„Au­weh!“ruft es im Saal

Wertinger Zeitung - - Kino - VON ALOIS KNOL­LER ki­[email protected]­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Au­weh! Laut und in schöns­tem Schwä­bisch hallt der Ruf aus den obe­ren Rei­hen durchs gan­ze Ki­no. Da geht ei­ner beim Film voll mit. Ei­ner, dem das Herz auf der Zun­ge liegt. Ei­ner, der sich kei­ne Ge­dan­ken dar­über macht, was die vie­len an­de­ren Zu­schau­er im Saal über ihn den­ken könn­ten. Schließ­lich schützt ihn die Dun­kel­heit. Wahr­schein­lich ist es eh das Glei­che. Wahr­schein­lich packt sie die Sze­ne ganz ge­nau­so. Nur las­sen sie es sich akus­tisch halt nicht an­mer­ken. Bis sich auch bei ih­nen das Zwerch­fell un­wi­der­steh­lich mel­det und die La­cher laut­hals lo­s­prus­ten.

Von An­fang an hat das Ki­no hef­tigs­te Ge­fühls­re­gun­gen im Pu­bli­kum aus­ge­löst. Als die Brü­der Au­gus­te und Lou­is Lu­miè­re ih­ren Strei­fen „Die An­kunft ei­nes Zu­ges auf dem Bahn­hof in La Cio­tat“am 28. De­zem­ber 1895 in ei­nem Ca­fé in Pa­ris zeig­ten, sol­len die Zu­schau­er in Pa­nik ge­flüch­tet sein. Sie fürch­te­ten, die Lo­ko­mo­ti­ve auf der Lein­wand wer­de sie gleich über­rol­len. Der ei­ne oder an­de­re von ih­nen hat si­cher auch ein „Au­weh!“her­vor­ge­sto­ßen – auf fran­zö­sisch na­tür­lich.

Ki­no wird erst in Ge­mein­schaft rich­tig schön. Da­heim vorm Fern­se­her tei­len al­len­falls der Ehe­part­ner und die Kat­ze auf dem So­fa spon­ta­ne emo­tio­na­le Aus­brü­che. Aber im Film­saal, vor al­lem im aus­ver­kauf­ten, geht im­mer gleich ei­ne Wel­le durchs Pu­bli­kum. Ziem­lich vie­le füh­len im sel­ben Au­gen­blick das­sel­be. Das macht er­grei­fen­des Lie­bes­glück noch viel glück­li­cher. Und ei­nen ge­lun­ge­nen Gag noch viel spa­ßi­ger – bis hin zu den Spät­zün­dern, die erst von der Hei­ter­keit an­ge­steckt wer­den müs­sen.

Re­gis­seu­re schlei­chen sich öf­ter in Vor­stel­lun­gen, um mit­zu­krie­gen, wie ih­re Fil­me vor Pu­bli­kum funk­tio­nie­ren. Die Re­ak­tio­nen, so be­rich­ten sie, fal­len nicht übe­r­all gleich aus. Es gibt aus­ge­spro­chen coo­le Zu­schau­er, die sich kei­ne Blö­ße ge­ben möch­ten. Und es gibt den un­be­küm­mer­ten Au­weh!-Ru­fer.

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