Pran­ger statt Par­ty bei der Na­to

Zwist Zum Ju­bi­lä­um des Mi­li­tär­bünd­nis­ses geht US-Prä­si­dent Trump Deutsch­land mas­siv an. Mit dem Frust über die Ber­li­ner Ver­tei­di­gungs­po­li­tik ist er nicht al­lei­ne

Wertinger Zeitung - - Politik - VON KARL DOEMENS

Wa­shing­ton Die Fest­tags­lau­ne hielt nicht lan­ge. „Ich ha­be gro­ße Sym­pa­thi­en für Deutsch­land und für An­ge­la Mer­kel“, ver­si­cher­te Do­nald Trump am Di­ens­tag im Oval Of­fice. Gera­de hat­te er Na­to-Ge­ne­ral­se­kre­tär Jens Stol­ten­berg zum 70-jäh­ri­gen Ju­bi­lä­um des Mi­li­tär­bünd­nis­ses be­grüßt. Doch dann brach es aus ihm her­aus: „Deutsch­land zahlt nicht sei­nen fai­ren An­teil. Sie zah­len nicht, was sie zah­len soll­ten. Und dann über­vor­tei­len sie uns auch noch beim Han­del. Das wird sich än­dern.“

Zwar füg­te der US-Prä­si­dent schein­bar ver­söhn­lich hin­zu: „Mein Va­ter kam aus Deutsch­land.“Tat­säch­lich war es je­doch der Groß­va­ter, und Trump hat zu Be­ginn des zwei­tä­gi­gen Na­to-Gip­fels an die­sem Mitt­woch und Don­ners­tag über­deut­lich sei­nen liebs­ten Pun­ching­ball mar­kiert.

Die schril­len Kla­gen über das an­geb­li­che Tritt­brett­fah­rer­tum der Deut­schen ha­ben sich zum Mar­ken­zei­chen des Prä­si­den­ten ent­wi­ckelt. Doch die Frus­tra­ti­on über die Zu­rück­hal­tung Ber­lins beim Mi­li­tä­re­tat ist in den USA weit ver­brei­tet. Die Plä­ne der Bun­des­re­gie­rung, den An­teil der Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben am Brut­to­in­lands­pro­dukt von 1,35 Pro­zent zwar kurz auf 1,37 Pro­zent hoch­zu­fah­ren, ihn dann aber bis 2023 auf 1,25 Pro­zent sin­ken zu las­sen, gie­ßen international wei­ter Öl ins Feu­er.

„So­wohl bei Re­pu­bli­ka­nern wie bei De­mo­kra­ten in den USA gibt es we­nig Ver­ständ­nis für die feh­len­de Be­reit­schaft der Re­gie­rung, das Zwei-Pro­zent-Ziel zu er­rei­chen“, sagt Jeff Rath­ke, der Prä­si­dent des In­sti­tuts für Ge­gen­warts­stu­di­en an der re­nom­mier­ten Johns-Hop­kin­sU­ni­ver­si­tät in Bal­ti­more.

So steht dem deut­schen Au­ßen­mi­nis­ter Hei­ko Maas ein fros­ti­ger Emp­fang in Wa­shing­ton be­vor. Und zur Na­to-Ge­burts­tags­par­ty wächst der Druck auf Ber­lin, mehr fi­nan­zi­el­le Las­ten zu über­neh­men. „Al­le Ver­bün­de­ten ha­ben die Bot­schaft laut und klar ge­hört“, sag­te Stol­ten­berg schon vor der Be­geg­nung mit Trump: „Da­mit die Na­to ei­ne star­ke Al­li­anz ist, brau­chen wir ei­ne fai­re Al­li­anz.“Aus­drück­lich füg­te er hin­zu: „Ich er­war­te von Deutsch­land, dass es sei­ne Ver­spre­chen ein­hält.“

Die Bun­des­re­gie­rung hat­te sich im Jahr 2014 zu dem Ziel be­kannt, den An­teil ih­rer Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben bis 2024 auf zwei Pro­zent an­zu­he­ben. Spä­ter sag­te Mer­kel aus­drück­lich ei­ne Er­hö­hung auf 1,5 Pro­zent in die­sem Zei­t­raum zu. „Wir ste­hen zu un­se­ren Zu­sa­gen“, ver­si­cher­te Maas am Mon­tag. Zugleich kri­ti­sier­te der deut­sche Au­ßen­mi­nis­ter: „Öf­fent­li­che De­bat­ten über die Las­ten­ver­tei­lung in der Na­to sor­gen für Ve­r­un­si­che­rung – und das in Zei­ten, in de­nen Russ­land un­se­re Ein­heit im­mer wie­der auf die Pro­be stellt.“

Das dürf­te Trump kaum be­ein­dru­cken. Sei­ne Na­to-Bot­schaf­te­rin Kay Bai­ley Hut­chi­son spe­ku­lier­te schon of­fen über ei­ne mög­li­che Re­gie­rungs­um­bil­dung in Deutsch­land. Mit Be­zug auf ein Te­le­fon­ge­spräch von Mer­kel und Trump er­klär­te sie, of­fen­bar wol­le ein Teil der Gro­ßen Ko­ali­ti­on mehr Geld für die Ver­tei­di­gung aus­ge­ben. Nach ih­rer Ein­schät­zung ar­bei­te die Kanz­le­rin des­we­gen ins­ge­heim dar­an, „an­de­re her­ein­zu­brin­gen“, um ei­nen ent­spre­chen­den Haus­halt auf­stel­len zu kön­nen. Spä­ter be­ton­te Hut­chi­sons Spre­che­rin, man ha­be kei­nes­wegs zu ei­nem Ko­ali­ti­ons­wech­sel auf­ru­fen wol­len.

Zwar war­nen ei­ni­ge US-Kom­men­ta­to­ren, dass der wach­sen­de Druck aus Wa­shing­ton die deut­sche Öf­fent­lich­keit in ih­rer Ab­wehr­hal­tung ge­gen hö­he­re Mi­li­tär­aus­ga­ben eher be­stär­ken könn­te. Trotz­dem ist die Kri­tik am Ver­feh­len des Zwei-Pro­zent-Ziels in den USA weit ver­brei­tet. Im kon­ser­va­ti­ven Wall Street Jour­nal mach­te der Ko­lum­nist Wal­ter Rus­sell Me­ad Deutsch­land so­gar für ein mög­li­ches En­de der Na­to ver­ant­wort­lich: „Ber­lin dreht nicht nur Trump, son­dern den gan­zen USA ei­ne lan­ge Na­se.“

Maas ver­si­chert: Wir ste­hen zu un­se­ren Zu­sa­gen“

Foto: Soe­ren Stache, dpa

Na­to-Ge­ne­ral­se­kre­tär Jens Stol­ten­berg (links) traf am Di­ens­tag­abend im Oval Of­fice auf US-Prä­si­dent Do­nald Trump. Der reg­te sich mäch­tig über Deutsch­land auf – und das, wo doch die Na­to an die­sem Mitt­woch und Don­ners­tag 70-jäh­ri­ges Be­ste­hen fei­ert.

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