Uni­on Glas­hüt­te

Die No­ra­mis Da­tum von Uni­on Glas­hüt­te bie­tet Re­tro-stil in voll­ende­ter Form, ist aber tech­nisch auf der Hö­he der Zeit: Hin­ter der De­sign-fas­sa­de der Ver­gan­gen­heit ar­bei­tet ein mo­der­nes, leis­tungs­star­kes Au­to­ma­tik­ka­li­ber.

Uhren-Magazin - - Inhalt - Te x t — Mar­ti­na Rich­ter Fo­tos — Her­stel­ler

Die No­ra­mis Da­tum bie­tet Re­tro-stil in voll­ende­ter Form. An­ge­trie­ben wird sie von ei­nem leis­tungs­star­ken Au­to­ma­tik­ka­li­ber.

——— Die der­zeit äu­ßerst po­pu­lä­ren Re­tro-uh­ren grei­fen le­dig­lich den Stil der Ver­gan­gen­heit auf, sind aber an­sons­ten neu, wie die No­ra­mis Da­tum von 2018. Die ab­so­lut re­tro-klas­sisch an­mu­ten­de Drei­zei­ge­ruhr aus dem Hau­se Uni­on Glas­hüt­te re­flek­tiert die Ele­ganz der 1950er-/60er-jah­re sehr ein­drucks­voll. Hier­für ste­hen die ehr­wür­di­gen Zah­len auf dem rand­ge­wölb­ten Zif­fer­blatt, das be­son­ders in sei­ner sil­ber­far­be­nen Aus­füh­rung mit Son­nen­schliff an den Stil Mit­te des letz­ten Jahr­hun­derts er­in­nert. Eben­so wie das hoch ge­wölb­te Sa­phirglas, dass vor 60, 70 Jah­ren noch ein Kunst­stoff­glas war. Des­sen ho­he Wöl­bung ent­stand durch den in den 1950er-jah­ren zur Markt­rei­fe ge­brach­ten Kunst­stof­fSpritz­guss und wird mit dem Sa­phirglas auf­wän­dig nach­emp­fun­den. Auch an Ent­spie­ge­lung war Mit­te des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts noch nicht zu den­ken. Bei der No­ra­mis Da­tum hin­ter­lässt die beid­sei­ti­ge Be­schich­tung mit­un­ter den Ein­druck, als sei gar kein Glas da, wäh­rend die Wöl­bung in­ter­es­san­te seit­li­che Ein­bli­cke bie­tet. Mal er­schei­nen die Zif­fern und fa­cet­tier­ten In­di­zes grö­ßer, mal klei­ner, mal krass ver­zo­gen, mal »ganz nor­mal«.

Der ge­bläu­te Zen­tral­se­kun­den­zei­ger ist am En­de tat­säch­lich leicht ge­bo­gen – al­so kei­ne Täu­schung. Die fa­cet­tier­ten Dau­phi­ne-zei­ger für die St­un­den und Mi­nu­ten sind da­ge­gen ganz ge­ra­de und leuch­ten bei Dun­kel­heit ein biss­chen. Wäh­rend das Kunst­stoff­glas in der Ver­gan­gen­heit manch­mal un­ter Span­nun­gen stand, weil es in die Lü­net­te »ein­ge­sprengt« wur­de, kommt die No­ra­mis Da­tum ganz oh­ne

Lü­net­te aus. Da­mit wird heu­te wie in der Ver­gan­gen­heit er­reicht, dass die Uhr be­son­ders re­du­ziert und flach er­scheint. Mit nicht ein­mal zehn Mil­li­me­tern Bau­hö­he passt die Er­schei­nung. Zu gu­ter Letzt un­ter­streicht das fein ge­web­te Mi­la­nai­se­band den Re­tro-stil der Uhr. Es ist wie die Le­der­bän­der in Braun oder Schwarz mit ei­ner kom­for­ta­blen, beid­sei­tig klap­pen­den Druck­falt­schlie­ße aus­ge­stat­tet.

Dreht man die Uhr ein­mal um, ist Schluss mit re­tro. Die 40 Mil­li­me­ter Durch­mes­ser des voll­kom­men po­lier­ten Edel­stahl­ge­häu­ses ste­hen eben­so für die Ge­gen­wart wie der Spreng­de­ckel­bo­den mit fla­chem Sa­phirglas, der ne­ben zeit­ge­mä­ßen zehn Bar Druck­fes­tig­keit den frei­en Blick auf das mo­der­ne Au­to­ma­tik­ka­li­ber UNG-07.01 ge­währt. Es ist aus dem be­ste­hen­den 2892 der ETA her­aus ent­wi­ckelt. Die Wer­ke­schmie­de ge­hört – eben­so wie Uni­on Glas­hüt­te – zur Swatch Group.

Zu den her­vor­he­bens­wer­ten Qua­li­täts­stei­ge­run­gen zäh­len ei­ne län­ge­re Gang­au­to­no­mie, ein sta­bi­le­rer Gang und ei­ne hö­he­re Auf­zugs­leis­tung des Ro­tors. Die län­ge­re Gang­dau­er wird durch ei­ne op­ti­mier­te Geo­me­trie des Fe­der­hau­ses und ei­ne län­ge­re Zug­fe­der er­reicht. Zu­gleich ist die Fre­quenz des Wer­kes von 28800 auf 25200 Halb­schwin­gun­gen pro St­un­de, al­so von 4,0 auf 3,5 Hertz ab­ge­senkt wor­den. Durch die­se Maß­nah­men er­höht sich die Gang­dau­er um 18 St­un­den, al­so kon­kret von ehe­mals 42 auf 60 St­un­den.

Ein sta­bi­ler Gang wird durch das neue, rückerlo­se Re­gu­lier­sys­tem er­reicht. Die Fein­ein­stel­lung er­folgt über zwei Schrau­ben an zwei der vier Un­ruh­schen­kel. Dass der Gang da­durch kon­stant und sta­bil bleibt, zei­gen un­se­re Messergebnisse: Auf der elek­tro­ni­schen Zeit­waa­ge geht die Uhr bei Voll­auf­zug und nach 24 St­un­den Gang­dau­er oh­ne zwi­schen­zeit­li­chen Auf­zug et­wa gleich. Die durch­schnitt­li­chen Am­pli­tu­den sin­ken wäh­rend die­ses Zei­t­raums nur um neun Grad. Noch bes­ser läuft die Uhr am Hand­ge­lenk. Hier weicht sie nur um et­wa drei Se­kun­den am Tag ab.

Um die Glas­hüt­ter Qua­li­täts­norm zu er­fül­len, nach der mehr als 50 Pro­zent der Wert­schöp­fung am Werk vor Ort rea­li­siert wer­den müs­sen, wird das Uhr­werk in sei­nen Ein­zel­tei­len an Uni­on Glas­hüt­te ge­lie­fert und dort von Hand de­ko­riert, mon­tiert, re­gu­liert und im Fal­le des UNG 07.01 mit ei­nem neu­en, vor Ort pro­du­zier­ten Ro­tor aus­ge­stat­tet. Zu­sam­men mit ei­ner ver­än­der­ten Geo­me­trie des Ku­gel­la­gers er­höht sich durch ihn die Auf­zugs­lei­tung im UNG 07.01 um zehn Pro­zent. Ne­ben dem »Uni­on«-ro­tor er­kennt man bei ei­nem Blick durch den Sa­phirglas­bo­den auch die mar­ken­spe­zi­fi­sche Bau­wei­se der Brü­cken, schö­ne, im Licht chan­gie­ren­de Glas­hüt­ter Strei­fen, Sa­ti­nie­run­gen, ge­bläu­te Schrau­ben und die Un­ruh mit ih­ren zwei Stell­schrau­ben.

Wie man die Uhr auch dreht und wen­det, sie ist im­mer ei­ne Au­gen­wei­de und am Hand­ge­lenk ein stets char­man­ter und zu­ver­läs­si­ger Be­glei­ter zu­gleich. [7128] ———

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