Rolex

Die Air-king ver­weist auf die his­to­ri­schen Be­zie­hun­gen zwi­schen Rolex und der Welt der Luft­fahrt. Im 40-Mil­li­me­ter- Ge­häu­se, mit mar­kan­tem Zif­fer­blatt und haus­ei­ge­ner Zer­ti­fi­zie­rung zum »Chro­no­me­ter der Su­per­la­ti­ve« kommt die Uhr je­doch ab­so­lut zeit­ge­mäß

Uhren-Magazin - - Inhalt - Tex t — Mar­ti­na Rich­ter Fo­tos — Ok-pho­to­gra­phy

Die Air-king ver­weist auf die his­to­ri­schen Be­zie­hun­gen zwi­schen Rolex und der Welt der Luft­fahrt. Wir tes­ten, wie sie im 40-Mil­li­me­ter-ge­häu­se und als »Chro­no­me­ter der Su­per­la­ti­ve« in der Ge­gen­wart be­steht.

——— Die Sil­hou­et­te der Mil­g­auss, ein Hauch von Ex­plo­rer, da­zu ei­ne gold­far­be­ne Kro­ne, Spu­ren von Ro­l­exG­rün und ein aus­ge­fal­le­ner Schrift­zug auf dem Zif­fer­blatt – das ist die AirKing, wie sie ei­nem 2017 sch­licht und er­grei­fend ent­ge­gen­tritt. Ihr Er­schei­nungs­bild ver­rät nichts von der gro­ßen Ge­schich­te und den klei­nen Ge­schicht­chen, die sich um sie ran­ken und sie zu ei­nem der be­lieb­tes­ten Mo­del­le mach­ten, das nicht zu­letzt we­gen des Prei­ses gern als Ein­stieg in die Welt von Rolex ge­wählt wird.

Rolex selbst be­rich­tet vom eng­li­schen Flug­pio­nier Charles Dou­glas Bar­nard, der in der Blü­te­zeit der Luft­fahrt zahl­rei­che Re­kor­de auf­stell­te und zur Oyster be­merk­te, dass sie auf Grund ih­rer be­son­de­ren Ei­gen­schaf­ten vor­treff­lich für die Flie­ge­rei ge­eig­net sei und er sie künf­tig bei all sei­nen Langstre­cken­flü­gen mit­neh­men wer­de. Ei­ne an­de­re Le­gen­de er­zählt von den bri­ti­schen Roy­al-air-force-pi­lo­ten, bei de­nen die was­ser­dich­ten Oyster-zeit­mes­ser so be­liebt wa­ren, dass sie auf ih­re

Di­en­stuh­ren ver­zich­te­ten und vom ei­ge­nen Ein­kom­men Rolex-uh­ren kauf­ten. Als Rolex- Grün­der Hans Wils­dorf da­von er­fuhr, wid­me­te er den bri­ti­schen Pi­lo­ten ei­ne ei­ge­ne Uh­ren­li­nie. Der auf dem Zif­fer­blatt er­schei­nen­de Schrift­zug »Air-king« wur­de in den 1950er-jah­ren spe­zi­ell für die­se Mo­dell­rei­he kre­iert.

Gro­ße Be­liebt­heit führt zur Neu­auf­la­ge der Air-king

Über die Jah­re hin­weg wur­de die AirKing auf ganz ver­schie­de­ne Wei­se va­ri­iert. Un­ter Samm­lern er­freu­en sich Aus­füh­run­gen mit ei­ge­nen Ge­schich­ten be­son­de­rer Be­liebt­heit. Die ame­ri­ka­ni­sche Flug­ge­sell­schaft Pan Am ver­schenk­te zum Bei­spiel Air-kin­gMo­del­le an Pi­lo­ten, die in den Ru­he­stand gin­gen. Sol­che sind heu­te auf dem Samm­ler­markt heiß be­gehrt. Auch die in den 1950/60er-jah­ren pro­du­zier­te Air-king Date mit Da- tums­an­zei­ge ist ein ra­res, aus­ge­fal­le­nes und da­her ge­such­tes Ex­em­plar. Ur­sprüng­lich für Pi­lo­ten ge­macht, wur­de die Air-king aber auch au­ßer­halb des Cock­pits im­mer be­lieb­ter – Grund ge­nug, sie ganz neu auf­zu­le­gen. Einst nur 34 Mil­li­me­ter groß, stellt sie Rolex nun im zeit­ge­mä­ßen 40-Mil­li­me­ter-edel­stahl­ge­häu­se vor.

Des­sen Form­ge­bung kennt man be­reits von der Mil­g­auss. Das cha­rak­te­ris­ti­sche Mit­tel­teil ist aus ei­nem mas­si­ven Block Edel­stahl 904L ge­fer­tigt. Die­ses Ma­te­ri­al weist ei­ne ho­he Kor­ro­si­ons­be­stän­dig­keit auf. Aus dem glei­chen Stahl ist üb­ri­gens auch das drei­rei­hi­ge, mas­si­ve Oyster-band her­ge­stellt. Oben schließt ei­ne glat­te, po­lier­te Lü­net­te, die ein Sa­phirglas fasst, und un­ten ein schlich­ter, ge­rif­fel­ter Schraub­bo­den, der nur mit spe­zi­el­lem Werk­zeug zu öff­nen ist, das Ge­häu­se ab. Das sym­bo­lisch nach der was­ser­dich­ten Aus­tern­scha­le als Oyster be­zeich­ne­te Ge­häu­se wi­der­steht ei­nem Druck, wie er in 100 Me­tern Was­ser­tie­fe herrscht.

Tech­ni­sche Maß­nah­men ma­chen die Air-king si­cher

Zu sei­ner her­me­ti­schen Abrie­ge­lung trägt auch die mit ei­nem pa­ten­tier­ten Dop­pel­dich­tungs­sys­tem aus­ge­stat­te­te Twin­lock-auf­zugs­kro­ne bei. Rolex macht die­se be­son­de­re Ab­dich­tung auf dem Be­dien­le­ment auch sicht­bar, wo­bei die Kenn­zeich­nung vom Ge­häu­se­ma­te­ri­al ab­hängt. Bei ei­nem Edel­stahl­ge­häu­se – wie dem un­se­rer Te­stuhr – be­fin­det sich un­ter­halb der mar­kan­ten Rolex-kro­nen­prä­gung ein Strich. Bei ei­nem Gold­ge­häu­se wür­den sich hier zwei Punk­te und bei ei­nem Pla­tin­ge­häu­se ein Punkt be­fin­den. Zur Aus­stat­tung des Ge­häu­ses ge­hört zu­dem ein Weich­ei­sen­man­tel, der dem Uhr­werk er­höh­ten Schutz vor Ma­gnet­fel­dern bie­tet – wie üb­ri­gens schon bei der Mil­g­auss, bei der der Na­me Pro­gramm ist: Ei­ne Mil­lio­nen Mil­li­g­auss (gleich: 1 000 Gauss oder 80 000 A/m) er­ge­ben ge­nau den Ma­gnet­feld­schutz, den ein Weich­ei­sen­man­tel zu bie­ten ver­mag. So al­so auch bei der Air-king.

Zur be­son­de­ren Ma­gnet­feld­re­sis­tenz tra­gen aber auch In­no­va­tio­nen im Ka­li­ber 3131 selbst bei, das vor der Air-king auch schon in der Mil­g­auss ver­baut wur­de. Das Uhr­werk

ist mit der von Rolex pa­ten­tier­ten blau­en Pa­rachrom-un­ruh­spi­ra­le aus­ge­stat­tet. Ih­re Le­gie­rung aus Nio­bi­um und Zir­ko­ni­um in Ver­bin­dung mit Sau­er­stoff ist nicht nur un­emp­find­lich ge­gen­über Ma­gnet­fel­dern, son­dern er­weist sich auch bei Tem­pe­ra­tur­schwan­kun­gen und Er­schüt­te­run­gen als sehr sta­bil.

Über die Prä­senz der blau­en Pa­rachrom-un­ruh­spi­ra­le, die mit ei­ner spe­zi­el­len Rolex-end­kur­ve ver­se­hen ist, ver­gisst man oft, dass auch die Un­ruh ei­ne wich­ti­ge Rol­le bei der Gang­prä­zi­si­on spielt. Der von Rolex ent­wi­ckel­te Reif be­steht aus Glu­cy­dur, ei­ner Kup­fer-be­ryl­li­um-le­gie­rung mit pa­ra­ma­gne­ti­schen Ei­gen­schaf­ten und ei­nem nied­ri­gen Wär­me­aus­deh­nungs­ko­ef­fi­zi­en­ten.

Re­gu­liert wird die Un­ruh über vier Mi­cro­stel­la-mut­tern. Ge­gen­über her­kömm­li­chen Un­ruh­schrau­ben er­mög­li­chen die­se die Ein­stel­lung des Os­zil­la­tors auch noch, wenn die­ser be­reits im Uhr­werk mon­tiert ist. Dank ih­rer Stern­form kön­nen die Mut­tern in je­der Po­si­ti­on ge­fasst und ver­stellt wer­den. Das Au­to­ma­tik­ka­li­ber 3131 ist ei­ne mo­der­ni­sier­te Ver­si­on des Ka­li­bers 3130, das wie­der­um auf das Ka­li­ber 3135 zu­rück­geht. Ne­ben der blau­en Pa­rachrom-un­ruh­spi­ra­le ge­hört auch ei­ne Hem­mung mit pa­ra­ma­gne­ti­schem An­ker­rad zu sei­ner Aus­stat­tung. Die­ses wird durch Elek­tro­ver­for­mung in ei­nem Uv-li­ga-ver­fah­ren aus ei­ner Ni­ckel-phos­phor-le­gie­rung ge­fer­tigt.

Stren­ge Vor­ga­ben für das »Chro­no­me­ter der Su­per­la­ti­ve«

Rolex hat im Jahr 2015 den Prä­zi­si­ons­stan­dard für die »Chro­no­me­ter der Su­per­la­ti­ve« neu de­fi­niert. Das Prä­di­kat be­schei­nigt auch un­se­rer Uhr mit dem Ka­li­ber 3131 ei­ne Rei­he be­stan­de­ner Tests, die in ei­ge­nen La­bors nach ei­ge­nen Kri­te­ri­en durch­ge­führt wer­den. Im Ge­gen­satz zur COSC er­fol­gen die Prü­fun­gen an der fer­tig mon­tier­ten Uhr und ge­hen über die Maß­stä­be der of­fi­zi­el­len Schwei­zer Chro­no­me­ter­prü­fung hin­aus. Rolex ge­stat­tet ei­nem »Chro­no­me­ter der Su­per­la­ti­ve« nach dem Ein­scha­len ins Ge­häu­se le­dig­lich ei­ne Gan­g­ab­wei­chung von et­wa zwei Se­kun­den am Tag. Wie am­bi­tio­niert die Ziel­set­zung ist, zeigt un­se­re Mes­sung auf der Zeit­waa­ge. Die Air-king bleibt nicht ganz in­ner­halb der von Rolex selbst ge­steck­ten en­gen To­le­ranz, läuft aber in je­der La­ge mit Chro­no­me­ter­wer­ten, und das sehr aus­ge­wo­gen. Am Hand­ge­lenk schafft un­se­re Te­stuhr die zwei Se­kun­den. Und das ist nicht nur uns, son­dern auch Rolex das Wich­tigs­te: Die Uhr soll beim Tra­gen im All­tag den stren­gen Nor­men ei­nes »Chro­no­me­ters der Su­per­la­ti­ve« fol­gen. Da­für birgt der re­nom­mier­te Schwei­zer Her­stel­ler mit ei­ner in­ter­na­tio­na­len, fünf­jäh­ri­gen Ga­ran­tie. So lan­ge kön­nen wir die Air-king lei­der nicht be­hal­ten.

Das Ka­li­ber 3131 ver­fügt – im Ge­gen­satz zum Ka­li­ber 3135 – über kei­nen Da­tums­me­cha­nis­mus und da­mit auch über kei­ne ent­spre­chen­de An­zei­ge, und die fehlt viel­leicht dem ei­nen oder an­de­ren. Wo­mit wir nun auf dem Zif­fer­blatt der Air-king sind. Sei­ne Gestal­tung schlägt die Brü­cke zur Luft­fahrt­tra­di­ti­on von Rolex. Mit star­ken Kon­tras­ten, Leuch­t­e­le­men­ten oder auch mit dem si­gni­fi­kan­ten Drei­eck in der Po­si­ti­on der Zwölf nimmt es An­lei­he am Flie­ge­ruh­ren­de­sign. Ei­ne durch­gän­gi­ge Mi­nu­te­rie wird durch ge­stem­pel­te ara­bi­sche Mi­nu­ten­zif­fern in Fün­fer­schrit­ten er­wei­tert. Al­ler­dings ist die­se Ska­lie­rung durch die weiß­gol­de­nen St­un­den­ap­pli­ken Drei, Sechs und Neun un­ter­bro­chen. Die­se drei Zif­fern fin­det man bei man­chem his­to­ri­schen Mo­dell und ak­tu­ell auch bei der Ex­plo­rer – hier al­ler­dings ge­kop­pelt mit kräf­ti­gen St­un­den­in­di­zes.

Zu­sam­men­füh­rung von Stil­ele­men­ten auf dem Zif­fer­blatt

Von den sport­li­chen Rolex-mo­del­len, wie Ex­plo­rer, Gmt-mas­ter oder Sub­ma­ri­ner ist auch das ty­pi­sche Zei­ger­trio ad­ap­tiert, das man so bei den his­to­ri­schen Mo­del­len der Air-king nicht fin­det. Die Chro­ma­light-fül­lun­gen leuch­ten bei Dun­kel­heit in herr­li­chem Hell­blau. Das schafft auf dem matt­schwar­zen Zif­fer­blatt nur noch das Ori­en­tie­rungs­drei­eck in der Zwölf-uhr-po­si­ti­on. So­mit macht es

sei­nem Na­men al­so al­le Eh­re, denn nur an­hand von ihm kann man bei Fins­ter­nis die Zeit aus­ma­chen. Die knall­gel­be Kro­ne und die grü­nen Ak­zen­te mit Se­kun­den­zei­ger und Ro­l­exSchrift­zug ge­ben dem Zeit­mes­ser ne­ben der mar­kan­ten Air-king-auf­schrift ein Al­lein­stel­lungs­merk­mal.

Auch das Oys­ter­band mit sei­ner Oys­ter­clasp-falt­schlie­ße kennt man von an­de­ren Mo­del­len. Oys­ter­clasp heißt, dass das obe­re Schlie­ßen­teil ge­teilt ist, was man op­tisch leicht für ei­nen Si­cher­heits­bü­gel hal­ten könn­te. Beim An­he­ben des klei­ne­ren vor­de­ren Teils wird der Ver­rie­ge­lungs­haken aus dem un­te­ren Schlie­ßen­teil ge­löst. We­gen des kur­zen He­bels geht das Öff­nen der Schlie­ße ein­fach und si­cher von der Hand. Am an­de­ren En­de des obe­ren Schlie­ßen­teils be­fin­det sich die Easy­l­ink-ver­län­ge­rung, mit der man das Band um fünf Mil­li­me­ter aus­klap­pen kann. Im ver­län­ger­ten Zu­stand ist der Klapp­me­cha­nis­mus ge­schickt in der Falt­schlie­ße ver­steckt. Zur Schlie­ße hin sind meh­re­re der mas­si­ven Band­tei­le ver­schraubt. Sämt­li­che Ele­men­te sind sa­ti­niert und nur an den Seiten po­liert, was ein stim­mi­ges Bild mit den po­lier­ten Ge­häu­se­flan­ke er­gibt.

Ein­stiegs­al­ter­na­ti­ve in die Welt von Rolex

Als har­mo­ni­sche Zu­sam­men­füh­rung ver­schie­de­ner Rolex-stil­ele­men­te und mit ei­nem Uhr­werk auf mo­derns­tem Ni­veau ruft die neue Air-king kei­nes­wegs nur die Ver­gan­gen­heit auf. Ganz im Ge­gen­teil. Na­tür­lich ist sie mit ih­rem Preis von 5650 Eu­ro kein Schnäpp­chen, wohl aber ei­ne Ein­stiegs­al­ter­na­ti­ve in die Rolex-welt und at­trak­ti­ve Wahl­mög­lich­keit ge­gen­über man­chem Mo­dell an­de­rer Uh­ren­mar­ken. ———

Hält dicht: Die Twin­lock-kro­ne ist ver­schraub­bar und dop­pelt ab­ge­dich­tet.

Ist mo­dern: Das Ka­li­ber 3131 ist auf dem höchs­ten Stand der Rolex-tech­nik.

In vol­ler Grö­ße: Die Air-king bringt es auf ge­mes­se­ne 39,64 Mil­li­me­ter im Durch­mes­ser und 13,12 Mil­li­me­ter in der Hö­he.

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