Sony Kd-65AF9 // 4500 eu­ro

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Lan­ge be­vor OLED-Pa­nels in TVGrö­ße ver­füg­bar wa­ren, ent­wi­ckel­te Sony den ers­ten OLED-Schirm der Welt und bot ihn zum Ver­kauf an. Heu­te dient die Ei­gen­pro­duk­ti­on, die auf rei­ne RGB-Far­ben setzt, al­lein für sünd­haft teu­re und ver­gleichs­wei­se klei­ne Stu­dio­mo­ni­to­re.

Beim Ein­stieg in die Welt der gro­ßen OLEDs hat­te sich Sony et­was ganz Be­son­de­res ein­fal­len las­sen. Der OLED-A1 be­saß ein sehr krea­ti­ves De­si­gn­kon­zept. Das leicht ge­neigt auf­zu­stel­len­de Ge­rät gab nach vorn fast nur noch sei­ne Bild­flä­che preis und ver­steck­te hin­ten al­le Ka­bel. Mög­lich wur­de dies durch das Acoustic Sur­face – ei­ne Tech­nik, die ein OLED-Dis­play als Laut­spre­cher­mem­bran für Mit­tel­hoch­tö­ne nutzt. Die­se Kon­zen­tra­ti­on auf das We­sent­li­che wird im KD-65AF9 di­rekt fort­ge­setzt. Das fas­zi­nie­ren­de De­sign wur­de über­nom­men, je­doch hal­ten ei­ni­ge tech­ni­sche Neue­run­gen Ein­zug.

Fi­n­etu­ning

So­nys neue Top­mo­del­le, al­so die­ser AF9 so­wie sei­ne LCD-Par­al­le­le ZF9 wer­den der „Mas­ter Se­ries“zu­ge­ord­net und ha­ben ei­ne Auf­wer­tung be­kom­men, was die Vi­deo­pro­zes­sor­leis­tung be­trifft. Der neue Chip der Su­per­la­ti­ve nennt sich „X1-Ul­ti­ma­te“und löst den „X1 Ex­tre­me“als Spit­zen­pro­dukt ab. Seit Jah­ren er­klärt Sony sei­ne Leis­tun­gen in den Dis­zi­pli­nen der lo­ka­len Kon­tras­t­op­ti­mie­rung und der in­tel­li­gen­ten Kom­bi­na­ti­on aus Nach­schär­fung und Rauschent­fer­nung durch Da­ten­ban­ken, die mit al­ler­lei Bild­ma­te­ri­al ge­füt­tert wur­den. Mit­be­wer­ber, die erst kürz­lich der­ar­ti­ge Ver­fah­ren ein­führ­ten, spre­chen da­bei von ma­schi­nel­lem Ler­nen und künst­li­cher In­tel­li­genz. Die­se Schlag­wor­te wa­ren zu So­nys In­no­va­ti­on vor über fünf Jah­ren noch nicht an­ge­sagt, aber der Ef­fekt ist im­mer noch toll. Mit der „Rea­li­ty Crea­ti­on“und Er­wei­te­rung der Bit­tie­fe, um Ban­ding­feh­ler zu kor­ri­gie­ren, leg­te Sony die Mess­lat­te hoch. Und im­mer noch kann der ge­wief­te Zu­schau­er so aus vie­len Bild­quel­len mehr Durch­zeich­nung er­hal­ten. Die au­to­ma­ti­sche Ab­stim­mung er­scheint uns je­doch schon et­was zu stark. Auch wenn Sony mit Stu­dio- tech­nik bes­tens ver­traut ist und un­se­re Test­mus­ter stets ei­nen vor­bild­lich norm­na­hen Ein­druck hin­ter­lie­ßen, gab Sony erst die­ses Jahr den Far­b­rau­m­ab­gleich frei. Bes­ser noch: Seit Kur­zem funk­tio­niert auch die 20-Punkt-Au­to­ka­li­bra­ti­on und Farb­ab­stim­mung mit Cal­man, je­den­falls in SDR. Man muss da­zu nur ei­ne An­dro­id-App la­den – und na­tür­lich Cal­man, ein Mess­ge­rät so­wie ei­nen HDMI-Ge­ne­ra­tor be­sit­zen. Ist der TV ab Werk so gut ein­ge­spielt wie un­ser Ex­em­plar, muss man erst nach ei­ni­gen Mo­na­ten Rei­fe­zeit nach­re­geln.

Klap­pe auf

Wie bei sei­nem Vor­gän­ger ist die Elek­tro­nik des KD-65AF9 samt Woo­fer in ei­nem Klapp­me­cha­nis­mus un­ter­ge­bracht. Da­durch ist der Wand­ab­stand recht groß, wenn man ihn auf­hän­gen möch­te. Auf­ge­stellt sorgt ein Ge­wicht da­für, ein Um­fal­len nach vorn zu er­schwe­ren. Der TV steht so­zu­sa­gen in vol­ler Brei­te auf sei­nem Dis­play, wo­bei es of­fen­sicht­lich schwer war, noch die Lo­gos von Sony und Bra­via un­ter­zu­brin­gen. Für noch bes­se­ren Sound

be­kam das Acoustic Sur­face die Er­gän­zung „Plus“, was ne­ben klang­li­cher Op­ti­mie­rung mal eben die In­te­gra­ti­on ei­nes Cen­ter­ka­nals be­inhal­tet. Die zwei statt drei Ka­nä­le las­sen sich üb­ri­gens ex­tern an­steu­ern. Über aus­ge­wach­se­ne Laut­spre­cher­klem­men kann man den Sony als Cen­ter ei­ner Sur­round­an­la­ge nut­zen. Klang­lich wird wie­der Er­staun­li­ches ge­bo­ten. Die Ab­bil­dung und Or­tung ist sehr gut, im Mit­ten­be­reich ist die Har­mo­nie für ei­nen TV ent­span­nend, im Bass­be­reich reicht der Woo­fer tief her­un­ter. Al­lein die Durch­zeich­nung ho­her Tö­ne und die ma­xi­ma­le Dy­na­mik lässt Wün­sche of­fen. Be­denkt man, dass hier kei­ne „rich­ti­gen“Laut­spre­cher am Werk sind, ist das Er­geb­nis ver­blüf­fend.

Al­le Acht(ung)

Sony hat­te lan­ge mit der Um­set­zung der TV-Funk­tio­nen in An­dro­id-Apps zu kämp­fen. Das Be­triebs­sys­tem mit sei­nen vie­len Op­tio­nen for­der­te die­sen Tri­but, der sich jetzt lang­sam aus­zu­zah­len scheint. Die Erst­in­stal­la­ti­on wird durch ein An­dro­id-Pho­ne er­leich­tert, Funk­tio­nen wie Chro­me­cast und Mi­ra­cast er­lei­chern das Tei­len von In­hal­ten, und na­tür­lich lie­fert das rie­si­ge Goog­le-Uni­ver­sum al­ler­lei Spiel­ver­gnü­gen – jetzt in­klu­si­ve Smar­tHo­me und ver­bes­ser­tem Hand­ling. An­dro­id-TV 8 (Oreo) be­sitzt nun näm­lich ein Haut­pme­nü, in dem In­hal­te statt Apps do­mi­nie­ren, und das Ein­stel­lun­gen und Qu­el­len­wahl nach oben stellt. Hier hat sich al­so sehr viel in punc­to Be­di­en­freund­lich­keit ge­tan. Neu ist der Goog­le As­sis­tant, der ja bald die gan­ze Welt steu­ern kön­nen soll. Da­zu muss er noch so ei­ni­ges ler­nen – aber das kann er ja. Et­was er­schro­cken wa­ren wir, als wir ent­deck­ten, dass die Mi­kros nicht mehr in der Fern­be­die­nung, son­dern am TV sit­zen und das Ge­rät im­mer zu­hört und auf sein „Hey Goog­le“war­tet. Aber das kann man ja ab­schal­ten.

Das Po­ten­zi­al des neu­en Bild­chips reicht of­fen­bar auch für die In­te­gra­ti­on von Dol­by­Vi­si­on, wo sich Sony bei den Vor­gän­gern ei­ne blu­ti­ge Na­se ge­holt hat­te. Hier funk­tio­nier­ten HDMI und Net­flix so­fort mit Vi­si­on, über USB ein­ge­spiel­te Streams mit Dual­lay­er wur­den aber nicht um­ge­setzt. Selbst­re­dend un­ter­stützt Sony HDR10, auf dem Dol­by Vi­si­on ja auf­setzt, ge­nau­so wie HLG. Beim ers­ten Ein­schal­ten war das Tu­n­er­bild grob und hart­ge­schärft, in „Ki­no“re­gel­te die Ge­samt­hel­lig­keit et­was, was Mes­sun­gen er­schwer­te. Erst als „An­wen­der“ka­men die ex­zel­len­ten Er­geb­nis­se un­se­rer Bild­mes­sung zu­stan­de. HDR kam et­was zu bunt da­her, wes­halb hier die Sät­ti­gung mi­ni­mal zu­rück­ge­dreht wer­den muss­te. Mit den vie­len Ein­stel­lun­gen ge­lang es leicht, je­dem Bild mehr Pepp zu ver­lei­hen. Al­lein die Leucht­kraft von HDR liegt un­ter dem Po­ten­zi­al des Pa­nels, vi­el­leicht, weil so die Ge­fahr des Ein­bren­nens deut­lich ver­min­dert wird.

Fa­zit

So­nys De­sign, das von vorn wie von hin­ten über­zeugt, hat mit dem Acoustic Sur­face das Zeug zum ab­so­lu­ten Klas­si­ker. Und da An­dro­id-TV jetzt end­lich sei­ne Stär­ken aus­spielt, kann der AF9 oh­ne Wenn und Aber emp­foh­len wer­den. Nur Klei­nig­kei­ten tren­nen ihn vom teu­re­ren Test­sie­ger.

So­nys Fern­be­die­nung ist jah­re­lang eta­bliert und will al­les gleich­zei­tig kön­nen. die Über­sicht­lich­keit lei­det dar­un­ter et­was.

An­schlüs­se und Woo­fer, ja die ge­sam­te Elek­tro­nik ver­ste­cken sich un­ter schi­cken Stoff­abde­ckun­gen. Ka­bel wer­den de­zent hin­ten un­ten her­aus­ge­führt.

So­nys AF9 wird wie­der leicht ge­neigt auf­ge­stellt und soll­te da­her tief ste­hen. Hängt man ihn an die Wand, wird das schwe­re aus­la­den­de Ge­wicht ent­fernt, das sonst das Um­kip­pen er­schwert.

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