Adel ver­bo­ten

Ge­sell­schaft Ös­ter­reich und sein Kampf ge­gen klang­vol­le Na­men

Wertinger Zeitung - - Erste Seite - VON JO­SEF KARG

Augs­burg Die Ös­ter­rei­cher, vor al­lem die Wie­ner, ha­ben ei­ne Vor­lie­be für Ti­tel: Da ist man dann der Herr Ho­f­rat oder der Herr Ge­ne­ral­di­rek­tor. Selbst die Ehe­frau kommt als Frau Kom­mer­zi­al­rat oder Frau Ober­me­di­zi­nal­rat nicht zu kurz.

„Küss die Hand, Eu­re Ma­jes­tät!“zu sa­gen, ist da­ge­gen streng ver­bo­ten. Nicht we­gen des Küs­sens, son­dern weil die An­re­de mit „Ma­jes­tät“un­ter Stra­fe steht. Ge­nau­so die mit Ba­ron, Herzog oder ei­nem schlich­ten „von“oder „zu“im Na­men. Das Gan­ze grün­det auf ein Ge­setz, das in­zwi­schen 100 Jah­re alt ist: das Adels­auf­he­bungs­ge­setz, das bis heu­te Ver­fas­sungs­rang hat. Denn bei der Grün­dung der Ers­ten Re­pu­blik brach Ös­ter­reich ra­di­ka­ler als Deutsch­land mit Mon­ar­chie und Adel und zog ei­ne kla­re Trenn­li­nie zur ab­ge­schaff­ten Do­nau­mon­ar­chie. So war auch die Stra­fe für da­ma­li­ge Ver­hält­nis­se emp­find­lich: 20000 Kro­nen muss­te zah­len, wer das „von“im Na­men be­hielt, teil­wei­se droh­te gar ein Ge­fäng­nis­auf­ent­halt. Heu­te ist die Geld­stra­fe nied­rig. Trotz­dem wird ein „von“, ein „de“oder ein „di“im Nach­bar­land nach wie vor mit kaum zu glau­ben­der Kon­se­quenz be­kämpft. „Ein ,von‘ wird über­haupt nicht mehr er­laubt“, sagt der Wie­ner Rechts­an­walt Clemens Grün­zweig, der für meh­re­re Man­dan­ten ver­geb­lich um de­ren Na­mens­zu­sät­ze ge­kämpft hat. Erst 2018 hat der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof in ei­nem Ver­fah­ren um den Na­men „von der Alm“ent­schie­den, dass auch rei­ne Her­kunfts­be­zeich­nun­gen nicht mehr er­laubt sind. Soll­te das so wei­ter­ge­hen, könn­te die­ses Ver­bot auch noch das ös­ter­rei­chi­sche Staats­ober­haupt Alex­an­der Van der Bel­len tref­fen. Das „Van“ist dem „von“sehr ähn­lich. Und wenn das ver­bo­ten wür­de, hie­ße der Mann schlicht Bel­len. Klingt ir­gend­wie nach Hund – und wä­re bei so ei­nem klang­vol­lem Na­men wirk­lich scha­de.

Fo­to: dpa

Alex­an­der Van der Bel­len

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