Bul­ga­ri

Preis­span­ne zwi­schen 2900 Eu­ro und 167000 Eu­ro

Uhren-Magazin - - Inhalt - Text — Ka­trin Ni­ko­laus Fo­tos — Her­stel­ler

In we­ni­gen Jah­ren hat sich die Schwei­zer Mar­ke mit ita­lie­ni­schen Wur­zeln zur voll­wer­ti­gen Ma­nu­fak­tur ent­wi­ckelt. Wir ha­ben uns die Pro­duk­ti­on vor Ort an­ge­se­hen.

——— Wer be­haup­tet, ita­lie­ni­sche Ele­ganz und Gran­dez­za ver­tra­ge sich nicht mit dem kon­se­quen­ten Ver­fol­gen und der ef­fi­zi­en­ten Um­set­zung ei­ner Stra­te­gie, der kennt die jüngs­te Ent­wick­lung von Bul­ga­ri nicht.

Das rö­mi­sche Un­ter­neh­men hat sich in­ner­halb von rund zehn Jah­ren zu ei­ner Uh­ren­ma­nu­fak­tur ent­wi­ckelt, die nicht nur über ei­ge­ne Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber ver­fügt, son­dern auch 95 Pro­zent al­ler Tei­le selbst her­stellt. »Au­ßer Arm­bän­dern aus Al­li­ga­tor­le­der ma­chen wir so ziem­lich al­les«, stellt Gui­do Ter­re­ni, bei Bul­ga­ri ver­ant­wort­lich für das Uh­ren­ge­schäft, fest. Dass ein Un­ter­neh­men heu­te in der Schweiz ei­ne so star­ke Pro­duk­ti­ons­ba­sis auf­baut, ist in der jün­ge­ren Ge­schich­te der Schwei­zer Uh­ren­in­dus­trie bei­spiel­los. Da­bei kann man nicht be­haup­ten, dass Uh- ren für das Un­ter­neh­men et­was Neues sind. Bul­ga­ri hat be­reits seit den 1930er-jah­ren Zeit­mes­ser im An­ge­bot, al­ler­dings im­mer in Ko­ope­ra­tio­nen mit nam­haf­ten Schwei­zer Wer­ke­pro­du­zen­ten, die die ele­gan­ten Krea­tio­nen zum Ti­cken brin­gen. Denn Bul­ga­ri ist vor al­lem ei­nes der größ­ten Ju­we­lier­häu­ser der Welt. Wie die Uhr­wer­ke be­schaf­fen sind, wer die Ein­zel­tei­le her­stellt – das in-

Bul­ga­ri hat sich in we­ni­gen Jah­ren zu ei­nem Schwei­zer Uh­ren­her­stel­ler mit gro­ßer Pro­duk­ti­ons­tie­fe ent­wi­ckelt. Der Stil ist aber im­mer noch rö­misch. Die­se Kom­bi­na­ti­on ist ein­zig­ar­tig in der Uh­ren­welt.

ter­es­siert lan­ge Zeit kaum je­man­den bei Bul­ga­ri. Ers­te Schrit­te zur Ma­nu­fak­tur­pro­duk­ti­on fol­gen (sie­he Kas­ten), und in den Nul­ler-jah­ren kauft Bul­ga­ri sich in meh­re­re Her­stel­ler von un­ter an­de­rem Wer­ken ein. Ab 2009 über­nimmt das ita­lie­ni­sche Un­ter­neh­men sei­ne Schwei­zer Lie­fe­ran­ten wie den Arm­band­her­stel­ler Pres­ti­ge d’or, die Zif­fer­blatt­fa­brik Ca­dran De­sign und den Ge­häu­se­spe­zia­lis­ten Fin­ger zu hun­dert Pro­zent und in­te­griert sie voll­stän­dig in das Un­ter­neh­men Bul­ga­ri.

Die Pro­duk­ti­ons­stät­ten von Bul­ga­ri lie­gen im Schwei­zer Ju­ra

So kommt es, dass man Zeit und ei­nen Chauf­feur braucht, der sich im Schwei­zer Ju­ra aus­kennt, wenn man al­le Pro­duk­ti­ons­stät­ten von Bul­ga­ri be­su­chen will. Von Neu­châ­tel aus, wo sich der Haupt­sitz be­fin­det, geht es nach Sai­gnelé­gier, das et­wa ei­ne St­un­de ent­fernt liegt. Hier be­fin­det sich die Ge­häu­se- und Arm­band­pro- duk­ti­on. Heu­te fer­ti­gen rund 80 Per­so­nen Ge­häu­se und Arm­bän­der in Stahl, Gold, Pla­tin und Ti­tan.

Mo­derns­te Ma­schi­nen be­rei­ten den Weg zu ei­nem ech­ten Bul­ga­riGe­häu­se. Die meis­ten Schrit­te er­fol­gen au­to­ma­ti­siert, aber wenn es an die Po­li­tur geht, le­gen die Spe­zia­lis­ten an je­dem ein­zel­nen Ge­häu­se Hand an. »Wie­viel Hand­ar­beit in ei­nem Ge­häu­se steckt, kommt auf das Mo­dell an«, er­klärt Pas­cal Brandt. Der ehe­ma­li­ge Uh­ren­jour­na­list ar­bei­tet heu­te in der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ab­tei­lung von Bul­ga­ri. Die Oc­to bei­spiels­wei­se, mit ih­rer acht­ecki­gen Ge­häu­se­form, über­for­dert mit ih­ren 110 Fa­cet­ten je­de Ma­schi­ne und wird kom­plett von Hand po­liert. Trotz die­ses ho­hen An­teils an Hand­ar­beit hat Bul­ga­ri in den letz­ten fünf Jah­ren die Pro­duk­ti­on er­heb­lich ge­stei­gert.

Wei­ter geht es in La Chaux-deFonds, wo sich die Zif­fer­blatt­fa­brik be­fin­det. Sie liegt nur 20 Ki­lo­me­ter von Neu­châ­tel ent­fernt. Vie­le der gro- ßen Uh­ren­ma­nu­fak­tu­ren, die stolz auf ih­re Pro­duk­ti­ons­tie­fe sind, las­sen die Zif­fer­blät­ter doch ger­ne von Spe­zia­lis­ten zu­lie­fern. War­um, wird beim Be­such der Fa­b­rik von Bul­ga­ri schnell klar: Hier sind gro­ßes Know-how und ein mo­der­ner Ma­schi­nen­park ge­fragt. Bei Bul­ga­ri spielt das Zif­fer­blatt so­wohl äs­the­tisch als auch tech­nisch ge­se­hen ei­ne gro­ße Rol­le.

En­ge Zu­sam­men­ar­beit der Ab­tei­lun­gen für mehr Per­fek­ti­on

Spä­tes­tens jetzt wird klar, war­um die In­te­gra­ti­on al­ler frü­he­ren Zu­lie­fe­rer ab­so­lut Sinn macht: »Wenn man bei ei­nem Her­stel­ler ei­ni­ge Tau­send Zif­fer­blät­ter be­stellt, spielt man in sei­ner Pro­duk­ti­on nur ei­ne sehr klei­ne Rol­le«, er­klärt Bul­ga­ris Uh­ren­chef

Gui­do Ter­re­ni. Meist be­deu­tet es, dass man ein fer­ti­ges Kon­zept ab­lie­fern muss, wel­ches ter­min­ge­recht um­ge­setzt und ge­lie­fert wird. Bei ei­ner In­hou­se-pro­duk­ti­on kön­nen al­le re­le­van­ten Ab­tei­lun­gen wie De­sign, Mar­ke­ting und Pro­duk­ti­on zu­sam­men­ar­bei­ten und das Pro­dukt op­ti­mie­ren. Kon­kret sieht das so aus: In La-chaux-de-fonds fer­ti­gen die Zif­fer­blatt­spe­zia­lis­ten aus dem De­si­gnKon­zept ei­ne technische Zeich­nung an, mit Hil­fe de­rer ein Bleis­tem­pel her­ge­stellt wird. Am wei­chen Blei­mus­ter ver­bes­sern die Ex­per­ten das Re­lief und die Pro­por­tio­nen. Funk­tio­niert das Kon­zept über­haupt nicht, muss die De­si­gnab­tei­lung wie­der ran. Schließ­lich fin­den al­le Be­tei­lig­ten ei­ne Lö­sung und die Aus­stanz­for­men wer­den im Haus ge­fer­tigt. Für ein la­ckier­tes Zif­fer­blatt sind vie- le Ar­beits­schrit­te nö­tig: Die klei­nen Schei­ben aus Mes­sing wer­den grun­diert und dann bis zu 25-mal in Lack ge­taucht. An­schlie­ßend wer­den die Lack­schich­ten im Ofen ge­här­tet. Des­sen Tem­pe­ra­tur steigt in­ner­halb von acht St­un­den von Raum­tem­pe­ra­tur bis auf 450 Grad an. Mit ei­nem Stem­pel wer­den die wei­ßen Schrift­zü­ge »Bul­ga­ri« und »Swiss Ma­de« auf­ge­bracht. Auch Zif­fern und In­di­zes stellt das Un­ter­neh­men selbst her.

In Le Sen­tier im be­rühm­ten Uhr­ma­cher­tal Val­lée de Joux fer­tigt Bul­ga­ri mit­hil­fe ei­nes na­gel­neu­en Ma­schi­nen­parks sei­ne Roh­kom­po­nen­ten für Wer­ke. Je­des Sch­räub­chen, je­de Brü­cke wird in die­ser Ab­tei­lung bis zum End­zu­stand be­ar­bei­tet, das heißt po­liert und de­ko­riert. Dies ist durch­aus nicht selbst­ver­ständ­lich in der Uh­ren­her­stel­lung, wo bis heu­te vie­le Tei­le ki­lo­me­ter­weit zwi­schen Pro­duk­ti­ons­stät­ten hin und her trans­por­tiert wer­den. Es sind sol­che Kon­zen­tra­ti­ons­schrit­te, die Bul­ga­ri ef­fek­ti­ver ma­chen: »Vor ei­nem Jahr ha­ben wir noch sechs Mo­na­te ge­braucht, bis ei­ne Uhr im La­den lag. Heu­te sind es nur noch

VON SCHMUCKUHR­EN ZUR HAU­TE HOR­LO­GE­RIE Seit dem Be­ginn als Ju­we­lier hat sich Bul­ga­ri im Lau­fe der letz­ten Jah­re zu ei­ner Uh­ren­ma­nu­fak­tur mit gro­ßer Pro­duk­ti­ons­tie­fe ent­wi­ckelt.

drei Mo­na­te und wir wol­len noch bes­ser wer­den«, er­klärt Ter­re­ni. Jetzt ha­be man die Pro­duk­ti­ons­zeit der kom­ple­xen Uh­ren im Vi­sier, die zur­zeit noch bis zu ein Jahr dau­ert.

War­um dies so ist, wird im Ate­lier für die Uh­ren mit Schlag­werk deut­lich. Ex­tra fla­che Re­pe­ti­ti­ons­uh­ren sind ein Al­lein­stel­lungs­merk­mal von Bul­ga­ri, das mit der Oc­to Fi­nis­si­mo Mi­nu­ten­re­pi­ti­ton, de­ren Tit­an­ge­häu­se nur 6,85 Mil­li­me­ter hoch ist, den Welt­re­kord hält. Im Val­lée de Joux wer­den die Uh­ren mit Re­pe­ti­ti­on so­wie die Mo­del­le mit klei­nen Kom­pli­ka­tio­nen auch ins Ge­häu­se ge­setzt und ge­hen dann zur end­gül­ti­gen Fer­tig­stel­lung nach Neu­châ­tel. Al­le an­de­ren Uh­ren wer­den erst in Neu­châ­tel zu­sam­men­ge­baut. »Un­se­re ge­sam­te Uh­ren­pro­duk­ti­on ist wie ein Orches­ter, bei dem al­le Mit­wir- ken­den sehr fein auf­ein­an­der ab­ge­stimmt ar­bei­ten«, er­klärt Ter­re­ni. So er­ge­ben De­sign und Tech­nik die­se ty­pi­sche Bul­ga­ri-mi­schung aus Ele­ganz, Opu­lenz und Funk­tio­na­li­tät. »Frü­her ging es bei Uh­ren von Bul­ga­ri vor al­lem um das De­sign, aber jetzt sind wir in der Preis­spar­te ab 10 000 Eu­ro an­ge­langt, und da müs­sen wir sehr ge­nau wis­sen, was wir tun«, sagt Ter­re­ni. Es sieht so aus, als ob Bul­ga­ri sei­ne Haus­auf­ga­ben gründ­lich er­le­digt hat. ———

Sie wol­len mehr über die Mar­ke Bul­ga­ri er­fah­ren? Dann la­den Sie sich hier un­ser Spe­cial her­un­ter:

http://bit.ly/2jeif1c

Schmuck­stück: Bul­ga­ri fer­tigt auch be­son­ders hoch­ka­rä­ti­ge Da­men­uh­ren.

Klas­si­ker: Die Bul­ga­ri Ro­ma Fi­nis­si­mo in Stahl oder Rot­gold ab 12000 Eu­ro.

Kunst­werk: Die Zif­fer­blät­ter kom­men aus der fir­men­ei­ge­nen Ma­nu­fak­tur.

Re­kord: Die Oc­to Fi­nis­si­mo Mi­nu­ten­re­pe­ti­ti­on misst nur 6,85 Mil­li­me­ter in der Hö­he. 165000 Eu­ro.

Auf­wän­dig: Kom­ple­xe Uh­ren wie ei­ne Mi­nu­ten­re­pe­ti­ti­on wer­den in Le Sen­tier ge­baut.

Ul­traf­lach: Die Oc­to Fi­nis­si­mo Tour­bil­lon Ul­tra­ne­ro ist mit fünf Mil­li­me­tern Hö­he das flachs­te flie­gen­de Tour­bil­lon. 115000 Eu­ro.

Raf­fi­niert: Das kom­ple­xe Ge­häu­se der Oc­to er­for­dert viel Hand­ar­beit.

De­sign: Je­de Uhr zeigt deut­lich die ita­lie­ni­schen Wur­zeln der Mar­ke Bul­ga­ri.

Krea­tiv: Die Dia­go­no Ma­g­ne­si­um be­steht aus PEEK und Ma­g­ne­si­um. 3900 Eu­ro.

Ma­nu­fak­tur: Bei­na­he al­le Tei­le ei­ner Uhr wer­den bei Bul­ga­ri selbst her­ge­stellt.

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