Rolex Daytona

Preis­ka­te­go­rie bis 20 000 Eu­ro

Uhren-Magazin - - Inhalt - Text — Jens Koch Fo­tos — Mar­cus Krü­ger

Die neue Daytona in Edel­stahl ist der­zeit die be­gehr­tes­te Uhr der Welt. Wir tes­ten ei­nes der ers­ten in Deutsch­land aus­ge­lie­fer­ten Ex­em­pla­re.

——— War­ten hat Tra­di­ti­on bei der Daytona. Schon frü­her wa­ren für die Stahl­ver­si­on beim Ju­we­lier Lis­ten mit zehn Jah­ren War­te­zeit kei­ne Sel­ten­heit. Rolex hat die Pro­duk­ti­on sei­nes Chro­no­gra­phen in Stahl be­wusst ge­ring ge­hal­ten. Die Leu­te soll­ten lie­ber die Gold- oder Bi­co­lor­va­ri­an­ten kau­fen, an de­nen die Gen­fer mehr ver­die­nen. Aus zwei­ter Hand wa­ren da­her die Bi­co­lor­ver­sio­nen güns­ti­ger als die Stahl­uh­ren.

Nach vie­len Preis­er­hö­hun­gen wur­den die Auf­prei­se für ge­brauch­te Stahl­mo­del­le ge­rin­ger und da­mit auch die War­te­lis­ten – bis Rolex 2016 nach­leg­te und die Stahl­ver­si­on mit ei­ner Ke­ra­mik­lü­net­te prä­sen­tier­te. Bei Rot­gold­mo­del­len gab es die­se Lü­net­te schon län­ger, und sie zier­te auch die Pla­tin-daytona zum 50. Ju­bi­lä­um im Jahr 2013. Es ist al­so kei­ne be­son­de­re Über­ra­schung, die­se Lü­net­te nun bei den Stahl­mo­del­len zu fin­den, denn Rolex geht oft so vor, dass Neue­run­gen zu­erst bei den mar­gen­star­ken Gold­mo­del­len kom­men und ei­ni­ge Jah­re spä­ter dann in den Stahl­va­ri­an­ten über­nom­men wer­den.

An­ge­fan­gen hat die Ge­schich­te der Daytona aber na­tür­lich mit ei­nem Stahl­mo­dell: 1963 wur­de der Chronograp­h mit Ta­chy­me­ter­ska­la auf der Lü­net­te vor­ge­stellt. Ab 1965 gab es Mo­del­le mit ver­schraub­ten Drü­ckern und schwar­zer Ple­xi­glas­lü­net­te für die Ta­chy­me­ter­ska­la. Der Au­to­ma­tik­auf­zug kam 1988 da­zu, als Rolex das El-pri­me­ro-ka­li­ber von Ze­nith in mo­di­fi­zier­ter Form ein­schal­te, und die Fre­quenz von 36 000 auf 28800 Halb­schwin­gun­gen pro St­un­de re­du­zier­te. Im Jahr 2000 hat­te Rolex ein ei­ge­nes Au­to­ma­tik­chro­no­gra­phen­werk fer­tig ent­wi­ckelt: das Ka­li­ber 4130. Ro­bust­heit, Gang­ge­nau­ig­keit und ei­ne ho­he Gan­g­re­ser­ve stan­den im Vor­der­grund bei der Kon­struk­ti­on. Da­mit stam­men nun al­le Ro­l­exWer­ke aus ei­ge­ner Fer­ti­gung.

Die Daytona hat­te als ein­zi­ger Chronograp­h von Rolex im­mer ei­ne Son­der­stel­lung. Jahr­zehn­te­lang war sie die kom­pli­zier­tes­te Uhr, die man von der Mar­ke mit der Kro­ne kau­fen konn­te. Das än­der­te sich 2007, als die Yacht-mas­ter II mit Re­gat­ta­chro­no­graph vor­ge­stellt wur­de. Die­se Uhr ist al­ler­dings von den Funk­tio­nen und vom De­sign ganz auf den Se­gel­sport aus­ge­legt und er­reicht nicht so vie­le Käu­fer wie die Iko­ne Daytona mit dem Au­to­mo­bil­sport­the­ma.

Über­ra­schung am Hand­ge­lenk

Wenn man die Daytona trägt, wirkt sie erst ein­mal er­staun­lich ele­gant. Sie ist flach, und das Licht spielt auf In­di­zes, Zei­gern und den po­lier­ten Par­ti­en des Ge­häu­ses. Auch das Zif­fer­blatt, die Lü­net­te und das nicht ent­spie­gel­te fla­che Sa­phirglas glän­zen im Licht. Vor al­lem bei der Ver­si­on mit schwar­zem Zif­fer­blatt, die wir ge­tes­tet ha­ben, spie­gelt al­so ei­ni­ges.

Die neue Ta­chy­me­ter­lü­net­te aus Ke­ra­mik, wel­che die Edel­stahl­lü­net­te ab­löst, hat meh­re­re Vor­tei­le. Sie ist kratz­fes­ter und ver­hin­dert die bei der Daytona an die­ser Stel­le vor­her auf­fäl­lig sicht­ba­ren All­tags­spu­ren. Au­ßer­dem ver­bes­sert sie die Ables­bar­keit, da die Ska­la auf dem po­lier­ten Edel­stahl oft nicht gut zu er­ken-

Die neue Daytona in Edel­stahl mit Ke­ra­mik­lü­net­te ist zur­zeit die be­gehr­tes­te Uhr der Welt. Wir ha­ben ei­nes der ers­ten in Deutsch­land aus­ge­lie­fer­ten Ex­em­pla­re ge­tes­tet. Lohnt sich das jah­re­lan­ge War­ten?

nen war. Und vor al­lem sieht die Lü­net­te viel bes­ser aus. Rolex fräst die Ska­la in die Ke­ra­mik und lässt an­schlie­ßend im Pvd-ver­fah­ren Pla­tin in den Ver­tie­fun­gen ab­la­gern.

Die mat­te Ober­flä­che des hel­len Pla­tins und die po­lier­te Ober­flä­che der dunk­len Ke­ra­mik he­ben sich op­ti­mal von­ein­an­der ab. Die Verar- bei­tung ist so prä­zi­se, dass es auch mit ei­ner gu­ten Lu­pe Freu­de macht, sich die Lü­net­te an­zu­se­hen.

Klar­lack auf dem Zif­fer­blatt, blaue Spi­ra­le im Werk

Das gilt im Grun­de auch für die an­de­ren Tei­le der Uhr: Ge­häu­se, Arm­band, Zei­ger. Nur beim Zif­fer­blatt ge- fällt es nicht je­dem, dass Rolex den Klar­lack stets erst nach dem Boh­ren der Zei­ger­lö­cher auf­trägt, so­dass sich dort Ver­tie­fun­gen bil­den. Die Rin­ge um die Hilfs­zif­fer­blät­ter sind nun et­was fei­ner sa­ti­niert, an­sons­ten blieb beim De­sign al­les beim Al­ten. Im De­tail feilt Rolex al­ler­dings und ver­bes­sert fast un­merk­lich: So ist der Öff­nungs­bü­gel der Schlie­ße nun et­was mo­di­fi­ziert und er­zeugt so kei­ne Kratz­spu­ren mehr beim Öff­nen.

We­nig ver­än­dert hat sich auch am Werk. Das Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber 4130 be­saß bei sei­ner Ein­füh­rung 2000 als ers­tes Werk die Pa­rachrom-spi­ral­fe-

der aus der von Rolex ent­wi­ckel­ten Ni­ob-zir­ko­ni­um-le­gie­rung. Sie re­agiert nicht auf Ma­gnet­fel­der und soll Stö­ße deut­lich bes­ser ver­kraf­ten.

Im Jahr 2005 stell­te Rolex die ver­bes­ser­te Ver­si­on der Spi­ral­fe­der vor. Durch Oxi­da­ti­on soll­te die Ober­flä­che si­che­rer vor Um­welt­ein­flüs­sen ge­schützt sein, und so ent­steht auch die cha­rak­te­ris­ti­sche blaue Far­be. Seit et­wa 2007 fin­det sich die blaue Un­ruh­spi­ral­fe­der in der Daytona.

Ge­blie­ben sind auch die mo­der­ne ver­ti­ka­le Kupp­lung, die ein prä­zi­ses Star­ten des Stopp­se­kun­den­zei­gers ga­ran­tiert, das Schalt­rad, das die Be­die­nungs­kräf­te der Drü­cker ge­ring hält, und die für Rolex ty­pi­sche Un­ruh­brü­cke, die die Sta­bi­li­tät er­höht. Er­freu­lich hoch fällt mit 72 St­un­den die Gang­au­to­no­mie aus.

Das Werk ver­fügt wie im­mer bei Rolex über ein Chro­no­me­ter­zer­ti­fi­kat der COSC. 2015 hat Rolex zu­sätz­lich ei­nen neu­en Stan­dard ein­ge­führt, der weit über die Chro­no­me­ter­an­for­de­run­gen hin­aus­geht. An der fer­tig mon­tier­ten Uhr wer­den die Was­ser­dicht­heit, die Auf­zugs­leis­tung und die Gan­g­re­ser­ve ge­tes­tet. Vor al­lem darf die Uhr am Tag nur zwei Se­kun­den vor- oder nach­ge­hen. Am Hand­ge­lenk er­reicht die ge­tes­te­te Daytona die­se Wer­te lo­cker: Je nach­dem, ob

man die Uhr nachts ab­legt oder beim Schla­fen trägt, weicht sie zwi­schen mi­nus 0,5 und null Se­kun­den am Tag ab. Und auch auf der Zeit­waa­ge bleibt sie mit ei­ner durch­schnitt­li­chen Ab­wei­chung von mi­nus 0,2 Se­kun­den oh­ne Chronograp­h und null Se­kun­den mit Chronograp­h äu­ßerst prä­zi­se. Die größ­te Ab­wei­chung zwi­schen den La­gen ist mit drei Se­kun­den eben­falls nied­rig. Die stren­ge Kon­trol­le lohnt sich al­so.

An­ge­bot und Nach­fra­ge

Die Pa­ra­de­dis­zi­pli­nen von Rolex be­herrscht die Daytona al­so: Gang­ge­nau­ig­keit, Qua­li­tät, All­tags­taug­lich­keit und ein De­sign, das nur mi­ni­mal ver­än­dert wer­den muss, da es schon Iko­nen­sta­tus er­reicht hat. Das PreisLeis­tungs-ver­hält­nis passt eben­falls. Bei ei­ner Uhr, die so sel­ten und be­gehrt ist, dass ei­nem mehr­mals am Tag ei­ni­ge Tau­send Eu­ro mehr ge­bo- ten wer­den, als man be­zahlt hat, spielt das al­ler­dings kei­ne ganz so gro­ße Rol­le. Trotz­dem ist es be­dau­er­lich, dass Rolex auf die ho­he Nach­fra­ge nicht mit ei­ner Stei­ge­rung der Pro­duk­ti­on re­agiert und so auch Spe­ku­lan­ten auf den Plan ruft, die die Uhr nur kau­fen, um sie so­fort wie­der teu­rer zu ver­äu­ßern. Aber das spricht na­tür­lich nicht ge­gen die Daytona an sich.

Wä­re Rolex App­le, dann hät­te die Ma­nu­fak­tur die Te­stuhr wahr­schein­lich mit den Wor­ten vor­ge­stellt: »Die neue Daytona ist die bes­te, die wir je ge­baut ha­ben.« Und da­mit hät­te die Mar­ke trotz der nur ge­rin­gen Än­de­run­gen recht ge­habt. Denn die Ke­ra­mik­lü­net­te macht die Daytona krat­zu­n­emp­find­li­cher und schö­ner. Das War­ten lohnt sich al­so. ———

De­si­gni­ko­ne: Mit der schwar­zen Ke­ra­mik­lü­net­te ist die Oyster Per­pe­tu­al Cosmograph Daytona

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