Al­les um­sonst?

Wertinger Zeitung - - Wissen - VON P. PE­TER HINSEN SAC, FRIED­BERG

Schon seit Mo­na­ten ha­ben wir die Dis­kus­si­on um den Br­ex­it. Wa­ren denn die jahr­zehn­te­lan­gen Be­mü­hun­gen um ein ge­ein­tes Eu­ro­pa um­sonst? Oder was ha­ben die viel­fäl­ti­gen Ver­su­che um ei­ne Be­frie­dung des „Hei­li­gen Lan­des“ge­bracht, wenn jetzt doch wie­der zer­stö­re­ri­sche Ra­ke­ten dies­seits und jen­seits von Zäu­nen und Gren­zen ein­schla­gen? Was nüt­zen al­le Be­mü­hun­gen um ei­nen aus­rei­chen­den Da­ten­schutz, wenn die Ak­tio­nen im In­ter­net sich im­mer mehr je­der Kon­trol­le ent­zie­hen?

Die Lis­te der Fra­gen ist end­los. Vie­le Kir­chen­mit­glie­der for­dern den Er­halt ih­rer Ge­mein­den und ei­ne Neu­ge­stal­tung ih­rer Lei­tung, doch statt­des­sen wach­sen die Seel­sor­ge­ein­hei­ten im­mer mehr zu rie­si­gen Kol­cho­sen an? Zahl­reich sind zwar die Be­teue­run­gen der Hir­ten: „Wir ha­ben ver­stan­den!“, doch die Lo­gik ei­ner trü­ge­ri­schen Macht be­stimmt wei­ter­hin ihr Han­deln.

Die Men­schen, die in un­se­rer Welt und auch in der Kir­che et­was ver­än­dern möch­ten, die zum Nach­den­ken auf­ru­fen und auch be­reit sind zum Han­deln, wer­den we­ni­ger. Vie­le spü­ren, dass ih­re Zu­ver­sicht und ih­re Kräf­te nach­las­sen, weil sie sich von den Des­in­ter­es­sier­ten oder be­reits Ent­mu­tig­ten sa­gen las­sen müs­sen: „Gar nichts ver­än­derst du!“Dem Apos­tel Pe­trus er­ging es ähn­lich: „Wir ha­ben die gan­ze Nacht ge­ar­bei­tet und nichts ge­fan­gen!“Doch er hört aus dem Mun­de Je­su ein stär­ken­des Wort: „Werft trotz eu­rer Mü­dig­keit die Net­ze aus!“(Lk 5, 4).

Ich hof­fe, dass das al­le hö­ren, die in ih­rem Ver­lan­gen nach po­li­ti­schen, ge­sell­schaft­li­chen und kirch­li­chen Re­for­men zu­neh­mend mü­de wer­den. Re­si­gna­ti­on hilft nichts, und Ge­walt ist zer­stö­re­risch. Stän­di­ge Schuld­zu­wei­sun­gen an an­de­re grei­fen auch zu kurz. Hilf­reich kann al­ler­dings sein, ein­mal aus­zu­ru­hen, still zu sein und man­ches Han­deln noch mal zu über­den­ken. Dann mel­det sich oft die Stim­me, die sagt: „Du hast ei­nen Auf­trag zu er­fül­len. Ich trau dir et­was zu. Auf dich kommt es an.“Das schenkt neu­en Atem, fri­schen Geist.

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