Test: So­ny VPL-VW870ES Bea­mer

video - - Inhalt - von Ro­land Seibt

So scharf und so bunt wie nie zu­vor. So­nys neu­er Pro­jek­tor setzt Maß­stä­be im Heim­ki­no.

Selbst wenn das Bud­get kei­ne Rol­le spielt, war es bis­her nicht mög­lich, im Heim­ki­no ei­nen Pro­jek­tor auf­zu­stel­len, der bei Pi­xel­schär­fe und HDR-Ei­gen­schaf­ten ei­nem Top-Fern­se­her die Stirn bie­ten kann. So­ny geht nun mit dem VPL-VW870ES in die nächs­te Evo­lu­ti­ons­run­de der La­ser-Licht­quel­le und er­zielt den zu­sätz­li­chen Farb­kick, der bis­lang fehl­te.

Er ist et­was grö­ßer und fast dop­pelt so schwer wie So­nys rest­li­ches Li­ne-up an 4K-Pro­jek­to­ren. Sat­te 22 Ki­lo Pro­dukt­ge­wicht des neu­en La­ser­bea­mers So­ny VPLVW870ES wol­len erst ein­mal si­cher un­ter die De­cke des Heim­ki­nos ge­hängt wer­den. Sie sind aber viel­leicht auch da­für ver­ant­wort­lich, dass uns die­ses Test­mus­ter un­ver­sehr­ter und mit hö­he­rer Schär­fe er­reich­te als al­le an­de­ren So­ny-Bea­mer zu­vor. Bei ei­nem Test nach dem an­de­ren fiel uns bei frü­he­ren Model­len ei­ne Miss­kon­ver­genz der SXRD-Pa­nels auf, die wir uns nur da­mit er­klä­ren konn­ten, dass sich die 12 Ki­lo schwe­ren Ge­rä­te beim Trans­port wei­ter wer­fen lie­ßen als die­ser Bo­li­de hier. Bei ihm ist nun alles bes­tens. Sein sehr auf­wen­di­ges, groß di­men­sio­nier­tes Ob­jek­tiv (Tech­nik­bild Sei­te 10) zeich­net die 4K-SXRDPa­nels bis in die Ecken mes­ser­scharf. So­gar noch schär­fer als zu­vor, denn De­tail­ver­lust und Farb­säu­men wird mit ei­ner neu­en Soft­ware ent­ge­gen­ge­wirkt. Die so­ge­nann­te „Di­gi­ta­le Fo­kus­op­ti­mie­rung“ist nun ein jus­tier­ba­rer Teil der neu­es­ten „Rea­lis­mus“En­gi­ne, wie So­nys aus­ge­klü­gel­te Bil­d­op­ti­mie­rung seit Jah­ren heißt. Un­se­ren ein bis zwei Pi­xel fei­nen Mess­li­ni­en wird sie je­doch kaum auf die Sprün­ge hel­fen kön­nen. Dass die­se so sau­ber und de­tail­reich dar­ge­stellt wer­den, dür­fen wir der tol­len Op­to­me­cha­nik zu­schrei­ben – und den drei gut über­la­ger­ten 0,74-Zoll gro­ßen SXRDChips. Die ho­he Schär­fe ist um­so löb­li­cher, wenn man sieht, wie va­ria­bel die Ab­bil­dung ist. Mit ei­nem 2,2-fa­chen Zoom und gro­ßen Shift­be­rei­chen lässt sich der VPL-VW870ES in je­des Heim­ki­no in­te­grie­ren. Es ist re­la­tiv schmal­wink­lig an­ge­legt. Für Freun­de der Kurz­dis­tanz, bei­spiels­wei­se Rück­pro­jek­ti­on aus ei­nem Tech­nik­raum, ist die Op­ti­on ei­nes Wech­sel­ob­jek­tivs (TR 0,8-1,02) vor­han­den. Und da al­le Ein­stel­lun­gen des Ob­jek­tivs lu­xu­ri­ös mo­to­risch und äu­ßerst prä­zi­se ar­bei­ten, war es für So­ny kein Pro­blem, fünf Spei­cher für Ob­jek­tiv­po­si­tio­nen zu in­te­grie­ren. So wer­den Ci­ne­ma­scope-Lein­wän­de bes­tens aus­ge­nutzt und dank vie­ler elektronischer Zoom­op­tio­nen und Schalt­aus­gän­ge

kom­men auch ana­mor­pho­ti­sche In­stal­la­tio­nen zum Zu­ge. Ein paar zu­sätz­li­che Bild­for­ma­te kön­nen So­nys Bea­mer ja im­mer ge­brau­chen, denn ih­re Chips sind stets ex­tra­breit. Sie kom­men aus der Ki­no­tech­nik und be­sit­zen na­tiv die dort üb­li­chen 4096x2160 Bild­punk­te, al­so in et­wa das Bild­for­mat 17:9. Al­le Ul­tra-HDQu­el­len zu Hau­se lie­fern je­doch nur 3840x2160 Pi­xel in 16:9. Ei­nen echt star­ken qua­li­ta­ti­ven Ge­winn aus So­nys zu­sätz­li­chen Pi­xeln schla­gen zu kön­nen ist nur schwer zu be­grün­den.

Chips ahoi

Viel ein­fa­cher ist es fest­zu­stel­len, dass So­nys Elek­tro­nik in der neu­es­ten Ge­ne­ra­ti­on jetzt al­le Qu­el­len mit al­len Tricks un­ter­stützt, die wir uns wün­schen. Die bei­den HDMI-Ein­gän­ge ak­zep­tie­ren die vol­le Band­brei­te von HDMI 2.0b, al­so 18Gbit/s. Da­mit wer­den Ul­tra-HD-In­hal­te bei 60Hz mit mehr Farb­schär­fe ver­ar­bei­tet als frü­her, 24p-Ki­no­in­hal­te gar mit hoch­wer­ti­gen 12 Bit bei vol­ler Farb­ab- tas­tung 4:4:4. Zu­dem wur­de der Bild­chip ei­nem Up­date un­ter­zo­gen, so­dass er nun al­le sei­ne Fä­hig­kei­ten auch auf UHD-Ma­te­ri­al anwenden kann. Zu de­nen zäh­len ja ei­ne gu­te Be­wegt­bild­glät­tung und die in­tel­li­gen­te Nach­schär­fung in­klu­si­ve En­t­rau­schung und Ent­fer­nung von Ban­ding-Ar­te­fak­ten – alles zu­sam­men­ge­fasst un­ter dem Mar­ke­ting-Schlag­wort „Rea­li­ty Crea­ti­on“. So­nys Pro­jek­to­ren er­lau­ben viel mehr Ver­bes­se­run­gen an al­len Ein­gangs­si­gna­len als al­le an­de­ren Mar­ken. Gera­de bei äl­te­ren In­hal­ten zahlt sich das voll aus, doch die grund­sätz­lich hoch­wer­ti­ge Ska­lie­rung, Rei­ni­gung und Po­li­tur der Film­da­ten bringt auch mehr Fri­sche und Schär­fe bei gu­ten Blu-rays. Dass Pro­jek­to­ren über­haupt HDR au­to­ma­tisch er­ken­nen und die neue Kenn­li­nie (EOTF) sau­ber um­set­zen, ist kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit. So­ny ge­lingt dies jetzt sehr gut, wo­bei der Clip­ping­punkt bei ca. 1000 Film­nits ge­legt wur­de. Er passt sich wie bei Bea­mern üb­lich nicht an die Metadaten an, kann aber leicht ge­än­dert wer­den: Man re­gelt die Ein­stel­lung für „Kon­trast (HDR)“. HDR10 klappt al­so gut und so­gar HLG wird ver­ar­bei­tet. An Dol­by­Vi­si­on oder HDR10+ muss in die­sem Markt­seg­ment bis­her noch nie­mand den­ken.

Ne­ben den be­reits er­wähn­ten HDMI-Ein­gän­gen bie­tet So­ny noch ei­ni­ge an­de­re di­gi­ta­le Op­tio­nen, je­doch nicht für Bild und Ton. So kön­nen zwei Trig­ger­aus­gän­ge be­schal­tet wer­den, um ei­ne au­to­ma­ti­sche Lein­wand oder ei­nen Ana­mor­pho­ten zu be­ein­flus­sen. Ei­ne USB-Buch­se lie­fert ein hal­bes Am­pè­re bei­spiels­wei­se für ei­nen An­dro­id-Stick oder Funk­über­tra­ger. Hier wird auch neue Firm­ware ein­ge­spielt. Der se­ri­el­le RS-232-An-

die Glüh­bir­ne in Bea­mern hat aus­ge­dient. Jetzt kommt die Ära von La­ser und Leds

schluss und die LAN-Buch­se sind für die Ein­bin­dung in Steu­er­sys­te­me, wie Cre­s­tron, AMC oder Con­trol4 zu­stän­dig. Ei­ne Buch­se für In­fra­rotem­pfän­ger wird nütz­lich, wenn der Bea­mer in ei­nem ex­tra Tech­nik­raum in­stal­liert wird und be­dient wer­den will. Und das ist in sei­ner Preis­kla­se nicht un­üb­lich.

Ei­ne wei­te­re po­si­ti­ve Ei­gen­schaft soll hier nicht un­er­wähnt blei­ben. So­nys Flagg­schiff ist kom­pa­ti­bel zu 3DFil­men, von de­nen ja noch vie­le ex­zel­len­te pro­du­ziert wer­den. Wäh­rend man bei Fern­se­hern nicht mehr fün­dig wird, kann der Fan des drei­di­men­sio­na­len Ki­nos hier aus dem Vol­len schöp­fen. Die SXRD-Pa­nel sol­len mit 240 Hz schal­ten kön­nen, was den Ein­satz von Funk-Shut­ter­bril­len na­he­legt. Die gibt es von So­ny als Zu­be­hör zu kaufen. Lei­der lag un­se­rem Ex­em­plar kei­ne bei, so­dass wir das Fea­tu­re nicht tes­ten konn­ten.

HDR vom Feins­ten

Da­von, in un­se­rem Test­ki­no Fil­me zu schau­en, konn­ten wir al­ler­dings kaum ge­nug krie­gen. End­lich ist die Pro­jek­ti­ons­tech­nik dort an­ge­kom­men, wo die neu­en Me­di­en sie brau­chen. Ne­ben mehr (Ul­tra-HD-)De­tails gibt es auch mehr Far­ben bei sen­sa­tio­nel­len Kon­tras­ten. Hier ist na­tür­lich So­nys schnell schal­ten­de La­ser­licht­quel­le ein im­men­ser Vor­teil, um die Licht­stär­ke dy­na­misch an­zu­pas­sen. Die ar­bei­tet je­doch in Ko­or­di­na­ti­on mit ei­ner zu­sätz­li­chen Iris­blen­de und er­zeugt ei­nen be­son­ders sat­ten Schwarz­wert in dunk­len Sze­nen. Auch bei vol­ler Ak­ti­vie­rung der Licht­dy­na­mik hiel­ten sich Ne­ga­ti­ve­f­fek­te wie Bild­pum­pen im Hin­ter­grund. Eher wa­ren die Au­gen über­an­strengt von den Bil­der­flu­ten. Bei die­sem Kon­trast wa­ren die gut 2000 Lu­men des So­ny ab­so­lut hin­rei­chend für un­se­re klei­ne (2,7 m) Ste­ward Lein­wand. Die La­ser lie­fern erst ein­mal schmal­ban­di­ges blau­es Licht, wie man an den Spek­tren un­se­rer Mess­dia­gram­me (S. 10) leicht er­ken­nen kann. Pro­ble­ma­tisch wird es meist, wenn sie auf gel­be Farb­stof­fe tref­fen, mit de­nen zu­sam­men sie wei­ßes Licht er­zeu­gen sol­len. Ist näm­lich Rot nicht an­stän­dig von Grün ge­trennt, bleibt der ma­xi­ma­le Farb­raum viel zu klein für HDR. So­ny nennt sei­ne La­ser-En­gi­ne, die 20.000 Ar­beits­stun­den pro­blem­los über­ste­hen soll, „Z-Phos­phor“. Eben­falls an den Mess­dia­gram­men sieht man, wie fein­füh­lig Gelb gefiltert wird, um sat­te­re Gr­und­far­ben Rot und Grün zu er­zie­len. Das ge­lingt un­ter we­nig Ver­lust von Nutz­licht und bringt den DCIFar­b­raum im­mer­hin auf 91 %. Mit­be­wer­ber nut­zen Schalt­fil­ter, ver­lie­ren dann aber für den er­wei­ter­ten Farb­raum so viel Licht­ener­gie, dass es für HDR nicht mehr reicht. So­ny kann hin­ge­gen jetzt sehr bunt und sehr bril-

lant bei sehr viel Schär­fe. Und wenn Gamma­kur­ve und al­le Farb­nu­an­cen so gut ab­ge­stimmt sind wie hier, bleibt kein Au­ge im Heim­ki­no tro­cken. Die Kom­po­si­ti­on ist in HDR wie nor­ma­lem HD (Blu-ray) völ­lig stim­mig. De­tail­reich­tum, Kon­trast, Bild­tie­fe und Farb­ge­bung sind auf Pro­fi­ni­veau. Und wenn Letz­te­re über die Zeit drif­tet, gibt es so­gar ei­ne ein­ge­bau­te Au­to­ka­li­bra­ti­on, die oh­ne jeg­li­che ex­ter­ne Soft­ware oder Mess­ge­rä­te den Wei­ßund Far­b­rau­m­ab­gleich rich­tet.

Bei un­se­ren HDR-Tests wur­den vol­le zehn Bit an Pa­nel­quan­ti­sie­rung er­reicht, je­doch ist ein leich­tes Rau­schen zu ver­zeich­nen, das auf ei­ne Glät­tung durch Quan­ti­sie­rung hin­weist. Tat­säch­lich tre­ten bei Be­wegt­ob­jek­ten Falsch­kon­tu­ren auf, die ge­nau dies be­le­gen. Di­ver­se fei­ne Hel­lig­keits­stu­fen wer­den zeit­lich hin­ter­ein­an­der er­zeugt, um sich im Au­ge zu Zwi­schen­tö­nen zu ad­die­ren. DLP-Pro­jek­to­ren tun dies um ein Viel­fa­ches schlim­mer.

Un­ser letz­tes Lob gilt dem lei­sen Lüf­ter von So­ny, der sei­ne Dreh­zahl im gro­ßen Um­fang re­gelt und meist de­zen­ter bleibt als die Iris­blen­de.

Fazit

So­nys neu­er 4K-La­ser­bea­mer VPLVW870ES ist alles in al­lem der bes­te Pro­jek­tor, den wir je in un­se­rem Labor und Test­ki­no hat­ten. Mit mes­ser­schar­fer HDR-Leis­tung bei ho­hem Farb­raum macht sein su­per­sat­ter Kon­trast­um­fang so rich­tig Spaß. Ein Traum von ei­nem Bea­mer, den sich lei­der nicht vie­le er­fül­len kön­nen wer­den.

Vie­le der Di­rekt­tas­ten der be­leuch­te­ten Fern­be­die­nung sind für be­son­ders schnel­le An­pas­sun­gen der Bild­pa­ra­me­ter ge­dacht.

Un­ser ma­xi­mal schar­fes Ul­tra-Hd Testbild zur Be­stim­mung des op­ti­ma­len sehab­stands ha­ben wir noch nie auf ei­nem Pro­jek­tor so klar und feh­ler­frei ge­nie­ßen kön­nen.

Die Ein­gangs­buch­sen sind de­zent seit­lich an der Ge­rä­te­ba­sis an­ge­bracht. Durch den Über­hang des obe­ren Ge­häu­se­teils sind sie dort für gro­ße Män­ner­hän­de nicht op­ti­mal zu­gäng­lich.

Der So­ny rech­net stets an der Schär­fe her­um und op­ti­miert De­tails. Ge­wis­se fei­ne Struk­tu­ren wer­den da­bei far­big.

Kaum ein Bea­mer be­sitzt so vie­le nütz­li­che Bild­ver­bes­se­rer wie So­nys SXRDs. Die neu­en Mo­del­le glät­ten Be­we­gun­gen auch in 4K und schär­fen ge­zielt dort nach, wo die Op­tik weich­zeich­nen wür­de.

so­nys ob­jek­tiv „arC-F“(all-ran­ge Crisp Fo­cus) be­steht aus 18 be­son­ders gro­ßen glas­lin­sen. so bleibt das bild trotz gro­ßer Zoo­mund shift­op­tio­nen bis in die ecken mes­ser­scharf.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.