Bank­raub in tie­fen­ent­spann­ter Ma­nier

Ein Gau­ner & Gen­tle­man Hol­ly­wood-Le­gen­de Ro­bert Red­ford steht mit 82 Jah­ren noch ein­mal vor der Ka­me­ra. Als char­man­ter Kri­mi­nel­ler wi­ckelt er al­le um den Fin­ger. Bis er in ei­nem dienst­mü­den De­tec­tive den Ehr­geiz weckt

Wertinger Zeitung - - Kino - VON MAR­TIN SCHWICKERT

Schlap­pe fünf­zig Jah­re nach­dem er mit Paul New­man in „Butch Cas­sidy and the Sun­dance Kid“Film­ge­schich­te ge­schrie­ben hat, schlüpft Ro­bert Red­ford im zar­ten Al­ter von 82 Jah­ren noch ein letz­tes Mal in die Rol­le des no­to­ri­schen Bank­räu­bers. In Da­vid Lo­wer­ys „Ein Gau­ner & Gen­tle­man“spielt er den re­al exis­tie­ren­den Lang­zeit­kri­mi­nel­len For­rest Tu­cker, der sein Le­ben dem Über­fal­len von Geld­in­sti­tu­ten wid­me­te und acht­zehn Mal aus dem Ge­fäng­nis aus­ge­bro­chen ist.

Der Film stellt sei­nen Hel­den im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter vor, als er An­fang der 80er-Jah­re nach ei­nem Über­fall auf der Flucht vor der Po­li­zei rechts ran­fährt, um ei­ner Frau zu hel­fen, die ei­ne Au­to­pan­ne hat. Der Trick funk­tio­niert. Die Ver­fol­ger rau­schen vor­bei und ein Abend­es­sen mit der char­man­ten Wit­we Je­wel (Sis­sy Spacek) springt auch noch da­bei her­aus. Und schon hier kann be­wei­sen, dass er im­mer noch über be­trächt­li­che amou­rö­se Aus­strah­lung ver­fügt und die We­ni­ger-ist-mehr-Re­gel des Ver­füh­rens bes­tens be­herrscht.

Auch als er­fah­re­ner Bank­räu­ber hat sein Tu­cker ei­nen ganz ei­ge­nen Stil ent­wi­ckelt. Mit aus­ge­such­ter Höf­lich­keit geht er un­mas­kiert auf die An­ge­stell­ten hin­ter dem Schal­ter zu, ver­wi­ckelt sie zu­nächst in ein freund­li­ches Gespräch, schaut ih­nen di­rekt in die Au­gen und ver­weist dann mit ei­ner un­auf­fäl­li­gen Ges­te auf die Waf­fe in sei­ner Man­tel­ta­sche. Vom Charme des Ga­no­ven na­he­zu hyp­no­ti­siert, fül­len die Men­schen hin­ter dem Schal­ter wil­len­los die be­reit­ge­stell­te Ta­sche mit Bar­geld. „Er sah ir­gend­wie glück­lich aus“, sagt ei­ne Bank­an­ge­stell­te, als die Po­li­zei sie um ei­ne Tä­ter­be­schrei­bung bit­tet.

Tu­ckers ei­gent­li­che Waf­fe ist nicht die Pistole in der Ta­sche, son­dern die tie­fe Ge­las­sen­heit und die Freu­de am kri­mi­nel­len Hand­werk, von dem er auch im ho­hen Al­ter nicht las­sen kann. Er und sei­ne Kom­pli­zen Ted­dy (Dan­ny Gl­over) und Wal­ler (Tom Waits) ma­chen als Se­nio­ren-Gang Schlag­zei­len. Als das Trio ei­ne Bank aus­raubt, in der ge­ra­de De­tec­tive John Hunt (Ca­sey Af­f­leck) mit sei­nem Sohn am Schal­ter an­steht, be­merkt der Po­li­zist nichts von dem lei­sen Über­fall. Die Kol­le­gen rümp­fen die Na­se und der Ehr­geiz des dienst­mü­den Er­mitt­lers wird ge­weckt. Ge­nau­so wie Tu­cker sei­ne Über­fäl­le mit Akri­bie und Be­ob­ach­tungs­ga­be vor­be­rei­tet, ver­sucht Hunt mit ge­dul­di­ger Re­cher­che­ar­beit, des Kri­mi­nel­len hab­haft zu wer­den. Da­bei stellt sich her­aus, dass der al­te Fuchs über ei­ne be­ein­dru­cken­de Po­li­zei­ak­te ver­fügt und für et­li­che un­auf­ge­klär­te Über­fal­le in ver­schie­de­nen Bun­des­staa­ten ver­ant­wort­lich ist.

Re­gis­seur Da­vid Lo­wery („A Ghost Sto­ry“) macht sich die Ge­lasRed­ford sen­heit sei­nes Hel­den voll und ganz zu ei­gen und ent­wirft ei­nen wun­der­bar tie­fen­ent­spann­ten Gangs­ter­film, der Kör­per und See­le wärmt wie ein gut ab­ge­la­ger­ter Sing­le Malt Whis­ky. Na­tür­lich hat Lo­wery den Film pass­ge­nau auf Red­ford zu­ge­schnit­ten und schenkt ihm sa­gen­haf­te Groß­auf­nah­men, in de­nen zwi­schen all den Fal­ten und Fur­chen im­mer noch je­nes un­auf­dring­li­che Cha­ris­ma lo­dert, das ihn zum Lein­wan­dS­tar auf Le­bens­zeit wer­den ließ.

In Rück­blen­den und Fo­tos wer­den Zi­ta­te aus al­ten Red­ford-Fil­men ein­ge­floch­ten, mit de­nen sich der Film au­gen­zwin­kernd vor dem Le­bens­werk sei­nes Haupt­dar­stel­lers ver­neigt. Ei­ne ge­lun­ge­ne­re Hom­mage an ei­nen Star, der sich nie zum Denk­mal ma­chen ließ und sich sei­ne Läs­sig­keit stets be­wahrt hat, kann man sich kaum vor­stel­len. In ei­nem In­ter­view ließ Red­ford ver­lau­ten, dass er sich als Schau­spie­ler in den Ru­he­stand be­ge­ben möch­te, was er mitt­ler­wei­le wie­der re­la­ti­viert hat.

Fo­to: Eric Zach­a­no­vich/DCM

Ge­schäfts­es­sen mit Kom­pli­zen. Die Se­nio­ren-Gang (von links) mit Ted­dy (Dan­ny Gl­over), Wal­ler (Tom Waits) und Tu­cker (Ro­bert Red­ford).

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