Leserreise

UH­REN-MAGAZIN-LE­SER­REI­SEN ha­ben ei­ne lan­ge Tradition. Im Ju­bi­lä­ums­jahr führ­te ei­ne da­von ins Schwei­zer Ju­ra. Die Gast­ge­ber Au­de­mars Pi­guet, Cho­pard, Par­mi­gia­ni und Jaeger-lecoultre be­rei­te­ten un­se­ren Le­sern drei un­ver­gess­li­che Tage.

Uhren-Magazin - - Inhalt - Text — Tho­mas Wan­ka/mar­ti­na Rich­ter Fo­tos — UH­REN-MAGAZIN

Un­se­re Le­ser­rei­sen ha­ben Tradition. Im Ju­bi­lä­ums­jahr führ­te ei­ne Rei­se zu Cho­pard, Au­de­mars Pi­guet, Par­mi­gia­ni und Jaeger-lecoultre.

——— Das Was­ser flie­ße hier so ge­müt­lich da­hin wie die Zeit, be­schreibt ein Le­ser die Schwei­zer Re­gi­on an der Gren­ze zu Frank­reich, in die uns schon so oft ei­ne Leserreise führ­te.

Au­de­mars Pi­guet: West­mins­ter auf drei Ton­fe­dern

Ein schma­ler Steg führt uns in die Manufaktur Au­de­mars Pi­guet. Die Pro­duk­ti­on be­läuft sich auf 40000 Uh­ren im Jahr. In der Wer­ke­pro­duk­ti­on wird un­ter an­de­rem das automatisc­he Ka­li­ber 5133 her­ge­stellt, das im der­zeit flachs­ten ewi­gen Kalender sei­nen Ein­satz hat. Eben­so das le­gen­dä­re Ka­li­ber 2121 der Roy­al Oak Ultra Thin. Doch nicht nur neu­zeit­li­che Ka­li­ber wer­den hier zu­sam­men­ge­fügt. Am En­de der Pro­duk­ti­ons­hal­le be­fin­det sich das Ate­lier, das sich al­ler Uh­ren an­nimmt, wel­che vor 1960 pro­du­ziert wur­den. Auch alle Uh­ren des der­zeit im Neu­bau be­find­li­chen Mu­se­ums hal­ten er­fah­re­ne Uhr­ma­cher und Re­stau­ra­teu­re hier in Stand. Wir dür­fen – ne­ben der ers­ten au­to­ma­ti­schen Arm­band­uhr von Au­de­mars Pi­guet – be­son­ders Ta­schen­uh­ren mit West­mins­ter­schlag auf drei Ton­fe­dern und gro­ßer und klei­ner Son­ne­rie be­wun­dern. Hö­he­punkt ist die kom­pli­zier­tes­te Ta­schen­uhr, wel­che je­mals von Au­de­mars Pi­guet an­ge­fer­tigt wur­de. Die so­ge­nann­te Uni­ver­sal-uhr wur­de im Auf­trag von Ja­kob Dürrstein zum Jubiläum für Union Glas­hüt­te ge­baut.

Der Nach­mit­tag ist dem Be­such der Zif­fer­blatt- und Ge­häu­se­fer­ti­gung so­wie der aktuellen Kol­lek­ti­on ge­wid­met. Da­bei heißt es für un­se­re Le­ser, auch selbst ein­mal Hand an­zu­le­gen. Nach ei­ner klei­nen Ein­wei­sung geht es dar­an, win­zi­ge Schrau­ben ein­zu­dre­hen, ei­nen Roh­ling mit Per­la­gen zu ver­se­hen und ihn an­schlie­ßend zu sa­ti­nie­ren so­wie Zahn­rä­der in ein Werk ein­zu­fü­gen. Stolz darf je­der Teil­neh­mer sein Werk­stück als Sou­ve­nir mit nach Hau­se neh­men.

Mi­chel Par­mi­gia­ni, Na­mens­ge­ber und Grün­der der Manufaktur wur­de 1950 un­weit von Fleu­ri­er ge­bo­ren. Mit die­sen Zif­fern star­ten auch die Se­ri­en­num­mern der Par­mi­gia­ni-uh­ren.

Par­mi­gia­ni: Ver­ti­ka­le In­te­gra­ti­on und Vo­gel­ge­zwit­scher

Der­zeit liegt die Zahl bei et­wa 80000 – mi­nus der 1950 und ge­teilt durch 23 Jah­re er­gibt sich dar­aus die durch­schnitt­li­che Jah­res­pro­duk­ti­on. Der lei­den­schaft­li­che Uhr­ma­cher Mi­chel Par­mi­gia­ni be­kam von der San­doz­stif­tung den Auf­trag, de­ren wert­vol­le Uh­ren­samm­lung zu re­stau­rie­ren, von der üb­ri­gens ein Teil im Uh­ren­mu­se­um von Le Lo­cle der Öf­fent­lich­keit zu­gäng­lich ist. Mit der Grün­dung der Manufaktur Par­mi­gia­ni er­folg­te zu­gleich die ver­ti­ka­le In­te­gra­ti­on der Zu­lie­fe­rer. In La Chaux-de-fonds ge­hö­ren da­zu ei­ne Zif­fer­blatt­fa­brik und mit Les Ar­tis­ans Boî­tiers ei­ne Ge­häu­se­fer­ti­gung. Mit El­win be­sitzt man ei­ne Schrau­ben­ma­nu­fak­tur, wel­che auch Pa­tek Phil­ip­pe, A. Lan­ge & Söh­ne und an­de­re Grö­ßen der Uhr­ma­che­rei be­lie­fert. Al­to­ka­p­la wie­der­um fer­tigt ei­ge­ne Un­ruh­spi­ra­len, ei­ne Kom­pe­tenz, über die nur we­ni­ge Spe­zia­lis­ten und Uhrenmarke­n ver­fü­gen.

UH­REN-MAGAZIN-LE­SER­REI­SEN

Seit vie­len Jah­ren reist die Re­dak­ti­on mit ih­ren Le­sern in die Schweiz und nach Glas­hüt­te zu re­nom­mier­ten Uh­ren­her­stel­lern. Die Teil­neh­mer be­su­chen Ma­nu­fak­tu­ren, schau­en hin­ter die Ku­lis­sen und er­le­ben die Kol­lek­tio­nen.

Un­ser Be­such be­ginnt beim Wer­ke­her­stel­ler Vau­cher in Fleu­ri­er. An die­sem Un­ter­neh­men ist ne­ben Par­mi­gia­ni Her­mès mit 25 Pro­zent be­tei­ligt und be­zieht von hier die Wer­ke. An­de­rer­seits stam­men die hand­ge­näh­ten Arm­bän­der der Par­mi­gia­ni­uh­ren aus der Le­der­ma­nu­fak­tur der Pa­ri­ser Lu­xus­mar­ke. Er­staun­li­che Ein­bli­cke er­hal­ten wir beim Be­such der Re­stau­ra­ti­ons­ab­tei­lung. Zu­nächst zieht uns ein Mes­ser aus dem Be­sitz der San­doz-stif­tung aus dem 18. Jahr­hun­dert durch seine in­te­grier­te Uhr mit Gran­de Son­ne­rie in ih­ren Bann. Wie ein­drucks­voll ei­ne sol­che klin­gen kann, be­weist ei­ne Ta­schen­uhr, de­ren Vier­tel­stun­den­re­pe­ti­ti­on auf ei­ne schlan­gen­för­mig ge­form­te Ka­the­dral­ton­fe­der schlägt. Hö­he­punkt ist ein klei­ner Vo­gel, der wie le­ben­dig aus ei­ner Spiel­do­se springt und uns krei­send und flü­gel­schla­gend für 20 Se­kun­den mit sei­nem hel­len Ge­zwit­scher er­freut. Er­mög­licht wird der ver­blüf­fend na­tur­ge­mä­ße Auf­tritt des ge­fie­der­ten Ge­schöp­fes durch seine Fä­hig­keit, Kör­per, Kopf, Schna­bel, Flü­gel und Schwanz­fe­der un­ab­hän­gig von­ein­an­der zu bewegen. Auch bei Par­mi­gia­ni be­steht die Mög­lich­keit, die aktuellen Modelle an den Arm zu le­gen.

Cho­pard: Manufaktur­besuch und ganz fa­mi­li­är

Die Ma­nu­fac­tu­re Fleu­ri­er ist ei­ner von zwei Cho­pard-stand­or­ten im Ort, der zweite Ebau­che Fleu­ri­er. Cho­pard ist ei­nes der letz­ten fa­mi­li­en­geführ­ten Uh­ren- und Schmuck­un­ter­neh­men. 1963 er­warb es Karl Scheu­fe­le III. aus Pforz­heim auf der Su­che nach ei­nem Part­ner, der die le­gen­dä­re Swiss-ma­de-qua­li­tät bie­ten konn­te. Das be­reits 1904 vom Groß­va­ter ge­grün­de­te Un­ter­neh­men Es­ze­ha in der Gold­stadt Pforz­heim, das er­folg­reich Uh­ren und Schmuck im Art-dé­co-stil her­stell­te, er­hielt so­mit ei­ne ei­ge­ne Manufaktur. Mit den Ge­schwis­tern Ca­ro­li­ne und Karl-fried­rich Scheu­fe­le als Co-prä­si­dent ist heu­te die vier­te Ge­ne­ra­ti­on ak­tiv. Wäh­rend Ca­ro­li­ne auf in­ter­na­tio­na­len Events wie den Film­fest­spie­len in Can­nes mit ei­ner High-je­wel­le­ry-kol­lek­ti­on glänzt, ent­wi­ckelt Karl­fried­rich die sport­li­chen Uh­ren der Her­ren­kol­lek­ti­on und zeich­net für die Manufaktur ver­ant­wort­lich, wel­che die L.U.C- (Lou­is-ulys­se Cho­pard) Uh­ren pro­du­ziert. Sie ent­stand 1996 auf rund 3500 Qua­drat­me­tern und be­schäf­tigt rund 160 Mit­ar­bei­ter.

Von den et­wa 75000 pro Jahr ge­fer­tig­ten Uh­ren ent­fal­len nur et­wa 4500 auf die L.u.c-kol­lek­ti­on aus der Manufaktur. Auch zahl­rei­che kom­pli­zier­te Modelle be­fin­den sich dar­un­ter. Automatisc­he Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber in in­dus­tri­el­ler Fer­ti­gung ent­ste­hen bei Fleu­ri­er Ebau­ches. Die­se rund 15000 Wer­ke sind vor­wie­gend der Mille-miglia-kol­lek­ti­on vor­be­hal­ten.

Im L.u.ce­um er­kun­den wir die pri­va­te Uh­ren­samm­lung von Karl­fried­rich Scheu­fe­le, die an­läss­lich

UH­REN-MAGAZIN-LE­SER­REI­SEN »Drei Le­ser­rei­sen ha­be ich bis jetzt mit­er­lebt, war im­mer aufs Neue be­geis­tert und wer­de si­cher wie­der ein­mal da­bei sein.« Pe­ter Sieg­rist

un­se­res Be­suchs zu­gäng­lich gemacht wird. Un­ter an­de­rem be­fin­den sich hier Ex­po­na­te von Fer­di­nand Berthoud, ei­nem Schwei­zer Uhr­ma­cher des 18. Jahr­hun­derts, der zeit­gleich mit Bre­guet in Pa­ris tä­tig war und des­sen Mar­ke Karl-fried­rich Scheu­fe­le eben­falls wie­der­be­lebt hat. Beim an­schlie­ßen­den Be­such in ei­nem sei­ner pri­va­ten Häu­ser in Fleu­ri­er steht die ak­tu­el­le Kol­lek­ti­on von L.U.C im Mit­tel­punkt.

Jaeger-lecoultre: 1200 Ka­li­ber und 180 Hand­wer­ke

Bei Jaeger-lecoultre durch­läuft je­de Uhr ei­nen 1000-St­un­den-test, be­vor sie die Manufaktur in Le Sen­tier ver­lässt. Hier sind auf et­wa 25000 Qua­drat­me­tern Pro­duk­ti­ons­flä­che 1200 Mit­ar­bei­ter be­schäf­tigt. Sie üben 180 ver­schie­de­ne Hand­wer­ke aus.

Seit Be­ste­hen der Fir­ma wur­den 1200 ver­schie­de­ne Ka­li­ber ent­wi­ckelt und ge­fer­tigt, dar­un­ter mit dem Ka­li­ber 101 das kleins­te me­cha­ni­sche Uhr­werk, das sich bis heu­te in der Pro­duk­ti­on be­fin­det. Komplikati­onen wer­den von er­fah­re­nen Uhr­ma­chern über Tage und Wo­chen zu­sam­men­ge­baut, im­mer as­sis­tiert von ei­nem jün­ge­ren, an den auf die­se Wei­se das Wis­sen wei­ter­ge­ge­ben wird. Ein sol­cher Spe­zia­list er­klärt uns mit­ten im Ate­lier die gro­ßen Komplikati­onen, die zu die­sem Zweck von ei­nem Mi­kro­skop auf ei­nen Groß­bild­schirm pro­ji­ziert wer­den.

Zum An­fas­sen na­he er­schei­nen das Gy­ro­tour­bil­lon von 2004, das Re­ver­so Gy­ro­tour­bil­lon von 2008, die Master Gran­de Tradition Gy­ro­tour­bil­lon 3 Ju­bi­lee (2013) so­wie die Re­ver­so Tri­bu­te Gy­ro­tour­bil­lon (2016). So­gar an den Arm le­gen und fo­to­gra­fie­ren dür­fen wir die­se Wun­der­wer­ke. Noch be­ein­dru­cken­der fällt der Be­such der Heritage-gal­le­ry aus, in der sich ne­ben der Vielfalt aus­ge­stell­ter At­mos-modelle auch ein um­fas­sen­des Ar­chiv be­fin­det, auf­ge­lo­ckert durch his­to­ri­sche Wer­be­mo­ti­ve. Ei­ne Wen­del­trep­pe ist um­ge­ben von ei­ner glä­ser­nen Vi­tri­ne, in der sich ei­ni­ge hun­dert der hier kon­stru­ier­ten und ge­fer­tig­ten Ka­li­ber prä­sen­tie­ren. Bei der ab­schlie­ßen­den Pro­dukt­vor­la­ge wis­sen ne­ben der Re­ver­so auch die Master-modelle und die Damenuhren Ren­dez-vous zu ge­fal­len. Die neu­en Po­la­ris-modelle sind ro­bus­te Uh­ren für den All­tag, in den wir uns nach drei in­ten­si­ven Ta­gen wie­der ver­ab­schie­den müs­sen. [8212] ———

UN­TER­WEGS MIT DEM UH­REN-MAGAZIN »Ein Aben­teu­er im Mi­kro­me­ter­be­reich der Mechanik – von Geschichte über tra­di­tio­nel­les Hand­werk bis hin zu neu­en Tech­no­lo­gi­en.« Frank Hör­and­ner

1 Selbst­ge­macht: Bei Au­de­mars Pi­guet dür­fen die Le­ser ei­ne Per­la­ge auf­brin­gen und den Roh­ling als An­den­ken mit­neh­men.

2 Star­ker Ein­druck: Aus­ge­fal­le­ne Zeit­mes­ser von Par­mi­gia­ni zum An­schau­en, An­fas­sen und ans Hand­ge­lenk neh­men.

3 Hoch­ge­nuss: Das Ob­jekt der Be­gier­de sel­ber aus­pro­bie­ren, hier den neu­en Chro­no­gra­phen Co­de 11-59 von Au­de­mars Pi­guet.

2 Fo­to­shoo­ting: Ta­schen­mes­ser mit Gran­de-son­ne­rie-uhr­werk, auf­ge­nom­men bei Par­mi­gia­ni.

4 Abend­ter­min: Die L.u.ckol­lek­ti­on darf man bei Fa­mi­lie Scheu­feles ganz pri­vat er­le­ben.

3 Vor­füh­rung: Das Auf­brin­gen von Gen­fer Strei­fen bei Cho­pard.

1 Kaf­fee­pau­se: Die Ge­le­gen­heit, ei­ne Cho­pard an­zu­pro­bie­ren.

1 Übung macht den Meis­ter: Le­ser dür­fen sich aus­pro­bie­ren.

2 Die gan­ze Kol­lek­ti­on: Hier zu er­le­ben bei Jaeger-lecoultre.

3 Glücks­mo­ment: Ein Duomèt­re Chronograp­h am Hand­ge­lenk.

4 Ver­grö­ße­rung: Tech­nik vom Mi­kro­skop auf den Bild­schirm.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.