Fas­zi­nie­ren­de Fa­ser

Preis­span­ne von 349 Eu­ro bis 181 500 Eu­ro

Uhren-Magazin - - Wissen - Tex t — Melissa Göß­ling Fo­tos — Her­stel­ler Sicht­bar: Die Ti­me Wal­ker Pytha­go­re Ul­tra-light Con­cept zeigt hin­ten wie vorn ihr Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber.

——— Der Gang über ei­ne Uh­ren­mes­se in­for­miert nicht nur über die Mo­dell­neu­hei­ten, er of­fen­bart auch die Trends des Jah­res. Bei den Zif­fer­blät­tern lässt sich stets ein Farb­spiel be­ob­ach­ten. Zu­nächst war es ein schlich­tes Schwarz, dann Braun, der­zeit sieht man Blau in all sei­nen Fa­cet­ten. Aber auch hin­sicht­lich Ma­te­ria­li­en ge­hen die Her­stel­ler neue oder fast ver­ges­se­ne We­ge. So zeig­ten ei­ni- ge Mar­ken ver­mehrt Uh­ren mit Ge­häu­sen aus Bron­ze oder Kar­bon. Kar­bon er­freut sich in der Uh­ren­welt wach­sen­der Be­liebt­heit. Es ist leicht, bruch­si­cher und hat ei­ne in­ter­es­san­te Struk­tur. Al­ler­dings ist Kar­bon auf­wän­dig zu be­ar­bei­ten, wes­halb nicht je­der Her­stel­ler die­sen Werk­stoff be­herrscht. Ver­hält­nis­mä­ßig über­schau­bar er­scheint da­her un­se­re Markt­über­sicht. Sie zeigt aber auch, dass nicht aus­schließ­lich Uh­ren­ma­nu­fak­tu­ren Kar­bon ver­wen­den, son­dern auch an­de­re Her­stel­ler, die Ge­häu­se oder Zif­fer­blät­ter von spe­zia­li­sier­ten Fir­men be­zie­hen.

Kar­bon wird aus Kunst­harz­fä­den ge­won­nen, die ei­nen Durch­mes­ser von ma­xi­mal zwei Mil­li­me­tern auf­wei­sen. Sie tra­gen win­zi­ge Kar­bon­fa­sern, de­ren Durch­mes­ser ge­ra­de ein­mal sie­ben Tau­sendstel­mil­li-

Leicht, bruch­si­cher und be­stän­dig ge­gen feuch­te Hit­ze und Salz­was­ser – Kar­bon ist ein viel­sei­ti­ges Ma­te­ri­al. Je nach Ver­ar­bei­tung er­hält es ein ein­zig­ar­ti­ges Mus­ter. Kein Wun­der, dass es im­mer häu­fi­ger für Uh­ren­ge­häu­se oder Zif­fer­blät­ter ver­wen­det wird.

me­ter be­trägt. Koh­len­stoff­fa­sern wie­gen we­ni­ger als 2,6 Gramm pro Ku­bik­zen­ti­me­ter. Fa­ser­ver­stärk­te Kunst­stof­fe ent­wi­ckeln sich heut­zu­ta­ge im­mer mehr zu ei­ner Schlüs­sel­tech­no­lo­gie für in­no­va­ti­ven Leicht­bau. Sie sind hoch be­last­bar, che­misch sta­bil, leicht, nach­hal­tig und ener­gie­ef­fi­zi­ent. Je nach­dem, wie Kar­bon ver­ar­bei­tet wird, er­hält es ein an­de­res Mus­ter. Bei Uh­ren­ge­häu­sen und Zif­fer­blät­tern sieht man häu­fig sehr sym­me­tri­sche Web­struk­tu­ren oder matt­schwar­ze Ober­flä­chen mit un­re­gel­mä­ßi­gen wol­ke­n­ähn­li­chen Zeich­nun­gen in gräu­li­chem Weiß.

Kar­bon sieht je nach Ver­ar­bei­tung an­ders aus

Die Uh­ren­ma­nu­fak­tur Au­de­mars Pi­guet ver­wen­det zum Bei­spiel ge­schmie­de­tes Kar­bon. Die­ses wird her­ge­stellt, in­dem die Koh­le­fa­sern in Edel­stahl­for­men er­hitzt und mit bis zu 300 Ki­lo­gramm Druck je Qua­drat­zen­ti­me­ter Flä­che ge­presst wer- den. Üb­rig bleibt rei­nes Kar­bon. Bei Hu­blot wird der Koh­len­stoff in ver­floch­te­ne Fa­sern ver­wan­delt und mit Harz um­man­telt, um ihn dann zur Fer­ti­gung von Uh­ren­ge­häu­sen oder an­de­ren Bau­tei­len ein­set­zen zu kön­nen. Die­ser künst­lich her­bei­ge­führ­te ther­mi­sche Zer­set­zungs­pro­zess er­mög­licht die Her­stel­lung von au­ßer­or­dent­lich fes­tem und leich­tem Ma­te­ri­al. Ide­al al­so für den Bau be­son­ders lang­le­bi­ger Uh­ren. Da­her ver­wen­den die meis­ten Her­stel­ler Kar­bon für die Uh­ren­ge­häu­se. Je nach Mar­ke häu­fig güns­ti­ger sind aber Mo­del­le, die nur ein Kar­bon-zif­fer­blatt be­sit­zen. Tat­säch­lich han­delt es sich da­bei meist um ein ge­wöhn­li­ches Blatt aus zum Bei­spiel Mes­sing mit ei­ner Kar­bon­schicht. Ein Blick­fang sind die­se Uh­ren al­le­mal.

Mont­blanc stell­te jüngst ei­nen Re­kord auf: Die Ti­me Wal­ker Pytha­go­re Ul­tra-light Con­cept ist die leich­tes­te mecha­ni­sche Arm­band­uhr der Welt. Die Zwei­zei­ge­ruhr wiegt ge- ra­de ein­mal knapp 19 Gramm. Das ge­lingt dem Schwei­zer Her­stel­ler mit ei­nem be­son­de­ren Kniff. Die aus­ge­höhl­ten Band­an­stö­ße be­ste­hen aus Ti­tan und der Rest des Ge­häu­ses samt Kro­ne aus ei­nem mat­ten Ver­bund­stoff aus Kev­lar und Kar­bon. Au­ßer­dem ver­zich­tet Mont­blanc auf die re­la­tiv schwe­ren Sa­phirglä­ser und ver­wen­det statt­des­sen Mi­ne­ral­glas. Es gibt auch kein Zif­fer­blatt, so dass das Hand­auf­zugs­werk MB M62.48, des­sen Brü­cken und Pla­ti­ne aus Ti­tan ge­fer­tigt sind, sicht­bar wird. Lei­der ist die Uhr ein Ein­zel­stück, spe­zi­ell ge­baut für den Bad­min­ton­spie­ler und Mar­ken­bot­schaf­ter Lin Dan.

Die Mont­blanc-uhr zeigt je­doch, was Kar­bon in der Op­tik und den Ei­gen­schaf­ten leis­ten kann. Ein in­ter­es­san­ter Trend mit Po­ten­ti­al. ———

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