Zeit, die Spreu vom Wei­zen zu tren­nen

In­ter­view Vor 100 Jah­ren be­gann das Bau­haus in Wei­mar, die Welt zu ver­än­dern. Zum Ju­bi­lä­um ist es an­ge­bracht, auch ei­nen kri­ti­schen Blick auf die­sen deut­schen Vor­zei­ge-My­thos zu wer­fen. Ein Ge­spräch mit Win­fried Ner­din­ger

Wertinger Zeitung - - Feuilleton - Wie passt das zu ei­ner Be­we­gung, die in die Zu­kunft blickt?

Ner­din­ger: Gro­pi­us war vier Jah­re im Krieg und kam 1918 nach Ber­lin, wo en­ga­gier­te Künst­ler ei­ne neue Welt schaf­fen woll­ten. Et­wa im Ar­beits­rat für Kunst. Dort herrscht die Idee, die Kunst wie­der mit dem Volk zu ver­bin­den. So wie im Mit­tel­al­ter das gan­ze Volk ei­ne Ka­the­dra­le bau­te, so müs­se man jetzt ge­mein­sam die Ka­the­dra­le der Zu­kunft bau­en – auf der Ba­sis des Hand­werks, denn man will weg von der Welt der Ma­schi­nen. So steht das im Bau­haus­ma­ni­fest 1919. Das ist nur aus der Zeit der Re­vo­lu­ti­on und des Um­bruchs zu er­klä­ren. In die­ser Pha­se ist der Ma­ler und Farbtheo­re­ti­ker Jo­han­nes It­ten be­son­ders be­deut­sam. Ner­din­ger: Al­ler­dings. Wer sich nach dem Krieg auf das Bau­haus be­zog, be­zog sich auf das bes­se­re Deutsch­land, das von den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten ver­trie­ben und nun über die USA wie­der zu­rück­kam. Das hat na­tür­lich den My­thos und die Be­deu­tung des Bau­hau­ses ge­stärkt.

Fo­to: dpa

Am kom­men­den Frei­tag wird in Wei­mar das neue Bau­haus-Mu­se­um er­öff­net. Dann kön­nen end­lich mehr als 1000 der et­wa 13 000 Samm­lungs­ob­jek­te ge­zeigt wer­den.

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