Patrick und sein Traum­job als St­ein­metz

Schu­le Dank der Pra­xis­klas­se an der Hya­zinth-Wä­cker­le-Mit­tel­schu­le hat Patrick Schnei­der sei­nen Traum­be­ruf ent­deckt. Was er von dem Pro­jekt hält und wie es ihm in sei­ner Aus­bil­dung bis­her er­gan­gen ist

Wertinger Zeitung - - Wertingen - VON TANJA FER­RA­RI

Lau­in­gen Die Son­ne scheint ihm in sein Ge­sicht, als Patrick mit dem Spa­ten in die Fried­hofs­er­de sticht und ein gro­ßes Stück aus­hebt. Im Sep­tem­ber hat er sei­ne Aus­bil­dung beim St­ein­metz Schmid in Lau­in­gen be­gon­nen. Ein ganz nor­ma­ler Weg für vie­le Ju­gend­li­che – doch Patricks Ge­schich­te ist be­son­ders.

An­ge­fan­gen hat für den 16-Jäh­ri­gen al­les mit ei­nem In­for­ma­ti­ons­abend zur Pra­xis­klas­se an der Hya­zinth-Wä­cker­le-Mit­tel­schu­le in Lau­in­gen, der vor zwei Jah­ren statt­fand. „Durch Zu­fall sind wir bei der Ver­an­stal­tung ge­lan­det“, sagt Patrick. Nach­dem das Pro­gramm vor­ge­stellt wor­den sei, ha­be er un­be­dingt dar­an teil­neh­men wol­len, sagt er. Die Pra­xis­klas­se ist ein Mo­dell für Schü­ler, de­nen es schwer­fällt zu ler­nen und die des­halb kei­nen oder nur ei­nen schlech­ten re­gu­lä­ren Mit­tel­schul­ab­schluss schaf­fen wür­den. Um bei der Klas­se mit­ma­chen zu kön­nen, müs­sen Schü­ler im letz­ten oder vor­letz­ten Schul­jahr sein, so lau­ten die Vor­ga­ben der Mit­tel­schu­le, die das Pro­jekt durch­führt. Das Be­son­de­re am pra­xis­be­zo­ge­nen Pro­gramm: Un­ter­richt mit ei­nem Tag Prak­ti­kum in der Wo­che, er­zählt Patrick. An­ders als beim tra­di­tio­nel­len Schul­wer­de­gang ste­hen hier nicht mehr nur die No­ten im Vor­der­grund, son­dern auch die Per­sön­lich­keit so­wie das hand­werk­li­che Ge­schick der teil­neh­men­den Schü­ler. „Ich hat­te ins­ge­samt vier ver­schie­de­ne Prak­ti­ka aus­pro­biert“, sagt Patrick. Kfz-Mecha­ni­ker, Land­ma­schi­nen­me­cha­ni­ker, Stahl­bau­er und St­ein­metz – das sind die Be­ru­fe, die Patrick durch die Pra­xis­klas­se ken­nen­ler­nen konn­te. Am bes­ten ge­fal­len hat es ihm beim

Als St­ein­metz zu ar­bei­ten ist Patricks Traum

St­ein­metz Schmid. Des­halb be­wirbt er sich kur­zer­hand für ei­nen Aus­bil­dungs­platz im Be­trieb, als sein Prak­ti­kum vor­bei ist. Er be­kommt die Stel­le und freut sich noch heu­te dar­über: „Ich fin­de es toll, dass man viel drau­ßen ist und Ver­schie­de­nes ken­nen­ler­nen kann.“Patrick ar­bei­tet bei Wind und Re­gen, Son­ne und Sturm. Stö­ren tut ihn das nicht wei­ter. Er sagt: „Man ge­wöhnt sich an al­les.“In die Pra­xis­klas­se wür­de er auf je­den Fall wie­der ge­hen, wenn er sich noch ein­mal da­für ent­schei­den müss­te. „Ich kann das Pro­gramm nur wei­ter­emp­feh­len“, sagt er.

Dass das Pro­jekt die Chan­ce bie­tet, Be­trie­be ken­nen­zu­ler­nen und sich in den Be­ru­fen aus­zu­pro­bie­ren, sei ei­ne tol­le Mög­lich­keit. Auch die Be­treu­ung durch die Leh­rer sei klas­se ge­we­sen, schwärmt der 16-Jäh­ri­ge. Sei­ne Er­fah­run­gen gibt Patrick auch ger­ne an Schü­ler wei­ter, die ge­ra­de mit der Pra­xis­klas­se be­gin­nen. Zwei­mal ha­be er sei­nen Be­ruf schon für an­de­re Schü­ler vor­ge­stellt und ha­be an­schlie­ßend Fra­gen be­ant­wor­tet.

Das Pro­jekt ist aber nicht nur für Schü­ler wie Patrick ein Ge­winn. Auch für das Hand­werk hat die Pra­xis­klas­se ih­re Vor­tei­le, fin­det Fer­di­nand Schmid, der seit ver­gan­ge­nem Jahr die Lei­tung des Fa­mi­li­en­be­triebs

Prak­ti­ka sind wich­tig für den Be­rufs­ein­stieg

in Lau­in­gen über­nom­men hat. „Ich wuss­te recht schnell, dass ich als St­ein­metz ar­bei­ten möch­te und ir­gend­wann ein­mal das Ge­schäft über­neh­men wer­de“, sagt er. Den St­ein­metz­be­trieb ge­be es be­reits seit 1850 und er wer­de jetzt in sechs­ter Ge­ne­ra­ti­on ge­lei­tet. Als Patrick da­mals im Rah­men der Pra­xis­klas­se auf sie zu­ge­kom­men sei, ha­be man sich sehr ge­freut. Mut­ter Jut­ta Schmid, die seit 40 Jah­ren das Bü­ro des St­ein­met­zes be­treut, fin­det, dass ein Prak­ti­kum in hand­werk­li­chen Be­ru­fen un­be­dingt ge­macht wer­den soll­te. „Da­durch lernt man Ar­beits­ab­läu­fe und den All­tag be­reits ken­nen“, sagt sie. Da Patrick be­reits durch sein Prak­ti­kum für meh­re­re Wo­chen im­mer diens­tags mit­ge­ar­bei­tet ha­be, sei das sehr hilf­reich ge­we­sen. Au­ßer­dem kön­ne man gleich se­hen, ob je­mand Ta­lent ha­be und in das Team pas­se. Au­ßer­dem wür­den so we­ni­ger Aus­bil­dun­gen ab­ge­bro­chen wer­den, so Jut­ta Schmid.

Von An­fang an konn­te sich Patrick für die Auf­ga­ben be­geis­tern und hat des­halb schnell ent­schie­den, dass St­ein­metz sein Traum­be­ruf ist. Beim Ar­bei­ten punk­tet er mit sei­ner mo­ti­vier­ten und zu­ver­läs­si­gen Art, wie sein Chef ver­rät. „Wenn Patrick nicht ge­ra­de in Mün­chen und In­gol­stadt im Block­un­ter­richt schwitzt, ar­bei­tet er flei­ßig mit“, sagt Schmid. In In­gol­stadt könn­ten die Aus­zu­bil­den­den in Werk­stät­ten ih­re prak­ti­schen Fä­hig­kei­ten ver­bes­sern. Die Übung wür­den sie auch brau­chen, er­zählt er und lacht. Auch wenn es ein­fach klin­ge, ei­ne Flä­che aus ei­nem St­ein­bro­cken zu schaf­fen, sei es nicht so leicht. „Die Zeit ver­geht sehr lang­sam, wenn man an so ei­ner Auf­ga­be ar­bei­tet“, sagt er. Bis zu sei­ner Ge­sel­len­prü­fung im drit­ten Lehr­jahr hat Patrick noch et­was Zeit zu üben. Dort gilt es dann, mit Krea­ti­vi­tät und hand­werk­li­chem Ge­schick zu über­zeu­gen. Ne­ben ei­nem Ge­sel­len­stück, wo­für die Schü­ler ein ei­ge­nes Pro­jekt in Ei­gen­in­itia­ti­ve um­setz­ten müs­sen, wer­den auch in der Schu­le Pro­ben ge­nom­men, er­klärt Schmid. Bis es so weit ist, muss Patrick noch ei­ni­ges ler­nen und viel Fried­hofs­er­de aus­he­ben.

Foto: Tanja Fer­ra­ri

An sei­ner Aus­bil­dung zum St­ein­metz ge­fällt Patrick Schnei­der vor al­lem die Ab­wechs­lung, das Drau­ßen­sein und die tol­le Ar­beits­at­mo­sphä­re im Team.

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