Ter­ror, Tod und Tral­la­la?

Por­trät Un­fass­bar, was im Le­ben von Aria­na Gran­de pas­siert – seit ei­nem An­schlag auf ein Kon­zert der Pop-Prin­zes­sin. Auch bei den Gram­mys sorg­te sie wie­der für Wir­bel

Wertinger Zeitung - - Meinung & Dialog - Wolf­gang Schütz

Man könn­te ja leicht das üb­li­che Thea­ter hin­ter dem Tru­bel vom Wo­che­n­en­de ver­mu­ten. Da soll­te die ja auch für die­se wich­tigs­ten Mu­sik­prei­se no­mi­nier­te Aria­na Gran­de al­so bei der Me­ga-Ga­la in Los An­ge­les auf­tre­ten. Aber was ist eben noch bes­ser, als ne­ben vie­len an­de­ren Stars zu per­for­men und ei­ne der vie­len Aus­zeich­nun­gen ab­zu­ho­len? Über­ra­schend zu dem Auf­re­ger zu wer­den – wo doch ge­ra­de am Frei­tag auch ein neu­es Al­bum er­schie­nen ist und ei­ne Welt­tour­nee an­steht. Auf­merk­sam­keit ist schließ­lich die wert­volls­te Res­sour­ce im mul­ti­me­dia­len Un­ter­hal­tungs­ge­schäft.

Aber ei­gent­lich soll­te man doch mei­nen, Aria­na ha­be in den ver­gan­ge­nen ein­ein­halb Jah­ren ge­nug er­lebt, um jetzt nicht auch noch die­sen Wir­bel zu brau­chen: kurz­fris­ti­ge Ab­sa­ge, öf­fent­li­cher Streit mit den Gram­my-Ma­chern, weil die sa­gen, sie hät­te kei­ne Show auf die Bei­ne ge­stellt ge­kriegt, wäh­rend sie sagt, von je­nen mit ih­ren drei Song-Vor­schlä­gen hän­gen ge­las­sen wor­den zu sein – und auch noch twit­tert, es ge­he hier um „Kunst und Ehr­lich­keit“… Oh je, Prin­zes­sin! Be­kam ja dann so­gar noch die Tro­phäe für das bes­te Pop­ge­sangs-Al­bum – Pink, Tay­lor Swift… Und nicht für das neue Al­bum „Thank U, Next“, son­dern für „Sweete­ner“, des­sen ge­ra­de mal ein hal­bes Jahr al­ten Vor­gän­ger. Hat aber auch al­ler­hand zu ver­ar­bei­ten, die 25-Jäh­ri­ge.

Da war der Schock vom

22. Mai 2017, als 22 Men­schen ge­tö­tet und hun­der­te ver­letzt wur­den bei ei­nem Ter­ror­an­schlag auf Aria­nas Kon­zert in Man­ches­ter. Wenn sie bis da­hin vor al­lem die Kids kann­ten und wuss­ten, dass sie es über Broad­way-Mu­si­cals und Ni­cke­lo­de­on-Se­ri­en gleich mit ih­rem De­büt 2013 auf Platz eins der USCharts ge­schafft hat­te – jetzt kann­te sie die gan­ze Welt. Trau­ri­ge Be­rühmt­heit nennt man das wohl. Sie singt dar­über auch auf „Sweete­ner“, in Songs wie „Get Well Soon“(gu­te Bes­se­rung) – und zwar gut, oh­ne Me­lo­dra­ma, ein glaub­wür­di­ger Ab­schied vom rei­nen Tral­la­la. Aber es ging ja noch wei­ter. Aria­na Gran­de war über zwei Jah­re hin­weg mit dem Rap­per Mac Mil­ler zu­sam­men, das Paar trenn­te sich im Mai 2018. Im Ju­ni gab Aria­na ih­re Ver­lo­bung mit dem US-Co­me­di­an Pe­te Da­vid­son be­kannt. Im Sep­tem­ber starb Mil­ler an ei­ner Über­do­sis. Im Ok­to­ber folg­te die Tren­nung von Da­vid­son. Sie singt dar­über auch auf „Thank U, Next“. Wie­der gut und sich nun zu ei­ner neu­en Un­ab­hän­gig­keit be­ken­nend – das mu­si­ka­lisch durch­aus noch vor­han­de­ne Trallal­la vom Dance in­zwi­schen eher in Rich­tung R&B ver­scho­ben. Und zwi­schen­durch: Wur­de sie im Au­gust auch noch von ei­nem Bi­schof beim Be­gräb­nis von Soul-Göt­tin Are­tha Fran­klin vor lau­fen­den Ka­me­ras fies befum­melt …

Un­fass­ba­re Zeit al­so für die ita­lie­nisch­stäm­mi­ge Aria­na. Pas­send, dass sie auf bei­den Al­ben kopf­über ab­ge­bil­det war. Aber oh­ne­hin krass, wie sich in der Ka­ta­stro­phen­zeit ih­re Su­per­star-Wer­dung be­schleu­nigt hat. Wenn man sich auch nicht aus­su­chen kann, wann und war­um die Auf­merk­sam­keit ma­xi­mal ist – wenn sie da ist, muss man sie zu nut­zen wis­sen.

» Mehr zu den Gram­my-Ver­lei­hun­gen le­sen Sie auf der Sei­te Pan­ora­ma.

Foto: dpa

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