Ele­gan­te Uh­ren

Preis­ka­te­go­rie bis 3 000 Eu­ro/bis 5 000 Eu­ro/bis 10 000 Eu­ro

Uhren-Magazin - - Inhalt - Text — Mar­ti­na Rich­ter Fo­tos — Ok-pho­to­gra­phy

Ele­ganz ist ei­ne sub­jek­ti­ve Be­trach­tung. Wie Frédé­ri­que Con­stant, Lon­gi­nes und Mont­blanc das bei ih­ren Uh­ren se­hen, un­ter­sucht un­ser Ver­gleichs­test.

Die­se drei Uh­ren ge­ben auf die Fra­ge nach dem We­sen der Ele­ganz ganz un­ter­schied­li­che Ant­wor­ten. Muss es ein Gold­ge­häu­se sein, sind die in­ne­ren Wer­te wich­tig oder tri­um­phiert eher ge­stal­te­ri­sche Aus­drucks­stär­ke? Un­ser Ver­gleich der Mo­del­le von Frédé­ri­que Con­stant, Lon­gi­nes und Mont­blanc zeigt, wor­auf es an­kommt.

——— »Ele­ganz ist das, was meis­tens und am meis­ten fehlt.« Mit die­sem Satz be­ginnt ein State­ment je­ner gleich­na­mi­gen Kon­fe­renz wäh­rend der Ber­lin De­sign Week 2014. Ele­ganz sei schwer auf ei­nen Be­griff zu brin­gen, weil sie Be­we­gung ist. So kann ei­ne Lö­sung als »ele­gant« gel­ten, weil sie vie­le Funk­tio­nen auf kleins­tem Raum ver­eint. An­de­rer­seits be­schreibt »ele­gan­tes« Auf­tre­ten oder Aus­se­hen – ei­ner Uhr zum Bei­spiel – die Re­duk­ti­on auf das We­sent­li­che. Mey­ers Gro­ßes Kon­ver­sa­ti­ons-le­xi­kon de­fi­niert Ele­ganz als »das­je­ni­ge, was den Ein­druck des Wohl­ge­fäl­li­gen macht«.

Frédé­ri­que Con­stant macht bei der Clas­sic Ma­nu­fac­tu­re das Wohl­ge­fäl­li­ge an Guil­lochie­run­gen auf dem Zif­fer­blatt und auf­ge­druck­ten rö­mi- sche Zif­fern fest. Glei­ches bei Mont­blanc: Die Star Clas­sic Da­te Au­to­ma­tic ziert ein Zif­fer­blatt mit tra­di­tio­nel­lem »Flin­qué«-Guil­lo­che. Zu­dem sind die drei ara­bi­schen Zif­fern so­wie die In­di­zes schma­ler ge­hal­ten als bei an­de­ren Mo­del­len der Kol­lek­ti­on.

Bei Lon­gi­nes steht die 2005 ein­ge­führ­te Mas­ter Collec­tion für Ele­ganz schlecht­hin, die bei un­se­rer Te­stuhr durch ein Zif­fer­blatt mit ara­bi­schen Zif­fern und ge­bläu­ten Blatt­zei­gern über ei­nem Gers­ten­kornMus­ter zum Aus­druck kommt.

Mont­blanc ver­wen­det die glei­che Zei­ger­form, al­ler­dings pas­send zu den Zif­fern- und In­dex-ap­pli­ken in rot­v­er­gol­de­ter Aus­füh­rung. Ei­ne ele­gan­te Lö­sung ist das Mont­blan­cLo­go am kur­zen En­de des Se­kun­den­zei­gers, wäh­rend das lang ge­zo­ge­ne Wo­chen­tag/da­tum-fens­ter und die ab­ge­schnit­te­ne Drei bei Lon­gi­nes we­ni­ger ele­gant wir­ken. Da macht es Frédé­ri­que Con­stant bes­ser und lässt die Zif­fern Fünf bis Sie­ben zu­guns­ten des Zei­ger­da­tums weg. Wäh­rend hier Bre­guet-zei­ger und rö­mi­sche Zif­fern Ele­ganz im Re­tro-stil ver­sprü­hen, wirkt das Zif­fer­blatt mit sei­nen ver­schie­de­nen Schlif­fen und Ska­len an­de­rer­seits leicht über­la­den.

Ables­bar sind al­le drei Uh­ren an­ge­sichts funk­tio­na­ler Be­schei­den­heit glei­cher­ma­ßen gut – zu­min­dest am Ta­ge. Ob Leucht­mit­tel zu­guns­ten der Ele­ganz weg­fal­len soll­ten, ist durch­aus streit­bar. Die Her­stel­ler un­se­rer Te­stuh­ren ent­schei­den sich da­zu, wo­mit kei­ne der drei bei Dun­kel­heit ables­bar ist – kei­ne ele­gan­ten Lö­sun­gen im Sin­ne der Funk­tio­na­li­tät.

Als durch­aus funk­tio­nal er­weist sich die klei­ne ele­gan­te Zwie­bel­kro­ne der Mont­blanc-uhr. Sie passt schön zum fla­chen Bi­co­lor- Ge­häu­se, lässt sich sehr gut fas­sen und für die ein­zel­nen Be­di­en­funk­tio­nen ge­brau­chen. Das drei­tei­li­ge Ge­häu­se sieht – von der Sei­te aus be­trach­tet – wie ein Ufo aus. Es ver­jüngt sich zum Sa­phirglas­bo­den hin, wirkt da­durch noch fla­cher als es oh­ne­hin schon ist, und sitzt nicht zu­letzt we­gen der sich en­er­gisch nach un­ten nei­gen­den Band­an­stö­ße char­mant am Hand­ge­lenk. Das En­sem­ble kom­plet­tiert ein schwar­zes Al­li­ga­tor­le­der­band, an dem ei­ne schlich­te Dorn­schlie­ße den ele­gan­ten Auf­tritt voll­endet.

Ele­ganz und Funk­tio­na­li­tät schlie­ßen ein­an­der nicht aus

Lon­gi­nes und Frédé­ri­que Con­stant ver­wen­den Falt­schlie­ßen an ih­ren Le­der­bän­dern, wo­bei der zwei­far­bi­ge Auf­tritt der Lon­gi­nes-dop­pel­falt­schlie­ße ei­gen­wil­lig an­mu­tet. Der im ge­schlos­se­nen Zu­stand sicht­ba­re Teil ist ver­gol­det, wäh­rend das Lon­gi­nesGe­häu­se aus 18-ka­rä­ti­gem Ro­sé­gold ge­fer­tigt ist. Es ist ge­schmei­dig, aber ar­chi­tek­to­nisch bei wei­tem nicht so in­ter­es­sant wie das der Mont­blan­cUhr, und auch die ge­rän­del­te Kro­ne ist nicht so gut zu grei­fen wie die Zwie­bel­kro­ne der Mont­blanc.

Die­se Zwie­bel­form fin­det man bei Frédé­ri­que Con­stant wie­der – ent­spre­chend der Uhr je­doch mit weit­aus grö­ße­ren Aus­ma­ßen. Was nicht heißt, dass sie des­halb bes­ser zu ge­brau­chen ist – ganz im Ge­gen­teil. Das

drei­tei­li­ge Ge­häu­se ist le­dig­lich ver­gol­det, was für die Clas­sic Ma­nu­fac­tu­re zu ei­nem weit­aus güns­ti­ge­ren Preis ge­gen­über Lon­gi­nes und Mont­blanc führt. Die Tat­sa­che, dass in der Frédé­ri­que Con­stant-uhr auch noch ein Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber tickt, macht sie preis­lich un­schlag­bar.

Durch ei­nen ver­schraub­ten Sa­phirglas­bo­den schaut man auf das ver­gleichs­wei­se gro­ße Frédé­ri­queCon­stant-ka­li­ber FC-710. Das zwei­te Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber des Hau­ses wur­de als Ba­sis­ka­li­ber für er­schwing­li­che Zeit­mes­ser kon­zi­piert und stellt seit 2012 den Ein­stieg in die Ma­nu­fac­tu­re-kol­lek­ti­on dar. Da­für hat es ei­ne Men­ge zu bie­tet. Schaut man durch den Glas­bo­den, ent­deckt man al­ler­hand Schlif­fe und ge­bläu­te Schrau­ben so­wie ei­ne in­ter­es­san­te Brü­cken­kon­struk­ti­on über der Un­ruh. Auch die Gang­wer­te kön­nen sich se­hen las­sen. Das Ka­li­ber FC-710 legt in un­se­rem Test die bes­ten Re­sul­ta­te vor und läuft im Durch­schnitt und in den ein­zel­nen La­gen recht aus­ge­wo­gen.

Gu­te Gang­wer­te sind Ele­ganz in der Be­we­gung

Das kann man vom Sel­li­ta-ba­sier­ten Mont­blanc-ka­li­ber MB 24.09 lei­der nicht be­haup­ten. Bei Voll­auf­zug weicht die Uhr in ih­rem durch­schnitt­li­chen Gang zwar kaum ab, schwankt al­ler­dings zwi­schen den ein­zel­nen La­gen er­heb­lich und geht mit ab­lau­fen­der Gan­g­re­ser­ve und im Tra­ge­test merk­lich nach. Hin­ter dem Spreng­de­ckel wirkt das Uhr­werk mit sei­nen fei­nen Schlif­fen recht edel.

Das Eta-ba­sier­te Lon­gi­nes-ka­li­ber L636.5 zeigt sich eben­falls mit ver­schie­de­nen Schlif­fen und ei­nem ver­gol­de­ten Ro­tor. Die Uhr geht zwi­schen 6,3 Se­kun­den bei Voll­auf­zug und 5,2 Se­kun­den nach 24 St­un­den Gang­dau­er vor und läuft da­mit zwar aus­ge­wo­gen, aber doch nicht ganz so gut wie das Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber von Frédé­ri­que Con­stant.

Ele­ganz ist kei­ne Mo­de, son­dern gu­ter Ge­schmack

Die Clas­sic Ma­nu­fac­tu­re ist zwar mit ih­ren üp­pi­gen Ma­ßen nicht die ele­gan­tes­te Uhr in die­sem Ver­gleich, bie­tet aber Ge­win­de­schraub­bo­den, fünf Bar Druck­fes­tig­keit, Falt­schlie­ße und ein Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber mit gu­ten Gang­wer­ten und zeigt so­mit ein ele­gan­tes Preis-leis­tungs-ver­hält­nis.

Von die­ser Sei­te her be­trach­tet, hat die Mont­blanc Star Clas­si­que Da­te Au­to­ma­tic das we­nigs­te zu bie­ten. Mit le­dig­lich ei­ner gol­de­nen Lü­net­te ist sie ge­gen­über der rot­gol­de­nen Lon­gi­nes ver­gleichs­wei­se teu­er und selbst in Edel­stahl liegt sie preis­lich noch über der Frédé­ri­que Con­stant, wo­bei sie nur mit ei­nem Stan­dard­ka­li­ber aus­ge­stat­tet ist, das zu­dem noch ziem­lich un­aus­ge­wo­gen läuft. Da­für hat sie hin­sicht­lich äu­ße­rer Ele­ganz die Na­se weit vorn. Die Lon­gi­nes-uhr aus der Mas­ter Collec­tion ran­giert in die­ser Hin­sicht hin­ter der Mont­blanc und be­züg­lich tech­ni­scher Aus­stat­tung hin­ter Frédé­ri­que Con­stant. Ih­ren hö­he­ren Preis recht­fer­tigt das Gold­ge­häu­se. Der Ver­gleich zeigt: Ele­ganz ent­steht durch ver­schie­de­ne Wer­te, die dem »Ge­schmack der an­de­ren« ent­spre­chen, wie Ar­thur Schnitz­ler einst be­merk­te. ———

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