AfD-Frak­ti­on bleibt tief ge­spal­ten

Lan­des­po­li­tik Ein Par­tei-Aus­tritt und schwe­re Vor­wür­fe: Der Rich­tungs­streit in der Land­tags-AfD wird hef­ti­ger. Und plötz­lich ist die Re­de von „kauf­män­ni­schen Ver­feh­lun­gen“der Vor­sit­zen­den

Wertinger Zeitung - - Bayern | - VON HEN­RY STERN

Mün­chen Ob er denn mit sei­ner Frak­ti­ons­che­fin Ka­trin Eb­ner-St­ei­ner noch ein Bier trin­ken wür­de, wur­de der AfD-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Franz Berg­mül­ler am Di­ens­tag nach ei­ner mehr­stün­di­gen Kri­sen­sit­zung der Land­tags-AfD ge­fragt. „Wer so ei­nen Zin­no­ber los­tritt“, ant­wor­te­te der Metz­ger und Gast­wirt aus Ober­bay­ern un­ver­blümt, „der in­ter­es­siert mich nicht mehr“.

Der „Zin­no­ber“, den Berg­mül­ler meint, war ein An­trag zu sei­nem Aus­schluss aus der AfD-Frak­ti­on, den das Rechts­au­ßen-La­ger um Eb­ner-St­ei­ner am Sams­tag an­ge­kün­digt, am Mon­tag­abend aber wie­der zu­rück­ge­zo­gen hat­te. Berg­mül­ler war dar­in „man­geln­de Loya­li­tät“vor­ge­wor­fen wor­den, weil er sich nach dem Aus­tritt des Ab­ge­ord­ne­ten Rai­mund Swo­bo­da aus der Frak­ti­on mit die­sem öf­fent­lich so­li­da­ri­siert und vor ei­nem Rechts­ruck der AfD ge­warnt hat­te.

Berg­mül­ler hat­te auf die Raus­wurf-Dro­hung am Wo­che­n­en­de so­fort mit mas­si­ven Atta­cken auf Eb­ner-St­ei­ner re­agiert: In ei­ner schrift­li­chen Er­klä­rung sprach er von „man­geln­der Füh­rungs­qua­li­tät, Über­for­de­rung“und vom „of­fen­kun­di­gen Ver­lust jeg­li­chen Bo­den­kon­takts“. Er stell­te zu­dem „wie­der­hol­te kauf­män­ni­sche Ver­feh­lun­gen“von Eb­ner-St­ei­ner in den Raum, woll­te die­sen Vor­wurf auf Nach­fra­ge aber nicht kon­kre­ti­sie­ren. Aus der Frak­ti­on ist zu hö­ren, dass es un­ter an­de­rem um Mit­ar­bei­ter­be­schäf­ti­gung und Bü­ro­aus­stat­tung ge­hen soll.

Nach der in­ter­nen Sit­zung leg­te er am Di­ens­tag noch­mals nach: „Die AfD-Mit­glie­der sind in der Mehr­heit em­pört über das Aus­schlus­sVer­fah­ren“, sag­te er vor Jour­na­lis­ten. Die nö­ti­ge Zwei-Drit­tel-Mehr­heit in der Frak­ti­on für sei­nen Aus­schluss ge­be es zu­dem nicht, glaubt Berg­mül­ler. Er be­daue­re des­halb, dass Eb­ner-St­ei­ner die Ab­stim­mung ein­kas­siert ha­be: „Denn dann hät­te ich ge­wusst, wo je­der steht.“An sei­ner Kri­tik hielt er un­ein­ge­schränkt fest: „Es ist wich­tig, dass sich der Ein­druck ei­nes Rechts­rucks der AfD nicht ver­fes­tigt.“

Die Frak­ti­ons­che­fin ver­such­te da­ge­gen kei­ne zwei Me­ter ent­fernt, den Kon­flikt her­un­ter­zu­spie­len: „Wir wol­len kei­nen Kurs­wech­sel“, be­teu­er­te sie. Die Land­tags-AfD wol­le künf­tig „kon­struk­tiv zu­sam­men­ar­bei­ten“, da­für müs­se man sich nicht lie­ben. „Wir be­kämp­fen nicht uns selbst, son­dern wir be­kämp­fen den po­li­ti­schen Geg­ner“, füg­te sie an. Und den Aus­schluss-An­trag ha­be sie nicht we­gen man­geln­der Er­folgs­aus­sich­ten oder we­gen Ein­flus­ses von au­ßen zu­rück­ge­nom­men, son­dern auf­grund ei­nes kon­struk­ti­ven Ge­sprächs mit Berg­mül­ler.

Die in­ter­ne Kri­tik am ra­bia­ten Rechts­au­ßen-Kurs, den Eb­ner-St­ei­ner in der Frak­ti­on durch­zu­set­zen ver­sucht, dürf­te da­mit aber nicht ver­stum­men. „Es ist nicht zum Aus­schluss ge­kom­men und das ist gut so“, sag­te et­wa der zum mo­de­ra­te­ren La­ger zäh­len­de Co-Frak­ti­ons­chef Markus Plenk schmal­lip­pig. „Man muss nicht im­mer zu­frie­den sein, man muss nur da­mit le­ben kön­nen“, be­fand der Augs­bur­ger AfDAb­ge­ord­ne­te Markus Bay­er­bach zum Er­geb­nis der Sit­zung.

Ka­trin Eb­ner-St­ei­ner

Fotos: dpa

Franz Berg­mül­ler

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.