Ap­pell für ei­nen de­mo­kra­ti­schen Dia­log

Wertinger Zeitung - - Wertingen Und Das Zusamtal -

Zu un­se­ren Be­rich­ten über die Schü­ler­de­mons­tra­tio­nen in Wertingen vom Sams­tag, 30. März:

Dass Ju­gend­li­che auf die Stra­ße ge­hen, um sich auf de­mo­kra­ti­sche Wei­se für ih­re und un­ser al­ler Zu­kunft ein­zu­set­zen, kann nicht wert­voll ge­nug ein­ge­schätzt wer­den. In Zei­ten der Po­li­tik­ver­dros­sen­heit, in de­nen po­li­ti­sche Kul­tur ver­lo­ren geht oder den so­zia­len Me­di­en über­las­sen wird, Ra­di­ka­li­sie­rung an den Rän­dern statt­fin­det, wer­den die­se Ju­gend­li­chen sicht­bar, sie zei­gen und en­ga­gie­ren sich und sind be­reit zum Dia­log. Wel­che Ant­wort ge­ben wir als El­tern und Leh­rer, wel­che Ant­wort ge­ben Po­li­ti­ker und öf­fent­li­che In­sti­tu­tio­nen?

Hier ist je­der Ein­zel­ne von uns ge­for­dert, ei­ne Ant­wort zu ge­ben, ein Zei­chen zu set­zen. Auch je­der Po­li­ti­ker in Wertingen ist auf­ge­for­dert, ei­ne Ant­wort zu ge­ben und in ei­nen de­mo­kra­ti­schen Dia­log zu tre­ten und sicht­bar zu wer­den: wo­für steht je­der ein­zel­ne Po­li­ti­ker, je­de ein­zel­ne Po­li­ti­ke­rin, wo­für ste­hen po­li­ti­sche Hand­lungs­trä­ger?

Wel­ches sind die Vi­sio­nen der po­li­ti­schen Grup­pie­run­gen für Wertingen? Wel­che Wer­te und Leit­bil­der ste­hen hin­ter ih­rem Han­deln? Wie geht der Stadt­rat öf­fent­li­che Pro­jek­te an? Wer­den sie so­zi­al- und um­welt­ver­träg­lich ge­prüft? Wer­den die An­lie­gen der De­mons­trie­ren­den ge­hört?

Las­sen wir die­se Ju­gend­li­chen nicht auf der Stra­ße ste­hen, ge­ben wir Raum für po­li­ti­sche Mei­nungs­bil­dung! Stel­len wir ih­nen po­li­ti­sches Know-how zur Ver­fü­gung, auch Wis­sen über Gren­zen und Mög­lich­kei­ten ei­ner Stadt! Stel­len wir uns al­le als Ge­gen­über für ei­nen de­mo­kra­ti­schen Dia­log zur Ver­fü­gung! De­mo­kra­ti­scher Dia­log soll­te lan­ge vor der Zeit der Wahl­kampf­re­den statt­fin­den. Er be­ginnt mit der Be­reit­schaft, zu­zu­hö­ren und mit dem Ziel, die Ar­gu­men­te der an­de­ren Sei­te zu ver­ste­hen und dar­über in ei­nen Aus­tausch zu kom­men. Ein sol­cher Dia­log könn­te bei­de Sei­ten be­rei­chern. Ein Frei­tags­fo­rum, zu dem die Wer­tin­ger Po­li­ti­ker und al­le ge­sell­schaft­li­chen Grup­pie­run­gen ein­la­den, könn­te der Rah­men für die­sen le­ben­di­gen Aus­tausch sein. Die Zu­kunft von Wertingen hängt da­von ab, ob es uns ge­lingt, ein zu­kunfts­fä­hi­ges Kon­zept für un­se­re Stadt zu ent­wi­ckeln. Ein le­ben­di­ges de­mo­kra­ti­sches Mit­ein­an­der, in dem früh­zei­tig Ju­gend­li­che und selbst­ver­ständ­lich al­le an­de­ren ge­sell­schaft­li­chen Grup­pie­run­gen und ih­re An­lie­gen in­te­griert wer­den, ge­hört un­ab­ding­bar da­zu.

Dr. Ma­ri­na Mül­ler, Wertingen

Fo­to: Ben­ja­min Reif

Fri­days for fu­ture: Ver­gan­ge­ne Wo­che de­mons­trier­ten Schü­ler nicht nur in den Groß­städ­ten welt­weit, son­dern auch er­neut in Wertingen.

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