Mi­kroro­tor

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Im Ge­gen­satz zum Zen­tral­ro­tor in ei­nem Au­to­ma­tik­ka­li­ber, der – mit­tig ge­la­gert – über dem ge­sam­ten Uhr­werk dreht, ist der Mi­kroro­tor ein klei­ne­rer, de­zen­tral an­ge­ord­ne­ter und kom­plett in die Wer­ke­be­ne in­te­grier­ter Ro­tor zum Span­nen der Zug­fe­der. Ei­ner­seits er­mög­licht er ei­ne fla­che­re Bau­wei­se des Uhr­werks, an­de­rer­seits ei­nen weit­ge­hend un­ge­stör­ten Blick auf ei­nen Groß­teil der Mecha­nik, wie Hand­auf­zug­ge­trie­be, Rä­der­werk, Hem­mung und Un­ruh. Da­mit ver­eint der Mi­kroro­tor den funk­tio­na­len Vor­teil der Au­to­ma­tik, die das ma­nu­el­le Auf­zie­hen des Uhr­werks er­setzt, mit dem äs­the­ti­schen Aus­druck ei­nes Hand­auf­zug­ka­li­bers.

Was man sich heu­te viel­leicht kaum noch – oder erst neu­er­dings wie­der – vor­stel­len kann, ist, dass Mit­te des vo­ri­gen Jahr­hun­derts der Wunsch nach im­mer fla­che­ren Au­to­ma­tik­uh­ren be­stand und es ein Her­stel­ler­wett­ren­nen um klei­ner wer­den­de Ka­li­ber gab. So wur­de der Mi­kroro­tor Mit­te der 1950er-jah­re et­wa zeit­gleich von Bü­ren und Uni­ver­sal Genè­ve ent­wi­ckelt und pa­ten­tiert. Die Bü­ren Watch Co. er­hielt 1954 das ers­te Pa­tent. 1957 kam ih­re »Su­per Slen­der«, 4,2 Mil­li­me­ter hoch, auf den Markt. 1958 folg­te Uni­ver­sal Ge­né­ve mit dem »Po­le­rou­ter«. Uni­ver­sal Genè­ve nann­te den klei­nen Ro­tor »Mi­cro­tor«, Bü­ren be­zeich­ne­te ihn als »Pla­ne­ten­ro­tor«. Auch der ame­ri­ka­ni­sche Uh­ren­her­stel­ler Ha­mil­ton war im Be­reich der Mi­kroro­to­ren ak­tiv und brach­te ei­ni­ge Mo­del­le auf den Markt. Pia­get prä­sen­tier­te 1959 das Ka­li­ber 12P, wel­ches mit 2,3 Mil­li­me­tern Hö­he bis 1978 das welt­weit flachs­te Au­to­ma­tik­werk war. Auch heu­te wird es noch in der mo­der­nen Ver­si­on 1208P ver­wen­det, eben­so wie das Patek-phil­ip­pe-ka­li­ber 240 von 1977 mit 2,53 Mil­li­me­tern Bau­hö­he und ei­nem Ro­tor aus 22-ka­rä­ti­gem Gold. Auch Cho­pard stell­te 1996 mit dem L.U.C Ka­li­ber 1.96 ei­nen Mi­kroro­tor-mecha­nis­mus vor. Die Ma­nu­fak­tur liebt zu­dem an­spruchs­vol­le Tech­nik und kop­pel­te den 3,3 Mil­li­me­ter ho­hen Mecha­nis­mus an ein Dop­pel­fe­der­haus-sys­tem mit 70 St­un­den Gang­au­to­no­mie und ei­ne sprin­gen­der Da­tums­an­zei­ge. In das Wett­ren­nen der Neu­zeit schal­te­te sich jüngst auch Bulgari ein und brach­te 2017 das Ka­li­ber BVL 138 Fi­nis­si­mo von 2,23 Mil­li­me­tern Bau­hö­he und mit ei­nem Mi­kroro­tor aus Pla­tin in der Oc­to Fi­nis­si­mo Au­to­ma­tik her­aus.

Ma­te­ri­al und Geo­me­trie der Schwung­mas­se spie­len ei­ne ent­schei­den­de Rol­le beim Mi­kroro­tor, weil auf­grund des klei­ne­ren Ra­di­us’ das Dreh­mo­ment und da­mit der Wir­kungs­grad ge­rin­ger sind. Ei­ne klei­ne Schwung­mas­se kann da­her we­sent­lich di­cker aus­fal­len als der ver­brei­te­te Zen­tral­ro­tor, da­mit sie mit we­ni­ger Ver­lust ro­tiert. Bei man­geln­der Be­we­gung wird den­noch die Zug­fe­der zu we­nig ge­spannt und in der Fol­ge ei­ne ge­rin­ge­re Gan­g­re­ser­ve auf­baut. Dem ver­su­chen die Her­stel­ler mit Ma­te­ri­al ent­ge­gen­zu­wir­ken, in­dem sie Ro­to­ren aus be­son­ders schwe­ren Me­tal­len, wie Gold oder Pla­tin, her­stel­len. Patek Phil­ip­pe ver­wen­det bei den 240er-ka­li­bern Mi­kroro­to­ren aus 21- oder 22-ka­rä­ti­gem Gold, da die­se ei­ne be­son­ders ho­he spe­zi­fi­sche Mas­se ha­ben. In der Fol­ge wird ein an­nä­hernd gleich ho­hes Träg­heits­mo­ment wie mit grö­ße­ren Auf­zugs­ro­to­ren er­reicht. Es geht noch aus­ge­fal­le­ner: Ro­ger Du­bu­is setz­te in man­chem Ka­li­ber so­gar zwei Mi­kroro­to­ren ein. [8834] Ma­ri

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