Lu­na­ti­on

Uhren-Magazin - - Journal -

Der Mond übt als erd­nächs­ter Him­mels­kör­per ei­ne ganz be­son­de­re An­zie­hungs­kraft auf uns aus. Schon in al­ten Kul­tu­ren spiel­te er ei­ne re­li­giö­se und my­tho­lo­gi­sche Rol­le, in­spi­rier­te Dich­ter, be­scher­te Lie­bens­paa­ren ro­man­ti­sche Näch­te und be­för­der­te den Mond­glau­ben und Re­geln wie: Haa­re schnei­den las­sen bei ab­neh­men­dem Mond, Bäu­me pflan­zen bei zu­neh­men­dem Mond. Wir wis­sen al­ler­dings nicht nur von Eb­be und Flut, dass der Mond das Le­ben auf der Er­de tat­säch­lich be­ein­flusst. Sei­ne An­zie­hungs­kraft bremst die Erd­ro­ta­ti­on. Gä­be es sie nicht, wür­de sich der Glo­bus drei­mal schnel­ler um sei­ne ei­ge­ne Ach­se dre­hen. Der Tag wä­re nur acht St­un­den lang, und es gä­be Wind­be­we­gun­gen von 300 bis 500 Ki­lo­me­tern pro St­un­de. Mehr noch: Oh­ne un­se­ren blas­sen Nach­barn gä­be es gro­ße Tem­pe­ra­tur- und Kli­ma­schwan­kun­gen. Wie­so? Die Schwer­kraft des Mon­des hält die Er­de sta­bil. Oh­ne sie wür­de die Erd­ach­se al­le paar Mil­lio­nen Jah­re um bis zu 85 Grad kip­pen. Die Men­schen nutz­ten schon früh den re­gel­mä­ßi­gen Zy­klus des Mon­des für die Be­stim­mung von Zeit­span­nen und als Ba­sis ers­ter Ka­len­der. Et­wa 4000 Jah­re v. Chr. bis 700 Jah­re n. Chr. zähl­te man die Zeit von ei­nem Voll­mond bis zum nächs­ten als ei­nen Mo­nat. Die­se Zeit, die der Mond für ei­nen Um­lauf um die Er­de, be­zo­gen auf sei­ne Stel­lung zur Son­ne, be­nö­tigt, heißt Lu­na­ti­on (vom Latei­ni­schen: Lu­na = Mond). Man spricht von ei­nem syn­odi­schen Mo­nat, nach­dem der Mond wie­der die glei­che Stel­lung zu Son­ne und Er­de er­reicht. Wir neh­men die­sen Mo­nat als Pe­ri­ode der Mond­pha­sen wahr. Sie ent­ste­hen durch die un­ter­schied­li­chen Stel­lun­gen des Mon­des zur Er­de und zur Son­ne und den dar­aus re­sul­tie­ren­den Be­leuch­tungs­win­keln un­se­res Erd­tra­ban­ten durch die Son­ne – und un­ter­schei­den zwi­schen Ne­u­mond, zu­neh­men­dem Mond, Voll­mond und ab­neh­men­dem Mond. Ei­ne Lu­na­ti­on dau­ert et­wa 29,531 Ta­ge (29 Ta­ge, 12 St­un­den, 44 Mi­nu­ten und 2,9 Se­kun­den). Wen wun­dert’s al­so, dass die An­zei­ge der Mond­pha­sen in der Uhr­ma­che­rei ei­ne lan­ge Tra­di­ti­on hat? Da man die Lu­na­ti­on nicht in ein Rä­der­werk gie­ßen kann, be­läuft sich die klas­si­sche Mond­pha­sen­kon­struk­ti­on auf 29,5 Ta­ge. Ein hal­ber Tag lässt sich al­ler­dings schwer über­set­zen, wes­halb man bei der ein­fa­chen Art der Mond­pha­sen­an­zei­ge ein Mond­rad mit 59 Zäh­nen für zwei­mal 29,5 Ta­ge be­nutzt. Auf der Mond­schei­be be­fin­den sich dann zwei ge­gen­über­lie­gen­de Mon­de, von de­nen im­mer nur ei­ner auf dem Zif­fer­blatt zu se­hen ist. Das Rä­der­werk be­wegt die Schei­be ein­mal pro Tag um ei­nen Zahn wei­ter, um die Mond­pha­se kor­rekt dar­zu­stel­len. Die­se Art der Mond­pha­sen­an­zei­ge geht jähr­lich rund acht St­un­den oder in drei Jah­ren ei­nen gan­zen Tag falsch. Dann muss man sie kor­ri­gie­ren. Mit mehr Rä­dern, Über­set­zun­gen und Zäh­nen geht es noch prä­zi­ser. Bei kom­pli­zier­te­ren Mecha­nis­men muss die Mond­pha­sen­an­zei­ge erst nach über hun­dert oder meh­re­ren hun­dert Jah­ren um ei­nen Tag kor­ri­giert wer­den. Man spricht von as­tro­no­mi­schen Mond­pha­sen­an­zei­gen. [6585] Ma­ri

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