INFINITY WAR

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Selbst Zu­schau­er, die den drit­ten „Aven­gers“-Film nur als ge­wöhn­li­chen Som­mer­block­bus­ter be­trach­ten, wie sie Hol­ly­wood seit Jahr­zehn­ten re­gel­mä­ßig in die Ki­nos bringt, müs­sen an­er­ken­nen, dass das Su­per­hel­den-Spek­ta­kel in sei­nem Gen­re neue Maß­stä­be setzt. Schließ­lich war­tet die Pro­duk­ti­on mit ei­nem bis da­to nie da­ge­we­se­nen En­sem­ble von Su­per­stars auf (was so­wohl die fik­ti­ven Cha­rak­te­re als auch ih­re Darstel­ler meint) und er­zählt sei­ne gi­gan­ti­sche Ge­schich­te ei­ner epi­schen Schlacht um das Schick­sal des Uni­ver­sums mit un­ge­wohn­ter Kon­se­quenz.

Dies gip­felt in ei­nem für ei­nen Main­stream-Ti­tel äu­ßerst mu­ti­gen Fi­na­le, wie es Ki­no­fans wohl seit „Das Im­pe­ri­um schlägt zu­rück“nicht mehr er­lebt ha­ben. Da­zu gibt’s Spe­zi­al­ef­fek­te auf Top-Ni­veau und ei­nen mehr als pas­sen­den Sound­track, der bom­bas­ti­sche Sze­nen eben­so tref­fend un­ter­malt wie nach­denk­li­che Mo­men­te.

So weit, so nor­mal, denn all das soll­te man von ei­ner Mul­ti-Mil­lio­nen-Dol­lar-Pro­duk­ti­on aus dem Hau­se Dis­ney heut­zu­ta­ge ge­nau so er­war­ten dür­fen. Dass Su­per­hel­den­fil­me mehr als stumpf­sin­ni­ge Ac­tion zu bie­ten ha­ben, ist dem brei­ten Pu­bli­kum oh­ne­hin spä­tes­tens seit „The Dark Knight“bes­tens be­kannt.

Was „Aven­gers: Infinity War“al­ler­dings weit über das nor­ma­le Le­vel ge­lun­ge­nen Pop­corn-Ki­nos hin­aus­hebt und zu ei­nem der ab­so­lu­ten Top-Fil­me des Jah­res 2018 macht, ist sei­ne Vor­ge­schich­te.

Als neun­zehn­ter Film des zu­sam­men­hän­gend er­zähl­ten Mar­vel Ci­ne­ma­tic Uni­ver­se (MCU) ist das drit­te Tea­m­up der Aven­gers nicht ein­fach nur das nächs­te Ka­pi­tel ei­ner end­lo­sen Rei­he von Co­mic-Ver­fil­mun­gen. Das hier ist nicht Ja­mes-Bond-Film Nr. 17, bei dem voll­kom­men egal ist, was zu­vor pas­sier­te und was dar­auf fol­gen wird. Viel­mehr gibt’s ei­ne Art ech­tes Staf­fel­fi­na­le, das nur Ken­ner der bis­he­ri­gen Fol­gen rich­tig wert­schät­zen kön­nen, und das die bis­he­ri­gen Epi­so­den rück­wir­kend noch ein­mal er­höht. Cliff­han­ger in­klu­si­ve.

Be­ein­dru­ckend ist da­bei nicht nur, wie durch­dacht die gro­ße Sto­ry­line des MCU von Be­ginn an auf- und aus­ge­baut wur­de, son­dern vor al­lem, wie viel Ge­duld das Stu­dio an den Tag leg­te. Statt mit Blick auf schnel­len Kom­merz ei­nen ver­meint­li­chen Hö­he­punkt be­reits nach zwei oder drei Fil­men zu pro­vo­zie­ren, wie es zum Bei­spiel Kon­kur­rent DC/War­ner mit „Justi­ce Le­ague“tat (und da­mit ko­los­sal schei­ter­te), wur­de sei­tens Mar­vel ein re­gel­rech­ter Mas­ter­plan ent­wi­ckelt, der stets ge­nü­gend Zeit fürs Aus­ma­len der Ent­wick­lun­gen im Hin­ter­grund und wich­ti­ger Ne­ben­fi­gu­ren vor­sah. Das Er­geb­nis ist ein mo­der­nes Meis­ter­werk, das nicht nur in Sa­chen Wir­kung sei­nes­glei­chen sucht.

Wie bei ei­ner gu­ten Fern­seh­se­rie stellt „Infinity War“den vor­läu­fi­gen Hö­he­punkt ei­ner sorg­fäl­tig auf­ge­bau­ten Er­zäh­lung dar und trifft Fans, die seit „Iron Man“im Jahr 2008 da­bei sind, da­durch mit vol­ler Wucht. Al­le Cha­rak­te­re be­kom­men den nö­ti­gen Raum, um sich sinn­voll in die Ge­schich­te ein­zu­brin­gen. Da­bei hallt je­des in den Vor­gän­ger­fil­men er­zähl­te Schick­sal in den neu­en Sze­nen nach. So er­lebt der Zu­schau­er kei­ne sim­ple Num­mern­re­vue der Su­per­stars, die schnell wie­der ver­ges­sen ist, son­dern taucht ein in ei­ne stim­mi­ge Welt, die sich echt an­fühlt – und de­ren Be­dro­hung und Ka­ta­stro­phen am En­de wirk­lich weh­tun.

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