Tech­nik A–Z

Ganz schö­nes Ka­li­ber

Uhren-Magazin - - Inhalt -

»Na das ist ja ein ganz schö­nes Ka­li­ber«, schnappt man mit­un­ter als scherz­haf­te Be­mer­kung über gut ge­bau­te Da­men mit aus­la­den­den Ober­wei­ten auf. Bay­ri­sche Madls in Dirndlklei­der auf dem Ok­to­ber­fest fal­len ei­nem da­zu ein oder ganz kon­kret vi­el­leicht auch die deut­sche Fern­seh­mo­de­ra­to­rin Bar­ba­ra Schö­ne­ber­ger. Das Ka­li­ber kennt man aus der Waf­fen­kun­de, als ein Maß für den Durch­mes­ser von Pro­jek­ti­len oder den In­nen­durch­mes­ser des Waf­fen­laufs. In der Uhr­ma­che­rei hat das Ka­li­ber ur­sprüng­lich auch et­was mit dem Durch­mes­ser zu tun. Es be­zeich­ne­te näm­lich ge­nau die­sen oder die Grö­ße ei­nes Uhr­wer­kes, aber auch cha­rak­te­ris­ti­sche For­men oder die An­ord­nung von Bau­grup­pen, Brü­cken, Klo­ben, Fe­der­haus und Hem­mung. Je nach Bau­wei­se und Po­si­tio­nie­rung ei­ner Klei­nen Se­kun­de wer­den die Ta­schen­uhr­wer­ke bei­spiels­wei­se als Sa­von­net­te- oder Lé­pi­ne-ka­li­ber be­zeich­net. Ecki­ge Uhr­wer­ke nennt man auch Form­ka­li­ber. Bei der Grö­ßen­an­ga­be des Ka­li­bers ist seit dem spä­ten 19. Jahr­hun­dert die heu­te eher we­ni­ger ge­bräuch­li­che Li­nie, ge­kenn­zeich­net durch drei hoch­ge­stell­te Stri­che ('''), als Ein­hei­ten ver­brei­tet. Ei­ne Li­nie ent­spricht 2,2558 Mil­li­me­tern.

Da­bei han­delt es sich um das Län­gen­maß der »Pa­ri­ser Li­nie« (es gibt auch an­de­re, bei­spiels­wei­se die rhein­län­di­sche), die von den Schwei­zer Ta­schen­uhr­fa­bri­ken ein­ge­führt und auch zur Be­zeich­nung ih­rer Ka­li­ber be­nutzt wur­de. Man spricht von 10½- oder 11- oder 13-li­ni­gen Ka­li­bern. Aus al­ter Tra­di­ti­on ge­ben man­che Schwei­zer Her­stel­ler zum heu­te ge­bräuch­li­chen Mil­li­me­ter­maß auch gern noch das in Li­ni­en an. Jüngst zum Bei­spiel Pia­get für sein mo­der­nes 700P. Sein Durch­mes­ser wird mit 15½''' (Li­ni­en) aus­ge­wie­sen, was ge­run­de­ten 34,9 Mil­li­me­tern ent­spricht. Das Wort Ka­li­ber hat in der Uhr­ma­che­rei ei­ne zwei­te, heu­te die ei­gent­lich vor­ran­gi­ge Be­deu­tung. Es wird zur Be­zeich­nung gan­zer Bau­rei­hen ver­wen­det. Man spricht von Eta-ka­li­bern mit den ent­spre­chen­den Num­me­rie­run­gen oder vom 9P und 12P, um noch ein­mal auf Pia­get zu­rück­zu­kom­men, oder vom Ze­nith El Pri­me­ro – ein ganz schö­nes Ka­li­ber, sei da ernst­haft be­merkt.

Üb­ri­gens: Frü­her gab es den Lehr­be­ruf Ka­li­brist. Es war der auf die Kon­struk­ti­on von Ka­li­bern spe­zia­li­sier­te Uhr­ma­cher und auch der­je­ni­ge, der das ers­te Mo­dell ei­nes neu­en Uhr­werks, den Pro­to­ty­pen an­fer­tig­te. Ma­ri

Klei­nes Tech­ni­kLe­xi­kon von »A« wie An­ker­rad­zahn bis »Z« wie Zug­fe­der

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.