Emi­grant im Uh­ren­land

Uhren-Magazin - - Journal - Text — Sa­bi­ne Zwett­ler Fo­tos — An­ti­quo­rum

——— »Je­der Tag, an dem Du nicht lä­chelst, ist ein ver­lo­re­ner Tag«, nach die­sem Mot­to leb­te und spiel­te der Mann, der mit Stock, Me­lo­ne und Schnurr­bart welt­be­rühmt wur­de. Mit Ver­ve gab Char­lie Chap­lin (1889 – 1977) den vom Le­ben ge­beu­tel­ten Va­ga­bun­den, den vom un­mensch­li­chen Rhyth­mus der In­dus­tria­li­sie­rung aus dem Takt ge­brach­ten Fa­b­rik­ar­bei­ter und spä­ter, als die Fil­me zu spre­chen be­gan­nen, den grö­ßen­wahn­sin­ni­gen Dik­ta­tor. Da­bei war er al­les an­de­re als be­quem: Mit der Macht der Sa­ti­re the­ma­ti­sier­te der be­deu­tends­te Ko­mi­ker des 20. Jahr­hun­derts die größ­ten Pro­ble­me sei­ner Zeit, vom Ka­pi­ta­lis­mus bis hin zu Na­zi-deutsch­land – ein The­ma, an das sich in Hol­ly­wood kein an­de­rer her­an­wag­te. Chap­lin war ein Phil­an­trop und ein Pa­zi­fist mit kla­rem po­li­ti­schem Ide­al: »Ent­we­der war et­was für oder ge­gen die Men­schen«, schrieb der Bio­graph Paul Dun­can. Der Schau­spie­ler war nicht nur sen­si­bel für die Zei­chen sei­ner Zeit, son­dern leg­te auch Wert auf hoch­wer­ti­ge Zeit­mes­ser: So be­saß er un­ter an­de­rem ei­ne IWC Au­to­ma­tic und ei­ne sel­te­ne Ro­lex Ex­plo­rer mit Kro­ne auf der lin­ken Sei­te. Al­le wur­den zu Re­kord­prei­sen auf Auk­tio­nen ver­stei­gert. Als Chap­lin 1952 den Gen­fer See be­such­te, ver­lieb­te er sich in die Re­gi­on und blieb dort bis zum En­de sei­nes Le­bens. Im Ame­ri­ka der Mccar­thy-ära droh­te ihm der­weil die Ver­haf­tung we­gen »un­ame­ri­ka­ni­scher Um­trie­be«. Chap­lins Vil­la in Cor­sier-sur-ve­vey ist seit 2016 ein Mu­se­um. Es trägt den Na­men »Chap­lin’s World – The Mo­dern Ti­mes Mu­se­um« und hü­tet ei­nen Schatz, auf den Chap­lins Nach­fah­ren mit Recht stolz sind: ei­ne gol­de­ne Ja­e­ger-le­coult­re Me­mo­vox, die der Kan­ton Waadt dem neu­en Be­woh­ner 1953 schenk­te. [7618] ———

Ein Film­pio­nier und Uh­ren­en­thu­si­ast: Ob Char­lie Chap­lins Fai­b­le für fei­ne Zeit­mes­ser in dem Film »Mo­der­ne Zei­ten« sei­nen An­fang nahm? Wir wis­sen es nicht. Wohl­be­kannt ist je­doch, dass der be­gna­de­te Hu­mo­rist ei­ni­ge der bes­ten Uh­ren sei­ner Zeit – von IWC über Ja­e­ger-le­coult­re bis Ro­lex – be­saß.

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