RES­SENCE TY­PE 3

A. LAN­GE & SÖH­NE SAXONIA

Uhren-Magazin - - Wissen - 3 Das Ge­häu­se: Das Werk in ei­ner Luft­kam­mer trennt ei­ne Tit­an­mem­bran vom An­zei­gen­sys­tem in ei­ner Öl­kam­mer.

Ein in Öl ge­la­ger­tes An­zei­gen­sys­tem, Ma­gne­te und ein mo­di­fi­zier­tes ETA-WERK er­ge­ben ei­ne tech­nisch an­spruchs­vol­le Uhr mit fas­zi­nie­ren­der op­ti­scher Täu­schung: Die Zeit scheint di­rekt auf dem Sa­phirglas dar­ge­stellt zu sein. Tit­an­mem­bran

——— Es scheint, als wür­den die An­zei­gen auf dem Zif­fer­blatt der Ty­pe 3 di­gi­tal auf dem Sa­phirglas dar­ge­stellt wer­den. Der Blick von der Sei­te, ein Dre­hen der Uhr in al­le Win­kel, kön­nen die­se Sin­nes­täu­schung nicht auf­he­ben. Erst das An­fas­sen und Aus­pro­bie­ren der Ty­pe 3 macht die Be­son­der­heit lang­sam be­greif­lich.

Un­ter dem stark kon­ve­xen Sa­phirglas be­fin­det sich ein Mo­dul, das ROCS (Res­sence Or­bi­tal Con­vex Sys­tem), das Aus­kunft über Zeit, Da­tum und Wo­chen­tag gibt. Es be­steht aus ins­ge­samt 215 Tei­len mit 28 Zahn­rä­dern, 57 Ru­bi­nen und ei­nem Schei­ben­sys­tem. Bis auf die Zahn­rä­der be­ste­hen al­le Kom­po­nen­ten aus Ti­tan.

Das Schei­ben­sys­tem setzt sich aus ei­ner kon­ve­xen Schei­be mit vier klei­ne­ren Schei­ben zu­sam­men, die sich ex­zen­trisch wie klei­ne Sa­tel­li­ten um das Zen­trum dre­hen. Je­de Schei­be trägt ei­nen Zei­ger, der sich ent­lang ei­ner In­di­ka­ti­on be­wegt und so Mi­nu­ten, St­un­den, Se­kun­den oder den Wo­chen­tag aus­weist. Das Da­tum be­fin­det sich auf ei­nem Ring, der um das Schei­ben­sys­tem liegt. Die­ses ist per­ma­nent in Be­we­gung, was sich aber nicht nach­tei­lig auf das Ab­le­sen der Zeit aus­wirkt. Denn un­ser Ge­hirn er­fasst und in­ter­pre­tiert als ers­tes den Win­kel zwi­schen den Zei­gern, so ha­ben wir schließ­lich das Zei­ta­b­le­sen ge­lernt. Die Be­stim­mung der ex­ak­ten St­un­de und Mi­nu­ten er­folgt erst in ei­nem zwei­ten Schritt.

Öl macht die An­zei­gen aus al­len Win­keln ables­bar

Die Ty­pe 3 nutzt die ge­sam­te Glas­ober­flä­che, um die An­zei­gen ab­zu­bil­den, so dass sie selbst aus fla­chen Win­keln noch ables­bar sind. Für die­sen Ef­fekt ist nicht nur das Glas stark kon­vex ge­wölbt, son­dern auch das schwar­ze Schei­ben­sys­tem. Die klei­nen Sa­tel­li­ten ste­hen in ge­nau be­rech­ne­ten Win­keln zum Zif­fer­blatt­zen­trum. Au­ßer­dem la­gert Res­sence das ROCS, al­so die Schei­ben und das Mo­dul, in der Flüs- sig­keit Naph­tha. Die­ses Öl bricht das Licht auf ähn­li­che Wei­se wie Sa­phirglas, so dass das Au­ge die Gren­ze zwi­schen Glas und An­zei­gen nicht mehr wahr­neh­men kann. Es scheint, als wür­de die Zeit di­rekt auf das Glas pro­ji­ziert. Nur ein An­fas­sen der Uhr hebt den Ef­fekt auf. Das Öl er­zeugt aber nicht nur die­sen op­ti­schen Ef­fekt, es hat auch tech­ni­sche Vor­tei­le:

Da das ROCS kom­plett da­rin ge­la­gert ist, ver­rin­gert sich das Ge­wicht der ein­zel­nen Kom­po­nen­ten, es ent­steht we­ni­ger Rei­bung, und das er­höht die Ge­nau­ig­keit. Das Öl wür­de al­ler­dings die Be­we­gun­gen der Werk­hem­mung be­hin­dern. Aus die­sem Grund kon­stru­ier­te Res­sence für die Ty­pe 3 ein drei­tei­li­ges Uh­ren­ge­häu­se.

Drei­tei­li­ges Ge­häu­se trennt Uhr­werk und An­zei­gen­mo­dul

Das in Öl ge­la­ger­te Mo­dul ROCS wird von ei­ner Tit­an­mem­bran ab­ge­schlos­sen. Auf der an­de­ren Sei­te sitzt das stark mo­di­fi­zier­te Ba­sis-au­to­ma­tik­ka­li­ber ETA 2824 in ei­ner mit Luft ge­füll­ten Kam­mer. Sei­ne Mi­nu­te­n­ach­se treibt das Mo­dul an. Da das Werk und das ROCS aber phy­sisch kom­plett ge­trennt sind, setzt Res­sence Mi­kro­ma­gne­te mit ei­ner Di­cke von 0,5 Mil­li­me­tern und ei­nem Durch­mes­ser von ge­ra­de ein­mal ei­nen Mil­li­me­ter in bei­den Kam­mern zur Kraft­über­tra­gung ein. Die­se sind an den Zahn­rä­dern des Ba­sis­ka­li­bers und am Mo­dul un­ter den Schei­ben an­ge­bracht und steu­ern so die sicht­ba­ren Zeit­an­zei­gen. Ein Fa­ra­day’scher Kä­fig schirmt die Hem­mung vor den Ma­gnet­fel­dern ab.

Die spe­zi­el­le Ge­häu­se­kon­struk­ti­on kommt oh­ne Kro­ne aus. Ih­re Funk­tio­nen über­nimmt statt­des­sen der Sa­phirglas­bo­den. Ein Gra­vi­ta­ti- ons- Gang-sys­tem ver­hin­dert, dass sich die Uhr ver­stellt, wäh­rend sie am Hand­ge­lenk ge­tra­gen wird.

Die Darstel­lung der Zeit mit­hil­fe von Schei­ben ist das Mar­ken­zei­chen von Res­sence. Ge­grün­det wur­de sie 2010 vom bel­gi­schen In­dus­trie­de­si­gner Be­noît Min­ti­ens. Ak­tu­ell kommt das Kon­zept in drei Mo­del­len zum Ein­satz. Die Ty­pe 1 gibt den Ein­stieg. Bei ihr ist das An­zei­gen­sys­tem nicht in Öl ge­la­gert. In der Ty­pe 5 da­ge­gen, die mit zehn Bar Druck­fes­tig­keit zum Schwim­men ge­eig­net ist, sitzt das ROCS eben­falls in Öl. Da Flüs­sig­kei­ten nicht zu­sam­men­ge­drückt wer­den kön­nen, ist das Sys­tem dank des Öls vor Was­ser­druck ge­schützt. Zu­dem ver­hin­dert es Re­fle­xio­nen, was ei­ne gu­te Ables­bar­keit auch un­ter Was­ser ge­währ­leis­tet. ———

Die span­nen­de Ver­bin­dung zwi­schen dem Lan­ge­ty­pi­schen Groß­da­tum und ei­ner prä­zi­sen Mond­pha­sen­an­zei­ge neh­men wir im Test un­ter die Lu­pe.

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