BE­LIEBT­HEIT SCHAFFT MANNIGFALT­IGKEIT

Uhren-Magazin - - Special -

Die­se drei Rä­der – Mit­neh­mer­rad Zwi­schen­rad und Chro­no-zen­trums­rad – ma­chen die klas­si­sche Rä­der­kupp­lung des Chronograp­hen aus. Die­se er­folgt tra­di­tio­nell in ei­ner ho­ri­zon­tal an­ge­leg­ten Bau­wei­se, die re­la­tiv flach und op­tisch schön an­zu­se­hen ist. Sie hat aber ei­nen Nach­teil: Trifft Zahn­spit­ze auf Zahn­spit­ze, dann springt der Chro­no­gra­phen­zei­ger beim Star­ten ein we­nig vor­wärts und die Rä­der nut­zen sich schnel­ler ab.

We­sent­lich sim­pler ist ein Kupp­lungs­sys­tem, das Edouard Heu­er 1887 zum Pa­tent an­ge­mel­det hat. Beim so­ge­nann­ten Schwing­trieb han­delt es sich um ei­ne be­weg­lich mon­tier­te Wel­le mit zwei Rit­zeln. Das zif­fer­blatt­sei­tig an­ge­brach­te Rit­zel greift un­mit­tel­bar ins Se­kun­den­rad des Uhr­werks ein, das ge­gen­über­lie­gen- de, mit fei­ner Ver­zah­nung greift nach Be­tä­ti­gung des Start-drü­ckers mit kur­zem Schwenk ins Chro­no-zen­trums­rad ein. Die Ver­bin­dung be­steht, der Chro­no­graph läuft. Mit­neh­mer­rad und Zwi­schen­rad braucht es in die­ser Kon­struk­ti­on nicht.

Wohl pro­mi­nen­tes­ter Ver­tre­ter die­ser kaum ins Au­ge ste­chen­den Kupp­lungs-ni­sche ist wie­der ein­mal das be­kann­te und weit ver­brei­te­te Eta/val­joux 7750. TAG Heu­er ver­wen­det auch noch heu­te den Schwing­trieb in sei­nem Ca­li­bre 1887 so­wie des­sen Wei­ter­ent­wick­lung dem Heu­er 01. Da­zu ent­fern­te TAG Heu­er so­gar ei­ne ver­ti­ka­le Kupp­lung aus dem be­reits 1998 fer­tig ent­wi­ckel­ten Schalt­rad-chro­no­gra­phen­werk 6S37 von Sei­ko, an dem TAG Heu­er die Li­zenz­rech­te er­warb. Der ja­pa­ni­sche Uh­ren­her­stel­ler sei­ner­seits war der ers­te, der im Jahr 1969 ei­ne ver­ti­ka­le Kupp­lung mit der Steue­rung des Chronograp­hen durch ein Schalt­rad im Ka­li­ber 6139 kom­bi­nier­te.

Ob­wohl ein Chro­no­gra­phen­werk auf­wän­dig in der Kon­struk­ti­on und Her­stel­lung ist, ge­hört es zu den Mecha­nis­men mit den viel­fäl­tigs­ten Zu­satz­funk­tio­nen, An­zei­gen und Ka­li­ber- Bau­wei­sen.

Die mo­der­ne ver­ti­ka­le Kupp­lung führ­te die Frédé­ric Pi­guet SA mit dem Ka­li­ber 1185 im Jahr 1987 ein. An­stel­le ho­ri­zon­tal in­ein­an­der grei­fen­der Rä­der er­san­nen die Pi­guet-tech­ni­ker ei­ne kraft­schlüs­si­ge, ver­ti­kal wir­ken­de Kupp­lung. Die kon­stan­te Kupp­lung von Uhr und Schalt­werk brach­te drei we­sent­li­che Vor­tei­le. Ers­tens: Das Ein- oder Aus­schal­ten des Kurz­zeit­mes­sers be­ein­fluss­te die Un­ru­hAm­pli­tu­de nicht. Zwei­tens: Auf die üb­li­chen Brems- und Blo­ckier­he­bel, die die Chro­no­gra­phen­zei­ger nach dem Stop­pen in ih­rer je­wei­li­gen Po­si­ti­on hal­ten, konn­te man ver­zich­ten. Und drit­tens: Der Chro­no­gra­phen­zei­ger lief nach dem Star­ten oh­ne zu ru­cken an. Das Ka­li­ber 1185 mit ei­ner Bau­hö­he von 5,5 Mil­li­me­tern ist noch im­mer ei­nes der flachs­ten, au­to­ma­ti- schen Chro­no­gra­phen­wer­ke der Welt und wird heu­te von Blancpain mit all sei­nen Nach­fol­ge­ka­li­bern und Zu­satz­funk­tio­nen ver­wen­det. Die glei­che Tech­nik be­fin­det sich üb­ri­gens auch in den Ome­ga-ka­li­bern der 33er-bau­rei­he, die auf Frédé­ric Pi­guet zu­rück­ge­hen.

Mo­du­lar oder in­te­griert – zwei Bau­wei­sen für das Uhr­werk

All die­se Ent­wick­lun­gen be­tref­fen Uhr­wer­ke mit ei­ner so­ge­nann­ten in­te­grier­ten Bau­wei­se, da die­se die his­to­risch ur­sprüng­li­che ist. In­te­griert be­deu­tet, dass die Stopp­funk­ti­on in die Kon­struk­ti­on der Zeit­an­zei­ge ein­ge­glie­dert ist. Ei­ne an­de­re Mög­lich­keit ist die mo­du­la­re Kon­struk­ti­on. Auf ein Ba­sis­werk wird das Chro­no­gra­phen­mo­dul auf­ge­setzt. Das ver- ein­facht meist die Re­vi­si­on, da der Uhr­ma­cher das Mo­dul un­kom­pli­ziert ent­fer­nen und so das Werk war­ten kann. Dem Uh­ren­her­stel­ler er­mög­licht das Mo­dul-kon­zept, ein Ba­sis­werk mit un­ter­schied­li­chen Zu­satz­funk­tio­nen zu er­gän­zen. Spe­zia­list für sol­che Mo­du­le ist zum Bei­spiel die Schwei­zer Fir­ma Du­bo­is Dé­praz.

Das Mo­dul muss mit dem üb­ri­gen Werk ver­bun­den wer­den, um die nö­ti­ge Ener­gie vom Fe­der­haus für die Stopp­funk­ti­on nut­zen zu kön­nen. Aus­gangs­punkt ist hier­bei die Se­kun­den­rad­wel­le. Die­se Bau­wei­se kann op­ti­sche Nach­tei­le ha­ben. Wird das Mo­dul zif­fer­blatt­sei­tig an­ge­bracht, ist der Stopp­me­cha­nis­mus durch ei­nen Glas­bo­den nicht zu se­hen. Zu­dem sit­zen kon­struk­ti­ons­be­dingt Da­tums­schei­ben tie­fer und Kro­ne so­wie die

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