Raus aus dem Trott des All­tags

Das christ­li­che Wort Heu­te von Kli­nik­seel­sor­ger Dia­kon Eu­gen Schirm

Wertinger Zeitung - - Gottesdienstanzeiger -

Lie­be Le­se­rin­nen und Le­ser,

das Evan­ge­li­um vom 4. Fas­ten­sonn­tag ist uns gut ver­traut, nicht zu­letzt, weil es ei­ne Fa­mi­li­en­ge­schich­te, ja fast ei­ne Fa­mi­li­en­tra­gö­die ent­hält. Viel­leicht le­sen Sie die­se Fa­mi­li­en­ge­schich­te ein­mal vor dem Hin­ter­grund Ih­rer ei­ge­nen Fa­mi­li­ener­fah­run­gen. Spü­ren Sie nach, in wel­cher Rol­le Sie sich wie­der­fin­den.

Da ist der jün­ge­re Sohn, der sein Le­ben le­ben will; der her­aus will aus dem Trott des All­tags, her­aus aus ein­ge­fah­re­nen Ge­wohn­hei­ten. Träu­me von der gro­ßen Frei­heit er­fül­len sein Herz. End­lich auf ei­ge­nen Fü­ßen ste­hen, ei­ge­ne Ent­schei­dun­gen tref­fen, frei sein. Be­flü­gelt von der Hoff­nung auf ein ge­lin­gen­des Le­ben wirft er al­les hin, bricht mit den bis­he­ri­gen Bin­dun­gen und zieht weg. Da gibt es dann die neu­en Kum­pels, die mit­fei­ern, aus­ge­las­sen al­les mit­neh­men, was mit­zu­neh­men ist. Kum­pels, mit de­nen man so rich­tig auf den Putz hau­en kann – aber nur so­lan­ge, wie sie ih­re ei­ge­nen Vor­tei­le aus die­ser Kum­pe­lei zie­hen kön­nen. Wenn sie selbst et­was ge­ben sol­len, für den an­de­ren ein­sprin­gen, ein­ste­hen sol­len, da sind sie plötz­lich weg.

Die­se Not­la­ge nutzt sein Ar­beit­ge­ber aus. Zum Schwei­ne­hü­ten ge­schickt, be­kommt er ei­nen Nied­rig­lohn und als Tag­löh­ner steht stän­dig die Ge­fahr, wie­der ent­las­sen und weg­ge­schickt zu wer­den im Raum.

Zu­kunfts­per­spek­ti­ven sind uto­pi­sche Wün­sche, weil kei­ne Si­cher­heit in der Be­schäf­ti­gung zu fin­den ist. Wel­che Ge­dan­ken mö­gen den Knecht um­ge­trie­ben ha­ben? Viel­leicht war er zu­nächst be­geis­tert über den Mut des jün­ge­ren Soh­nes.

Aus­bre­chen aus fest­ge­fah­re­nen Glei­sen, ver­su­chen, die ei­ge­nen Träu­me Wirk­lich­keit wer­den zu las­sen. Aber dann, als al­les schief geht, ent­deckt er sei­ne Wut auf den Loo­ser. Ei­ne Abrei­bung hät­te der schon ver­dient, so nach dem Mot­to: „Stra­fe muss sein, da­mit der Klei­ne end­lich lernt, wo es im Le­ben lang geht!“Und der äl­te­re Sohn?

Viel­leicht ist der uns am nächs­ten und hält uns ei­nen Spie­gel vor un­se­re in­ne­ren Au­gen! Ge­hen uns denn nicht auch sei­ne Ge­dan­ken durch den Kopf? „Da ha­be ich mich an­ge­strengt, ha­be ver­sucht, al­les recht zu ma­chen, ha­be mich be­müht – und was ist der Lohn? Im­mer nur der an­de­re, der Klei­ne, ste­hen an ers­ter Stel­le und ich ge­he wie im­mer leer aus!“Die Re­ak­ti­on des Va­ters – wahr­schein­lich kom­plett un­ver­ständ­lich für vie­le von uns! Er setzt ihn so­fort wie­der als Sohn ein, denn für den Va­ter ist nicht die Ver­gan­gen­heit aus­schlag­ge­bend, son­dern die Zu­kunft. „Mein Sohn war tot und lebt wie­der!“Da­mit er­mög­licht der Va­ter ei­nen Neu­an­fang.

Sein Sohn hat wie­der Le­bens­sinn und Per­spek­ti­ve. Er­leb­te Lie­be än­dert al­les zum Gu­ten hin. Da­mit sind in je­den Men­schen al­le Chan­cen für ein ge­lin­gen­des Le­ben ge­legt - es liegt an uns, die­se zu nut­zen und le­bens­wer­te Wirk­lich­keit wer­den zu las­sen.

Gu­tes Ge­lin­gen bei Ih­rer Chan­cen­ver­wer­tung wünscht Dia­kon Eu­gen Schirm,

Kli­nik­seel­sor­ger

Symbolfoto: Becker

High­way to hell, Born to be wild, Re­vo­lu­ti­on, Free­dom – her­aus aus dem Trott des All­tags, sich Träu­me von der gro­ßen Frei­heit er­fül­len, al­les mit­neh­men, was mit­zu­neh­men ist. Doch was, wenn die Zu­kunfts­per­spek­ti­ven uto­pi­sche Wün­sche sind, weil kei­ne Si­cher­heit in der Be­schäf­ti­gung zu fin­den ist?

Eu­gen Schirm

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