Ti­tel

Preis­ka­te­go­rie bis 10 000 Eu­ro

Uhren-Magazin - - Inhalt - Text — Hol­ger Christ­mann Fo­tos — Her­stel­ler

Bis ins kleins­te De­tail re­kon­stru­ier­te Breitling den Navitimer 806 aus dem Jahr 1959. Um die Iko­ne stil­echt an­zu­trei­ben, wur­de Breit­lings Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber B01 über­ar­bei­tet und in ein Werk mit Hand­auf­zug ver­wan­delt. Die Re-edition war das »Tal­king Pie­ce« der Mes­se Ba­sel­world.

Beim Er­for­schen der ei­ge­nen Ge­schich­te ent­deck­te Breitling ei­ne be­son­de­re Ver­si­on sei­ner Flie­ge­ruh­ren-iko­ne Navitimer wie­der. Breitling bau­te das Mo­dell mi­nu­ti­ös nach und ver­sah es mit ei­nem neu­en Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber. Die Breitling Navitimer Ref. 806 1959 Re-edition war das »Tal­king Pie­ce« der Ba­sel­word und ist ei­ner der schöns­ten Chro­no­gra­phen, die Breitling je­mals bau­te.

——— Kaum ei­ne Schwei­zer Uh­ren­mar­ke ist der­zeit so in­no­va­ti­ons­freu­dig wie Breitling. Da­bei fin­det das Team um CEO Ge­or­ges Kern in der Ge­schich­te des Hau­ses wert­vol­le Ide­en für die Ge­gen­wart. Beim Er­for­schen der haus­ei­ge­nen Ar­chi­ve fiel den Gren­che­nern auf, dass die Breitling-mo­dell­pa­let­te breit auf­ge­stellt war und aus mehr als den be­rühm­ten Flie­ge­ruh­ren be­stand. Sie stie­ßen auf Wer­be­mo­ti­ve der sech­zi­ger Jah­re, auf de­nen Breitling mit ei­ner Aus­rich­tung auf die Spar­ten Luft, Land und Was­ser warb - ei­ne Ein­tei­lung, die Kern wie­der­auf­le­ben lässt. Für Luft ste­hen jetzt die Mo­del­le Avia­tor 8, Navitimer und Aven­ger, für Was­ser die Su­pero­ce­an und die Su­pero­ce­an He­ri­ta­ge, für Land die Se­ri­en Pre­mier und Chro­no­mat. Freun­de des zu­letzt bis­wei­len ver­miss­ten Flü­gel-lo­gos wer­den sich vor al­lem über die neu­en Tau­cher­uh­ren freu­en: Auf der Su­pero­ce­an leuch­ten die Schwin­gen prä­gnant und ver­mit­teln dem Breit­ling­fan das be­ru­hi­gen­de Ge­fühl, dass es die ver­trau­te Welt noch gibt. Die Su­pero­ce­an kommt in al­ler­lei Farb­ver­sio­nen und Grö­ßen, in 42, 44, 46 und 48 Mil­li­me­tern Durch­mes­ser auf den Markt, um vie­le Ge­schmä­cker und Hand­ge­lenk­grö­ßen zu be­die­nen. Die meis­ten Bli­cke zog am Breit­ling­s­tand der Ba­sel­world aber ei­ne je­ner his­to­ri­schen Neu­auf­la­gen auf sich, mit de­nen die Mar­ke ih­re Fans in Zu­kunft öf­ter über­ra­schen möch­te.

Als Hom­mage an sei­ne Iko­ne, den Navitimer, legt Breitling ei­ne mi­nu­tiö­se Re-edition der Navitimer Ref. 806 von 1959 wie­der auf. Die Re­pli­ca ist ver­se­hen mit ei­nem Chro­no­gra­phen­werk auf Ba­sis des B01, das so an­ge­passt wur­de, dass die To­ta­li­sa­to­ren auf den Bruch­teil ei­nes Mil­li­me­ters an der rich­ti­gen Stel­le ste­hen. Die Au­to­ma­tik­funk­ti­on des B01 wur­de ent­fernt, da die Navitimer 806 von Hand auf­ge­zo­gen wur­de. Mit ih­rer kunst­vol­len Per­len­lü­net­te, dem fi­li­gra­nen in­stru­men­ten­haf­ten Zif­fer­blatt, den pas­tell­far­be­nen Zif­fern und dem gold­gel­ben Lo­go der Air­craft Ow­ners and Pi­lots As­so­cia­ti­on (AOPA) ver­bin­det die 1959 Ree­di­ti­on bei­spiel­haf­te his­to­ri­sche Au­then­ti­zi­tät und fei­ne Ele­ganz mit Breit­lings be­rühm­ter und weg­wei­sen­der Re­chen­schie­ber­lü­net­te.

Die Navitimer kam 1952 auf den Markt und war nicht zu­letzt auf­grund des Re­chen­schie­bers, mit dem sich Durch­schnitts­ge­schwin­dig­kei­ten und Sin­kra­ten be­rech­nen lie­ßen, bei Pi­lo­ten be­liebt und schnell auch beim brei­ten Pu­bli­kum ein Best­sel­ler. Dass Breitling als Vor­la­ge die Ver­si­on von 1959 wähl­te, er­klärt der Mit­ent­wick­ler Fred Man­del­baum im Ge­spräch mit dem UH­REN-MA­GA­ZIN so: »1959 gab es ein be­son­ders schö­nes Re­fresh der Uhr mit ei­ner grö­ße­ren Per­len­lü­net­te. 1959 war auch das Jahr, als Breitling wuss­te, wo das Lo­go am bes­ten po­si­tio­niert war.« Dass sich das Ent­ste­hungs­jahr gut auf das Jahr 2019 reimt, kam be­güns­ti­gend hin­zu. Man­del­baum, ein Wie­ner Un­ter­neh­mer, Chro­no­gra­phen-samm­ler und Ken­ner der Breitling-his­to­rie, be­rät die Chef­eta­ge von Breitling in He­ri­ta­ge­fra­gen. Für die Re-edition gab Man­del­baum die De­vi­se aus: »Kei­ne Kom­pro­mis­se«. An­ders als bei vie­len Re­tro-uh­ren soll­te die Ähn­lich­keit mit dem Ori­gi­nal nicht nur ober­fläch­lich sein, son­dern auf den Zehn­tel­mil­li­me­ter ge­nau um­ge­setzt wer­den.

»Wir ver­war­fen meh­re­re Pro­to­ty­pen, weil auf dem Zif­fer­blatt ein Ele­ment 0,02 Mil­li­me­ter an der fal­schen Po­si­ti­on stand«, be­rich­tet er. Der Per­fek­tio­nis­mus ging so­weit, dass das Leucht­mit­tel nicht ma­schi­nell, son­dern wie einst von Hand auf­ge­tra­gen wur­de. »Das er­gibt ei­nen ganz an­de­ren Ef­fekt«, schwärmt Mi­nu­tiö­se Re­kon­struk­ti­on: Von der Per­len­lü­net­te bis zu den Zeig­gern bau­te Breitling die Navitimer von 1959 ex­akt nach. Das Chro­no­gra­phen­werk B01 ver­än­der­ten die Tech­ni­ker so, dass al­le An­zei­gen auf den Zehn­tel­mil­li­me­ter ge­nau plat­ziert sind wie einst.

Man­del­baum. »Ma­schi­nell ap­pli­zier­te Leucht­mit­tel glän­zen und wir­ken wie auf­ge­klebt. Die von Hand auf­ge­tra­ge­nen Stof­fe ha­ben ei­ne raue, mat­te Tex­tur«, sagt der Ex­per­te. An­ders als da­mals brach­ten die Breitling-tech­ni­ker die Re-edition aber nicht mit ra­dio­ak­ti­vem Ra­di­um zum Leuch­ten, son­dern mit Su­per­lu­mi­no­va. Mit blo­ßem Au­ge kaum zu er­ken­nen ist, dass St­un­den- und Mi­nu­ten­zei­ger ver­schie­den ge­formt sind. Auch sie wur­den ex­akt nach­ge­bil­det.

Pe­ni­ble Ge­nau­ig­keit war den Re­kon­struk­teu­ren auch beim Lo­go wich­tig. Das schwar­ze Zif­fer­blatt trägt den Breitling-schrift­zug in Groß­buch­sta­ben und ein Flü­gel­lo­go oh­ne den Zu­satz AOPA. Das un­si­gnier­te Lo­go war einst für den eu­ro­päi­schen Markt be­stimmt, wäh­rend in Ame­ri­ka ver­kauf­te Navitimer den Aopa-schrift­zug tru­gen. Auch die dreh­ba­re Per­len­lü­net­te mit 94 Per­len ent­spricht ex­akt dem Mo­dell von 1959. Wäh­rend des Pro­duk­ti­ons­zeit­raums der Navitimer Ref. 806 va­ri­ier­te die An­zahl die­ser Per­len von 125 in den frü­hen 1950er­jah­ren bis zu 93 im Jahr 1960.

Das ge­nau 40,9 Mil­li­me­ter gro­ße Edel­stahl­ge­häu­se wur­de ei­gens für die Navitimer Ref. 806 1959 Re-edition ge­baut, mit dem Band­an­stoß­pro­fil und Fi­nish des Ori­gi­nals. Die Re­chen­schie­ber-lü­net­te ist wie beim Vor­bild un­ter ei­nem ge­wölb­ten Acryl­glas po­si­tio­niert. Das Uhr­werk B01 ver­än­der­te Breitling so, dass die Po­si­ti­on der To­ta­li­sa­to­ren »auf den Mi­kro­me­ter ge­nau dem ur­sprüng­li­chen Ve­nus 178-Werk ent­spricht«, so Man­del­baum. Das dar­aus her­vor­ge­gan­ge­ne B09 ist je­doch nach heu­ti­gem Stan­dard chro­no­me­ter­zer­ti­fi­zert und bie­tet 70 St­un­den Gan­g­re­ser­ve. Es ist ein hoch­mo­der­nes Werk, das Breitling in der Ent­wick­lungs­pha­se an vie­len Stel­len op­ti­mier­te. Man­del­baum ist über­zeugt: »Das B09 ist ei­nes der bes­ten Ma­nu­fak­tur­wer­ke auf dem Markt.« Aus dem Blick in die Ver­gan­gen­heit ent­stand ei­ne Uhr für die Zu­kunft. Da­von soll es bald noch mehr ge­ben. Breitling-chef Ge­or­ges Kern ver­spricht je­den­falls, dass in den Ar­chi­ven von Breitling noch »In­spi­ra­tio­nen für die nächs­ten 20 Jah­re schlum­mern«. [8533] HC 7700 Eu­ro am Vin­ta­ge-le­der­arm­band Li­mi­tie­rung auf 1959 Stück (al­le num­me­riert)

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Per­fek­te Pro­por­tio­nen: Die Navitimer Ref. 806 1959 Re-edition sieht von al­len Sei­ten gut aus. Die Lü­net­te mit 94 Per­len, die pas­tell­far­be­nen Zei­ger und Zif­fern und der fast poe­tisch fi­li­gra­ne In­stru­men­ten­look der li­mi­tier­ten Edition zo­gen das Pu­bli­kum der Ba­sel­world in ih­ren Bann.

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