Ber­li­ner „frisst“den Krap­fen

Wertinger Zeitung - - Wertingen - VON GÜN­THER HÖDL guen­ther.ho­[email protected]­nau-zei­tung.de

Glo­ba­li­sie­rung fin­det nicht nur welt­weit statt, die ne­ga­ti­ven Fol­gen die­ser Ent­wick­lung re­gis­trie­ren auch auf na­tio­na­ler Ebe­ne al­le je­ne, die mit of­fe­nen Au­gen und da­mit zu­neh­mend schwe­ren Her­zens durchs Le­ben ge­hen. Ein eben­so be­red­tes wie ak­tu­el­les Bei­spiel bie­tet der ver­meint­lich harm­lo­se Be­such des lo­ka­len Back­wa­ren­händ­lers.

Der in der fünf­ten Jah­res­zeit be­lieb­te Krap­fen wird dort – aus mar­ke­ting­tak­ti­schen Grün­den oder schlicht­weg un­be­dacht – in­zwi­schen zu­neh­mend als Ber­li­ner of­fe­riert. Ber­li­ner statt Krap­fen, das geht im baye­risch-schwä­bi­schen Raum gar nicht! Zu­mal der Klas­si­ker aus Schmalz­ge­bäck, Mar­me­la­de und Pu­der­zu­cker im­mer öf­ter auch mit Smar­ties oder an­de­rem Un­rat kon­ter­mi­niert in der Aus­la­ge prangt.

Hier­zu­lan­de wird Fa­sching ge­fei­ert, nicht Kar­ne­val. Et­was west­lich, gleich hin­ter der im­mer noch of­fe­nen und un­be­wach­ten Gren­ze zu Ba­den-Würt­tem­berg, Fast­nacht. Dort geht der Krap­fen dann auch als Fast­nachts­küch­le durch. Ein Ber­li­ner da­ge­gen ist de­fi­ni­tiv Kul­tur­gut der blü­hen­den deut­schen Land­schaf­ten nörd­lich der Weiß­wurst­li­nie. Zu­zei­ten, in de­nen Wer­te wie Hei­mat und Tra­di­ti­on zu­neh­mend als po­li­tisch in­kor­rekt gel­ten und de­ren Ver­fech­ter als ewig Gest­ri­ge ge­brand­markt wer­den, ist es fast schon ers­te Schwa­ben­bür­ger-Pflicht, Kon­tra­punk­te zu set­zen. Weil es der ge­sell­schaft­li­che Kon­sens in­zwi­schen völ­lig o.k. fin­det, dass Schü­ler*in­nen ih­rer Lehr­an­stalt un­er­laubt fern­blie­ben, um statt­des­sen für dies und das zu de­mons­trie­ren, hier der Auf­ruf an al­le Ka­lo­ri­en­bom­ben mamp­fen­den Kids: Lasst in der Fa­schings­wo­che Leh­rer*in­nen Leh­rer*in­nen sein und geht mas­kiert auf die Stra­ße – zur De­mo pro Krap­fen! In die­sem Sin­ne, tschüss! Ach, Ent­schul­di­gung: Ser­vus und ade! Hin­weis an al­le Her­an­wach­sen­den: Bei obi­gem Text han­delt es sich um ei­ne Glosse. Ei­nes de­ren zen­tra­len Ele­men­te ist Iro­nie – die un­ei­gent­li­che Form des Sa­gens. Folg­lich ist der Auf­ruf zum Schul­schwän­zen de­fi­ni­tiv zu igno­rie­ren!

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.