Zim­me­rer er­fül­len Le­ben­sträu­me

Be­rufs­ori­en­tie­rung Mit Un­ter­stüt­zung der In­nun­gen Dil­lin­gen und Do­nau-Ries zeigt Zim­mer­meis­ter Richard Betz Wer­tin­ger Schü­lern, war­um es sich lohnt, Hand­wer­ker zu sein

Wertinger Zeitung - - Wertingen Und Umgebung - (pm)

Wer­tin­gen Paul Ball­mer stellt klar: „Ei­nen Be­ruf nur we­gen des Gel­des zu ma­chen, das reicht nicht fürs gan­ze Le­ben.“Ge­spannt ver­fol­gen die Siebt- und Acht­kläss­ler der Montes­so­ri­schu­le Wer­tin­gen das Stück „Mit Herz und Hand“von und mit Zim­mer­meis­ter Richard Betz. Oh­ne Nä­gel und Schrau­ben baut er ei­ne Brü­cke, wäh­rend er aus dem Le­ben sei­ner Kunst­fi­gur Paul Ball­mer er­zählt.

Ob­wohl des­sen Va­ter ei­ne Zim­me­rei hat­te, wur­de er In­vest­ment­ban­ker, weil er so gut in Ma­the­ma­tik war. Der Er­folg schien ihm recht zu ge­ben, doch ir­gend­wann war er so ab­ge­ho­ben, dass er die Rea­li­tät aus dem Blick ver­lor, ab­stürz­te und so­gar im Ge­fäng­nis lan­de­te. Der Ge­sel­le sei­nes Va­ters, der mit 50 noch auf Wan­der­schaft ge­gan­gen war, brach­te ihn zum Nach­den­ken. Paul lern­te den Be­ruf des Zim­me­rers von der Pi­ke auf, wur­de Meis­ter und bau­te sei­nen ei­ge­nen Zim­me­rei­be­trieb auf. Nur die Su­che nach Aus­zu­bil­den­den ge­stal­tet sich schwie­rig, weil vie­le El­tern wol­len, dass ih­re Kin­der ein Stu­di­um ma­chen. Paul Ball­mer sagt: „Ich ha­be nichts ge­gen Aka­de­mi­ker. Aber mich är­gert, dass so ein Un­ter­schied ge­macht wird.“

Ein gu­ter Hand­wer­ker sei ein Ge­heim­tipp. Er fragt die Schü­ler, wie sie her­aus­fin­den, was ih­nen Spaß macht? Die Ant­wort: „Ich pro­bie­re es aus!“Sein Rat: „Wenn ihr was macht, dann macht es gut und macht es ger­ne.“Er spornt die Schü­ler an, ih­re Träu­me zu ver­wirk­li­chen: „Egal was es ist, wenn du dein Herz rein­legst, kannst du was Tol­les draus ma­chen.“Erst nach dem Ar­chi­tek­tur­stu­di­um hat Richard Betz sei­nen Weg ent­deckt. „Ich will bau­en, dar­um ha­be ich mich für die Zim­me­rei ent­schie­den und das nie be­reut.“An rund 250 Schu­len zeig­te er sein Stück be­reits, von Fe­bru­ar bis Ju­ni an über 30 Baye­ri­schen Schu­len. Die Auf­füh­rung in Wer­tin­gen wur­de von den Zim­me­re­r­in­nun­gen Dil­lin­gen und Do­nau-Ries ge­spon­sert. Schul­lei­te­rin Bea­te Lah­ner-Ptach frag­te die Schü­ler, ob sie bei ih­ren Prak­ti­ka ge­spürt hät­ten, dass die Leu­te ih­ren Be­ruf lie­ben. Wie Wolfgang Bau­er von der gleich­na­mi­gen Zim­me­rei in Ge­rats­ho­fen: „Wenn ich abends heim­ge­he und ei­nen Dach­stuhl oder ein Holz­haus auf­ge­stellt ha­be, weiß ich, ich ha­be je­man­dem ei­nen Le­benstraum er­füllt.“Franz Motz, Ober­meis­ter der Zim­me­re­r­in­nung Do­nau-Ries sag­te: „Bei uns wird es nie lang­wei­lig und wenn ich am Abend heim­ge­he, se­he ich, was ich ge­macht ha­be.“Chris­ti­an Graf er­zählt von sei­nem Groß­va­ter, der 1946 das Holz­bau­un­ter­neh­men in Dil­lin­gen-St­ein­heim auf­ge­baut hat. Graf be­ton­te: „So ein Un­ter­neh­men in drit­ter Ge­ne­ra­ti­on zu füh­ren, das geht nur mit Herz und Hand.“Richard Betz meint, dass je­der Zim­me­rer sich selbst ein Haus bau­en könn­te: „Da muss je­mand sehr lan­ge im Bü­ro sit­zen, bis er ver­dient, was sich ein Zim­me­rer durch sei­ne Kennt­nis­se spart.“Franz Motz sagt: „Im Hand­werk muss man ein Ziel ha­ben, das man auch durch­zieht. Das ist gar nicht so selbst­ver­ständ­lich, wie man sich das vor­stellt.“Und das ha­be Richard Betz her­vor­ra­gend rü­ber­ge­bracht. Der selbst freut sich, als er an­schlie­ßend in sein „Wan­der­buch“mit den Zu­schau­er­ein­trä­gen schaut, denn Ma­ya hat hin­ein­ge­schrie­ben: „Ich ha­be heu­te ei­nen Be­ruf ent­deckt, den ich wei­ter ver­fol­gen möch­te!“

Schon vor der Vor­füh­rung be­rich­te­te Leh­re­rin Bri­git­te Lis vom „Mühl­win­kel“, wo die Schü­ler ein al­tes Haus re­no­vie­ren, ei­ne Kü­chen­grup­pe be­kocht sie, auch Gar­ten­ar­beit steht an. Das be­sich­tig­ten die Zim­merer­meis­ter mit den Schü­lern an­schlie­ßend und staun­ten, was die­se dort al­les leis­ten.

Ein Zim­me­rer spart sich viel Geld beim ei­ge­nen Haus­bau

Foto: Bri­git­te Bunk

Die Schü­ler hö­ren ge­spannt zu, wie Zim­mer­meis­ter Richard Betz die Le­bens­ge­schich­te von Paul Ball­mer prä­sen­tiert. Da­bei baut er auch ei­ne Brü­cke, die oh­ne Nä­gel und Schrau­ben hält. Im Bild auch die Zim­mer­meis­ter Franz Motz (in Zunft­klei­dung) und Chris­ti­an Graf (zwei Sit­ze wei­ter rechts).

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