IWC TEST

Preis­ka­te­go­rie bis 10000 Eu­ro

Uhren-Magazin - - Inhalt - Tex t — Mar­ti­na Rich­ter Fo­tos — Ok-pho­to­gra­phy

Der In­ge­nieur Chronograph Clas­sic mit dem neu­en Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber 69375 auf dem Prüf­stand.

Nach­dem das IWC Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber 69375 im li­mi­tier­ten In­ge­nieur Chro­no­gra­phen »Ru­dolf Ca­rac­cio­la« de­bü­tier­te, tes­ten wir es nun im neu­es­ten, un­li­mi­tier­ten Mo­dell. Über­ra­schen­der­wei­se ori­en­tiert sich die Gestal­tung der Uhr an den ers­ten Ge­ne­ra­tio­nen der In­ge­nieur-fa­mi­lie aus den 1950er- und 1960er-jah­ren und nicht an der be­kann­ten De­si­gni­ko­ne.

——— Kei­ne an­de­re Uh­ren­mar­ke ver­bin­det man so sehr mit dem In­ge­nieur­we­sen wie die IWC, die sinn­rei­chen Er­fin­der­geist so­gar in ei­ne gleich­na­mi­ge Mo­del­li­nie gießt und die­sen in aus­drucks­star­ken Zeit­mes­sern ze­le­briert. Da­bei war im Jahr 1955 die ers­te In­ge­nieur Re­fe­renz 666 ei­ne recht schlich­te, run­de Uhr, al­ler­dings von be­son­de­rer Prä­zi­si­on, gro­ßer Stoß­fes­tig­keit und Was­ser­dicht­heit so­wie mit be­son­de­rem Ma­gnet­feld­schutz und sei­ner­zeit fort­schritt­li­chem Klin­ken­auf­zug – be­nannt nach sei­nem Er­fin­der Al­bert Pel­la­ton, da­mals tech­ni­scher Di­rek­tor der IWC – aus­ge­stat­tet.

Neu­er Chronograph knüpft an In­ge­nieur-früh­ge­schich­te an

1976 ver­än­der­te die In­ge­nieur als Ver­si­on »SL« ihr Out­fit. Der be­gna­de­te De­si­gner Gé­rald Gen­ta gab ihr mit fünf Boh­run­gen in der Lü­net­te ein si­gni­fi­kan­tes Aus­se­hen. Es wur­de oft zum St­ein des An­sto­ßes, stan­den die fünf Lö­cher zwar im glei­chen Ab- stand zu­ein­an­der, aber – be­dingt durch die Ver­schrau­bung der Lü­net­te – stets in an­de­rer, zu­fäl­li­ge Po­si­ti­on hin­sicht­lich Ge­häu­se und Zif­fer­blatt, was doch so ganz und gar nicht in­ge­nieurs­mä­ßi­gem Stre­ben ent­sprach.

Den­noch oder ge­ra­de des­halb ging die­se Uhr als De­si­gni­ko­ne in die Ge­schich­te ein, wes­halb man nun die neue In­ge­nieur nicht auf An­hieb in der Tra­di­ti­on die­ser Uh­ren­li­nie sieht. Viel­leicht auch, weil ihr das mo­dell­prä­gen­de Weich­ei­sen­in­nen­ge­häu­se für er­höh­ten Ma­gnet­feld­schutz fehlt – ei­ne Aus­stat­tung, wel­che die In­ge­nieur so­gar mit ei­nem Re­kord ver­bin­det. Die »In­ge­nieur 500.000 A/m« trotz­te 1989 je­dem Ma­gnet­feld und wi­der­stand un­glaub­li­chen 3,7 Mil­lio­nen A/m. Da­zu be­nö­tig­te sie nicht ein­mal ei­nen Weich­ei­sen­man­tel, weil ei­ne ab­so­lut ama­gne­ti­sche Ni­ob-zir­kon-le­gie­rung zum Ein­satz kam.

Das Ma­te­ri­al­the­ma ist heu­te mit der Mög­lich­keit, Si­li­zi­um im Uh­ren­be­reich ein­zu­set­zen, ak­tu­el­ler denn je. Die IWC bringt es al­ler­dings noch

nicht mit der In­ge­nieur in Ver­bin­dung. Weil der neu­en aber auch der Weich­ei­sen­kä­fig fehlt, hat sie al­so kei­nen er­höh­ten Ma­gnet­feld­schutz wie zahl­rei­che ih­rer Vor­gän­ger.

Ak­tu­el­le Trends und »al­te Schu­le«

Tauch­te bei ei­nem Re­launch der In­ge­nieur im Jahr 2005 die Lü­net­te mit den fünf Boh­run­gen wie­der auf, kehr­te die IWC nun im ver­gan­ge­nen Jahr zum ganz ur­sprüng­li­chen De­sign mit ab­fal­len­der, glat­ter Lü­net­te oh­ne Boh­run­gen zu­rück. Dass die fa­cet­tier­ten St­ab­zei­ger für Mi­nu­ten und St­un­den und die In­dex-ap­pli­ken zu­sam­men mit den dar­über ge­setz­ten Leucht­punk­ten und dem Dop­pel­punkt an­stel­le der Zwölf eben­falls auf die ers­ten In­ge­nieur-mo­del­le zu­rück­ge­hen, weiß der In­si­der.

An­ge­kom­men in der Ge­gen­wart tra­gen sie trotz ih­rer po­lier­ten Kan­ten gut zur Ables­bar­keit auf dem im herr­li­chen Blau chan­gie­ren­den Zif- fer­blatt bei. Je nach Licht­ein­fall be­wegt sich der Farb­ton vom hel­le­ren Blau bis zum tie­fen Schwarz und gibt sich so­mit de­zent am Hand­ge­lenk. Denn auch wenn Blau ei­nen ak­tu­el­len Trend setzt, passt nicht je­de Farb­nu­an­ce zu ei­nem In­ge­nieur.

Der in­stru­men­ten­haf­te Auf­tritt des Blat­tes un­ter­streicht da­ge­gen den Cha­rak­ter des Be­rufs­stan­des, wo­bei die lang ge­zo­ge­nen In­dex­stri­che auf den Hilfs­zif­fer­blät­tern und der Ta­chy­me­ter­ska­la auf­fal­len. Sie mar­kie­ren zwi­schen zwei­stel­li­gen Zif­fern ei­nen ex­ak­ten Zeit­punkt – zum Bei­spiel die 30. Se­kun­de, die zehn­te Stopp­mi­nu­te oder die vier­te St­un­de auf dem Chro­no­gra­phen­coun­ter. Auch auf der Ta­chy­me­ter­ska­la am Zif­fer­blatt­rand fin­det die­se Strichin­di­zie­rung statt. Bei drei­stel­li­gen An­ga­ben trennt die Li­nie die letz­te Zif­fer, bei zwei­stel­li­gen steht sie wie auf den Coun­tern zwi­schen den bei­den Zif­fern. Der In­dex­strich mar­kiert so­mit ganz ge­nau die Ge­schwin­dig­keits­an­ga­be von bei­spiels­wei­se 175 km/h, wäh­rend man die­se oh­ne Strich schät­zen müss­te.

Die Stopp­se­kun­den­ska­lie­rung macht der In­ge­nieur Chronograph Clas­sic eben­falls rich­tig. Mit drei Teil­stri­chen ent­spricht sie der Fre­quenz von vier Hertz des neu­en Ma­nu­fak­tur­ka­li­bers 69375. Au­ßer­ge­wöhn­lich ist die An­ord­nung der Klei­nen Se­kun­de bei sechs Uhr. Bei Chro­no­gra-

IWC IN­GE­NIEUR CHRONOGRAPH CLAS­SIC Der Zeit­mes­ser lehnt sich am ganz ur­sprüng­li­chen De­sign der In­ge­nieurFa­mi­lie an und ist mit ei­nem ro­bus­ten, all­tags­taug­li­chen Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber aus­ge­stat­tet, wel­ches gut läuft und das ETA/ Val­joux 7750 er­setzt.

phen zieht sie zu­meist bei neun Uhr ih­re Krei­se. Der Platz bei der Sechs ver­weist eher auf klas­si­sche Drei­zei­ge­ruh­ren mit Klei­ner Se­kun­de.

Bei neun Uhr wer­den die Chro­no­gra­phen­stun­den und bei zwölf Uhr die ge­stopp­ten Mi­nu­ten fest­ge­hal­ten. Über den tie­fer ge­leg­ten Hilfs­zif­fer­blät­tern zie­hen stäh­ler­ne Zei­ger ih­re Krei­se, von de­nen – ent­ge­gen der Ver­mu­tung – nur die Pfeil­spit­ze der Klei­ne Se­kun­de leuch­tet. Die Stopp­funk­ti­on bleibt da­mit im Dun­keln, denn auch der zen­tra­le Stopp­se­kun­den­zei­ger ist nicht leucht­stoff­be­schich­tet. Um­so schö­ner er­scheint die leuch­tend grü­ne Zeit­an­zei­ge bei Nacht.

Mit dem neu kon­stru­ier­ten Ka­li­ber 69375 er­setzt die IWC die Chro­no­gra­phen­wer­ke auf Eta/val­joux 7750-Ba­sis und bie­tet da­mit zu­gleich ei­ne preis­wer­te Al­ter­na­ti­ve zur Ma­nu­fak­tur-bau­rei­he 89000. Muss man für un­se­re Te­stuhr 8750 Eu­ro be­zah­len, kos­tet der neue Chronograph Sport mit dem Ka­li­ber 89361 in der ak­tu­el­len In­ge­nieur-li­nie 12300 Eu­ro. Da­für hat die­ser ei­ne Fly­back-funk­ti­on und ei­ne hö­he­re Gan­g­re­ser­ve von 68 St­un­den.

Chro­no­gra­phen­werk ist Iwc-ty­pisch und all­tags­taug­lich

Die Gang­au­to­no­mie des Ka­li­bers 69375 von 46 St­un­den ist für heu­ti­ge Ver­hält­nis­se eher knapp be­mes­sen, die Rück­er­re­gu­lie­rung der Un­ruh ein­fa­cher als die über Un­ruh­schrau­ben im Ka­li­ber 89361. An­sons­ten bie­tet das Chro­no­gra­phen­werk 69375 eben­falls ei­ne Schalt­rad­steue­rung, Schwing­trieb­kupp­lung und ei­nen neu­en beid­sei­tig ef­fek­tiv auf­zie­hen­den Klin­ken­auf­zug (nicht nach Pel­la­ton). Durch den Sa­phirglas­bo­den ent­deckt man zu­dem zahl­rei­che De-

tails Iwc-ty­pi­scher Ka­li­ber­bau­wei­se, wie Kreis­schlif­fe, Per­la­gen und den ske­let­tier­ten Ro­tor mit der Gra­vur »Pro­bus Sca­fu­sia«. Das Werk läuft im Test­la­bor gut und aus­ge­wo­gen. Es geht bei Voll­auf­zug, nach 24 St­un­den Gang­dau­er und im Chro­no­gra­phen­be­trieb um die 1,5 Se­kun­den am Tag vor. Am Hand­ge­lenk ist es al­ler­dings et­was schnel­ler und liegt bei knapp fünf Se­kun­den Ab­wei­chung am Tag.

Das Ka­li­ber 69375 steckt in ei­nem eben­so klas­si­schen Ge­häu­se wie die ers­te In­ge­nieur, al­ler­dings von zeit­ge­mä­ßem Aus­maß mit 42 Mil­li­me­tern Durch­mes­ser und statt­li­chen 15 Mil­li­me­tern Bau­hö­he. Die ge­rän­del­te Schraub­kro­ne ist eben­so gut zu hand­ha­ben wie die gro­ßen recht­ecki­gen Chro­no­gra­phen­drü­cker mit – an­ge­sichts der da­hin­ter ste­cken­den Schalt­rad­tech­nik – sehr aus­ge­wo­ge­nen Druck­punk­ten.

Raum für neue In­ge­nieurs­leis­tun­gen

Wie von der In­ge­nieur ge­wohnt, setzt an in­te­grier­ten An­schluss­stü­cken ein Edel­stahl­arm­band am Ge­häu­se an. Es wur­de spe­zi­ell für die­se neue In­ge­nieur ent­wi­ckelt und be­steht aus sa­ti­nier­ten und po­lier­ten Band­glie­dern. Die Über­gän­ge zwi­schen ih­nen sind har­mo­nisch flie­ßend und mün­den in ei­ner eben­sol­chen Druck­falt­schlie­ße mit in­no­va­ti­vem Fein­jus­tie­rungs­sys­tem. Oh­ne dass man die Schlie­ße öff­nen muss, lässt sich da­mit die Län­ge des Ban­des um et­wa sie­ben Mil­li­me­ter va­ri­ie­ren. Per Knopf, der cle­ver und char­mant zu­gleich in ei­nem Lo­go-but­ton in­ner­halb der Schlie­ße ver­steckt ist. Das ist Mar­ken­pfle­ge, aus­ge­reif­te Tech­nik und Un­der­state­ment zu­gleich – En­gi­nee­ring, wie man heu­te zum In­ge­nieurs­we­sen zu sa­gen pflegt. [3291] ——— Be­wer­tung in der Preis­ka­te­go­rie bis 10 000 Eu­ro

Über­blick: Das schö­ne, blaue Zif­fer­blatt ist sor­tiert und gut ab­les­bar. Ex­ak­te Ska­len un­ter­strei­chen den In­ge­nieur-cha­rak­ter.

Prak­tisch: In der funk­tio­na­len Druck­falt­schlie­ße ist un­ter dem Iwc-lo­go-but­ton ei­ne Band­ver­län­ge­rung cle­ver ver­steckt.

Va­ri­an­te: Zum glei­chen Preis mit Ar­gen­té-zif­fer­blatt und ver­gol­de­ten De­tails.

Edel­me­tall: Der In­ge­nieur Chronograph in Rot­gold kos­tet 19 900 Eu­ro.

Ori­gi­nal­grö­ße: Der In­ge­nieur Chronograph mit 42,26 Mil­li­me­ter Durch­mes­ser.

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