Zur­zeit wer­den et­wa 40000 Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber pro Jahr pro­du­ziert. Der Rest der Zeit­mes­ser ist noch mit Uhr­wer­ken der ETA oder aus dem Hau­se Du­bo­is-dé­praz be­stückt. Letz­ter Aus­lö­ser, doch ein ei- ge­nes Uhr­werk zu bau­en, war das be­rühmt-be­rüch­tig­te Schrei­ben von der Swatch Group, ex­ter­ne Her­stel­ler künf­tig nicht mehr mit Uhr­wer­ken der ETA zu be­lie­fern. Bei Breit­ling war man sich schon dar­über im Kla­ren, was das be­deu­tet: Jah­re­lan­ge Ent­wick­lungs­ar­beit, be­trächt­li­che In­ves­ti­tio­nen, vor al­lem, wenn man sich an ein Chro­no­gra­phen­werk macht.

Der Her­stel­ler rief im Herbst 2004 ein klei­nes Spe­zia­lis­ten­team »For­schung & Ent­wick­lung« ins Le­ben, das sich in Genf nie­der­ließ. Be­reits we­ni­ge Mo­na­te spä­ter wa­ren die Vor­ar­bei­ten ab­ge­schlos­sen und die wich­tigs­ten tech­ni­schen Op­tio­nen ge­setzt. In den Gr­und­zü­gen stand das Werk schon. Kon­tak­te mit Zu­lie­fe­rern wur­den ge­knüpft. En­de 2005

tra­fen die ers­ten Werk­t­ei­le ein. Im Früh­jahr 2006 wur­den die ers­ten Pro­to­ty­pen ge­baut. Un­zäh­li­ge Tests auf Prä­zi­si­on, Ro­bust­heit, Wi­der­stands­fä­hig­keit bei un­ter­schied­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren und un­ter Ma­gnet­feld­ein­fluss, auf Be­di­en­kom­fort und vie­les, vie­les mehr fan­den statt. Ein Jahr spä­ter hat­te das Team sein Pro­jekt ab­ge­schlos­sen und wur­de of­fi­zi­ell in die Breit­ling Tech­no­lo­gie SA über­führt. Ab Herbst 2008 lief dann die Pro­duk­ti­on auf Hoch­tou­ren.

Un­ab­hän­gig­keit, Know-how und Hoch­leis­tungs­ma­nu­fak­tur

Das Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber Breit­ling 01 de­bü­tier­te im Früh­jahr 2009 im Chro­no­mat B01. Die 346 Kom­po­nen­ten des Chro­no­gra­phen­wer­kes wur­den mit mehr als 40 Part­nern ent­wi­ckelt und wer­den heu­te mit eben­so vie­len pro­du­ziert. Aber das Know­how be­fin­det sich im ei­ge­nen Un­ter­neh­men, für das es in ei­nem neu­en, hy­per­mo­der­nen Fa­b­ri­ka­ti­ons­kom­plex in La Chaux-de-fonds auf vier Eta­gen von je­weils 1 000 Qua­drat­me­tern aus­rei­chend Platz gibt.

Mit ei­nem Link zur Tech­no­lo­gie SA in Genf ar­bei­ten Spe­zia­lis­ten im Werk­zeug- und Pro­to­ty­pen­bau. Hier wer­den Funk­tio­nen si­mu­liert, CNCPro­gram­me ge­schrie­ben und Wer­ke do­ku­men­tiert. Et­wa 2 000 Schrift­stü­cke ge­hö­ren zu ei­ner Ka­li­ber­ver­si­on. Im La­bor be­schäf­ti­gen sich die Mit­ar­bei­ter mit solch spe­zi­el­len Din­gen wie der Ent­wick­lung von Ölen. Vier von fünf, die man im Uhr­werk braucht, stam­men aus ei­ge­ner Syn­the­se. In der Vor­mon­ta­ge wer­den ein­zel­ne Bau­grup­pen zu­sam­men­ge­setzt, wie die Hem­mung mit Un­ruh und Spi­ra­le. Breit­ling ist ei­ner der we­ni­gen Her­stel­ler, der die­se Fer­tig­keit be­herrscht. Bei der Spi­ra­le be­dient sich Breit­ling üb­ri­gens zwei­er Zu­lie­fe­rer, dar­un­ter be­fin­det sich nicht Ni­varox. Und schließ­lich er­folgt in der As­sem­bla­ge in ei­ner hoch­tech­no­lo­gi­schen Um­ge­bung die End­mon­ta­ge der Ka­li- ber. Mit den Uhr­ma­che­rin­nen, die durch mi­ni­ma­lis­ti­sche Ma­te­ri­al­ab­nah­men am Un­ruh­reif die Ka­li­ber zu Chro­no­me­ter-rei­fen Uhr­wer­ken her­aus­put­zen, weht den­noch ei­ne Bri­se tra­di­tio­nel­ler Pro­duk­ti­on durch die mo­der­nen Ate­liers. »Ei­ne Re­gu­lierMa­schi­ne steht im Kel­ler«, er­zählt Gi­rar­din, »aber die ist lan­ge nicht so gut wie un­se­re Uhr­ma­che­rin­nen«.

Breit­ling ist stolz, ei­ne der letz­ten gro­ßen un­ab­hän­gi­gen Schwei­zer Uh­ren­mar­ken in Fa­mi­li­en­be­sitz zu sein. Die nächs­te Ge­ne­ra­ti­on ist start­be­reit. »Re­a­dy for Ta­ke-off«, um die Si­tua­ti­on mit Wor­ten je­nes Me­tiers zu be­schrei­ben, in dem sich Breit­ling seit Ge­ne­ra­tio­nen mit sei­nen Zeit­mes­sern be­wegt. Je­an-paul Gi­rar­din drückt es so aus: »Wir blei­ben im Pi­lo­ten­sitz« – und meint da­mit wohl nicht nur, der Avia­tik die Treue zu hal­ten, son­dern auch den Kun­den. Das ist nicht im­mer ganz ein­fach, wenn man er­klä­ren muss, war­um ei­ne Breit­ling mit Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber et­wa 2 000 Schwei­zer Fran­ken mehr kos­ten soll als ei­ne her­kömm­li­che Breit­ling. Des­halb führt er gern In­ter­es­sen­ten durch die Hoch­leis­tungs­fa­brik in La Chaux-de-fonds, um zu zei­gen, dass die Mar­ke Breit­ling von 2016 nicht mehr die von 2006 ist. »Das ist kei­ne Mar­ke­ting-maß­nah­me«, sagt er, »son­dern ernst ge­mein­te Ma­nu­fak­tur-stra­te­gie«. ———

Ob me­cha­ni­sches Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber oder Smart­chro­no­graph, die Uh­ren­mar­ke mit dem ge­flü­gel­ten » B « be­hält auch bei künf­ti­gen Ent­wick­lun­gen ih­re en­ge Ver­bin­dung mit der Avia­tik im Blick.

2 Auf den mo­der­nen An­la­gen wird der Weg je­des Uhr­werks durch hoch­ent­wi­ckel­te Soft­ware ver­folgt. 3 4 5 6 7 Mon­ta­ge­stra­ßen: Die Reg­la­ge der Uh­ruh durch er­fah­re­ne Uhr­ma­che­rin­nen adelt je­de Breit­ling-uhr zum Chro­no­me­ter. Uhr­ma­che­rei: Der Vice Pre­si­dent...

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