Kampf ge­gen Feu­er und Eis

Durch Schlamm krie­chen, über bren­nen­de Heu­bal­len sprin­gen und durch eis­kal­tes Was­ser schwim­men – im­mer mehr Men­schen ver­brin­gen ih­re Frei­zeit bei sol­chen Ex­trem-hin­der­nis­läu­fen. Raf­fa­el Zel­ler, di­plo­mier­ter Bau­in­ge­nieur und Ex­trem­sport­ler aus Lei­den­schaft

Uhren-Magazin - - Special - Te x t — Me­lis­sa Göß­ling Fo­tos — Raf­fa­el Zel­ler, Manfred Zim­mer­mann (3), Ni­ko­la Kuz­ma­nic (1), Ful­da Chal­len­ge (1)

——— Es ist tief in der Nacht. Der Wett­kampf dau­ert schon St­un­den, und der Kör­per ist mü­de. Völ­lig durch­nässt, frie­rend und un­ter Schmer­zen muss er ei­nen zwölf Me­ter ho­hen Fel­sen hin­auf­lau­fen. Von hier oben heißt es nun, in dunk­les Was­ser zu sprin­gen. Doch es weht ein kräf­ti­ger Wind. »Der Kör­per be­wegt sich dann ein­fach zur Sei­te und man kommt nicht mehr mit den Fü­ßen ge­ra­de auf. Das sind Schmer­zen, die nicht so an­ge­nehm sind.« Trotz­dem läuft Raf­fa­el Zel­ler wei­ter.

65 der ins­ge­samt 100 Mei­len hat­te er so beim World’s Toughest Mud­der in Las Ve­gas im Jahr 2015 ge­schafft. Wie mo­ti­viert man sich zum Wei­ter­lau­fen? »Es ist ei­ne Kopf­sa­che. Ich ha­be mir ge­sagt, ich flieg’ nicht ein­mal um die gan­ze Welt, um dann nach ei­ner Run­de zu sa­gen, es ist mir doch zu an­stren­gend.«

Die in­ne­re Ein­stel­lung ist ein ent­schei­den­der Fak­tor beim Sport. Aber Zel­ler kann auch auf vie­le Jah­re Er­fah­rung in ver­schie­de­nen Ex­trem­spor­ar­ten zu­rück­grei­fen. »Man igno- riert dann auch Schmer­zen, die ir­gend­wann auf­tau­chen«, er­klärt er.

Raf­fa­el Zel­ler ab­sol­vier­te in den neun­zi­ger Jah­ren ei­ne mi­li­tä­ri­sche Aus­bil­dung und qua­li­fi­zier­te sich Jah­re spä­ter für den deut­schen Ka­der des Mi­li­tä­ri­schen Fünf­kamp­fes.

Eins wer­den mit der Na­tur klappt nur beim Hin­der­nis­lau­fen

Hier ent­deck­te er sei­ne Lei­den­schaft für das Hin­der­nis­lau­fen: »Das rei­ne Lau­fen hat im­mer et­was Mo­no­to­nes. Ob ich an ei­nem Ma­ra­thon in Bot­trop oder New York teil­neh­me, im­mer läuft man durch ei­ne Art Be­ton­wüs­te. Der Ex­trem-hin­der­nis­lauf hat ein ganz an­de­res Um­feld. Man wird in ge­wis­ser Wei­se eins mit der Na­tur – läuft durch Was­ser und Matsch.«

Tat­säch­lich hat der Ex­trem-hin­der­nis­lauf, wie er heu­te po­pu­lär ist, sei­nen Ur­sprung in der mi­li­tä­ri­schen Gr­und­aus­bil­dung. Um Ko­or­di­na­ti­on, Aus­dau­er, Kraft und Schnel­lig­keit für den Ein­satz zu trai­nie­ren, müs­sen an­ge­hen­de Sol­da­ten in vol­ler Aus­rüs­tung ei­ne Hin­der­nis­bahn ab­sol­vie- ren. Auf ei­ner meh­re­re hun­dert Me­ter lan­gen Stre­cke gilt es, Was­ser­grä­ben, Mau­ern oder Ab­schnit­te mit St­a­chel­draht mög­lichst schnell zu über­win­den. Aber auch der mo­der­ne Fünf­kampf und der klas­si­sche Hin­der­nis­lauf er­in­nern an den Trend­sport. Bei­de Sport­ar­ten sind seit über hun­dert Jah­ren olym­pi­sche Dis­zi­pli­nen. Als ers­ter zi­vi­ler Ex­trem-hin­der­nis­lauf gilt das Tough Guy Race in En­g­land, das von Bil­ly Wil­son 1986

ins Le­ben ge­ru­fen wur­de und bis 2017 ein­mal im Jahr statt­fand. Raf­fa­el Zel­ler nahm an die­sem Ren­nen 2007 teil. Ne­ben bren­nen­den Heu­bal­len, eis­kal­ten Was­ser­tüm­peln, haus­ho­hen Ge­rüs­ten oder strom­ge­la­de­nen Ka­beln war auch das Wet­ter ei­ne Her­aus­for­de­rung. Das Tough Guy Race fand stets im Ja­nu­ar statt. Käl­te lässt den Kör­per schnell aus­küh­len, so dass selbst ein­fa­che Hin­der­nis­se schier un­über­wind­lich er­schei­nen. »Ei­nes der letz­ten Hin­der­nis­se wa­ren meh­re­re hüft­ho­he, in ei­ner Rei­he auf­ge­bau­te Ab­was­ser­ka­nal­röh­ren aus Be­ton. Die Auf­ga­be war denk­bar leicht: ein­fach über­klet­tern. Nor­ma­ler­wei­se ein Kin­der­spiel. Für uns to­tal un­ter­kühl­te Sport­ler der größ­te Alb­traum,« er­in­nert sich Zel­ler. Aber »man wächst auch an die­sen Hin­der­nis­sen. Je­des Mal, wenn man ein Hin­der­nis be­zwun­gen hat, wer­den En­dor­phi­ne frei ge­setzt und man hat Er­folgs­er­leb­nis­se.« Das macht für Zel­ler den Reiz an Ex­trem-hin­der­nis­läu­fen aus: Dass man sich mit je­dem Han­di­cap im­mer wie­der selbst her­aus­for­dern und über­win­den muss, aber so­fort da­für be­lohnt wird.

Ei­ne Aus­rüs­tung, auf die man sich ver­las­sen kann

Ei­ne be­son­de­re Her­aus­for­de­rung war die Ful­da Chal­len­ge. Der als ark­ti­scher Zehn­kampf be­kann­te Wett­be­werb fand bis 2014 ein­mal im Jahr im ka­na­di­schen Yu­kon statt. Ge­mein­sam mit ei­ner Part­ne­rin trat Zel­ler ge­gen vier Teams an. Da­bei galt es die meis­ten Punk­te zu er­kämp­fen, aber auch die bes­te Zeit – wie zum Bei­spiel bei ei­nem Ma­ra­thon zum 66. Brei­ten­grad bei mi­nus 19 Grad Au­ßen­tem­pe­ra­tur. Für die Zeit­kon­trol­le trug Zel­ler die Flie­ge­ruhr EZM 9 von Sinn Spe­zi­al­uh­ren. Das klar ge­glie­der­te Zif­fer­blatt ist gut ab­les­bar, und dank der Te­gi­men­tie­rung be­kommt das Ti- tan­ge­häu­se nicht so schnell Krat­zer. Zel­ler trägt ei­ne Uhr im­mer am Si­li­kon­band mit Falt­schlie­ße. »Das Si­li­kon ist prak­tisch, weil es von Schweiß und Was­ser nicht be­ein­träch­tigt wird .« Die V er län­ge­rungs mög­lich­keit in der Falt­schlie­ße ge­fällt ihm auch: »So kann ich die Uhr über der Klei­dung tra­gen und ha­be die Zeit im­mer im Blick.«

Ak­tu­ell trägt der Ex­trem­sport­ler dieU1000S(EZM6)d es Frank­fur­ter Ein­satz­uh­ren-her­stel­lers. An die­sem Mo­dells ch ätzt Zel­ler,d ass die Chro­no­gra­phend rü­cke rund die Kro­ne auf der lin­ken Ge­häu­s­e­sei­te sit­zen. Das Hand­ge­lenk ist da­durch bes­ser ge­schützt, wenn man über Hin­der­nis­se klet­tert oder sich ab­stützt. Die schwar­ze Be­schich­tung wie­der­um ab­sor­biert das Licht, so dass kei­ne stö­ren­den Re­fle­xio­nen ent­ste­hen. Bei mi­li­tä­ri­schen Wett­kämp­fen, wenn es dar­um geht, in der Nacht nicht auf­zu­fal­len, kön­nen Spie­ge­lun­gen über Sieg oder Nie­der­la­ge ent­schei­den.

Grund­sätz­lich die­nen Arm­band­uh­ren Ex­trem sport­lern für die Zeit­mes­sung, aber bei man­chen Hin­der­nis­läu­fen und den mi­li­tä­ri­schen Viel­sei­tig­keits wett­kämp­fen gibt es auch Ori­en­tie­rungs läu­fe. GPS ist nicht er­laubt, al­so nutz­tZell er dann ei­nen

pro­fes­sio­nel­len Lauf­kom­pass und ei­ne me­cha­ni­sche Arm­band­uhr. Sie dient zur Be­stim­mung der Mar­sch­rich­tung und zur Kon­trol­le der Him­mels­rich­tun­gen. Häu­fig fin­den Ori­en­tie­rungs­läu­fe in der Nacht statt, wes­halb die Uhr auch über ei­ne gu­te Nach­ta­bles­bar­keit ver­fü­gen muss.

Der World’s Toughest Mud­der in Las Ve­gas war für Zel­ler »ein Lauf der Su­per­la­ti­ve«. Die 100 Mei­len durch die Wüs­te muss­ten in­ner­halb von 24 St­un­den oh­ne Schlaf ge­meis­tert wer­den. Ex­tre­me Tem­pe­ra­tur­schwan­kun­gen am Tag und in der Nacht und Schlaf­man­gel for­der­ten selbst ei­nen Pro­fi wie Zel­ler be­son­ders her­aus. Kür­ze­re Ex­trem­läu­fe, wie sie bei­na­he je­des Wo­che­n­en­de in Eu­ro­pa statt­fin­den, ha­ben für ihn an Reiz ver­lo­ren. Trotz­dem macht er wei­ter und sucht im­mer wie­der das Aben­teu­er. Ex­trem-hin­der­nis­läu­fe »er­in­nern an die Kind­heit«, meint Zel­ler. »End­lich kann man sich mal wie­der dre­ckig ma­chen, und sich vol­ler Ad­re­na­lin in Aben­teu­er stür­zen.« Au­ßer­dem kön­ne man so ein­mal aus der wohl­be­hü­te­ten mo­der­nen Welt aus­bre­chen. Des­halb be­rei­tet sich Raf­fa­el Zel­ler ak­tu­ell schon wie­der auf den nächs­ten Ex­trem-lauf vor. Der führt ihn wie­der nach Ka­na­da. [5924] ———

EN­DOR­PHI­NE UND EX­TRE­ME Raf­fa­el Zel­ler rei­zen die im­mer neu­en Her­aus­for­de­run­gen beim Ex­trem- Hin­der­nis­lauf, de­nen er sich stel­len muss. Da­bei stei­gen Kind­heits­er­in­ne­run­gen auf, und der Aben­teu­er­geist wird ge­weckt.

Die Zeit im Blick: Ein stra­pa­zier­fä­hi­ger Zeit­mes­ser ist Raf­fa­el Zel­ler beim Hin­der­nis­lauf sehr wich­tig.

Ex­trem-hin­der­nis­lauf: Beim »Mu­dia­tor« auf dem Ho­cken­heim­ring 2016.2 Här­te­test: Die Wäl­der in der Kur­pfalz bie­ten na­tür­li­che Hin­der­nis­se.3 Ex­tre­me Käl­te: Die Ma­ra­thon­stre­cke bei der Ful­da Chal­len­ge 2014 führ­te zum Po­lar­kreis.4 Feu­er­wall: Der Ziel­ein­lauf des Spar­tan Race in Mün­chen stand 2014 in Flam­men.5 Ge­schafft: Raf­fa­el Zel­ler freut sich über den Etap­pen­sieg bei der Ful­da Chal­len­ge.

Zu­ver­läs­si­ger Be­glei­ter: Bei sei­nen Ex­trem­läu­fen setzt Raf­fa­el Zel­ler auf die U1000 S von Sinn. Preis: 4240 Eu­ro.

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