Oris

Preis­ka­te­go­rie bis 4000 Eu­ro

Uhren-Magazin - - Inhalt - Text — Mar­ti­na Rich­ter Fo­tos — Olaf Kös­ter

Un­ver­kenn­bar von der His­to­rie ge­prägt, geht der Di­vers Six­ty-fi­ve Chronograp­h in Se­rie. Er folgt dem an­hal­ten­den Re­tro-trend mit mo­der­nen Lö­sun­gen.

Nach di­ver­sen Son­der­mo­del­len geht der Oris Di­vers Six­ty-fi­ve Chronograp­h in Se­rie. Un­ver­kenn­bar von der His­to­rie ge­prägt, folgt die Uhr dem aktuellen Re­tro-trend, sie war­tet al­ler­dings im Detail mit mo­der­nen Lö­sun­gen auf.

——— 1965 lan­cier­te Oris ei­ne für da­ma­li­ge Ver­hält­nis­se hoch­mo­der­ne Tau­cher­uhr mit ei­nem bis zu 100 Me­tern was­ser­dich­ten Ge­häu­se, ein­sei­tig dreh­ba­rer Lü­net­te und gro­ßen Leucht­zif­fern. 50 Jah­re spä­ter als Di­vers Six­ty-fi­ve wie­der auf­ge­legt, er­weist sie sich dank an­hal­ten­der Re­tro-wel­le als ei­ne der er­folg­reichs­ten Neu­vor­stel­lun­gen des Her­stel­lers.

Die Di­vers Six­ty-fi­ve ba­siert auf der ers­ten Tau­cher­uhr von Oris

Der bei­na­he ori­gi­nal­ge­treu­en Wie­der­auf­la­ge der Drei­zei­ge­ruhr aus den 1960er-jah­ren folg­ten ein re­tro-mo­der­nes Face­lif­ting, di­ver­se Son­der­mo­del­le – auch mit in­no­va­ti­ven Arm­bän­dern aus re­cy­cel­tem Kunst­stoff – und schließ­lich ein Chronograp­h. Auch die­ser kam 2018 zu­nächst als li­mi­tier­te Son­der­edi­ti­on her­aus und wur­de nach ei­ner Drei­zei­ge­ruhr als zwei­tes Di­vers Six­ty-fi­ve-mo­dell Carl Bras­he­ar ge­wid­met. Carl Bras­he­ar war 1948 ers­ter Taucher mit Am­pu­ta­ti­on in der U.S. Na­vy und wur­de 1954, trotz noch im­mer spür­ba­rer Ras­sen­dis­kri­mi­nie­rung, als ers­ter Afro­ame­ri­ka­ner als Meis­ter­tau­cher zer­ti­fi­ziert.

Es ist nicht un­be­kannt, dass Oris be­son­de­ren Men­schen mit be­son­de­ren Zeit­mes­sern ei­ne Re­ve­renz er­weist, sich für Um­welt­schutz, die Ret­tung der Welt­mee­re und an­de­re ge­mein­nüt­zi­ge Din­ge en­ga­giert. Was könn­te da bes­ser zur Geschichte ei­nes Carl Bras­he­ar pas­sen als ei­ne Tau­cher­uhr, die seine Zeit re­flek­tiert.

Be­steht die Son­der­edi­ti­on bei­na­he kom­plett aus Bron­ze, ei­nem Ma­te­ri­al, das im Mo­ment bei di­ver­sen Zeit­mes­sern ab­so­lut an­ge­sagt ist, zeigt sich beim 43 Mil­li­me­ter gro­ßen Se­ri­en-chronograp­h nur noch die ein­sei­tig dreh­ba­re Tauch­lü­net­te in die­sem Ma­te­ri­al. Auch das Out­fit des Dreh­rings hat sich ver­än­dert. Aus ei­nem mas­si­ven Teil mit er­ha­be­nen Zif­fern wur­de ei­ne ge­schwärz­te Alu­mi­ni­um­ein­la­ge mit ebe­ner Mi­nu­ten­ska­lie­rung. Die Lü­net­te ras­tet im 120er­takt, wo­mit sich der mi­nu­ten­ge­naue Ab­gleich mit der Ska­lie­rung am Zif­fer­blatt­rand als schwie­rig er­weist. Aber nicht nur des­we­gen: Un­ter dem stark rand­ge­wölb­ten Sa­phirglas ver­zer­ren sich die ro­sé­gol­de­nen Auf­zeich­nun­gen auf dem schwar­zen Un­ter­grund des Blat­tes sehr schnell.

Mit der stark ge­bo­ge­nen Form zi­tiert das Deck­glas die Ver­gan­gen­heit und trägt sei­ner­seits zum Re­tro­ch­arm des Zeit­mes­sers bei, wo­bei das Glas heu­te aus kratz­fes­tem Sa­phirglas be­steht und in­nen ent­spie­gelt ist, wäh­rend es in den 1960er-jah­ren aus Kunst­stoff ge­fer­tigt wur­de.

Im Zug der Zeit ist das Ge­häu­se von 36 auf 43 Mil­li­me­ter Durch­mes­ser an­ge­wach­sen und be­steht an­sons­ten aus Edel­stahl, statt wie einst aus

ver­chrom­tem Mes­sing. Mit 100 Me­tern Was­ser­dicht­heit zeigt es al­ler­dings nicht die Druck­fes­tig­keit zeit­ge­nös­si­scher Tau­cher­uh­ren, bei de­nen min­des­tens 20, eher so­gar 30 Bar den Stand der Tech­nik wi­der­spie­geln.

Dass Oris zeit­ge­mä­ße Tau­cher­uh­ren bau­en kann, muss die Mar­ke aber nicht groß be­wei­sen, be­fin­den sich mit den Mo­dell-li­ni­en Aquis oder Pro­di­ver doch pro­fes­sio­nel­le Ge­rä­te von ho­her Druck­fes­tig­keit und mit di­ver­sen In­no­va­tio­nen in der Kol­lek­ti­on. Dass die Di­vers Six­ty-fi­ve nur ei­nem Druck von zehn Bar Stand hält, ist als Hom­mage an die His­to­rie zu ver­ste­hen und in die­ser Li­nie zu ak­zep­tie­ren, auch wenn die Be­zeich­nung »Di­vers« zu­nächst et­was an­de­res sug­ge­riert. Ba­den, Schwim­men, Schnor­cheln und in ge­rin­gen Tie­fen Tau­chen ist mit dem Di­vers Six­ty-fi­ve Chronograp­h kein Pro­blem.

Aber auch tro­cke­nen Fu­ßes ist er ein an­ge­neh­mer Be­glei­ter. Auf dem schwar­zen Zif­fer­blatt do­mi­nie­ren die kräf­ti­gen Zei­ger und die für die Mo­dell-li­nie si­gni­fi­kan­ten In­dex-ap­pli­ken. Alle An­zei­gen sind kräf­tig mit gelb­li­cher Su­per­lu­mi­no­va »Old Ra­di­um« ge­füllt, die bei Tag den Re­tros­til der Uhr un­ter­streicht und bei Dun­kel­heit in kräf­ti­gem Grün leuch­tet. Auch der Zei­ger der Klei­nen Se­kun­de zur Gang­kon­trol­le er­strahlt, eben­so wie der Mi­nu­ten­zähl­zei­ger des Chro­no­gra­phen und na­tür­lich der Ori­en­tie­rungs­punkt auf der ein­sei­tig dreh­ba­ren Tauch­lü­net­te. Nur der Se­kun­den­zei­ger des Chro­no­gra­phen bleibt im Dun­keln, doch der Taucher weiß, bei sei­nem Sport kommt es auf die klei­ne Zeit­ein­heit nicht an. Die Mi­nu­te zählt.

Bron­ze, Re­tro und Bi­com­pax wi­der­spie­geln ak­tu­el­le Trends

Wäh­rend ei­nes Stopp­vor­gangs liest man die Mi­nu­te auf dem Coun­ter bei drei Uhr ab. Er ist leicht ver­tieft und an­thra­zit­far­ben ska­liert. Ge­gen­über bei neun Uhr be­fin­det sich in glei­cher An­mu­tung die per­ma­nen­te Se­kun­de. Zu­sam­men er­gibt das die so­ge­nann­te

Bi­com­pax-darstel­lung ei­nes Chro­no­gra­phen, die mo­men­tan min­des­tens eben­so an­ge­sagt ist wie Re­tro-de­sign ganz all­ge­mein. Bei­des passt her­vor­ra­gend zu­sam­men, ruft doch auch die Chro­no­gra­phen-auf­tei­lung mit nur zwei Coun­tern die Ver­gan­gen­heit auf. An­de­rer­seits ver­schafft sie dem Zif­fer­blatt die eben­falls zu­neh­mend ge­frag­te Klar­heit. Und, Hand aufs Herz, wer be­nutzt im All­tag schon ei­nen me­cha­ni­schen Chro­no­gra­phen zum Fest­hal­ten län­ge­re Zei­t­räu­me. Da be­kennt man sich mit ei­nem Re­tros­top­per doch lie­ber ganz au­then­tisch zu ei­ner an­ge­sag­ten Stil­rich­tung. Die­se un­ter­strei­chen schließ­lich noch das feh­len­de Da­tum, die dem Ori­gi­nal nach­emp­fun­de­ne Schraub­kro­ne und die klei­nen Hüt­chen­drü­cker zur Be­die­nung des Chro­no­gra­phen.

Die Schalt­vor­gän­ge gehen druck­si­cher von der Hand. Die Kro­ne lässt sich sehr gut auf- und zu­schrau­ben, und in der Po­si­ti­on Zei­ger­stel­lung steht sie weit her­aus. Drü­cker und Kro­ne be­die­nen das Oris-au­to­ma­tik­ka­li­ber 771, ba­sie­rend auf dem Sel­li­ta SW 510 in sei­ner re­du­zier­ten Ver­si­on oh­ne Da­tum und Zwölf­stun­den-chro­no­gra­phen­zäh­ler. Es läuft mit eher durch­schnitt­li­chen und in ein­zel­nen Po­si­tio­nen auch grö­ße­ren Ab­wei­chun­gen von über zehn Se­kun­den am Tag. Hin­ter ei­nem mas­si­ven Ge­win­de­schraub­bo­den bleibt es in sei­ner schlich­ten Art un­sicht­bar, ist aber na­tür­lich mit dem ty­pisch ro­ten Oris-rotor aus­ge­stat­tet.

Der Di­vers Six­ty-fi­ve Chronograp­h kann am Le­der- oder Edel­stahl­band ge­tra­gen wer­den, wo­bei das Le­der­band mit Näh­ten und Dorn­schlie­ße den Re­tro-stil ver­stärkt, das Edel­stahl­band sport­lich­mo­der­nen Charme ver­sprüht. Es ist mit An­schluss-stü­cken fest am Ge­häu­se mon­tiert, ver­läuft flie­ßend weich und en­det in ei­ner ein­sei­tig klap­pen­den Falt­schlie­ße. Le­dig­lich das Kür­zen er­weist sich als am­bi­tio­niert, da die Band­glie­der ver­stif­tet und nicht ver­schraubt sind.

Zwei aus­drucks­star­ke Out­fits in Le­der oder Edel­stahl

Fa­zit: Wer ei­ne aus­drucks­star­ke Re­tro-uhr sucht, fin­det sie mit dem Oris Di­vers Six­ty-fi­ve Chronograp­h. Er über­zeugt mit au­then­ti­schen De­tails, die auf mo­der­ne Wei­se rea­li­siert sind. Et­was nach­le­gen darf Oris bei der Ein­stel­lung des Uhr­werks und viel­leicht mit ei­nem fle­xi­ble­ren Band­wech­sel­sys­tem, denn auch wenn man sie Edel­stahl­band trägt hin­ter­lässt die Uhr ei­nen star­ken Ein­druck. [9746] ———

Re­tro und mo­dern: 43 Mil­li­me­ter gro­ßes Ge­häu­se, ge­wölb­tes Glas aus Sa­phir, Lü­net­te aus Bron­ze und Alu­mi­ni­um.

Gu­te Sicht: Die Leucht­mas­se »Old Ra­di­um« ver­stärkt den Re­tro-cha­rak­ter der Uhr und sorgt für gu­te Ables­bar­keit.

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