Markt­über­sicht Mo­tor­sport­chro­no­gra­phen

Preis­span­ne zwi­schen 890 Eu­ro und 285 000 Eu­ro

Uhren-Magazin - - Inhalt - Text — Sa­bi­ne Zwett­ler Fo­tos — Her­stel­ler

Der Chro­no­graph ist in der La­ge, Zei­ten auf Se­kun­den­bruch­tei­le ge­nau fest­zu­hal­ten. Mit ei­ner Ta­chy­me­ter­ska­la ist zu­dem die An­zei­ge von Ge­schwin­dig­kei­ten mög­lich. Wir ge­ben ei­nen Über­blick über die Viel­zahl der Mo­del­le.

Mo­tor­sport und Zeit­mes­sung ge­hö­ren zu­sam­men wie Un­ruh und Hem­mung, denn als leis­tungs­star­kes In­stru­ment ist der Chro­no­graph in der La­ge, die Best­zeit bis auf den Bruch­teil ei­ner Se­kun­de ge­nau fest­zu­hal­ten. Mit ei­ner Ta­chy­me­ter­ska­la aus­ge­stat­tet, ist zu­dem die Be­rech­nung von Ge­schwin­dig­kei­ten mög­lich – ob auf der Renn­stre­cke, in der Luft oder auf dem Was­ser.

——— Es wa­ren ech­te Pfer­de und nicht PS, de­nen die Uh­ren­welt den Be­griff des Chro­no­gra­phen ver­dank­te. 1821 er­fand der fran­zö­si­sche Uhr­ma­cher Ni­co­las Rieus­s­ec ein in­no­va­ti­ves In­stru­ment, um bei Ga­lopp­ren­nen die Zeit fest­zu­hal­ten. Der Chro­no­graph – zu deutsch »Zeit­schrei­ber« – der ers­ten St­un­de nahm sei­nen Na­men durch­aus wört­lich: Mit­tels Tin­ten­kleck­sen zeich­ne­te er die ver­stri­che­nen In­ter­val­le auf ei­nem sich dre­hen­den Zif­fer­blatt auf. Wie wir heu­te wis­sen, nahm da­mit die wohl be­lieb­tes­ten Spe­zia­li­tät der Uh­ren­welt ih­ren An­fang. Fort­an soll­te der Chro­no­graph Ge­ne­ra­tio­nen von Uhr­ma­chern zu Höchst­leis­tun­gen an­spor­nen, wie zum Bei­spiel Jo­seph Th­ad­dä­us Wim­merl, der 1831 ei­ne Ta­schen­uhr mit »se­con­de in­dé­pen­dan­te« prä­sen­tier­te. Oh­ne das Uhr­werk zu be­ein­träch­ti­gen, ließ sich die Se­kun­de be­lie­big an­hal­ten und wie­der star­ten. Ei­nen wei­te­ren Mei­len­stein in der Evo­lu­ti­on des Chro­no­gra­phen mar­kier­te die herz­för­mi­ge Schei­be des Uhr­ma­chers Adol­phe Nicole, 1844 zum Pa­tent an­ge­mel­det. Sie er­laub­te die di­rek­te Null­stel­lung und da­mit die so­for­ti­ge Mes­sung ei­nes neu­en In­ter­valls. 1862 er­schien der ers­te »rich­ti­ge« Chro­no­graph auf der Büh­ne der Uh­ren­welt, ein Mo­dell mit ei­nem Zu­satz­me­cha­nis­mus zum Star­ten, Stop­pen und Null­stel­len des Chro­no­gra­phen­zei­gers. Der Clou da­bei: Die An­zei­ge der Zeit blieb da­von un­be­rührt, weil der Chro­no­graph nur im Be­darfs­fall an das Werk an­gekop

pelt wur­de. Fort­an soll­te die Gat­tung Wis­sen­schaft­lern, Ärz­ten und Ent­de­ckern als Prä­zi­si­ons­in­stru­ment die­nen. Die Ein­satz­ge­bie­te wa­ren Na­vi­ga­ti­on, For­schung, Ex­pe­di­tio­nen und Sport­zeit­nah­me, be­son­ders im 20. Jahr­hun­dert. Je­de Uh­ren­mar­ke, die et­was auf sich hielt, hat­te die­se kom­pli­zier­te Uhr, in de­ren Ka­li­ber bis zu 300 Ein­zel­tei­le in­ein­an­der­grei­fen, im Pro­gramm. Mit ei­ner Ta­chy­me­ter­ska­la aus­ge­stat­tet, er­mög­licht der Chro­no­graph zu­dem die Be­rech­nung durch­schnitt­li­cher Ge­schwin­dig­kei­ten. Die­se Funk­ti­on nutz­ten vor al­lem Mo­tor­sport­ler.

Ein Ta­cho­me­ter für die Uhr

Grund ge­nug für die Her­stel­ler von Chro­no­gra­phen, die­ses Fea­tu­re ans Hand­ge­lenk zu brin­gen. Wer hier die Na­se vorn hat­te, ist nicht be­kannt. Breitling ließ 1905 ei­nen ers­ten Mus­ter­schutz für ei­nen Ta­chy­me­ter ein­tra­gen. Heu­er und Patek Phil­ip­pe stat­te­ten ih­re ers­ten Stopp­uh­ren zu Be­ginn der 1920er-jah­re da­mit aus. Rolex stell­te 1933 sei­ne ers­ten, mit To­ta­li­sa­to­ren ver­se­he­nen Chro­no­gra­phen vor, von de­nen man­che auch ei­ne Ta­chy­me­ter­ska­la auf dem Zif­fer­blatt tru­gen. Be­son­ders in den 1950er- und 1960er-jah­ren galt der Chro­no­graph – ob mit oder oh­ne Ta­chy­me­ter­ska­la – schlicht­weg als schick, auch bei jun­gen Käu­fern. Ei­ne An­zei­ge von Breitling aus je­ner Zeit ti­tel­te kühn »Al­le den­ken Chro­no«. Zu Höchst­form lief er im Mo­tor­sport auf. 1950 fand erst­mals wie­der ei­ne Welt­meis­ter­schaft statt. Die Grand-prix­ren­nen von Sil­vers­to­ne, Monaco und Mon­za be­geis­ter­ten das Pu­bli­kum eben­so wie die Aus­dau­er-wett­be­wer­be von Day­to­na und Le Mans. Nam­haf­te Uh­ren­her­stel­ler über­nah­men die prä­zi­se Zeit­nah­me die­ser Ren­nen, Heu­er beim 12-St­un­den-ren­nen von Se­bring, Rolex auf dem Speed­way von Day­to­na. Ei­ni­ge der le­gen­därs­ten, für die wa­ge­mu­ti­gen Ge­schwin­dig­keits­hel­den kon­zi­pier­ten Chro­no­gra­phen wur­den in je­ner Zeit lan­ciert. Be­rühm­te Bei­spie­le sind der Rolex Cos­mo­graph Day­to­na, der schon bei sei­ner Erst­vor­stel­lung 1963 die Ta­chy­me­ter­ska­la auf der Lü­net­te trug, und die Heu­er Car­re­ra. Die Day­to­na ist seit­her ei­ner der Klas­si­ker der Schwei­zer Mar­ke und wur­de über die Jah­re und Jahr­zehn­te tech­nisch wei­ter­ent­wi­ckelt. Ein Bei­spiel ist die im ei­ge­nen Haus kon­zi­pier­te und pa­ten­tier­te Cer­achrom-mo­no­block-ta­chy­me­ter­lü­net­te, die Rolex zum 50. Ju­bi­lä­um der Li­nie 2013 prä­sen­tier­te. Sie ist auf­grund ih­rer Här­te nicht nur be­son­ders kratz­fest, auch ih­re Far­be ist Uv-re­sis­tent und kor­ro­si­ons­be­stän­dig. Ne­ben der Lang­le­big­keit steht die Ables­bar­keit der Zif­fern im Vor­der­grund. Die­se wer­den in ei­nem Spritz­guss­ver­fah­ren her­ge­stellt. Um ei­ne ho­he Kon­tu­ren­schär­fe zu er­zie­len, wird die Gra­du­ie­rung vor der Wär­me­be­hand­lung bei 1 500 Grad Cel­si­us in der Ke­ra­mik­mas­se aus­ge­bil­det und dann im Pvd-ver­fah­ren mit ei­ner fei­nen Pla­tin­schicht über­zo­gen.

So funk­tio­niert ein Ta­chy­me­ter

Ob auf der Lü­net­te oder auf dem Re­haut des Zif­fer­blat­tes, die Be­rech­nung der Ge­schwin­dig­keit ist denk­bar ein­fach: Am An­fangs­punkt ei­ner Mess­stre­cke – ent­we­der ein Ki­lo­me­ter oder ei­ne Mei­le – wird der Chro­no­graph ge­star­tet, am En­de wie­der ge­stoppt. Aus der ab­ge­lau­fe­nen Zeit und der zu­rück­ge­leg­ten Wegstre­cke lässt sich mit Hill­fe der Ska­la die Durch­schnitts­ge­schwin­dig­keit er­rech­nen. Die Mess­bar­keit be­schränkt sich üb­ri­gens nicht nur auf mo­to­ri­sier­te Un­ter­sät­ze, son­dern kann zum Bei­spiel auch bei Se­gel-re­gat­tas die Ge­schwin­dig­keit er­mit­teln. Hier sind die Maß­ein­hei­ten al­ler­dings Kno­ten oder See­mei­len. [8136] ———

Day­to­na Beach in Flo­ri­da ist als Haupt­stadt der Ge­schwin­dig­keit in die Ge­schich­te ein­ge­gan­gen. Be­reits 1903 wur­den hier am Strand Ren­nen aus­ge­tra­gen und Ge­schwin­dig­keits­re­kor­de auf­ge­stellt, der be­deu­tends­te 1935 mit fast 450 km/h.

Renn­sport-pio­nier: Sir Mal­com Camp­bell brach zwi­schen 1924 und 1935 neun Mal den welt­wei­ten Land­ge­schwin­dig­keits­re­kord, dar­un­ter fünf Mal am Strand von Day­to­na.

Ein Maß­stab für Ables­bar­keit: Rolex’ le­gen­dä­re Cer­achrom­mo­no­block-ta­chy­me­ter­lü­net­te ist kratz­fest, Uv-re­sis­tent und kor­ro­si­ons­be­stän­dig.

Der ers­te Ein­trag über ei­nen Mus­ter­schutz für ei­nen Ta­chy­me­ter von Breitling da­tiert auf den 5. Sep­tem­ber 1905.

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