Ret­tet die Blu-ray!

Vi­deo-on-De­mand be­fin­det sich auf dem Vor­marsch. Was be­deu­tet das für die Ho­me-En­ter­tain­ment-Bran­che und im Spe­zi­el­len für die Blu-ray? Was muss sie in Zu­kunft bie­ten, um ihr Über­le­ben lang­fris­tig zu si­chern?

video - - INHALT - von Ame­lie Heinz

Wie kann das Blu-ray-For­mat im Kampf mit den Strea­m­ing-Di­ens­ten sein Über­le­ben si­chern?

Sechs Mil­li­ar­den US-Dol­lar. Die­sen im­men­sen Be­trag in­ves­tier­te das ka­li­for­ni­sche Un­ter­neh­men Net­flix im Jahr 2017 in sei­ne Ei­gen­pro­duk­tio­nen. Für 2018 hat­te der Strea­m­ing­an­bie­ter ge­plant, das Bud­get so­gar noch zu ver­grö­ßern. Acht Mil­li­ar­den Dol­lar sol­len die­ses Jahr in Net­flix-Ori­gi­na­le flie­ßen. An­schei­nend lohnen sich die In­ves­ti­tio­nen für die ame­ri­ka­ni­sche Fir­ma. Die welt­wei­te Abo­zahl stieg von 104 Mil­lio­nen im zwei­ten Quar­tal 2017 auf 130 Mil­lio­nen im zwei­ten Quar­tal 2018 – ein En­de des Wachs­tums ist nicht in Sicht. Was be­deu­tet das aber für Blu­ray, DVD und Co.?

1997 – al­so un­ge­fähr zu der Zeit, als Reed Has­tings und Marc Ran­dolph Net­flix grün­de­ten und da­mit be­gan­nen, Leih-DVDs an ih­re Kun­den zu ver­schi­cken – er­schien hier­zu­lan­de

mit dem Sci­ence-Fic­tion-Film „12 Mon­keys“die ers­te deutsch­spra­chi­ge DVD. 21 Jah­re spä­ter ist das Me­di­um noch im­mer nicht aus den Re­ga­len ver­schwun­den. Über 600 Mil­lio­nen Eu­ro ga­ben die Deut­schen letz­tes Jahr für DVDs aus. 2001 kam mit der Ein­füh­rung der Blu-ray Disc ein Nach­fol­ger auf den Markt. Das For­mat HD DVD, wel­ches von To­shi­ba und NEC ein Jahr spä­ter vor­ge­stellt wur­de, er-

schwer­te der Blu-ray Disc die An­fangs­zeit zwar sehr, vor al­lem, da Ab­spiel­ge­rä­te für die HD DVD frü­her ent­wi­ckelt wur­den als für die Blu-ray. Ge­än­dert hat sich die Si­tua­ti­on al­ler­dings 2007, als die Play­Sta­ti­on 3 mit in­te­grier­tem Blu-ray-Play­er in Eu­ro­pa zu kau­fen war. Der To­des­stoß wur­de der HD DVD schließ­lich von den Stu­di­os ver­setzt, 2007 gab erst 20th Cen­tu­ry Fox be­kannt, sich für die Blu-ray als Zu­kunft der phy­si­schen Da­ten­trä­ger ent­schie­den zu ha­ben, ein Jahr spä­ter schloss sich War­ner an. Ze­nit der Blu-ray 2015 Von da an ging es für die „blaue“Schei­be steil nach oben. Am meis­ten ein­ge­nom­men wur­de mit BDs in Deutsch­land laut der Ge­sell­schaft für Kon­sum­for­schung (GFK) im Jahr 2015 (470 Mil­lio­nen Eu­ro), seit­dem sind die Zah­len leicht rück­läu­fig. Wo wir wie­der bei Net­flix sind, denn ver­ant­wort­lich da­für ist Vi­deo-on-De­mand. An­fang 2014 ging Ama­zon In­stant Vi­deo in Deutsch­land on­li­ne, En­de 2014 zog Net­flix nach. Seit­dem wach­sen die Nut­zer­zah­len bei den ver­schie­de­nen Strea­m­ing­an­bie­tern ra­sant: Im Jahr 2017 in­ves­tier­ten die Deut­schen be­reits rund 488 Mil­lio­nen Eu­ro in VoD. Wäh­rend die DVD

mas­si­ve Ein­bu­ßen über die letz­ten Jah­re zu ver­zeich­nen hat­te, ge­hen die Ver­kaufs­zah­len für Blu-rays al­ler­dings we­ni­ger stark zu­rück. Hat die „blaue“Schei­be ei­ne bes­se­re Chan­ce, ge­gen VoD zu be­ste­hen als die DVD?

Es le­be die Tech­nik

Es gibt ei­ni­ges, das da­für spricht. Tech­nisch hat die Blu-ray im Ge­gen­satz zur DVD dem Strea­m­ing im­mer noch vie­les vor­aus. Blu-ray Discs und UHD-BDs er­lau­ben es der­zeit, mehr Da­ten pro Se­kun­de ab­zu­ru­fen als On­li­ne-Streams. Da­durch müs­sen die Co­decs we­ni­ger ag­gres­siv ar­bei­ten. Das Bild sieht bes­ser aus und ist ar­te­fakt­frei­er, zu­dem sind ver­lust­frei kom­pri­mier­te Ton­for­ma­te Usus. Beim Strea­m­ing da­ge­gen wird auf Da­ten­re­duk­ti­on ähn­lich wie bei der MP3 ge­setzt, zum Bei­spiel Dol­by Di­gi­tal Plus. Beim Strea­m­ing sind au­ßer­dem lo­ka­le Fas­sun­gen im Bild be­merk­bar. Vor al­lem bei Ani­ma­ti­ons­fil­men gibt es des Öf­te­ren Sze­nen, die mit Un­ter­ti­teln ar­bei­ten. Auf Blu-rays sieht man je nach ge­wähl­ter Spra­che den pas­sen­den Text. Bei ei­nem deut­schen Strea­m­in­gdi­enst ist im Bild da­ge­gen oft die deut­sche Ver­si­on zu se­hen, selbst wenn man vor­her die Ori­gi­nal­ton­spur ge­wählt hat. Auch für Ver­brau­cher, die

auf ei­ne ho­he Bild­qua­li­tät im Heim­ki­no set­zen, kön­ne ei­ne Blu-ray oder ei­ne UHD die bes­se­re Wahl sein als ein 4K-Film bei Net­flix und Co.

Ei­ne Ul­tra HD Blu-ray Disc bie­tet un­ab­hän­gig von der lo­ka­len Netz­ge­schwin­dig­keit ein ul­tra­schar­fes Bild. Beim On­li­ne-Strea­m­ing kann ei­ne zu ge­rin­ge Bi­tra­te da­ge­gen schnell zu Pro­ble­men füh­ren, denn für 4K-Bil­der ist ei­ne 25-Mbit/s-Lei­tung Pflicht. Wäh­rend der Ze­nit bei an­de­ren phy­si­schen Me­di­en wohl schon über­schrit­ten ist, hat die UHD des­halb noch gro­ßes Wachs­tums­po­ten­zi­al, wie auch Ver­tre­ter aus der Ho­me-En­ter­tain­ment-Bran­che be­to­nen. „Wir ver­öf­fent­li­chen in­zwi­schen al­le ‚Star Wars‘- und Mar­vel-Fil­me in UHD, um den Be­dürf­nis­sen der Kun­den geKind­le recht zu wer­den, und wer­den das An­ge­bot auch ste­tig er­wei­tern“, so Bernhard Na­gel, He­ad of Mu­sic, Vi­deo & Ga­mes von Dis­ney, im In­ter­view.

Tot­ge­sag­te le­ben län­ger

Für vie­le Heim­ki­no-En­thu­si­as­ten ist noch et­was an­de­res ent­schei­dend, wenn es dar­um geht, sich ei­nen Film phy­sisch oder di­gi­tal zu kau­fen: die Hap­tik. Ähn­li­ches kennt man be­reits aus dem Buch­han­del. Die Ein­nah­men von Bü­chern sin­ken – der Um­satz lag in Deutsch­land 2011 bei über neun Mil­li­ar­den Eu­ro, 2017 wa­ren es nur noch sie­ben­ein­halb Mil­li­ar­den – und die der E-Books stei­gen seit ei­ni­ger Zeit. Doch zu­gleich zeig­te sich, dass Bü­cher nicht so schnell tot­zu­krie­gen sind, wie vie­le bei der Ein­füh­rung von und E-Book dach­ten. Trotz al­ler Vor­tei­le, die di­gi­ta­le Bü­cher mit sich brin­gen und die de­nen des Strea­m­ings durch­aus äh­neln, wer­den On­li­ne-Pro­duk­te ge­wis­sen Be­dürf­nis­sen der Kun­den of­fen­bar noch nicht ge­recht. Auch in der Mu­sik­in­dus­trie hat sich ge­zeigt, dass Spo­ti­fy und Co. ei­ne gro­ße Kon­kur­renz für phy­si­sche Me­di­en dar­stellt. Das än­dert aber nichts dar­an, dass die CD nach wie vor der in Deutsch­land am häu­figs­ten ver­kauf­te Ton­trä­ger ist. Die Schall­plat­te konn­te zu­letzt so­gar welt­weit mit stei­gen­dem Um­satz glän­zen.

Ex­per­ten mut­ma­ßen, dass bis zu 40 Pro­zent al­ler ge­kauf­ten Fil­me gar nicht an­ge­se­hen, son­dern nur ins Re­gal ge­stellt wer­den. Sam­mel­lei­den­schaft ist auch in Zei­ten des In­ter­nets

ein wich­ti­ger Wirt­schafts­fak­tor. Zu­sätz­lich bie­ten auf­wen­di­ge Son­der­edi­tio­nen, Steel­books, Me­dia­books, oder sel­te­ne Samm­ler­fi­gu­ren Heim­ki­no-Lieb­ha­ber ei­nen An­reiz zum Kauf, der über den blo­ßen Er­werb des Films hin­aus­geht.

Dau­er­haf­te Ver­füg­bar­keit

Strea­m­ing-An­bie­ter kau­fen le­dig­lich zeit­lich be­grenz­te Li­zenz­pa­ke­te. Ab­ge­se­hen von Ei­gen­pro­duk­tio­nen ro­tie­ren die Ti­tel und sind manch­mal ver­füg­bar, manch­mal aber auch nicht. Für den Ver­brau­cher be­deu­tet das ein ge­wis­ses Maß an Un­ge­wiss­heit, ob er ei­ne Se­rie zu En­de schau­en kann. Viel­leicht er­klärt das, war­um 2017 laut GFK die ers­ten sie­ben Plät­ze der Top10 der DVD- und Blu-ray-Ver­käu­fe im Be­reich TV-Se­ri­en von „Ga­me of Thro­nes“-Staf­feln be­legt wur­den.

Vie­le wol­len ih­re Lieb­lings­se­rie voll­stän­dig bei sich zu Hau­se ste­hen ha­ben, um sie auch in Zu­kunft wie­der an­se­hen zu kön­nen. Ob es Net­flix in ei­ni­gen Jah­ren noch gibt, oder ob ein an­de­rer Strea­m­in­gdi­enst – wie zum Bei­spiel der, den Dis­ney der­zeit plant – dem Un­ter­neh­men ir­gend­wann den Rang ab­läuft, ist un­ge­wiss. Das wür­de für die Nut­zer be­deu­ten: Ab­schied neh­men von der sorg­fäl­tig zu­sam­men­ge­stell­ten On­li­ne-Vi­deo­thek und bei ei­nem an­de­ren An­bie­ter wie­der ganz von vor­ne an­fan­gen.

Fa­zit

Die gol­de­ne Ära der phy­si­schen Me­di­en ist wohl vor­bei. Die Ver­käu­fe von Blu­ray-Discs und DVDs sin­ken seit ei­ni­ger Zeit ste­tig. Doch die Blu-ray hält sich bes­ser als die DVD, was vor al­lem an der hö­he­ren Bild­qua­li­tät lie­gen dürf­te. Even­tu­ell wird die Blu-ray zu­künf­tig ei­nen ähn­li­chen Weg ge­hen wie die Schall­plat­te, de­ren Tod schon oft vor­aus­ge­sagt wur­de. Tat­säch­lich aber ver­kauf­te sich Vi­nyl 2017 hier­zu­lan­de bes­ser als in den letz­ten 25 Jah­ren. Auf lan­ge Sicht wird das Strea­m­ing zwar im Ho­me-En­ter­tain­ment-Markt Platz 1 be­le­gen, doch ster­ben wird die Blu-ray des­halb in ab­seh­ba­rer Zeit nicht – für die DVD sieht die Zu­kunft da­ge­gen we­sent­lich düs­te­rer aus.

Mehr als nur ein Film: Al­ter­na­ti­ve En­den, zu­sätz­li­che Sze­nen so­wie Au­dio­kom­men­ta­re sind Grün­de, war­um die Blu-ray auch wei­ter­hin gern ge­kauft wird.

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