Zwei Fäus­te und stahl­blaue Au­gen

Ge­burts­tag Te­rence Hill prü­gel­te sich mit Bud Spen­cer zu Film­ruhm. Der Ita­lie­ner mit dem eng­li­schen Künst­ler­na­men wird am Frei­tag 80 Jah­re alt – und ist üb­ri­gens ein „hal­ber Sach­se“

Wertinger Zeitung - - Panorama - VON RU­PERT HU­BER

Augs­burg Ein sol­cher Ein­stand woll­te erst ein­mal ver­daut sein. Da op­fert in „Win­ne­tou II“„un­ser“Pier­re Bri­ce der Aus­söh­nung mit den Wei­ßen sei­ne Lie­be zu der Häupt­ling­s­toch­ter Ri­b­an­na (Ka­rin Dor). Ih­re Hoch­zeit mit dem Ka­val­le­ri­e­leut­nant Mer­rill soll den Frie­den zwi­schen Rot und Weiß si­cher­stel­len. Da­mit war uns Bu­ben im Kino klar, dass wir die­sen Spiel­ver­der­ber Ma­rio Gi­rot­ti ali­as Me­rill – wird am Frei­tag 80 Jah­re alt – nie wür­den aus­ste­hen kön­nen. Ein Ita­lie­ner und „un­se­re“Ka­rin als Op­fer ei­nes po­li­ti­schen Kuh­han­dels! Wir ver­fluch­ten den Dreh­buch­au­tor und lit­ten mit Pier­re Bri­ce, wenn er seuf­zend „Ri­b­an­na“sang.

Doch im Kino sind Ur­tei­le flüch­tig. Der Mann ver­gibt, der Jun­ge nie. Als Er­wach­se­ner sieht man Fil­me auch mit ganz an­de­ren Au­gen. In den 1970er Jah­ren hat­te man noch über Gi­rot­ti, der nun Te­rence Hill hieß – Wes­tern-Hel­den müs­sen auch in Ita­li­en ei­nen eng­li­schen Na­men ha­ben – und sei­nen bär­bei­ßi­gen Prü­gel-Part­ner Bud Spen­cer, ge­spot­tet. Da­mals ließ man auf den fran­zö­si­schen und deut­schen Au­to­ren­film un­ter In­tel­lek­tu­el­len nichts kom­men. Was soll­ten da Wild­wes­t­Kla­mauk­fil­me wie „Vier Fäus­te für ein Hal­le­lu­ja“? Heu­te ist der Blick auf das Kino of­fe­ner ge­wor­den. Welch wun­der­ba­re Spiel­wei­se der Mix zwi­schen An­spruch und Un­ter­hal­tung samt der Auf­lö­sung alt­her­ge­brach­ter Gat­tun­gen sein kann, wer­tet im Rück­blick die Wes­ternPar­odi­en auf.

Sei­ne ers­te auf An­hieb er­folg­rei­che Haupt­rol­le hat­te der Mann mit den stahl­blau­en Au­gen in Gi­u­sep­pe Co­liz­zis „Gott ver­gibt... Djan­go nie!“Es be­gann ei­ne wun­der­ba­re Freund­schaft mit Car­lo Pe­der­so­li (Bud Spen­cer), die erst mit dem Tod Spen­cers 2016 en­de­te. Das spie­le­ri­sche, ko­mö­di­en­haf­te Ele­ment, mit dem Re­gis­seur En­zo Bar­bo­ni („Die rech­te und die lin­ke Hand des Teu­fels“, „Vier Fäus­te für ein Hal­le­lu­ja“) auf Slap­stick-Art den har­ten Spa­ghet­ti-Wes­tern va­ri­ier­te, er­wies sich als Glücks­fall. Da be­nutz­te der Wes­tern-Held Pfan­nen nicht nur zum Bra­ten von Ei­ern, son­dern auch, um Bö­se­wich­te nie­der­zu­stre­cken. Kinn­ha­ken, Ka­lau­er und Ohr­fei­gen knall­ten in Sound-Col­la­gen auf­ein­an­der. Dass „Die rech­te und die lin­ke Hand des Teu­fels“Hills Lieb­lings­film ist, über­rascht dank der dra­ma­tur­gi­schen Schräg­la­ge schon nicht mehr. Über­legt er doch kurz, zwei Mor­mo­nen­mäd­chen zu hei­ra­ten und sich nie­der­zu­las­sen.

Te­rence Hill als der trick­rei­che Lis­ti­ge und Bud Spen­cer als ei­ne Art Obe­lix wur­den so zu ei­ner Art Fort­set­zung von Lau­rel & Har­dy im Wil­den Wes­ten. Der wohl schöns­te Hill-Film ist „Mein Na­me ist No­bo­dy“von To­ni­no Va­le­rii, in dem No­bo­dy auf sein Idol, den Re­vol­ver­mann Beau­re­gard, trifft. Den spielt Hen­ry Fon­da als il­lu­si­ons­lo­sen Pis­to­le­ro. Sel­ten hat es im Kino ei­nen schö­ne­ren Ab­ge­sang auf den Wes­tern ge­ge­ben.

Mit Deutsch­land ver­bin­det Te­rence Hill, der auch ame­ri­ka­ni­scher Staats­bür­ger ist, mehr als vie­le wis­sen. Hill/Gi­rot­ti ist zwar in Ve­ne­dig ge­bo­ren, sei­ne Mut­ter Hil­de­gard Thie­me stamm­te aus Lom­matzsch bei Dres­den. Ab 1943 leb­te die Fa­mi­lie von Va­ter Gi­ro­la­mo Gi­rot­ti aus Gub­bio (Um­bri­en) meh­re­re Jah­re im Hei­mat­ort der Mut­ter. Von dort aus er­leb­te der klei­ne Ma­rio das Bom­bar­de­ment der Al­li­ier­ten auf Dres­den im Zwei­ten Welt­krieg. Hill sprach üb­ri­gens in sei­nen ers­ten Le­bens­jah­ren nur Deutsch. Er kann es bis heu­te – wenn auch mit ei­nem ame­ri­ka­nisch klin­gen­den Ak­zent. „Ich bin ein hal­ber Sach­se“sagt der Film­star ger­ne, der mit Lo­ri Zwick­lbau­er, ei­ner Ame­ri­ka­ne­rin baye­ri­scher Ab­stam­mung, ver­hei­ra­tet ist.

Der be­schei­de­ne, ger­ne Brahms hö­ren­de Te­rence Hill wird sei­nen 80. Ge­burts­tag an die­sem Frei­tag aber nicht in Deutsch­land, son­dern in den USA ver­brin­gen, wie sein Ma­nage­ment mit­teilt.

Wer wie Hill in den 50er Jah­ren in Ita­li­en auf­ge­wach­sen ist, kennt die Don-Ca­mil­lo-Fil­me mit Fer­nan­del in der Ti­tel­rol­le aus dem Eff­eff. Den Pfar­rer aus ei­nem Dorf in der PoEbe­ne, der kei­nem Box­kampf ge­gen den kom­mu­nis­ti­schen Bür­ger­meis­ter aus dem Weg geht, spiel­te er in dem Re­make „Kei­ner haut wie Don Ca­mil­lo“1984 selbst und ver­such­te sich da­bei erst­mals als Re­gis­seur. Die Mo­der­ni­sie­rung mit Roll­schu­hKids im Kir­chen­schiff und ei­ner Trau­ung im Fall­schirm wirk­te in­des all­zu be­müht. Den­noch woll­ten die Ita­lie­ner in der TV-Se­rie „Don Mat­teo“über Jah­re Te­rence Hill als ei­ne Art Pa­ter Brown se­hen. Im deut­schen Fern­se­hen muss­te er sich in „Die Berg­po­li­zei – Ganz nah am Him­mel“mit der Rol­le ei­nes mü­den Forst­auf­se­hers be­gnü­gen.

Uns in­ter­es­siert in­des et­was ganz an­de­res: 2017 er­öff­ne­te Te­rence Hill im um­bri­schen Ame­lia ei­ne Eis­die­le in der Tra­di­ti­on sei­nes Groß­va­ters. Ob es dort Ge­la­to auch in Stahl­blau gibt?

Fo­to: To­bis

So lie­ben ihn vie­le: Te­rence Hill – da­mals 34-jäh­rig – in sei­ner Pa­ra­de­rol­le als schrä­ges Schlitz­ohr No­bo­dy in der ita­lie­nisch-deutsch-fran­zö­si­schen Co-Pro­duk­ti­on „Mein Na­me ist No­bo­dy“aus dem Jahr 1973, in der auch die US-Schau­spiel­le­gen­de Hen­ry Fon­da mit­spiel­te.

Fo­to: Sebastian Kahnert, dpa

Ma­rio Gi­rot­ti im Sep­tem­ber 2018 bei ei­nem Be­such in Dres­den.

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