Müh­le-glas­hüt­te ver­sus Uni­on Glas­hüt­te

Die bei­den Uh­ren­schmie­den kön­nen nicht nur ele­gant, son­dern auch sport­lich. Das be­wei­sen in un­se­rem Test die Teu­to­nia Sport I und der Be­li­sar Ex­trem Chro­no­graph.

Uhren-Magazin - - Inhalt - Text — Mar­ti­na Rich­ter Fo­tos — Ok-pho­to­gra­phy/©fo­to­lia/fried­berg

——— Boah ey, das war knapp. Ge­ra­de noch pünkt­lich am Treff­punkt an­ge­kom­men. Et­was zu schnell über die Land­stra­ße ge­pest, mahnt der ro­te Stopp­se­kun­den­zei­ger mit Ver­weis auf die gleich­far­bi­ge Ta­chy­me­ter­ska­la am Zif­fer­blatt­rand der Teu­to­nia Sport I aus dem Hau­se Müh­le- Glas­hüt­te. Da kann sich Be­li­sar, der Ex­trem Chro­no­graph von Uni­on Glas­hüt­te, ganz ge­las­sen auf der Bank zu­rück­leh­nen. Ihn stresst kei­ne Ge­schwin­dig­keits­mes­sung. Und auch kei­ne mi­nu­ten­ge­nau ska­lier­te und in bei­de Rich­tun­gen dreh­ba­re Lü­net­te, mit der er sich wo­mög­lich noch durch die Fest­le­gung ei­nes Zeit­fens­ters un­ter Druck set­zen wür­de. Wäh­rend letz­te­res bei Teu­to­nia an­ge­sichts des gut er­kenn­ba­ren Dreh­rings je­der­zeit droht, hat sel­bi­ger Stop­per die Ge­schwin­dig­keit of­fen­bar we­ni­ger un­ter Kon­trol­le. Denn die ro­te Ta­chy­me­ter­schrift auf dem Re­haut ist mehr oder we­ni­ger schlecht zu ent­zif­fern.

Be­li­sar weiß sich statt­des­sen mit ei­ner ech­ten Kar­bon-lü­net­te gut in Sze­ne zu set­zen. Der fes­te und zugleich leich­te Werk­stoff kann so man­chen Schlag ab und ver­leiht der Uhr ei­nen sport­lich-coo­len Touch. Zum ein­zig­ar­ti­gen Auf­tritt von Be­li­sar tra­gen auch die ver­schraub­ten, mit Kaut­schuk über­zo­ge­nen Flan­ken bei, die eben­falls so man­chen Krat­zer vom Edel­stahl­kor­pus ab­hal­ten. Da fal­len auch gleich noch die au­ßer­ge­wöhn­li­chen und in schwar­zen Lack

ge­gos­se­nen Be­schrif­tun­gen der Be­dien­ele­men­te ins Au­ge: Ein »U« für Uni­on Glas­hüt­te auf der ge­rif­fel­ten und da­her sehr grif­fi­gen Kro­ne so­wie die Icons für Start/stopp und Re­set auf den hüt­chen­för­mi­gen Chro­no­gra­phen­drü­ckern. Den Da­tums­kor­rek­tur­drü­cker bei zehn Uhr ziert ein sti­li­sier­tes Ka­len­der­blatt. Das brau­ne Rau­le­der­band mit auf­fäl­li­ger Kon­trast­naht er­regt eben­falls Auf­se­hen. Soll­te das zu Re­tro sein, lässt es sich ge­gen ein schwar­zes Tex­til- oder Kaut­schuk­band in Kar­bo­n­op­tik aus­tau­schen. Schnell­wech­sel-fe­der­ste­ge sind da­bei be­hilf­lich. Zu al­len Bän­dern ge­hö­ren zu­dem Dop­pel­falt­schlie­ßen mit seit­li­chen Drü­ckern.

Gut für drau­ßen: druck­si­che­re Ge­häu­se, was­ser­fes­te Bän­der

Das was­ser­fes­te Le­der-kaut­schuk­Band bringt Teu­to­nia auch bei ho­hen Ge­schwin­dig­kei­ten nicht ins Schwit­zen, denn un­ter den star­ken Struk­tu­ren der Rück­sei­te ent­steht kei­ne Stau­näs­se. Das rot-schwar­ze Band mu­tet ju­gend­lich und sport­lich-dy­na­misch an. Es ist Müh­le-ty­pisch si­cher an den ge­schwun­ge­nen Ban­dan-

MÜH­LE- GLAS­HÜT­TE TEU­TO­NIA SPORT I Mit de­tail­lier­ten und kor­rek­ten Ska­len avan­ciert Teu­to­nia zu ei­nem funk­tio­na­len und viel­sei­tig ein­setz­ba­ren Mess­ge­rät. Ro­te Ele­men­te ver­lei­hen dem klas­si­schen Chro­no­gra­phen Mo­der­ni­tät.

stö­ßen ver­schraubt und mit ei­ner Dorn­schlie­ße aus­ge­stat­tet. Das mas­si­ve, hoch­wer­ti­ge Edel­stahl­ge­häu­se wirkt ro­bust und ist im Ge­gen­satz zu dem von Be­li­sar mit ei­ner Schraub­kro­ne aus­ge­stat­tet. Die ähn­li­chen Hüt­chen­drü­cker er­in­nern an ei­ne Stopp­uhr. Bei­de Ge­häu­se hal­ten zehn Bar Druck aus, sind al­so bis 100 Me­ter was­ser­dicht. Da kann Be­li­sar an­ge­sichts ei­nes her­an­na­hen­den Re­gen­schau­ers wei­ter­hin ge­müt­lich auf der Bank her­um­lüm­meln, wäh­rend Teu­to­nia ei­ligst zum Ca­brio springt, um das Falt­dach zu schlie­ßen.

Zu­ver­läs­sig drin­nen: ver­edel­te Wer­ke, aus­ge­wo­ge­ner Gang

Jetzt aber los. Auf zur Wan­der­hüt­te. Es ist kurz vor Acht. Teu­to­nia und Be­li­sar lie­gen noch bes­tens in der Zeit. Hap­tisch si­cher und gut hör­bar klickt der rot be­ring­te Drü­cker bei zwei Uhr von Teu­to­nia. Er star­tet den Chro­no­gra­phen­me­cha­nis­mus des Ka­li­bers MU 9413, das auf dem Sel­li­ta SW500 be­ruht. Müh­le stat­tet es mit Glas­hüt­ter Drei­vier­tel­pla­ti­ne, ei­ge­nem Ro­tor so­wie der in­zwi­schen gut be­kann­ten Specht­hals-fein­re­gu­lie­rung aus und

UNI­ON GLAS­HÜT­TE BE­LI­SAR EX­TREM CHRO­NO­GRAPH Kaut­schuk­flan­ken und Kar­bon­lü­net­te ma­chen nicht nur ei­nen coo­len Ein­druck, son­dern sind auch funk­tio­nal. Dank sei­ner Aus­stat­tung bie­tet der Chro­no­graph ein gu­tes Preis- Leis­tungs-ver­hält­nis.

gönnt ihm zu­dem ei­ne ei­ge­ne Ober­flä­chen­ver­ede­lung. Beim Auf­stieg zur Wan­der­hüt­te im per­ma­nen­ten Chro­no­gra­phen­be­trieb kommt das Uhr­werk nicht au­ßer Atem. Es läuft aus­dau­ernd mit durch­schnitt­li­chen 4,3 Se­kun­den im Plus, al­so so wie in al­len an­de­ren Le­bens­la­gen auch.

Der Start-stopp-drü­cker von Be­li­sar ar­bei­tet eben­falls mit si­che­rem Druck­punkt. Hier läuft der Chro­no­gra­phen-mecha­nis­mus des UNG-27.01 an, der auf ei­nem Eta/val­joux 7753 be­ruht. Die­ses Werk in­te­griert die Da­tums­schnell­schal­tung nicht in die Kro­ne. Da­her der Drü­cker bei zehn Uhr. Auch das UNG-27.01 ist mit in Glas­hüt­te ge­fer­tig­ten Brü­cken, ei­nem ei­ge­nen Ro­tor so­wie ei­ge­ner Fein­reg­la­ge ver­se­hen und wird größ­ten­teils in Glas­hüt­te mon­tiert. Qua­li­täts­stei­gern­der Un­ter­schied zum Ba­sis­ka­li­ber ist die er­höh­te Gang­au­to­no­mie auf et­wa 60 St­un­den. Der Puls von Be­li­sar schlägt wäh­rend der Wan­de­rung im Chro­no­gra­phen­be­trieb mit plus 5,8 Se­kun­den et­was schnel­ler als an­sons­ten am Hand­ge­lenk, aber im Takt des Mess­ge­rä­tes, sprich der Zeit­waa­ge.

End­lich oben an­ge­kom­men, Chro­no­gra­phen aus. Der Drü­cker von Teu­to­nia funk­tio­niert sehr ge­schmei­dig, der von Be­li­sar be­nö­tigt Nach­druck. Zwei St­un­den, 15 Mi­nu­ten und 22 Se­kun­den ha­ben sie für den Weg ge­braucht. Das wi­der­spie­geln die Chro­no­gra­phen-an­zei­gen über­ein­stim­mend. Das Wan­der­wet­ter meint es in die­sem Jahr nicht gut. Es ist trü­be und reg­net schon wie­der.

TEU­TO­NIA UND BE­LI­SAR Die Chro­no­gra­phen aus Glas­hüt­te eig­nen sich bei­de für sport­li­che Ak­ti­vi­tä­ten im Frei­en. Ist der ei­ne klas­sisch und funk­tio­nal, zeigt sich der an­de­re cool und mo­dern. Die Ent­schei­dung im Test fällt hier über den Preis.

Vor­teil für die Ables­bar­keit von Teu­to­nia. Im et­was ge­dämpf­ten Licht fun­keln die fa­cet­tier­ten St­un­den­ap­pli­ken und Zei­ger nicht ganz so stark wie bei grel­lem Son­nen­schein. Da­für ist der ro­te Stopp­se­kun­den­zei­ger schlech­ter aus­zu­ma­chen. Wird es ganz dun­kel – heu­te Abend am Grill vi­el­leicht – ge­ben Tei­le der St­un­den­in­di­zes ein grü­nes, St­un­den- und Mi­nu­ten­zei­ger ein blau­es Licht ab.

Auch die St­un­den­in­di­zes so­wie St­un­den- und Mi­nu­ten­zei­ger von Be­li­sar er­strah­len bei Dun­kel­heit blau und we­gen der grö­ße­ren Farb­flä­chen et­was kräf­ti­ger als die von Teu­to­nia. Zu­sätz­li­che Ori­en­tie­rung bie­tet die leuch­ten­de Zwölf. Am Ta­ge he­ben sich die wei­ßen Farb­flä­chen gut vom ver­ti­kal ge­streif­ten Zif­fer­blat­t­hin­ter­grund ab. Trotz Fa­cet­ten gibt es we­ni­ger Re­fle­xio­nen als auf dem matt­schwar­zen Zif­fer­blatt von Teu­to­nia.

Abrech­nung am Berg: Ge­schmack und Preis ent­schei­den

Be­stands­auf­nah­me nach dem Ab­stieg: Teu­to­nia punk­tet mit mehr Funk­tio­na­li­tät des Chro­no­gra­phen durch de­tail­lier­te­re Ska­lie­run­gen, Ta­chy­me­ter und Drehlü­net­te. Das ras­si­ge Le­der-kaut­schuk-band trotzt dem mie­sen Re­gen­wet­ter bes­ser als das emp­find­li­che Rau­le­der­band von Be­li­sar. Da­für bie­tet Be­li­sar die Mög­lich­keit zum schnel­len Band­wech­sel und hat für ei­nen ge­rin­ge­ren Preis gleich drei Bän­der, je­weils mit Falt­schlie­ße, qua­si im Ruck­sack. Das Zif­fer­blatt zeigt we­ni­ger Re­fle­xio­nen und das Uhr­werk läuft län­ger, das von Teu­to­nia da­für et­was aus­ge­wo­ge­ner. Die jun­gen Bur­schen tau­gen bei­de für Ak­ti­vi­tä­ten im Frei­en. Die Ent­schei­dung für den ei­nen oder an­de­ren fällt über Ge­schmack und Preis. ———

Ver­gleich: Bei­na­he gleich hoch und doch so ver­schie­den in ih­ren Sil­hou­et­ten. Bei­den Uh­ren sit­zen gut am Hand­ge­lenk.

Viel­sei­tig: Schnell­wech­sel-fe­der­ste­ge er­leich­tern den Band­aus­tausch. Das Uni­on-ka­li­ber wird in Glas­hüt­te mon­tiert.

Stim­mig: Das Müh­leWerk läuft aus­ge­wo­gen und ist schön ge­macht. Das struk­tu­rier­te Band sorgt für Tra­ge­kom­fort.

Mo­dern: Die Kar­bon­lü­net­te von Be­li­sar ist mehr als ein Hin­gu­cker. Das Zif­fer­blatt ist schlicht, aber gut ab­les­bar.

Funk­tio­nal: Teu­to­nia zeigt ge­stopp­te Zeit­in­ter­val­le in Se­kun­den­bruch­tei­len an, wei­te­re sind über die Drehlü­net­te wähl­bar.

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