Ei­ne Ro­lex für je­der­mann

Uhren-Magazin - - Journal - Te x t — Ro­bert-jan Bro­er Fo­tos — Her­stel­ler/an­ti­quorm/fra­tel­lo­wat­ches.com/www.pho­to-krue­ger.de

——— Das Kau­fen und Sam­meln von ge­brauch­ten Ro­lex-mo­del­len hat viel mit Äs­t­he­tik zu tun. Wie die meis­ten an­de­ren Vin­ta­ge-uh­ren be­sitzt auch ein Sport­mo­dell von Ro­lex aus den 1960er- oder 1970er-jah­ren ei­ne Au­ra von Aben­teu­er. Die Ge­brauchs­spu­ren an Ge­häu­se und Arm­band las­sen er­ah­nen, dass die Uhr schon ei­ni­ges hin­ter sich hat. Scha­de, dass sie nicht spre­chen kann. Die meis­ten Käu­fer in­ter­es­sie­ren sich nicht so sehr für das me­cha­ni­sche Uhr­werk, son­dern ver­trau­en ein­fach auf des­sen Qua­li­tät – es stammt ja im­mer­hin von Ro­lex.

Sie in­ves­tie­ren lie­ber in ein an­spre­chen­des Zif­fer­blatt oder in hüb­sche Zei­ger, an­statt sich über die Mecha­nik Ge­dan­ken zu ma­chen. Das ist na­tür­lich nicht ver­werf­lich, und die War­tung die­ser Uhr­wer­ke ist ja auch ziem­lich un­kom­pli­ziert. Trotz­dem soll­te man dar­auf ach­ten, dass die Uhr in ei­nem op­ti­ma­len tech­ni­schen Zu­stand ist. Denn die un­schö­ne Sei­te des an­sons­ten sehr äs­the­ti­schen The­mas ist: Es gibt vie­le Be­trugs­fäl­le.

Wie im­mer beim Han­del mit wert­vol­len Din­gen – man den­ke nur an Old­ti­mer, Kunst­wer­ke oder Im-

Ob als Vin­ta­ge- oder als neue Ver­si­on – die Mo­dell Day­to­na, Da­te­just und Sea-dwel­ler von Ro­lex ste­hen bei po­ten­ti­el­len Uh­ren­käu­fern nach wie vor hoch im Kurs. Vor dem Kauf heißt es küh­len Kopf be­wah­ren und ab­wä­gen, wel­che Ro­lex zu ei­nem passt.

mo­bi­li­en – geht es um viel Geld, gibt es Leu­te, die sich ei­nen Vor­teil er­gau­nern und an­de­re über den Tisch zie­hen wol­len. Wenn zum Bei­spiel je­mand nach ei­ner be­stimm­ten Uhr sucht, tau­chen plötz­lich Händ­ler auf, die be­haup­ten, mit ge­brauch­ten Ro­lex-uh­ren Mil­lio­nen- Ge­schäf­te zu ma­chen und al­le denk­ba­ren Mo­del­le be­schaf­fen zu kön­nen. Vor­sicht vor sol­chen Händ­lern. Je­mand, der ge­brauch­te Ro­lex-uh­ren nur hob­by­mä­ßig oder aus Lieb­ha­be­rei ver­treibt, ist ver­trau­ens­wür­di­ger, als ein Ge­schäft, das Dut­zen­de da­von an­bie­tet, die al­le als »ex­klu­siv« be­zeich­net wer­den und aber­wit­zi­ge Prei­se ha­ben.

Ex­klu­si­vi­tät ist ein wei­te­rer wich­ti­ger Punkt. Um ei­nes klar­zu­stel­len: Ro­lex-uh­ren sind kei­ne Ein­zel­stü­cke. Selbst ge­braucht sind sie nicht ex­klu­siv. Denn Ro­lex ist seit je­her ein Uh­ren­her­stel­ler mit ei­ner sehr ho­hen Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tät. Es sind viel­mehr die Ro­lex-fans, die be­stimm­te Schrift­zü­ge auf dem Zif­fer­blatt oder Ge­brauchs­spu­ren für ex- klu­siv er­klä­ren. Wenn al­so Geld kei­ne Rol­le spielt, kann man sich je­de be­lie­bi­ge Vin­ta­ge-ro­lex kau­fen, Aus­nah­men wie Pro­to­ty­pen ein­mal aus­ge­nom­men. Tat­säch­lich ist es der Preis, der ein Vin­ta­ge-mo­dell von Ro­lex aus­zeich­net. Es gibt Uh­ren von an­de­ren Her­stel­lern, die auf dem Markt viel schwe­rer zu fin­den und tech­nisch viel­leicht in­ter­es­san­ter sind. Aber die Nach­fra­ge nach Ro­lex-uh­ren kann man nicht so ein­fach auf­wie­gen.

Tipps für den Kauf von ge­brauch­ten Ro­lex-uh­ren

Wer sich ei­ne Vin­ta­ge-ro­lex kau­fen möch­te, soll­te sich über sein Bud­get im Kla­ren sein und ge­nau wis­sen, was er will. Wer kei­nen gro­ßen Wert auf die Zif­fer­blatt-be­schrif­tung legt oder dar­auf, wie gelb die Pa­ti­na und wie ver­bli­chen die Lü­net­te ist, der ist auf der si­che­ren Sei­te. Auf al­le Fäl­le soll­te man sich auf den Händ­ler ver­las­sen kön­nen. Ver­trau­ens­wür­di­ge An­bie­ter fin­den sich bei­spiels­wei­se über In­ter­net-fo­ren und -Platt­for­men, die auf ge­brauch­te Ro­lex-uh­ren spe­zia­li­siert sind. Na­tür­lich kann man nicht al­les über ge­brauch­te Ro­lex-uh­ren wis­sen, aber man soll­te bei dem Ex­em­plar, das der Händ­ler an­bie­tet, ein gu­tes Ge­fühl ha­ben. Wenn er sagt, dass da­mit al­les in Ord­nung ist und man das über­prü­fen kann, soll­te der Händ­ler ver­trau­ens­wür­dig sein. Die Händ­ler­an­ga­ben zur Uhr soll­te man in je­dem Fall ge­nau kon­trol­lie­ren. Man­che Ver­käu­fer ge­ben auch das Geld zu­rück, wenn nach dem Kauf Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten auf­tre­ten.

Es kann mit­un­ter et­was ris­kant sein, ei­ne ge­brauch­te Ro­lex zu kau­fen. Wer le­dig­lich auf der Su­che nach ei­ner hoch­wer­ti­gen Uhr ist und nicht der per­fek­ten Vin­ta­ge-ro­lex nach­ja­gen will, soll­te viel­leicht über den Kauf ei­ner neu­en Ro­lex nach­den­ken. Vie­le Leu­te – vor al­lem Uh­ren­lieb­ha­ber – sa­gen ger­ne, es sei lang­wei­lig,

ei­ne neue Ro­lex zu kau­fen und dass man für das glei­che Geld oder so­gar noch we­ni­ger ganz an­de­re in­ter­es­san­te Zeit­mes­ser be­kom­men kann. Das mag sein. Aber wenn man sich ei­ne Uhr wünscht, die ein (oder so­gar zwei) Le­ben lang hält und die nicht zu sehr an Wert ver­liert (son­dern mit et­was Ge­duld eher ge­winnt), dann ist ein mo­der­nes Ro­lex-mo­dell ver­mut­lich die rich­ti­ge Wahl.

Ob­wohl Ro­lex in Be­zug auf Zah­len un­ge­fähr so of­fen ist wie das Ge­häu­se ei­ner Oys­ter, wird ver­mu­tet, dass das Un­ter­neh­men fast ei­ne Mil­li­on Arm­band­uh­ren pro Jahr pro­du­ziert. Die we­ni­gen Au­ser­wähl­ten, die die Pro­duk­ti­ons­stät­ten von Ro­lex be­tre­ten konn­ten, be­rich­ten von be­ein­dru­cken­den au­to­ma­ti­sier­ten Pro­zes­sen, die mensch­li­che Feh­ler schlicht un­mög­lich ma­chen. Zu­sam­men­ge­setzt wer­den die Uh­ren aber na­tür­lich noch von Hand. Die ho­he Qua­li- tät, die Ro­lex bei die­sem gro­ßen Pro­duk­ti­ons­vo­lu­men hal­ten kann, ist wirk­lich er­staun­lich.

Bis vor ein paar Jah­ren stand Ro­lex we­gen feh­len­der In­no­va­ti­ons­lust in der Kri­tik. Die ty­pi­sche Schlie­ße sah im­mer noch so aus, als wä­re sie aus dem­sel­ben Ma­te­ri­al ge­fer­tigt wie ei­ne Ge­trän­ke­do­se. Die Ge­häu­se der Sportuh­ren wa­ren mit 40 Mil­li­me­tern Durch­mes­ser eher zu klein, und die Kon­struk­ti­on der Wer­ke wur­de jahr­zehn­te­lang nicht ver­än­dert. Doch in den letz­ten Jah­ren gab es bei Ro­lex so vie­le In­no­va­tio­nen und Ve­rän­de­run­gen wie in den vier Jahr­zehn­ten vor­her zu­sam­men. Die Arm­bän­der wur­den mit neu­en Schlie­ßen aus­ge­stat­tet, die der Trä­ger ganz ein­fach und sehr ge­nau an sei­nen Arm an­pas­sen kann. Für die Lü­net­ten kommt nun Ke­ra­mik zum Ein­satz, die Uhr­wer­ke wur­den un­ter an­de­rem durch die Pa­rachrom-spi­ra­le op­ti­miert, und die Uh­ren selbst se­hen grö­ßer aus. In der Tat se­hen sie nur grö­ßer aus, denn die neu­es­ten Mo­del­le der Sea-dwel­ler und Gmt-mas­ter II mit Pep­si-lü­net­te ha­ben im­mer noch ei­nen Durch­mes­ser von 40 Mil­li­me­tern, mit den kräf­ti­ge­ren Band­an­stö­ßen wir­ken sie aber mar­kan­ter.

Die Vor­tei­le von neu­en Ro­lex-uh­ren

Mit Vor­lie­be kri­ti­sie­ren man­che Uh­ren­lieb­ha­ber die ho­hen Prei­se von Ro­lex-uh­ren. Arm­band­uh­ren von Ro­lex wa­ren noch nie bil­lig, al­so ist »teu­er« auch im­mer ein re­la­ti­ver Be­griff. Es gibt aber auch ein paar Ar­gu­men­te, die für die schein­bar kos­ten­in­ten­si­ven Ro­lex-uh­ren spre­chen. Ers­tens, die ver­gleichs­wei­se ge­rin­ge Wert­min­de­rung. Ei­ne neue Ro­lex Sub­ma­ri­ner kos­tet 6800 Eu­ro. Auf dem Ge­braucht­markt be­kommt man die Uhr für et­wa 5800 Eu­ro, in gu­tem

Zu­stand und et­wa ein bis zwei Jah­re alt. Das zeigt: Die Wert­min­de­rung im Ver­gleich zu an­de­ren Mar­ken in die­ser Preis­ka­te­go­rie ist ge­ring. Na­tür­lich be­kommt man auch von an­de­ren Her­stel­lern für 6800 Eu­ro tol­le Uh­ren, viel­leicht so­gar mit in­ter­es­san­ten Kom­pli­ka­tio­nen. Aber be­hal­ten sie ih­ren Wert? Auf der Web­site www.fra­tel­lo­wat­ches.com kann man nach­se­hen, wie viel vom Lis­ten­preis nach ei­ni­gen Jah­ren noch üb­rig ist.

Zwei­tens bie­tet Ro­lex ei­nen gu­ten Kun­den­ser­vice. Die Ge­ne­ral­über­ho­lung ei­ner Ro­lex ist ein teu­res Un­ter­fan­gen, aber man er­hält sei­ne Uhr zu­rück wie an dem Tag, an dem man sie das ers­te Mal in den Hän­den hielt. Der Ser­vice dau­ert et­wa sechs Wo­chen, was für ei­nen Uh­ren­her­stel­ler recht schnell ist. Bei an­de­ren Mar­ken war­tet man manch­mal deut­lich län­ger auf sei­ne Uhr, zum Teil so­gar bis zu sechs Mo­na­ten – und das bei eher ein­fa­chen Re­pa­ra­tu­ren wie das Ein­stel­len des Uhr­werks.

Drit­tens, die War­tung von ge­brauch­ten Ro­lex-uh­ren ist et­was ganz an­de­res als die von mo­der­nen. So kann es pas­sie­ren, dass Er­satz­tei­le nicht mehr lie­fer­bar sind und man den Wert der lang ge­such­ten Vin­ta­geUhr mit neu­en Tei­len schmä­lern muss. Mit­un­ter kos­tet die War­tung auch so viel wie für ei­ne neue Uhr.

Fa­zit: Egal, für wel­che mo­der­ne Ro­lex man sich ent­schei­det, man er­hält ei­ne hoch­wer­ti­ge Uhr. Die Ge­fahr, dass mit ihr et­was nicht in Ord­nung ist, ist sehr ge­ring. Und der mög­li­che Wie­der­ver­kaufs­wert hat sei­nen ei­ge­nen Reiz. ———

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