55 Jah­re Car­re­ra

Preis­span­ne von 1 100 Eu­ro bis 180000 Eu­ro

Uhren-Magazin - - Inhalt - Tex t — Me­lis­sa Göß­ling Fo­tos — Her­stel­ler

Die Chro­no­gra­phen-iko­ne hat sich im Lau­fe der Jahr­zehn­te stark ver­än­dert.

Die Car­re­ra kam 1963 auf den Markt und über­zeug­te schnell nicht nur Renn­fah­rer mit ih­rem kla­ren, sehr gut ab­les­ba­ren De­sign. Heu­te ist sie ei­ne Iko­ne und die wich­tigs­te Säu­le in der Kol­lek­ti­on von TAG Heu­er. ——— Zum 55. Ge­burts­tag in die­sem Jahr spen­diert die Mar­ke TAG Heu­er ih­rem le­gen­dä­ren Chro­no­gra­phen ein neu­es Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber. Die Car­re­ra Heu­er 02 äh­nelt op­tisch kaum noch dem Ur­mo­dell aus den sech­zi­ger Jah­ren. Und den­noch trägt auch der neue Ma­nu­fak­tur­chro­no­graph die DNA der Schwei­zer Mar­ke in sich: Prä­zi­se Zeit­mes­sung und ra­san­ter Renn­sport.

Die Car­re­ra ent­stand auf der Renn­stre­cke. Jack W. Heu­er hat­te ei­nen Chro­no­gra­phen mit ei­nem be- tont schlich­ten Zif­fer­blatt ent­wi­ckelt, der noch ei­nen Na­men brauch­te. Der Zu­fall soll­te dem Uren­kel des Heu­erG­rün­ders Edouard Heu­er zu Hil­fe kom­men. 1963 war Jack W. Heu­er beim 12-St­un­den-ren­nen von Se­bring vor Ort, weil sei­ne Fir­ma für die Zeit­mes­sung ver­ant­wort­lich war. So traf Heu­er auf den Renn­fah­rer Ri­car­do Ro­d­ri­guez, der ihm von der Ral­lye Car­re­ra Pan­ame­ri­ca­na er­zähl­te. Das brach­te Heu­er auf den Na­men sei­nes neu­en Stahl-chro­no­gra­phen. Die Idee zur Car­re­ra kam Heu­er bei der Ent­wick­lung der Au­ta­via – je­nem Sport­chro­no­gra­phen, der Au­to­mo­bilfreun­de wie Luft­fah­rer glei­cher­ma­ßen an­spre­chen soll­te. Die mar­kan­te Drehlü­net­te der Au­ta­via ließ Heu­er für sei­nen neu­en Chro­no­gra­phen ein­fach weg. Der Clou war das Zif­fer­blatt­de­sign: Wie an­de­re Her­stel­ler auch ver­wen­de­te Heu­er für den Chro­no­gra­phen ein ar­mier­tes Ple­xi­glas, das sich zur Stei­ge­rung der Was­ser­dicht­heit über das Zif­fer­blatt wölb­te. Es wur­de von ei­nem Spann­ring ge­gen die Lü­net­te ge­drückt.

Heu­er war die ers­te Uh­ren­fir­ma, die die Schrä­ge des Spann­rings nutz­te. Auf die­ser ließ Heu­er die Se­kun­den­ska­la des Chro­no­gra­phen auf­dru­cken. So wur­de das Zif­fer­blatt op­tisch grö­ßer und op­ti­mal ab­les­bar. Zu­sam­men mit tie­fer ge­setz­ten Hilfs­zif­fer­blät­tern er­hielt das Zif­fer­blatt ei­ne leicht drei­di­men­sio­na­le Op­tik.

Die Car­re­ra – Ver­bin­dung von Arm­band­uhr und Mo­tor­sport

Den neu­en Chro­no­gra­phen gab es von An­fang an mit ei­nem wei­ßen und ei­nem schwar­zen Zif­fer­blatt so­wie mit zwei oder drei To­ta­li­sa­to­ren. Als Mo­tor setz­te Heu­er ent­we­der das Val­joux 92 oder das Val­joux 72 ein. Bei­de Hand­auf­zugs­wer­ke ar­bei­te­ten mit ei­nem Schalt­rad. Dar­über hin­aus bot Heu­er die Car­re­ra auch mit De­zi­ma­lo­der Ta­chy­me­ter­ska­la an. In dem ver­wen­de­ten Val­joux 92 kam üb­ri­gens das von Edouard Heu­er 1886 ent­wi­ckel­te Schwing­trieb zum Ein­satz. Die­se be­weg­lich mon­tier­te Wel­le mit zwei Rit­zeln er­setz­te die re­la­tiv kost­spie­li­ge Chro­no­gra­phen­kupp­lung. Bis heu­te ar­bei­tet die­se Er­fin­dung zum Bei­spiel im Best­sel­ler­werk Eta/val­joux 7750. Die Ver­bin­dung von Arm­band­uhr und Mo­tor­sport spie­gel­te sich bei Heu­er nicht nur im Mo­dell­na­men der Car­re­ra (Car­re­ra be­deu­tet im Spa­ni­schen »Ren­nen«) wie­der. Von 1971 bis 1979 er­hielt je­der Renn­fah­rer von Scu­de­ria Fer­ra­ri ei­nen Car­re­ra-chro­no­gra­phen in Gold mit dem ei­ge­nen Na­men und der Bluts­grup­pe auf dem Ge­häu­se­bo­den ein­gra­viert. Das Heu­er-lo­go be­fand sich zu­dem auf den Ren­no­ver­alls und den Fer­ra­ri-for­mel-1-wa­gen. Da­mit war Heu­er die ers­te Uh­ren­fir­ma, die als Spon­sor der For­mel 1 ak­tiv wur­de.

Die­se Part­ner­schaft war für Heu­er sehr nütz­lich. Denn 1969 hat­te die noch klei­ne Mar­ke in Zu­sam­men­ar­beit mit Breit­ling, Ha­mil­ton-büren und Du­bo­is Dé­praz ei­nes der ers­ten Au­to­ma­tik-chro­no­gra­phen­wer­ke vor­ge­stellt. Heu­er setz­te das neue Ka- li­ber 11, auch Chro­no­ma­tic ge­nannt, gleich in drei Mo­del­le ein – dar­un­ter die Car­re­ra. Er­ken­nungs­zei­chen die­ses Ka­li­bers war die Kro­ne auf der lin­ken Sei­te. Mit dem neu­en Werk gab es für die Car­re­ra auch ein neu­es De­sign. Pas­send für die sieb­zi­ger Jah­re er­schien das Ge­häu­se nun kis­sen­för­mig. Um ei­ner Ta­chy­me­ter­ska­la Platz zu ma­chen, wan­der­te die Se­kun­den­ein­tei­lung vom Hö­hen­ring auf das Zif­fer­blatt.

Mit dem Auf­kom­men der Qu­arz­tech­nik En­de der 70er-/an­fang der 80er-jah­re gab es auch ei­ne elek­tro­ni­sche Car­re­ra oh­ne Stopp­funk­ti­on. 1982 for­der­te die Quarz­kri­se sei­nen Tri­but und Jack W. Heu­er muss­te sei­ne Fir­ma ver­kau­fen. Zehn Pro­zent der Fir­men­an­tei­le gin­gen an den

Schwei­zer Wer­ke­her­stel­ler Nou­vel­le Lé­ma­nia, so dass die Car­re­ra fort­an mit dem Au­to­ma­tik­ka­li­ber Lé­ma­nia 5100 aus­ge­stat­tet wur­de. Bis 1986 gab es den Stop­per in Edel­stahl, schwarz be­schich­tet oder in Gold. Er­ken­nungs­merk­mal des Lé­ma­ni­aWer­kes war der zen­tra­le Mi­nu­ten­zäh­ler. 1985 er­warb die Lu­xem­bur­ger Hol­ding TAG (Tech­ni­ques d’avant­Gar­de) 52 Pro­zent der Fir­men­ak­ti­en und aus Heu­er wur­de TAG Heu­er. Es soll­ten fort­an vor al­lem sport­li­che Zeit­mes­ser in grö­ße­ren Ge­häu­sen pro­du­ziert wer­den, so dass die Car­re­ra zu­nächst ein­mal aus der Kol­lek­ti­on ver­schwand.

1996 leg­te TAG Heu­er ei­ne ori­gi­nal­ge­treue Re-edi­ti­on der Car­re­ra von 1964 auf. Sie be­saß ein 36 Mil­li­me­ter gro­ßes Ge­häu­se aus Edel­stahl oder Gold. Das Zif­fer­blatt in Schwarz oder Sil­ber be­zie­hungs­wei­se kup­fer­far­ben trug das al­te Heu­er-lo­go. Nur der Schrift­zug »Car­re­ra« fehl­te, da es zwi­schen­zeit­lich ei­nen Kon­flikt mit Por­sche we­gen der Mar­ken­rech­te gab. Dies wur­de aber schnell ge­klärt und seit­dem tra­gen al­le Mo­del­le wie­der den Na­men Car­re­ra auf dem Zif­fer­blatt. Es folg­ten Mo­del­le mit den heu­te ty­pisch farb­lich ab­ge­setz­ten Rin­gen um die Hilfs­zif­fer­blät­ter.

Die Car­re­ra – Man­tel uhr­ma­che­ri­scher In­no­va­tio­nen

Nach der In­te­gra­ti­on von TAG Heu­er in den Lu­xus­gü­ter­kon­zern LVMH im Jahr 1999 ka­men auch Car­re­ras oh­ne Chro­no­gra­phen­funk­ti­on auf den Markt. Die Ge­häu­se wur­den grö­ßer, das De­sign mo­der­ner, kratz­fes­tes Sa­phirglas wur­de ein­ge­setzt eben­so wie alt­be­kann­te Eta-wer­ke.

Den­noch soll­te die Car­re­ra auch Ge­gen­stand tech­ni­scher In­no­va­tio­nen sein. Mit der Car­re­ra Ca­li­bre 360 lan­cier­te TAG Heu­er 2005 die ers­te me­cha­ni­sche Arm­band­uhr, die Zeit­in­ter­val­le bis auf die Hun­derts­tel­se­kun­de ge­nau stop­pen konn­te. Die Jah­re dar­auf folg­ten die hoch­prä­zi­sen Stop­per na­mens Car­re­ra Mi­kro­graph 1/100th, Mi­krot­i­mer Fly­ing 1000, Mi­kro­gir­der 10000 und die Car­re­ra Mi­kro­pen­du­lum.

Im Jahr 2010, zum 150-jäh­ri­gen Be­ste­hen der Fir­ma, stell­te TAG Heu­er nach dem Ka­li­ber 11 wie­der ein ei­ge­nes Ba­sis­ka­li­ber für Chro­no­gra­phen vor. Das Au­to­ma­tik­werk 1887 stamm­te kon­struk­tiv von Sei­ko. TAG Heu­er wech­sel­te die Hem­mung und Stoß­si­che­rung aus und setz­te den Schwing­trieb statt der ver­ti­ka­len Kupp­lung ein. Vor­ge­stellt wur­de das Werk in der Car­re­ra. Sel­bi­ge war auch der Man­tel für das 2015 vor­ge­stell­te Heu­er 01. Die­se Wei­ter­ent­wick­lung des Ca­li­bre 1887 er­hielt ein ro­tes, statt wie bis­her blau­es, Säu­len­rad und ei­ni­ge Uhr­werks­tei­le er­schie­nen nun ske­let­tiert. 2016 kam das Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber Heu­er 02T mit Chro­no­gra­phen­funk­ti­on und Tour­bil­lon. Die Sen­sa­ti­on war der Ein­füh­rungs­preis der da­zu­ge­hö­ri­gen Uhr von un­ter 15000 Eu­ro, was für ei­ne Tour­bil­lonUhr ver­hält­nis­mä­ßig preis­wert war.

Die Car­re­ra – heu­te größ­te Kol­lek­ti­on von TAG Heu­er

Die­ses Jahr er­hält die Car­re­ra, wie ein­gangs er­wähnt, das Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber Heu­er 02. Das Werk de­bü­tier­te 2017 in der Au­ta­via. Man er­kennt es an der Tri­kom­pax-auf­tei­lung mit den Hilfs­zif­fer­blät­tern bei drei, sechs und neun Uhr. Den Chro­no­gra­phen gibt es auch mit zu­sätz­li­cher Gmt-funk­ti­on. Da­für weicht die Ta­chy­me­ter­ska­la auf der Lü­net­te ei­nem 24-St­un­den-ring.

Wie wich­tig TAG Heu­er die Car­re­ra ist, zeigt sich auch an der Ein­füh­rung der Smart­watch im Jahr 2016. Das Ge­häu­se und die di­gi­ta­len Zif­fer­blät­ter der Car­re­ra Con­nec­ted Mo­du­lar tra­gen die De­si­gn­merk­ma­le der Car­re­ra-kol­lek­ti­on.

Die Car­re­ra ist heu­te die größ­te Kol­lek­ti­on von TAG Heu­er. Und bis heu­te hält die Mar­ke die Ver­bin­dung zum Mo­tor­sport auf­recht. Zum Bei­spiel ist TAG Heu­er of­fi­zi­el­ler Zeit­neh­mer der ers­ten voll­elek­tri­schen Renn­se­rie For­mel E und spon­sert seit 2016 das For­mel-1-team Red Bull Ra­c­ing. [3189] ———

Neu­heit: Die jüngs­te Version der Car­re­ra tickt mit dem Ma­nu­fak­tur­werk Heu­er 02. 4800 Eu­ro.

Neu­auf­la­ge: 1996 er­schien ei­ne Re-edi­ti­on der Car­re­ra von 1964 – al­ler­dings oh­ne Car­rer­aSchrift­zug auf dem Zif­fer­blatt.

Pre­mie­re: Mit dem neu­en Ka­li­ber 11 ge­hör­te die Car­re­ra 1969 zu den ers­ten Au­to­ma­tik­chro­no­gra­phen der Welt.

22 Die Smart­watch Car­re­ra Con­nec­ted Mo­du­lar ist das zu­kunfts­wei­sen­de Mo­dell der Kol­lek­ti­on. Ab 1100 Eu­ro.

44 Das Heu­er 01 in dem gleich­na­mi­gen Chro­no­gra­phen ist ei­ne Wei­ter­ent­wick­lung des Ca­li­bre 1887. 4800 Eu­ro.

33 Den neu­en Chro­no­gra­phen gibt es auch mit zu­sätz­li­cher Gmt-funk­ti­on als Car­re­ra Heu­er 02 GMT für 5500 Eu­ro.

1 1 Das Ba­sis­mo­dell mit haus­ei­ge­nem Au­to­ma­tik­werk heißt Car­re­ra Ca­li­bre 1887. 4200 Eu­ro.

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