SHAPE OF WA­TER

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dass der me­xi­ka­ni­sche Re­gis­seur Guil­ler­mo del Tor­ro ei­ne tie­fe Zu­nei­gung ge­ra­de zu den ab­sei­ti­gen und aus­ge­sto­ße­nen Fi­gu­ren des Ki­nos be­sitzt, dürf­te nach der Viel­zahl an Mons­ter­fil­men, die sich durch die Kar­rie­re des Os­car­ge­win­ners zie­hen, kaum noch ir­gend­je­man­den über­ra­schen.

Die Ar­beit und Lie­be, die del Tor­ro je­doch für „Shape of Wa­ter“in sei­nen Was­ser­mann steck­te, stell­te selbst für die­sen akri­bi­schen Ar­bei­ter ei­ne Be­son­der­heit dar. Über Mo­na­te hin­weg feil­te der Re­gis­seur ge­mein­sam mit Mas­ken­bild­nern und sei­nem Stamm­schau­spie­ler Doug Jo­nes, der auch die­sem von del Tor­ro er­dach­ten Mons­ter im Film le­ben ein­hau­chen soll­te, an je­der op­ti­schen Klei­nig­keit. Dass die­se Mü­hen zu Recht mit dem Os­car für den bes­ten Film und die bes­te Re­gie be­lohnt wur­den, be­legt schon der ers­te Blick auf die zu­nächst scheue und sich nur lang­sam öff­nen­de Krea­tur.

In ei­nem kar­gen La­bor der US-Re­gie­rung hält der sa­dis­ti­sche Si­cher­heits­chef Richard Strick­land (Micha­el Sha­non) ei­ne au­ßer­ge­wöhn­li­che Was­serk­rea­tur (Doug Jo­nes) nicht nur ge­fan­gen, son­dern miss­han­delt sie und voll­zieht an ihr zahl­rei­che un­mensch­li­che Ex­pe­ri­men­te. Zu­nächst ver­ängs­tigt von al­len Men­schen, ge­lingt es je­doch der stum­men Rei­ni­gungs­kraft Eli­sa Es­po­si­to (Sal­ly Haw­kins), nach und nach und von ih­ren Vor­ge­setz­ten un­be­merkt ei­ne Be­zie­hung zu dem am­phi­bi­en­ar­ti­gen We­sen auf­zu­bau­en. Schon bald steht für Eli­sa fest, dass sie die ge­fan­ge­ne Krea­tur un­mög­lich ih­rem Schick­sal über­las­sen kann und plant de­ren Be­frei­ung – auch wenn sie da­bei ihr ei­ge­nes Le­ben aufs Spiel set­zen muss. Sei­ne Kerns­aus­sa­ge hält del Tor­ros Film da­bei von Be­ginn an nie zu­rück: Denn na­tür­lich ist schnell klar, dass in Wahr­heit nicht die warm­her­zi­ge Was­serk­rea­tur das Mons­ter ist, son­dern der ge­fühls­kal­te Si­cher­heits­be­am­te Strick­land. Da­bei be­kommt die ro­man­ti­sche Er­zäh­lung der zwei Au­ßen­sei­ter, die vor ih­rem be­droh­li­chen Jä­ger flie­hen, mit­un­ter fast et­was Mär­chen­haf­tes, auch da del Tor­ro sei­ne Ge­schich­te in wun­der­bar an­mu­ti­ge und hoch­sti­li­sier­te Bil­der hüllt.

Letzt­end­lich er­zählt „Shape of Wa­ter“ei­ne zeit­lo­se Ge­schich­te über Lie­be, Mit­ge­fühl und Ver­ständ­nis und be­schwört so gleich­zei­tig auf an­rüh­ren­de Art auch die gro­ßen Zei­ten des Ki­nos her­auf. Del Tor­ro er­mu­tigt mit sei­ner Mons­ter­fa­bel da­zu, hin­ter die Ober­fläch­kich­kei­ten des All­tags zu bli­cken und für ei­ne bes­se­re Ge­sell­schaft ein­zu­ste­hen – und das ist nicht kit­schig, son­dern schlicht auf ei­ne ein­fa­che Wei­se schön, rich­tig und gut.

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