Uh­ren­tech­nik

Uhren-Magazin - - Inhalt -

Al­les, was über St­un­de, Mi­nu­te und Se­kun­de hin­aus­geht, heißt in der Uhr­ma­che­rei Kom­pli­ka­ti­on. Wir un­ter­schei­den klei­ne und gro­ße Kom­pli­ka­tio­nen.

Ei­ne Kom­pli­ka­ti­on be­schreibt in der Uhr­ma­che­rei nicht – wie et­wa in der Me­di­zin – ei­ne un­er­wünsch­te Si­tua­ti­on wäh­rend ei­nes Ein­griffs, son­dern ei­ne durch­aus ge­woll­te Zu­satz­funk­ti­on in ei­nem me­cha­ni­schen Uhr­werk, die über die üb­li­che An­zei­ge von St­un­de, Mi­nu­te und Se­kun­de hin­aus­geht. Kom­pli­ka­tio­nen las­sen sich als Funk­ti­ons­mo­du­le be­schrei­ben, die das Uhr­werk als Ba­sis nut­zen, aber nicht Teil des­sen selbst sind. Dem­nach gilt schon ei­nen Da­tums­an­zei­ge als Kom­pli­ka­ti­on. Sie reicht über die Kom­bi­na­ti­on mit dem Wo­chen­tag, die vol­le Ka­len­der­funk­ti­on bis hin zum Jah­res- und Ewi­gen Ka­len­der. Aber auch Groß­da­tum, sprin­gen­de Da­tums­wech­sel, re­tro­gra­de An­zei­gen, Mond­pha­sen­an­zei­gen, Chro­no­me­ter­re­gu­lie­run­gen, Se­kun­den­stopp, Chro­no­graph, Fly­back und Rat­tra­pan­te, We­cker, Re­pe­ti­tio­nen, Schlag­wer­ke, Zeit­glei­chung oder die An­zei­ge meh­re­rer Zeit­zo­nen bis hin zur Welt­zeit gel­ten als Kom­pli­ka­tio­nen. Bei ein­fa­chen, wie et­wa der Da­tums- oder auch der Gan­g­re­ser­vean­zei­ge, spricht man von ei­ner klei­nen Kom­pli­ka­ti­on. Die Kom­bi­na­ti­on meh­re­rer auf­wän­di­ger Kom­pli­ka­tio­nen, wie et­wa die ei­nes Chro­no­gra­phen mit ei­nem Ewi­gem Ka­len­der und ei­ner Re­pe­ti­ti­on, gilt als gro­ße Kom­pli­ka­ti­on. Her­stel­ler, die sol­che bau­en, de­fi­nie­ren gro­ße Kom­pli­ka­tio­nen ganz un­ter­schied­lich. Die meis­ten be­schrei­ben die Kom­bi­na­ti­on von drei ein­zel­ne­ne Kom­pli­ka­tio­nen zu ei­ner gro­ßen Kom­pli­ka­ti­on. Bei man­chen, wie bei A. Lan­ge & Söh­ne oder Au­de­mars Pi­guet, müs­sen es so­gar min­des­tens vier sein. Wie­der ei­ne an­de­re De­fi­ni­ti­on hat Pa­tek Phil­ip­pe für ei­ne »Gran­de Com­pli­ca­ti­on«. Hier wer­den auch die ein­zel­nen Kom­pli­ka­tio­nen wie Uh­ren mit Ewi­gem Ka­len­der mit re­tro­gra­dem Da­tum oder Chro­no­me­ter mit Tour­bil­lon und zehn Ta­gen Gan­g­re­ser­ve als gro­ße Kom­pli­ka­ti­on be­zeich­net. Am Tour­bil­lon schei­den sich die Geis­ter. Wie bei Pa­tek Phil­ip­pe wird es oft­mals als Kom­pli­ka­ti­on an­ge­se­hen, was al­ler­dings nicht ganz rich­tig ist. Das Tour­bil­lon ist ei­ne be­son­de­re Kon­struk­ti­on der Hem­mung und wur­de einst er­dacht, um in Taschenuhr­en den ne­ga­ti­ven Ein­fluss der Schwer­kraft auf die Gang­ge­nau­ig­keit zu kor­ri­gie­ren. Das Tour­bil­lon ge­hört so­mit zum Uhr­werk und ist kei­ne Zu­satz­funk­ti­on. Oben­drein ent­fällt heu­te sein gan­g­op­ti­mie­ren­der Ef­fekt bei Arm­band­uh­ren. Da es aber kom­pli­ziert zu rea­li­sie­ren ist, bau­en es ver­schie­de­ne Uh­ren­her­stel­ler trotz­dem noch ein und be­trach­ten es als Kom­pli­ka­ti­on. Auf je­den Fall macht es die Uhr wert­vol­ler und da­mit auch teu­rer, was na­tür­lich auch auf Kom­pli­ka­tio­nen zu­trifft: Sie stei­gern den Funk­ti­ons­wert ei­ner Uhr und da­mit auch den Preis. Die Zu­satz­mo­du­le nennt man Ka­dra­tu­ren, die ent­we­der auf das Uhr­werk drauf ge­setzt oder – was die auf­wän­di­ge­re Lö­sung ist – in die­ses in­te­griert wer­den. Für ih­re Rea­li­sie­rung zeich­nen Ka­dra­tu­ris­ten ver­ant­wort­lich. Ma­ri

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.