Breitling

Preis­ka­te­go­rie bis 10000 Eu­ro

Uhren-Magazin - - Inhalt - Text — Mar­ti­na Rich­ter Fo­tos — Olaf Kös­ter

Die neue Pre­mier-kol­lek­ti­on hebt sich von den pro­fes­sio­nel­len Flie­ger- und Tau­cher­uh­ren ab, oh­ne die Mar­ken­codes zu ver­let­zen. Wir tes­ten das Le­a­der-pro­dukt der neu­en Li­nie, den Chro­no­gra­phen 42.

Breit­lings neue Pre­mier-kol­lek­ti­on hebt sich op­tisch zwei­fel­los ab von den klas­si­schen Flie­ger- und Tau­cher­uh­ren der Mar­ke. Die ent­schei­de­nen Mar­ken­codes ver­letzt sie je­doch nicht. Das er­gab un­ser Test des Le­a­der­pro­dukts der neu­en Li­nie.

——— Ganz im Ge­gen­teil zum mar­kan­ten Navitimer – jetzt Navitimer 1 ge­nannt – mit sei­nen in­stru­men­ten­haf­ten Ska­lie­run­gen rund ums Zif­fer­blatt oder zum Chro­no­mat mit sei­nen bei­na­he mo­nu­men­ta­len Auf­bau­ten auf der ein­sei­tig dreh­ba­ren Lü­net­te strah­len die Zeit­mes­ser der neu­en Pre­mier-kol­lek­ti­on Un­der­state­ment aus. Um sie am Hand­ge­lenk auf An­hieb als Breitling-uh­ren aus­zu­ma­chen, muss man schon tief in der Ver­gan­gen­heit kra­men. Die meis­ten, die sich heu­te für ei­ne Breitling Pre­mier ent­schei­den, wa­ren noch gar nicht ge­bo­ren, als das Schwei­zer Un­ter­neh­men in den 1940er-jah­ren die ur­sprüng­li­chen Pre­mier-uh­ren in die Welt setz­te. Sie soll­ten in den da­mals schwe­ren Zei­ten des Krie­ges, des Neu­an­fangs und der wirt­schaft­li­chen Un­si­cher­heit mit ei­nem ele­gan­ten Touch ver­läss­li­che Wer­te ver­mit­teln. Zum Glück sind wir in Mit­tel­eu­ro­pa seit mehr als 70 Jah­ren nicht mehr un­mit­tel­bar mit den Wir­ren ei­nes Krie­ges kon­fron­tiert. Aber ein we­nig zeit­li­cher Ab­stand von ei­ner schnell­le­bi­gen Welt tut auch heu­te gut.

Und so er­in­nert die neue Pre­mier-kol­lek­ti­on nicht nur mit ih­rem Na­men an ei­ne his­to­ri­sche Ära, son­dern setzt mit ih­rem De­sign in der Ge­gen­wart die glei­chen Zei­chen wie einst in den 1940er-jah­ren. Sie ist zu­dem »die ers­te mo­der­ne Breitling Kol­lek­ti­on, die für Ele­ganz im All­tag

steht«, un­ter­streicht Breitling-ceo Ge­or­ges Kern nach­drück­lich.

Das schö­ne »Pan­da«-ge­sicht folgt dem ak­tu­el­len Trend

Da­bei ist un­se­re Te­stuhr, der Pre­mier B01 Chro­no­graph 42 das Flagg­schiff der neu­en Kol­lek­ti­on. Wie sein Mo­dell­na­me un­miss­ver­ständ­lich klar macht, ist er mit dem Breitling-ma­nu­fak­tur­ka­li­ber 01 aus­ge­stat­tet und so­wohl mit sil­ber­far­be­nem, als auch mit blau­em Zif­fer­blatt und je­weils schwarz ab­ge­setz­ten To­ta­li­sa­to­ren er­hält­lich. In ei­ner spe­zi­el­len Bent­ley Cen­ten­a­ry Li­mi­ted Edition gibt es zu­dem Zif­fer­blät­ter in Braun und Grün und ein Ge­häu­se in Rot­gold. Un­se­re Te­stuhr be­saß ein Edel­stahl­ge­häu­se.

Der Voll­stän­dig­keit hal­ber sei er­wähnt, dass zur Kol­lek­ti­on auch noch Chro­no­gra­phen mit Eta/val­joux7750-ba­sier­ten Uhr­wer­ken und ver­schie­de­ne Drei­zei­ge­ruh­ren mit Klei­ner Se­kun­de oder Wo­chen­tag-da­tums­an­zei­gen ge­hö­ren.

Apro­pos Da­tum. Es ist beim Pre­mier B01 Chro­no­graph 42 bei sechs Uhr plat­ziert und gut ab­les­bar. Sei­ne ex­po­nier­te Stel­lung wird durch die Re­duk­ti­on der An­zei­gen des Chro­no­gra­phen­ka­li­bers 01 er­mög­licht. Der Zwölf-st­un­den-zäh­ler fehlt hier, wo­durch die Da­tums­an­zei­ge von ih­rer ur­sprüng­lich schrä­gen Po­si­ti­on zwi­schen vier und fünf Uhr auf ei­ne ganz gera­de Stel­lung bei der Sechs rü­cken kann. Die grö­ße­re Über­sicht­lich­keit un­ter­stüt­zen zu­dem die bei­den schwar­zen Hilfs­zif­fer­blät­ter bei drei und neun Uhr. Auf wei­ßem Grund ma­chen sie mit ei­nem »Pan­da«-ge­sicht schö­ne Au­gen. Über die­se so­ge­nann­te Bi­com­pax-an­ord­nung kom­men die Chro­no­gra­phen-mi­nu­ten bei drei Uhr zur An­zei­ge, wäh­rend sich bei neun Uhr der Zei­ger ei­ner per­ma­nen­ten Klei­nen Se­kun­de dreht. Der Pre­mier B01 Chro­no­graph 42 be­kommt da­mit nicht nur ein sehr aus­ge­wo­ge­nes Aus­se­hen, son­dern folgt als ein Chro­no­graph mit nur zwei Coun­tern ei­nem ganz ak­tu­el­len

Trend. Na­tür­lich las­sen sich so­mit nur Zeit­in­ter­val­le bis zu 30 Mi­nu­ten re­flek­tie­ren. Aber mal Hand aufs Herz: Wer will in un­se­rer schnell­le­bi­gen Zeit schon län­ge­re Pha­sen fest­hal­ten, zu­mal – wir er­in­nern uns – der Pre­mier B01 Chro­no­graph 42 zum »Ab­schal­ten« kon­zi­piert ist.

Das Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber läuft lan­ge und gut

»Ab­schal­ten« ist mit dem Breit­ling­ma­nu­fak­tur­ka­li­ber auch gar kein Pro­blem. Mit sei­nen 70 St­un­den Gang­au­to­no­mie darf der Zeit­mes­ser auch gern ei­ne län­ge­re Aus­zeit vom Hand­ge­lenk neh­men, oh­ne dass er gleich ste­hen­bleibt, zu­mal sich die Gang­wer­te trotz lang­sam fal­len­der Am­pli­tu­den als sta­bil er­wei­sen. Glei­ches gilt für den Chro­no­gra­phen­be­trieb. Hier läuft der Zeit­mes­ser mit durch­schnitt­li­chen Gang­wer­ten von plus 2,4 Se­kun­den bei Am­pli­tu­den um die 265 Grad. Er bie­tet in je­der Si­tua­ti­on al­so Chro­no­me­ter-qua­li­tät, für die das Haus Breitling be­reits seit Jah­ren mit all sei­nen Zeit­mes­sern steht.

Aber nicht nur mit der Chro­no­me­ter-gan­gleis­tung steckt al­so doch et­was Breitling-ty­pisch In­stru­men­ten­haf­tes im Pre­mier B01 Chro­no­graph 42. Der Stopp­se­kun­den­zei­ger aus der Mit­te be­wegt sich mit sei­nem ro­ten En­de ent­lang ei­ner fi­li­gra­nen, aber den­noch gut ab­les­ba­ren Ta­chy­me­ter­ska­la, die sau­ber auf ei­nen schwar­zen Hö­hen­ring am Zif­fer­blatt­rand auf­ge­bracht ist. Und er glei­tet über ei­ne Se­kun­den­ska­lie­rung, die mit drei Teil­stri­chen dem Vier-hert­z­rhyth­mus des Au­to­ma­tik­ka­li­bers 01 ent­spricht. Die für Breitling be­kann­te Prä­zi­si­on ins­ze­niert der Her­stel­ler un­ter ei­nem ent­spie­gel­ten, rand­ge­wölb­ten Sa­phirglas, das ei­nen ge­wis

sen Re­tro-charme ver­sprüht. Es ver­setzt eben­so in die Ver­gan­gen­heit wie der Pre­mier-schrift­zug auf dem Zif­fer­blatt: Pre­mier-mo­del­le wa­ren in den 1940er-jah­ren die ers­ten Breitling Uh­ren, de­nen der Pro­dukt­na­me im Ge­sicht ge­schrie­ben stand. Die zu­rück­hal­ten­de Ele­ganz setzt sich bis zur Leucht­far­be hin fort, die es mi­ni­ma­lis­tisch nur auf St­un­den- und Mi­nu­ten­zei­ger gibt – aus­rei­chend, um die Zeit bei schlech­ten Licht­ver­hält­nis­sen gera­de noch so zu er­ken­nen. Am Ta­ge da­ge­gen ist der Pre­mier B01 Chro­no­graph 42 im­mer gut ab­les­bar.

Das sport­lich-ele­gan­te Ge­häu­se sitzt gut am Arm

Sport­li­cher als auf dem Zif­fer­blatt geht es beim teils po­lier­ten, teils sa­ti­nier­ten Edel­stahl­ge­häu­se zu, das druck­fest bis zehn Bar, al­so 100 Me­ter was­ser­dicht ist. Reich­lich 42,5 Mil­li­me­ter Durch­mes­ser ent­spre­chen da­bei dem Zeit­ge­schmack – nicht mehr so groß, aber auch nicht zu klein. Die 13,81 Mil­li­me­ter Bau­hö­he wer­den durch wohl­be­dach­te Ar­chi­tek­tur ka­schiert, so dass die Uhr am Hand­ge­lenk nicht auf­dring­lich wirkt. Ei­ne schma­le, mehr­stu­fi­ge Lü­net­te und der für Breitling ty­pi­sche, viel­ecki­ge Ge­win­de­schraub­bo­den mit Sa­phirglas über­lap­pen ein klei­ne­res Mit­tel­teil mit seit­lich ein­gra­vier­ten Li­ni­en. Die Kro­ne ist nicht ver­schraubt und lässt sich an­ge­sichts ih­rer gro­ben seit­li­chen Rif­fe­lung gut für den Hand­auf­zug be­nut­zen und mit si­che­ren Rast­punk­ten, aber den­noch ge­schmei­dig in die ein­zel­nen Be­di­en­po­si­tio­nen zie­hen. Der mo­dern wir­ken­de, lang­ge­streck­te ecki­ge Drü­cker bei zwei Uhr ver­langt zum Star­ten des Chro­no­gra­phen or­dent­lich Nach­druck. Stop­pen und Null­stel­len – Letz­te­res über ei­nen gleich­ar­ti­gen Drü­cker bei vier Uhr – ge­hen da­ge­gen leich­ter von der Hand. Die Band­an­stö­ße sind un­ten kan­tig, ver­lei­hen aber oben – an­ge­sichts po­lier­ter Pha­sen – dem Pre­mier B01 Chro­no­graph 42 die ge­wünsch­te Ele­ganz. Auch – oder gera­de – am schma­len Hand­ge­lenk sitzt er aus­ge­spro­chen gut, da sich die Hör­ner nach un­ten nei­gen und das Le­der­band an ge­krümm­ten Fe­der­ste­gen auf­neh­men. Für den kräf­ti­gen Män­ner­arm ist das Le­der­band al­ler­dings bei­na­he zu kurz. Muss man es mit dem Dorn der Falt­schlie­ße im letz­ten Loch fi­xie­ren, ent­ste­hen Span­nun­gen. An­sons­ten ist die Lö­sung eben­so kom­for­ta­bel wie die seit­li­chen Drü­cker zum Öff­nen der ein­sei­tig klap­pen­den und schlicht-schö­nen Falt­schlie­ße.

Pre­mier B01 Chro­no­graph 42 ist ei­ne ech­te Al­ter­na­ti­ve

Da­mit lie­fert der Pre­mier B01 Chro­no­graph 42 die ge­wünsch­te zeit­lo­se Ele­ganz, die man von an­de­ren Breitling-mo­del­len eher nicht so kennt. Zu­dem aus­ge­stat­tet mit ei­nem mo­der­nen, leis­tungs­star­ken Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber in­klu­si­ve bes­ten Gang­wer­ten ist er auch ei­ne Über­le­gung für all die­je­ni­gen wert, die sich auf Grund ih­rer Opu­lenz am Hand­ge­lenk bis­her noch nicht für ei­ne Breitling-uhr ent­schei­den konn­ten. [8339] ———

Be­wer­tung in der Preis­ka­te­go­rie bis 10000 Eu­ro

Breitling 89 Punk­te von 100

Sport­li­ches Ge­häu­se mit ge­wölb­tem Sa­phirglas, ge­stuf­ter Lü­net­te, mo­der­nen Chro­no­gra­phen­drü­ckern und ge­bo­ge­nen Band­an­stö­ßen.

Ge­stan­de­nes Uhr­werk mit Chro­no­me­ter­zer­ti­fi­kat und 70 St­un­den Gang­au­to­no­mie.

Schö­nes Zif­fer­blatt im »Pan­da«-look mit zwei Coun­tern, Da­tum bei sechs Uhr und ei­ner Ta­chy­me­ter­ska­la am Rand.

Ed­le Schlie­ße mit seit­li­chen Drü­ckern zum Öff­nen und Dorn zum Fi­xie­ren des Le­der­bands, das et­was kurz aus­fällt.

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