Für die Ewig­keit

Uhren-Magazin - - Wissen -

Die Schwei­zer Mar­ke Rado zeig­te 1986, dass Ke­ra­mik nicht nur auf dem Kaf­fee­tisch gu­te aus­sieht. Auch schon vor­her hat­ten die Mo­del­le von Rado ei­ni­ges zu bie­ten: Von Hart­me­tall bis zur welt­weit ers­ten Ser­vice­an­zei­ge auf dem Zif­fer­blatt.

——— Bis heu­te gilt ei­ne Rado als Avant­gar­de. Ihr De­sign fällt auf und sie ge­hört zu je­nen Iko­nen, die auf den ers­ten Blick zu er­ken­nen sind. Gleich­zei­tig ist die zur Swatch Group ge­hö­ren­de Mar­ke auch Pio­nier in der Nut­zung und Be­ar­bei­tung von Werk­stof­fen, die im Uh­ren­bau un­üb­lich sind. Am be­kann­tes­ten sind die Mo­del­le aus High­tech-ke­ra­mik, die es seit den 1980er-jah­ren gibt. Doch schon vor­her bau­te Rado Uh­ren aus har­ten Werk­stof­fen wie Wolf­ram­car­bid. Das erst­mals 1914 her­ge­stell­te Ma­te­ri­al aus Wolf­ram und Koh­len­stoff grenzt an ei­nen ke­ra­mi­schen Werk­stoff, gilt aber als Hart­me­tall. In Deutsch­land wur­de das Ma­te­ri­al durch die Fir­ma Krupp be­kannt, die Werk­zeu­ge aus die­sem Stoff her­stell­te und un­ter dem Na­men Wi­dia (Wie Dia­mant) ver­trieb.

Ein sich dre­hen­der An­ker als Mar­ken­lo­go

Die Fir­ma Rado in­des wur­de als Uhr­werk­fa­brik Schlup & Co. im Jahr 1917 ge­grün­det und stell­te zu­nächst kei­ne ei­ge­nen Uh­ren her. Zwan­zig Jah­re spä­ter ent­stand die Rado Watch Co. Ltd. als Toch­ter­ge­sell­schaft, der Sitz be­fand sich im sel­ben Ge­bäu­de in Lengnau. 1957 kam die ers­te Arm­band­uhr un­ter dem Na­men Rado auf den Markt – die Rado Gol­den Hor­se. Aus­ge­stat­tet mit Uhr­wer­ken von Adolph Schild bot sie ein was­ser­dich­tes Ge­häu­se und galt ge­ne­rell als ro­bust und zu­ver­läs­sig. Das na­mens­ge­ben­de »Gol­den Hor­se« war ein See­pferd, er­sicht­lich an­hand ei­ner Zif­fer­blat­t­ap­pli­ka­ti­on in Form zwei­er ein­an­der zu­ge­wand­ter See­pfer­de. Ei­ne zwei­te Be­son­der­heit fand sich ab 1958 un­ter dem Zwölf-uhr-in­dex – ein dreh­ba­rer An­ker im Mi­nia­tur­for­mat. Er dien­te nicht nur als Mar­ken­lo­go, son­dern war gleich­zei­tig die ers­te Ser­vice-in­ter­val­l­an­zei­ge ei­ner me­cha­ni­schen Arm­band­uhr. Wenn der An­ker nicht mehr ein­wand­frei der Schwer­kraft folg­te und blo­ckier­te, be- nö­tig­te das Uhr­werk ei­nen Ser­vice. Prä­zi­se war die­se An­zei­ge nicht – zu­mal heu­te Uh­ren­samm­ler und Bast­ler den An­ker meist irr­tüm­lich mit ei­nem Trop­fen Öl end­gül­tig in sei­ner Be­we­gung hem­men.

Rado-vin­ta­ge-uh­ren sind schwer zu krie­gen

Größ­ter Be­liebt­heit er­freu­ten sich Rado-uh­ren da­mals in asia­ti­schen und ara­bi­schen Län­dern. Dort wur­den gro­ße Stück­zah­len ver­kauft und fin­den sich heu­te noch in Be­nut­zung oder auf dem Ge­brauchtuh­ren­markt. Die­se Uh­ren sind al­ler­dings in ei­nem ent­spre­chend schlech­ten Zu­stand, ge­schul­det der ho­hen Luft­feuch­tig­keit und schwit­zen­den Uh­ren­trä­gern. Ver­ros­te­te Werk­t­ei­le, an­ge­grif­fe­ne Ge­häu­se und an­ge­lau­fe­ne Zif­fer­blät­ter sind die Fol­ge. Oft­mals wur­den die Uh­ren da­her re­stau­riert. Neu be­druck­te und la­ckier­te Zif­fer­blät­ter so­wie zu­sam­men­ge­wür­fel­te Ein­zel­tei­le mach­ten die Uh­ren zu op­ti­schen Blen­dern, die kei­nen Wert be­sit­zen. Zwi­schen 50 und 100 Eu­ro kann ei­ne sol­che Uhr kos­ten, so­fern das Werk noch sei­ner Ar­beit nach­kommt. Wirk­lich gut er­hal­te­ne und kom­plett ori­gi­na­le Ex­em­pla­re sind schwer zu fin­den und kos­ten zwi­schen 200 und 500 Eu­ro.

Spe­zi­el­le Werk­stof­fe zeich­nen Uh­ren von Rado aus

1962 ging die Rado- Ge­schich­te wei­ter. Die Dia Star 1 wur­de prä­sen­tiert, ei­ne Uhr mit ei­nem Ge­häu­se aus Wolf­ram­car­bid und ei­nem Sa­phir­deck­glas. Da­mit ist die Uhr fast so hart wie ein Dia­mant. Das Ge­häu­se ist sehr rund ge­hal­ten, die Lü­net­te breit: Wie ein Tre­sor soll­te die Uhr der Um­welt trot­zen. Der Ent­wick­lungs­auf­wand war im­mens, denn der neue Werk­stoff er­for­der­te ein weit­rei­chen­des Um­den­ken bei den ein­ge­setz­ten Ma­schi­nen und Werk­zeu­gen. Par­al­lel folg­ten an­de­re Mo­del­le den mo­di­schen Strö­mun­gen der 1960erJah­re. Da­zu zählt die Rado Man­hat- tan, ei­ne recht­ecki­ge Uhr aus Edel­stahl und tat­säch­lich dem kan­ti­gen Charme von New Yorks be­kann­tes­tem Stadt­teil. Auch die­ses Mo­dell ist in her­vor­ra­gen­dem Zu­stand kaum zu be­kom­men, die Prei­se lie­gen hier zwi­schen 150 und 600 Eu­ro. Noch we­sent­lich sel­te­ner ist die Rado Ca­pe Horn, die in der Op­tik den TVS­creen-uh­ren der 1960er-jah­re folgt.

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