PRO UND CONTRA Lan­ge Rei­se

Preis­ka­te­go­rie bis 20 000 Eu­ro

Uhren-Magazin - - Test - IWC Te x t — Mar­ti­na Rich­ter Fo­tos — Her­stel­ler

——— Die Ge­schich­te be­ginnt so: En­de der 1930er-jah­re ge­ben por­tu­gie­si­sche Kauf­leu­te Arm­band­uh­ren bei der IWC in Auf­trag, die mit der Gang­ge­nau­ig­keit von Ma­ri­nechro­no­me­tern lau­fen sol­len. Der Wunsch lässt sich da­mals nur mit ei­nem vo­lu­mi­nö­sen Ta­schen­uhr­werk er­fül­len.

Des­halb baut IWC das Sa­von­net­te-ka­li­ber 74 in ein Arm­band­uhr­ge­häu­se ein. Die gro­ße Arm­band­uhr ent­spricht nicht dem Zeit­ge­schmack, wes­halb bis in die 1980er-jah­re hin­ein nur we­ni­ge Hun­dert Ex­em­pla­re ver­kauft wer­den. Erst als IWC 1993 ei­ne Son­der­se­rie un­ter dem Na­men »Por­tu­gie­ser« auf­legt, eta­bliert sich das Uh­ren­for­mat am Hand­ge­lenk.

Grö­ße ist heu­te kein Pro­blem mehr. Im Ge­gen­teil. Die an un­se­rem Test­modell ge­mes­se­nen 41,91 Mil­li­me­ter Ge­häu­se­durch­mes­ser gel­ten eher als Durch­schnitt, die Hö­he von 14,39 Mil­li­me­ter für ei­nen Fly­backChro­no­gra­phen als völ­lig nor­mal. Da­bei wirkt die Uhr noch nicht ein­mal wuch­tig. Zu­dem sor­gen die aus ei­nem sa­ti­nier­ten Ge­häu­se­mit­tel­teil her­vor­ge­hen­den und nach un­ten ge­zo­ge­nen Band­an­stö­ße für gu­ten Halt am Arm. Das an ih­nen mon­tier­te Al­li­ga­tor­le­der­band mit ein­sei­ti­ger klap­pen­der Falt­schlie­ße ver­leiht der Uhr schlich­te

Zu den zahl­rei­chen Neu­hei­ten, die IWC 2017 auf den Markt ge­bracht hat, zählt auch ein ganz klas­si­scher Por­tu­gie­ser Chronograp­h. Im Ge­gen­satz zu manch an­de­rer Neu­heit un­ter­schei­det er sich nur mar­gi­nal von sei­nem Vor­gän­ger. Da lohnt der Blick ins De­tail.

Ele­ganz. Die Schlie­ße ih­rer­seits ver­langt nach Kraft beim Zu­sam­men­drü­cken und knackt da­bei ker­nig, lässt sich aber ver­gleichs­wei­se sanft durch leich­ten Zug wie­der öff­nen. Es be­steht kein Pro­blem der Si­cher­heit.

Von oben be­trach­tet, er­hält der Por­tu­gie­ser Chronograp­h durch die schma­le, po­lier­te Lü­net­te sei­ne klas­si­sche No­te. Ih­re kon­ka­ve Wöl­bung kennt man be­reits vom Vor­gän­ger­mo­dell aus dem Jahr 2013. Ve­rän­de­run­gen fin­den auf dem Zif­fer­blatt statt. Das des vier­ten Chro­no­gra­phen in­ner­halb der Por­tu­gie­ser-fa­mi­lie er­scheint zum ers­ten Mal oh­ne fi­li­gra­ne Stopp­se­kun­den­ska­lie­rung am Rand.

Die Uhr ver­liert da­durch ihr In­stru­men­ten­haf­tes, ge­winnt aber als Iko­ne da­zu. Für die­se Tat­sa­che spricht die auch für an­de­re Por­tu­gie­ser-mo­del­le ty­pi­sche Ei­sen­bahn­mi­nu­te­rie, die an Ta­schen­uh­ren und da­mit an die Zeit ih­rer Ent­ste­hung er­in­nert. Ganz pas­send da­zu ha­ben die ge­bläu­ten Blatt­zei­ger zu­sam­men mit eben­sol­chen In­dex-ap­pli­ken und auf­ge­setz­ten St­un­den­zif­fern ih­ren klas­si­schen Auf­tritt auf dem sil­ber­far­be­nen Zif­fer­blatt, das es auch noch in blau gibt. Ent­ge­gen so man­chem Vor­gän­ger­mo­dell ist kei­ne der Zif­fern ab­ge­schnit­ten. Statt­des­sen ver­zich­tet man bes­ser auf die ei­ne oder an­de­re. Die Uhr ist am Ta­ge gut ab­les­bar. Bei Dun­kel­heit fehlt es an Leucht­far­be.

Auf dem Coun­ter für die Chro­no­gra­phen-mi­nu­ten und -St­un­den bleibt die fei­ne Ein­tei­lung er­hal­ten. In­zwi­schen kennt man die­se spe­zi­el­le An­zei­ge­art bei Chro­no­gra­phen-ma­nu­fak­tur­ka­li­bern aus der 89000-er Bau­rei­he von zahl­rei­chen an­de­ren Mo­del­len. We­gen der be­son­de­ren Kon­struk­ti­ons­wei­se, bei der Chro­no­gra­phen-mi­nu­ten und -St­un­den im di­rek­ten Kraft­schluss mit dem Fe­der­haus ste­hen, ist sie in­tui­tiv und kann auch im Dau­er­be­trieb ge­nutzt wer­den. Für das au­to­ma­ti­sche Ka­li­ber 89361 ist das kein Pro­blem. In un­se­rer Te­stuhr läuft es, wie einst von den See­fah­rern ver­langt. Ge­mes­sen auf der elek­tro­ni­schen Zeit­waa­ge geht es bei Voll­auf­zug im Schnitt 3,9 Se­kun­den, bei mit­lau­fen­dem Chro­no­gra­phen 3,4 Se­kun­den am Tag vor. Noch bes­ser läuft der Por­tu­gie­ser Chronograp­h am Hand­ge­lenk. Egal, ob der Stopp­me­cha­nis­mus ein­ge­schal­tet ist oder nicht, die Uhr geht mal ei­ne Se­kun­de am Tag nach oder ma­xi­mal zwei Se­kun­den vor, so dass wir nach ei­nem mehr­wö­chi­gen Tra­ge­test kaum ei­ne Gan­g­ab­wei­chung ver­zeich­nen kön­nen. Das Iwc-ty­pi­sche Ka­li­ber lässt sich durch ei­nen Sa­phirglas­bo­den ent­de­cken. Mit Schalt­rad­me­cha­nis­mus, mo­der­ni­sier­tem Klin­ken­auf­zug, vor al­lem aber mit sei­nem aus­ge­wo­ge­nen Gang wür­de es – wie die gan­ze Uhr – den por­tu­gie­si­schen Kauf­leu­ten ge­fal­len. [1574] ———

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