IWC

Be­nannt nach ei­nem der ge­ni­als­ten Er­fin­der er­fin­det sich die IWC Da Vin­ci selbst im­mer wie­der neu. Nur sel­ten wird ein Mo­dell als Quarz­uhr ge­bo­ren, um spä­ter zum me­cha­ni­schen Klas­si­ker zu rei­fen. 2017 kehrt die Uhr zu den zwei­ten Wur­zeln zu­rück.

Uhren-Magazin - - Inhalt - Text — Tho­mas Gro­nen­thal Fo­tos — Her­stel­ler

Für die­ses Jahr hat IWC die Da-vin­ci-kol­lek­ti­on wie­der­be­lebt. Wir zei­gen die Ent­wick­lung der Uhr seit ih­rem Ge­burtstjahr 1969.

——— Das En­de der 1960er-jah­re war für die Uh­ren­her­stel­ler in der Schweiz al­les an­de­re als ei­ne se­gens­rei­che Zeit. Die me­cha­ni­sche Uhr schien über­holt, Markt­an­tei­le gin­gen ver­lo­ren und ver­la­ger­ten sich auf Her­stel­ler aus Asi­en.

Be­reits 1962 wur­de in Neu­châ­tel das Cent­re Elec­tro­ni­que Hor­lo­ger ge­grün­det – mit dem Ziel, ein Quarz­werk zu ent­wi­ckeln, das in der Ge­nau­ig­keit me­cha­ni­sche Chro­no­me­ter schla­gen soll­te. Das Un­ter­neh­men war ein ge­mein­schaft­li­ches Pro­jekt von Rolex, Patek Philippe, IWC, Ja­e­ger-le­coult­re und Ome­ga. Der ers­te Pro­to­typ wur­de 1966 prä­sen­tiert und nutz­te die elek­tri­schen Ei­gen­schaf­ten ei­nes Quar­zes, un­ter Strom de­fi­niert zu schwin­gen. Ein Jahr spä­ter wur­de das Ka­li­ber Be­ta 21 pa­ten­tiert, im Früh­jahr 1970 ging es in den Ver­kauf. Die Tech­nik ist kom­plex: Der Stab­quarz schwingt mit 8 192 Hertz, die ein Schalt­kreis auf 256 Hertz re­du­ziert. Der da­mit an­ge­trie­be­ne Mi­kro­mo­tor treibt über ei­ne mit Ru­bi­nen be­setz­te Schalt­klin­ke ein Rad mit 256 win­zi­gen Zäh­nen an.

Ein Ka­len­der für die Ewig­keit von Kurt Klaus

Bei IWC woll­te man die­sem Mei­len­stein der Schwei­zer Uhr­ma­che­rei ei­nen be­son­de­ren Rah­men ein­räu­men und ge­stal­te­te ei­ne neue Uhr. Das Er­geb­nis war ein sechs­ecki­ges Ge­häu­se mit in­te­grier­tem Me­tall­band. IWC gab dem Be­ta 21 auch ei­ne ei­ge­ne Ka­li­ber­num­mer – es wur­de nach dem 1968 er­schie­nen Film »2001: Odys­see im Welt­raum« von St­an­ley Ku­brick »2001« ge­nannt. Nur für das Uh­ren­mo­dell, das kei­ner be­ste­hen­den Li­nie zu­ge­ord­net wur­de, gab es noch kei­nen Na­men.

Leo­nar­do da Vin­ci war Künst­ler und tech­ni­scher Ent­wick­ler zu­gleich – ei­ne Kom­bi­na­ti­on, die zu dem fu­ti­ris­tisch de­sign­ten und tech­nisch kom­ple­xen Mo­dell passt. Die Ent­wick­lung der Da Vin­ci-kol­lek­ti­on über die Jah­re zeigt eben­so vie­le Fa­cet­ten wie der Er­fin­der, Künst­ler und Ge­lehr­te des 15. Jahr­hun­derts. Auf dem Ge­braucht­markt sind die Ur­mo­del­le we­nig ge­fragt und da­her für ein über­schau­ba­res Bud­get von um die 2 000 Eu­ro zu ha­ben. Al­ler­dings sind die An­ge­bo­te rar ge­sät – nur 600 Da Vin­ci wur­den mit dem elek­tro­ni­schen Ka­li­ber bis 1974 ge­baut.

1984 er­reich­te die Da Vin­ci ei­ne neue Sphä­re, und ver­ant­wort­lich da­für war der da­ma­li­ge Iwc-chef­ent­wick­ler Kurt Klaus. Er sorg­te für ei­ne neue Form der Ewig­keit und kon­stru­ier­te ei­nen au­to­no­men Ewi­gen Ka­len­der als Mo­dul. Die An­zei­gen sind ein­fach zu steu­ern und zu kor­ri­gie­ren, die höchs­te al­ler Kom­pli­ka­tio­nen für ei­ne Ka­len­der­uhr wur­de zu ei­nem Mei­len­stein der Ent­wick­lung von IWC. So­gar ei­ne vier­stel­li­ge Jah­res­an­zei­ge fand auf dem Zif­fer­blatt Platz. Über die Kro­ne konn­ten sämt­li­che Funk­tio­nen ein­ge­stellt wer­den, al­ler­dings nur vor­wärts. Bei ei­nem Da­tums­sprung mehr als nö­tig half al­so nur, die Uhr über die Kro­ne zu stop­pen und bei zu star­kem Spiel­trieb muss­te ei­ner der Meis­ter­uhr­ma­cher in der Ma­nu­fak­tur das Pro­blem lö­sen. Als An­trieb für den ge­nia­len Mecha­nis­mus dien­te das Val­joux 7750, das um­fas­send über­ar­bei­tet und fi­nis­siert wur­de.

Bis heu­te ist die­se Ent­wick­lung das Meis­ter­stück von Kurt Klaus, der auch mit über 80 Le­bens­jah­ren noch im­mer ei­nen Schreib­tisch in der Schaff­hau­ser Ma­nu­fak­tur ste­hen hat und auch ak­tiv an den mo­der­nen Ent­wick­lun­gen teil­nimmt. Die Re­fe­renz 3750 trägt den Na­men Da Vin­ci und än­dert da­mit die Aus­rich­tung der Kol­lek­ti­on, die mit sechs Ecken be­gann. Ei­nes der frü­hen Mo­del­le schlägt mit 6 000 bis et­wa 20000 Eu­ro zu Bu­che, je nach ver­wen­de­tem Ge­häu­se­ma­te­ri­al. Hier reicht die Span­ne von Edel­stahl bis Gelb­gold. 1986 stell­te IWC die Uhr in ei­nem Ge­häu­se aus schwar­zer Ke­ra­mik,

kom­bi­niert mit Gelb­gold, vor. Die­se Va­ri­an­te mit dem auf­fäl­lig schwar­zen Ge­häu­se­kor­pus ist sel­ten und da­her ei­ne der teu­ers­ten auf dem Markt ge­brauch­ter Da Vin­cis. Für die­se Uh­ren zeich­ne­te da­mals Lothar Schmidt, heu­te In­ha­ber von Sinn Spe­zi­al­uh­ren in Frank­furt, ver­ant­wort­lich. Neue Tech­no­lo­gi­en wa­ren zum Zu­sam­men­bau der drei Ge­häu­se­tei­le der Da Vin­ci Ke­ra­mik nö­tig, die ge­sam­te Fer­ti­gung der Uhr dau­er­te na­he­zu fünf­mal so lang wie die Mon­ta­ge ei­nes Ge­häu­ses aus Gold. Über die Jah­re er­gänz­ten wei­te­re Be­son­der­hei­ten die Mo­dell­rei­he – un­ter an­de­rem ein Hand­auf­zug-tour­bil­lon, das im Gold­ge­häu­se ei­ne Ra­ri­tät ist.

Vom sechs­ecki­gen Vin­ta­ge-mo­dell zur neu­en run­den Kol­lek­ti­on

Vor zehn Jah­ren brach­ten die De­si­gner von IWC die span­nen­de His­to­rie der Mar­ke mit ei­ner Vin­ta­ge-kol­lek­ti­on zu neu­em Le­ben. Ne­ben Klas­si­kern wie der In­ge­nieur oder der Flie­ge­ruhr ge­hör­te auch die Da Vin­ci da­zu. Mit dem sechs­ecki­gen Ge­häu­se zi­tier­te die neue Da Vin­ci die Form der ers­ten Ver­si­on, die Pro­por­tio­nen al­ler­dings wirk­ten we­ni­ger ge­drun­gen und da­mit har­mo­ni­scher als beim Ur­mo­dell. An­stel­le des Glie­der­ban­des kam nun ein Le­der­band zum Ein­satz. An­ge­trie­ben von me­cha­ni­schen Uhr­wer­ken aus dem Haus IWC und mit Sicht­bo­den weicht die Da Vin­ci wei­ter vom Ori­gi­nal ab. Zu se­hen ist der Pel­la­tonAuf­zug, den IWC seit den 1950er-jah­ren ver­wen­det. Die Ro­tor­brü­cke dient mit sei­ner ge­schwun­ge­nen Form als Fe­der, die den Ro­tor ge­gen Stö­ße schützt. Als Hom­mage an den Ent­wick­ler Kurt Klaus brach­te IWC den Ewi­gen Ka­len­der eben­falls in das ecki­ge Ge­häu­se und prä­sen­tier­te die streng li­mi­tier­te Da Vin­ci Per­pe­tu­al Ca­len­dar Kurt Klaus Li­mi­ted Edi­ti­on mit der Re­fe­renz IW376201. 50 Uh­ren wur­den ge­baut, den mas­si­ven Bo­den des Pla­tin­ge­häu­ses zier­te ein ein­gra­vier­tes Por­trät von Kurt Klaus.

2017 prä­sen­tiert IWC ei­ne neue Da Vin­ci-li­nie, die sich vor al­lem auf Da­men­uh­ren kon­zen­triert. Ne­ben ei­ner Uhr in Rot­gold mit Mond­pha­se, aber oh­ne Da­tum, be­kommt die Da Vin­ci auch ei­ne Stahl­uhr mit drei Zei­gern und Da­tum und ei­nem blau­en Zif­fer­blatt. Doch auch für die Her­ren, meist Lieb­ha­ber kom­ple­xer Zeit­mes­ser, fin­den sich span­nen­de Re­mi­nis­zen­zen zu­rück zur Iko­ne der Acht­zi­ger: Als Wei­ter­ent­wick­lung der Kurt Klaus-uhr gibt es wie­der ei­nen Ewi­gen Ka­len­der mit Chronograp­h. Die Stopp­se­kun­den und -mi­nu­ten kön­nen da­bei von ei­nem Hilfs­zif­fer­blatt bei zwölf Uhr ab­ge­le­sen wer­den – wenn nicht ge­stoppt wird, steht der To­ta­li­sa­tor für ei­ne zwei­te Zeit­zo­ne zur Ver­fü­gung. Ähn­lich wie 1984 wur­de ein Mo­dul ver­wen­det, das al­ler­dings kom­plett neu kon­stru­iert wur­de und mitt­ler­wei­le auf ei­nem Ma­nu­fak­tur­werk der IWC Ein­satz fin­det. Die Mond­pha­sen­an­zei­ge ist da­her auch im glei­chen Hilfs­zif­fer­blatt zu fin­den wie die Stopp­se­kun­den und –mi­nu­ten. Das Zif­fer­blatt zeigt zu­dem das Da­tum, den Wo­chen­tag und den Mo­nat – so­wie ei­ne vier­stel­li­ge Jah­res­an­zei­ge. Die An­zei­ge der Ka­len­der­da­ten ist prä­zi­se bis zum Jahr 2499, ei­ne ma­nu­el­le Kor­rek­tur ist le­dig­lich in den Nich­tSchalt­jah­ren 2100, 2200 und 2300 am je­weils 1. März nö­tig.

Die Da Vin­ci hat sich wie­der neu er­fun­den und fes­tigt da­mit ih­re Po­si­ti­on als Klas­si­ker. Der neue Ka­len­der kos­tet in Rot­gold 43 000 Eu­ro, die Stahl­ver­si­on gibt es für 32 000 Eu­ro. Da­für er­hält man 43 Mil­li­me­ter feins­ter Uhr­macher­kunst, und wie die Prei­se für Ge­brauchtuh­ren zei­gen, kann man von ei­nem Wert­ver­fall nicht re­den. Da Vin­ci – und da­mit nicht nur die his­to­ri­sche Per­son – ist ein Uni­ver­sal­ge­nie. ———

Le­gen­där: Der neue Da Vin­ci Ewi­ger Ka­len­der Chronograp­h ist ei­ne Re­mi­nis­zenz an den Ewi­gen Ka­len­der von 1985. 43 000 Eu­ro.

Kurt Klaus ent­wi­ckel­te in den 1980erJah­ren den Ewi­gen Ka­len­der Da Vin­ci, des­sen An­zei­gen sich al­le über die Kro­ne ein­stel­len las­sen.

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