Toll­küh­ne Tank

Preis­span­ne von 3 850 bis 68000 Eu­ro

Uhren-Magazin - - Wissen - Te xt — Sa­bi­ne Zwett­ler Fo­tos — Her­stel­ler 6 Per­fek­tes Trio: Zum Er­folgs­prin­zip der Tank zäh­len un­ter­schied­li­chen Grö­ßen, hier Lou­is Car­tier.

——— Ih­re Ent­ste­hungs­ge­schich­te ist hin­läng­lich be­kannt: Vor 100 Jah­ren, zum En­de des Ers­ten Welt­krie­ges hin, ließ sich Lou­is Car­tier, Groß­meis­ter fran­zö­si­scher Uhr­ma­che­rei, von den Sturm­pan­zer­wa­gen mit Gleis­ket­ten der ame­ri­ka­ni­schen Trup­pen zu ei­ner Arm­band­uhr in­spi­rie­ren. Mon­sieur Lou­is, der be­reits mit der 1908 ent­wor­fe­nen Flie­ge­ruhr San­tos die ers­te mo­der­ne Arm­band­uhr über­haupt kon­zi­piert hat­te, brach­te bei der Tank ein­mal mehr sei­ne Vor­lie­be für die ein­fa­chen und kla­ren For­men des fran­zö­si­schen »zwei­ten Neo­klas­si­zis­mus«, ei­nes Vor­läu­fers des Art dé­co, zum Aus­druck. Kon­se­quent ver­band er auf die Funk­ti­on aus­ge­rich­te­te Sach­lich­keit mit dem ty­pisch avant­gar­dis­ti­schen Stil des Hau­ses in ei­ner voll­kom­men neu­en Form: Zwei trä­ger­ar­ti­ge, den um­lau­fen­den Gleis­ket­ten der Pan­zer nach­ge­ahm­te »Bal­ken«, die die ver­län­ger­ten Sei­ten ei­nes Recht­ecks nach­zeich­nen, er­laub­ten es, die Arm­band­be­fes­ti­gun­gen naht­los ins Ge­häu­se ein­zu­las­sen. Ein sch­lich­tes und gleich­zei­tig un­ver­wech­sel­ba-

Mit der Tank ge­lang Lou­is Car­tier 1917 ein Glücks­griff.ein Aus­nah­me-zeit­mes­ser, der mit Kon­ven­tio­nen bricht. Ei­ne schil­lern­de Per­sön­lich­keit, die in il­lus­tren Krei­sen zum gu­ten Ton ge­hört und auch nach 100 Jah­ren noch fas­zi­niert. Ei­ne Lu­xus­uhr, die preis­lich er­reich­bar ist. Ei­ne me­cha­ni­sche Tank gibt es ab 4 900 Eu­ro.

res De­sign, das, als die Arm­band­uhr noch in den Kin­der­schu­hen be­zie­hungs­wei­se der Wes­ten­ta­sche steck­te, ein­mal mehr zu ih­rer Eman­zi­pa­ti­on und Sa­lon­fä­hig­keit bei­trug. Und es brach mit der Vor­lie­be für Run­dun­gen, in­dem die Gestal­tung auf for­ma­le Grad­li­nig­keit setz­te und ein neu­es Zeit­al­ter der Ge­häu­se­form ein­lei­te­te.

Und: Car­tier wä­re nicht Car­tier, wenn sich das In­nen­le­ben nicht eben­falls ex­qui­sit prä­sen­tiert hät­te. Das Uhr­werk hin­ter dem cha­rak­te­ris­ti­schen Zif­fer­blatt mit lang­ge­zo­ge­nen rö­mi­schen Zif­fern, mar­kan­ter Ei­sen­bahn­mi­nu­te­rie und ge­bläu­ten Zei­gern für St­un­de und Mi­nu­te kam von kei­nem Ge­rin­ge­rem als dem Spe­zia­lis­ten Jaeger-le­coult­re.

Char­man­te Frie­dens­bo­tin und be­stän­di­ge Zeit­zeu­gin

In dank­ba­rer Ver­bun­den­heit für die Be­frei­ung Frank­reichs über­reich­te der Uhr­ma­cher 1918 Ge­ne­ral John Jo­seph Pers­hing die ers­te Tank. Ob dem Ober­be­fehls­ha­ber der sieg­rei­chen ame­ri­ka­ni­schen Trup­pen da- mals wohl be­wusst war, dass er das ers­te Ex­em­plar ei­nes Zeit­mes­sers in der Hand hielt, den die Men­schen auch 100 Jah­re spä­ter noch tra­gen wür­den? Der die Hand­ge­len­ke des in­ter­na­tio­na­len Jet-sets, be­deu­ten­der Po­li­ti­ker und in­tel­lek­tu­el­ler Künst­ler wie Ja­ckie Onas­sis, Jac­ques Chi­rac, El­ton John, Tru­man Ca­po­te und An­dy War­hol zie­ren wird? Wohl kaum.

Be­reits von An­fang an pro­fi­lier­te sich die Tank als Bestseller. Wur­den zur of­fi­zi­el­len Lan­cie­rung 1919 nur we­ni­ge Mo­del­le ge­fer­tigt, ent­fiel be­reits 1925 ein Vier­tel der ge­sam­ten Arm­band­uh­ren-pro­duk­ti­on des Hau­ses auf die neue Pro­dukt­li­nie, vor­ran­gig auf Her­ren­mo­del­le. Doch schon bald adres­sier­te Car­tier auch die mo­de­be­wuss­ten Da­men der 1920er-jah­re mit aus­ge­spro­chen fe­mi­ni­nen Aus­füh­run­gen, wie zum Bei­spiel der Tank Cin­trée (1921), de­ren ge­wölb­tes Ge­häu­se noch bes­ser am Hand­ge­lenk saß, der Tank Chi­noi­se (1922), die den da­ma­li­gen Trend zu fern­öst­li­chen Mo­ti­ven ze­le­brier­te oder die Tank à Guichets mit di­gi­tal dar­ge­stell­ter Zeit. Zur An­hän­ger­schaft zähl­te auch der Pa­scha von Mar­ra­kesch. Er äu­ßer­te den Wunsch nach ei­ner was­ser­dich­ten Aus­füh­rung, dem Car­tier mit der Lan­cie­rung der Tank Etan­che 1931 nach­kam.

Auch die fol­gen­den Jahr­zehn­te be­glei­te­te die Tank qua­si als Zeit­zeu­gin. Wei­te­re Mei­len­stei­ne in der Ah­nen­ga­le­rie sind die Tank Sa­von­net­te mit Klapp­de­ckel, die ver­klei­ner­te Pe­ti­te Tank Rectang­le und die in die Län­ge ge­zo­ge­ne Tank Al­lon­gée. Auch die Tank Asy­mé­tri­que im par­al­le­lo­gramm­för­mi­gen Ge­häu­se zeugt von der gro­ßen Wand­lungs­fä­hig­keit des Unisex-mo­dells. Bei­na­he in je­dem

Jahr­zehnt setz­te die Tank neue Ak­zen­te, oh­ne ihr ur­sprüng­li­ches Er­schei­nungs­bild zu ver­nach­läs­si­gen. Im­mer neue Ver­sio­nen de­kli­nier­ten das Prin­zip Tank durch: In den 1970er-jah­ren setz­te die be­son­ders schlan­ke Les Must de Car­tier Maß­stä­be. 1989 knüpf­te die gänz­lich neue Tank Amé­ri­cai­ne an die per­fek­ten Pro­por­tio­nen der Tank Cin­trée von 1921 an, wäh­rend die 1996 prä­sen­tier­te Neu­in­ter­pre­ta­ti­on des Ori­gi­nals, die Tank Françai­se, ins Ram­pen­licht rück­te. 2009 er­wies Car­tier dem em­ble­ma­ti­schen Mo­dell ei­ne be­son­de­re Eh­re: Ei­ne Tank wird mit dem 2008 vor­ge­stell­ten Ma­nu­fak­tur­werk 9452 MC mit flie­gen­dem Tour­bil­lon ge­adelt.

Es ver­steht sich von selbst, dass Car­tier im Ju­bi­lä­ums­jahr mit be­son­ders raf­fi­nier­ten Mo­del­len auf­war­tet. Zeit­mes­ser, die in ty­pi­scher Tan­kMa­nier ei­ne Brü­cke zwi­schen Klas­sik und Mo­der­ne schla­gen. Die­sen An­spruch er­füllt zum ei­nen die Tank Cin­trée Ske­le­ton, de­ren Uhr­werk, das Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber 9917 MC, der tra- di­tio­nel­len Hand­werks­kunst des Ske­let­tie­rens schöns­ten Aus­druck ver­leiht. Da­mit nicht ge­nug – das 9917 MC passt sich zu­dem der leich­ten Wöl­bung des Ge­häu­ses aus Rot­gold und Pla­tin an. Um die ho­ro­lo­gi­sche und kunst­hand­werk­li­che Fi­nes­se in vol­ler Schön­heit dar­zu­stel­len, ver­zich­ten die bei­den je­weils auf 100 Ex­em­pla­re li­mi­tier­ten Aus­füh­run­gen auf das klas­si­sche Tank-zif­fer­blatt, und rü­cken statt­des­sen die im Hin­ter­grund auf meh­re­re Ebe­nen ver­teil­ten Rä­der in den Vor­der­grund.

Ty­pisch Tank – zwi­schen Klas­sik und Mo­der­ne

Die Neu­zu­gän­ge in der Tank Lou­is Car­tier set­zen der ori­gi­na­len Tank ein aus­drucks­star­kes Tri­but. Schließ­lich ver­kör­pert sie bis heu­te die Quint­es­senz der Tank-phi­lo­so­phie, die in der kla­ren An­zei­ge der Zeit am Hand­ge­lenk liegt. Li­ni­en­füh­rung und Pro­por­tio­na­li­tä­ten der neu­en Mo­del­le hät­ten auch Lou­is Car­tier stolz ge­macht. Die Tank Lou­is Car­tier, die im Takt des Ka­li­ber 8971 MC mit Hand­auf­zug schlägt, ist in Rot- und Weiß­gold mit und oh­ne Dia­man­ten auf dem Ge­häu­se in drei Grö­ßen er­hält­lich.

Mu­ti­ger im De­sign sind die neu­en Aus­füh­run­gen der Tank Amé­ri­cai­ne in Edel­stahl, eben­falls in klein, groß und mit­tel er­hält­lich. Als wür­di­ge Nach­fol­ge­rin der Tank Cin­trée mit ge­wölb­tem Ge­häu­se ist die recht­ecki­ge Form kom­pak­ter ge­stal­tet, und auch Sei­ten­ste­ge und Ge­häu­se­flan­ken sind leicht ab­ge­run­det, er­schei­nen pro­mi­nen­ter. Die­se Run­dung wird von den rö­mi­schen Zif­fern und der Mi­nu­te­rie auf­ge­nom­men, die sich hier ko­kett stre­cken. Wäh­rend das klei­ne Mo­dell von ei­nem Quarz­werk ge­trie­ben wird, war­ten das mitt­le­re und das gro­ße Mo­dell mit ei­nem Au­to­ma­tik­werk auf.

Ob mit ge­wölb­tem Ge­häu­se, ge­streck­ten Zif­fern oder ske­let­tier­tem Ka­li­ber, in Edel­stahl, Gold oder Pla­tin, je­des ein­zel­ne Ju­bi­lä­ums­mo­dell zeugt da­von, dass meis­ter­li­ches De­sign auch nach 100 Jah­ren nicht an Strahl­kraft ver­liert. [2973] ———

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