Ze­nith El Pri­me­ro

Das au­to­ma­ti­sche Chro­no­gra­phen­ka­li­ber wur­de 1969 ein­ge­führt und ist heu­te ei­ne Le­gen­de. Was kos­ten ge­brauch­te Uh­ren mit den al­ten Wer­ken?

Uhren-Magazin - - Inhalt - Tex t — Tho­mas Gro­nen­thal Fo­tos — Her­stel­ler, an­ti­quo­rum

——— Die Ent­wick­lung ei­nes be­stimm­ten Uh­ren­mo­dells zum Klas­si­ker scheint üb­lich. Sel­te­ner hin­ge­gen wird aus ei­nem Uhr­werk ei­ne Be­rühmt­heit, die nach fast 50 Jah­ren schließ­lich ei­ne Le­gen­de ist.

Zum En­de der 1960er-jah­re ar­bei­te­ten in der Schweiz zwei Zu­sam­men­schlüs­se ver­schie­de­ner Uh­ren­her­stel­ler an dem ers­ten au­to­ma­ti­schen Chro­no­gra­phen­werk. Fe­der­füh­rend wa­ren da­bei Breit­ling, die ge­mein­sam mit Heu­er-leo­ni­das, Ha­mil­ton/bü­ren und Du­bo­is Dé­praz ein Mi­kroro­tor­ka­li­ber ent­wi­ckel­ten und die­ses im März 1969 in Genf, New York, Hong­kong und Bei­rut vor­stell­ten. Das Ka­li­ber 11 war je­doch nur der zwei­te Sie­ger, denn am 10. Ja­nu­ar hat­te be­reits Ze­nith, da­mals im Zu­sam­men­schluss mit Mo­va­do, das El Pri­me­ro im Rah­men ei­ner Pres­se­kon­fe­renz in Genf vor­ge­stellt. Der tech­no­lo­gi­sche Sie­ges­zug des Uhr­werks war kaum auf­zu­hal­ten. Es bot ei­nen Durch­mes­ser von 13,5 Li­ni­en und maß nur 6,5 Mil­li­me­ter in der Hö­he. Erst­mals wur­de ei­ne Tro­cken­schmie­rung auf der Ba­sis von Mo­lyb­dän­sul­fat ver­wen­det, was den Gang sehr prä­zi­se mach­te. Die Gan­g­re­ser­ve be­trug mehr als 48 St­un­den, was et­was mehr war, als an­de­re Uhr­wer­ke frü­her leis­te­ten. Auch die Un­ruh hat­te es ei­li­ger als da­mals üb­lich: Das Herz des El Pri­me­ro schlägt mit 36 000 Halb­schwin­gun­gen pro St­un­de (fünf Hertz) und er­laubt da­her ei­ne Chro­no­gra­phen­mes­sung der

Zehn­tel­se­kun­de. Bei den Wer­ken der da­ma­li­gen Zeit war ei­ne Fre­quenz von ma­xi­mal 21 600 Halb­schwin­gun­gen pro St­un­de üb­lich, die Un­ruh des Ka­li­ber 11 Chro­no­ma­tic des Breit­lin­gTeams os­zil­lier­te mit 19 800 A/h.

Die Schwung­mas­se zum Auf­zug des Uhr­wer­kes war zen­tral mon­tiert und ver­füg­te über ein Au­ßen­seg­ment aus Wolf­ram­kar­bid. Da­mit war das spe­zi­fi­sche Ge­wicht hoch, und je­de klei­ne Be­we­gung der Uhr wur­de in Ener­gie für die Zug­fe­der um­ge­setzt. Der Chro­no­graph maß bis zu zwölf St­un­den am Stück und ver­füg­te so­gar über ei­ne An­zei­ge des Da­tums mit Schnell­ein­stel­lung und au­gen­blick­li­chem Wech­sel um Mit­ter­nacht. Das Da­tum wur­de auf vier Uhr in ei­nem Fens­ter an­ge­zeigt. Ein Schalt­rad steu­er­te die Funk­ti­on des Chro­no­gra­phen, wäh­rend fast al­le spä­te­ren Wer­ke an­de­rer Her­stel­ler auf ei­ne preis­wer­ter zu fer­ti­gen­de Ku­lis­sen­schal­tung zu­rück­grif­fen.

Von An­fang an gin­gen zwei Ver­sio­nen des El Pri­me­ro in Pro­duk­ti­on: das Ka­li­ber 3019 PHC als Chro­no- graph mit Da­tums­an­zei­ge so­wie das 3019PHF mit An­zei­ge des Voll­ka­len­ders und ei­ner Mond­pha­se. Ein Schnell­schwin­ger wie das El Pri­me­ro ist we­ni­ger emp­find­lich ge­gen äu­ße­re Ein­flüs­se wie die Schwer­kraft oder Er­schüt­te­run­gen und bie­tet da­her ei­ne hö­he­re Ge­nau­ig­keit. Den­noch ist das El Pri­me­ro ein Uhr­werk mit ho­hem War­tungs­be­darf und soll­te mit ei­nem In­ter­vall von fünf Jah­ren – je nach Tra­ge­zeit – ei­nem Ser­vice un­ter­zo­gen wer­den. Bis heu­te gibt es 23 Ver­sio­nen des le­gen­dä­ren El Pri­me­ro – ein Re­kord in der Hau­te Hor­lo­ge­rie.

Das El Pri­me­ro kam nicht nur in Uh­ren von Ze­nith zum Ein­satz

Ne­ben zahl­rei­chen Kol­lek­tio­nen im Pro­gramm von Ze­nith hat­te das El Pri­me­ro ei­nen der be­rühm­tes­ten Auf­trit­te über mehr als ein Jahr­zehnt »un­der­co­ver«. 1989 be­gann Ro­lex, ei­ne mo­di­fi­zier­te Ver­si­on in die Day­to­na Cos­mo­graph ein­zu­bau­en. Da­mit wur­de die Day­to­na zu ei­ner au­to­ma­ti­schen Uhr – und be­hielt das Uhr­werk von Ze­nith bis zum Jahr 2000 bei. Bei die­sem Ein­satz wur­de das Werk tech­nisch ver­än­dert: Ne­ben ei­ner re­du­zier­ten Schwing­fre­quenz von nur noch 28 800 Am­pe­re pro St­un­de wur­de die Hem­mungs­grup­pe auf Ro­lex-stan­dard mit Mi­cro­stel­la-re­gu­lier­schrau­ben um­ge­baut. Auch an­de­re Mar­ken ver­wen­de­ten das El Pri­me­ro über die Jah­re – dar­un­ter Ebel, Dun­hill, Du­bo­is et fils, TAG Heu­er und Da­ni­el Roth.

Bei Ze­nith mar­kier­te das Uhr­werk mit der hek­ti­schen Hem­mung über die Jah­re die Spit­ze der tech­no­lo­gi­schen Mach­bar­keit. Zum Ein­satz kam das Werk da­bei in ele­gan­ten wie auch in sport­li­chen Mo­del­len, die bei Fans bis heu­te be­liebt sind. Zwi­schen In­stru­ment und ed­ler Uhr er­schien die El Pri­me­ro Rain­bow. Das Mo­dell mar­kier­te ei­nen der Dau­er­bren­ner im Pro­gramm von Ze­nith. Ei­ne be­son­ders far­ben­fro­he Ver­si­on gilt bei Samm­lern als be­liebt und ver­fügt über ein be­son­de­res Ex­tra: Die Re­fe­renz 02.0480.405 bie­tet ei­ne Fly­backFunk­ti­on, mit der ei­ne Null­set­zung und der so­for­ti­ge Be­ginn ei­ner neu­en

Stopp­mes­sung mög­lich ist. Sie kos­tet im Ge­braucht­markt cir­ca 3 000 Eu­ro. Der Ein­stieg in die Rain­bow-kol­lek­ti­on be­ginnt bei 2 000 Eu­ro. Durch die gro­ße Mo­dell­viel­falt, die sich über die Jah­re ent­wi­ckelt hat, sind die Ein­stiegs­prei­se für ge­brauch­te Ze­nith El Pri­me­ro-uh­ren er­schwing­lich: Ab 1 500 Eu­ro kos­ten Mo­del­le, meist aus den 1990er- und 2000er-jah­ren. Al­ler­dings soll­te stets ein hö­he­rer Be­trag für ei­ne fach­kun­di­ge Re­vi­si­on ein­ge­plant wer­den, denn meist sind die Uhr­wer­ke nicht mehr prä­zi­se und be­dür­fen ei­ner kun­di­gen Hand.

Zu den sel­te­nen Ver­tre­tern ge­hört die Ze­nith De­fy, die in den Ze­nith-kol­lek­tio­nen der 1990er-jah­re im Ein- stiegs­le­vel an­ge­sie­delt war. Die sport­li­che Uhr mit Edel­stahl- oder Le­der­band von da­mals baut heu­te ei­ne Brü­cke in das Jahr 2017.

Auf der Ba­sel­world in die­sem Jahr stell­te Ze­nith ei­ne Uhr vor, die nicht nur Zehn­tel­se­kun­den stop­pen kann, son­dern so­gar Hun­derts­tel­se­kun­den. Was üb­li­cher­wei­se ei­ner di­gi­ta­len Quarz­uhr vor­be­hal­ten ist, schafft in der De­fy El Pri­me­ro 21 das neue Ka­li­ber El Pri­me­ro 9004. Das auf­wän­di­ge Werk ist zwei­tei­lig auf­ge­baut und setzt ein Zei­chen für das 21. Jahr­hun­dert. Ei­nem ent­schei­den­den De­tail bleibt Ze­nith treu: Der ho­hen Un­ruh­fre­quenz, die mit 36 000 Halb­schwin­gun­gen pro St­un­de dem Ori­gi­nal von 1969 ent­spricht. Zu er­ken­nen ist das Uhr­werk stets an dem sehr

ZE­NITH EL PRI­ME­RO Ze­nith- Uh­ren mit El- Pri­me­ro-werk wur­den in ho­hen Stück­zah­len ge­fer­tigt. Für Samm­ler sind sie ein dank­ba­rer Ein­stieg. Al­ler­dings sind die Re­vi­si­ons­kos­ten für den Schnell­schwin­ger zu be­rück­sich­ti­gen.

flüs­sig glei­ten­den Se­kun­den­zei­ger, der ho­hen Prä­zi­si­on und dem hek­ti­schen Tick­ge­räusch. Bei dem neu­en Ka­li­ber ver­fügt die Stopp­funk­ti­on über ein ei­ge­nes Uhr­werk mit se­pa­ra­ter Hem­mung, die mit 360 000 Halb­schwin­gun­gen pro St­un­de schwingt. Das Chro­no­gra­phen-werk os­zil­liert so mit 50 Hertz und macht den Stopp­vor­gang auf die Hun­derts­tel­se­kun­de ge­nau mög­lich.

Das hat ei­nen Preis – ne­ben dem Preis­schild ab 9 700 Eu­ro in Ti­tan oder der ske­let­tier­ten Va­ri­an­te in wahl­wei­se Ti­tan (10 600 Eu­ro) oder ke­ra­mi­sier­tem Alu­mi­ni­um für 11 500 Eu­ro – : Die Gan­g­re­ser­ve für den Chro­no­gra­phen reicht nur für 50 Mi- nu­ten. Bei­de Wer­ke kön­nen über die Kro­ne auf­ge­zo­gen wer­den – im Uhr­zei­ger­sinn ge­dreht, wird die Zug­fe­der des Stopp­wer­kes ge­spannt, ge­gen den Uhr­zei­ger­sinn die des Geh­wer­kes.

Op­ti­sche Par­al­le­len zwi­schen dem El Pri­me­ro 21 und dem Ur-werk

Im Zen­trum des Zif­fer­blatts ro­tiert der Zei­ger für die Hun­derts­tel­se­kun­de, wäh­rend ein Hilfs­zif­fer­blatt bei sechs Uhr die ge­stopp­ten Se­kun­den aus­weist. Auf­grund der be­grenz­ten Gan­g­re­ser­ve des Stopp­wer­kes gibt es kei­nen St­un­den­zäh­ler, wie ihn das ur­sprüng­li­che El Pri­me­ro von 1969 be­sitzt, son­dern nur ei­nen 30-Mi­nu­ten­Zäh­ler bei drei Uhr. Den­noch las­sen sich op­ti­sche Par­al­le­len zum Lay­out des Ur­sprung­wer­kes nicht ver­heh­len, denn ganz wie da­mals dreht die lau­fen­de Se­kun­de ih­re Run­den bei neun Uhr. Der Durch­mes­ser der Ge­häu­se be­trägt 44 Mil­li­me­ter. Auch nach fast 50 Jah­ren be­weist Ze­nith er­neut: Kein an­de­rer Uh­ren­her­stel­ler be­herrscht die me­cha­ni­sche Hoch­fre­quenz­uhr in die­sem Ma­ße. Seit 1969 setzt das El Pri­me­ro Maß­stä­be, und die Ver­si­on für das 21. Jahr­hun­dert führt dies nur lo­gisch fort. So wird aus ei­nem Uhr­werk ei­ne Le­gen­de, die je­den Uh­ren­ken­ner be­geis­tert. Kei­ner tickt schnel­ler, was ein El Pri­me­ro zu ei­nem »Must Ha­ve« in ei­ner Uh­ren­samm­lung macht. ———

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