Pan­ther fei­ern nach End­los-Kri­mi

Eis­ho­ckey Ver­tei­di­ger Bra­dy Lamb schießt nach ir­ren 104 Mi­nu­ten das ent­schei­den­de 2:1 für den AEV ge­gen den EHC Mün­chen. Tor­wart Oli­vier Roy ist er­neut über­ra­gend

Wertinger Zeitung - - Sport - VON MI­LAN SAKO

Mün­chen Ganz nah dran ist Lothar Sigl in der Olym­pia-Eis­hal­le. Der Pan­ther-Boss sitzt di­rekt hin­ter der Bank der Augs­bur­ger Pan­ther und hat die AEV-Mann­schaft samt Trai­ner Mi­ke Stewart im­mer im Blick. Mit der Ar­beit sei­ner An­ge­stell­ten kann der Haupt­ge­sell­schaf­ter des DEL-Klubs höchst zu­frie­den sein. Nur an den Schieds­rich­tern hat­te er ewi­ge Klub­boss et­was aus­zu­set­zen und hielt den Un­par­tei­ischen nach dem fünf­ten Drit­tel sym­bo­lisch sei­ne di­cke Bril­le hin. Als Ge­burts­tags­ge­schenk zum 62. hat­te das Team Sigl am Frei­tag ein Eis­ho­ckey-Fest samt 4:3-Er­folg ge­schenkt und setz­te am Sonn­tag ei­nen Nach­schlag drauf. Match Num­mer drei ge­gen den Erz­ri­va­len aus der Lan­des­haupt­stadt ging wie schon das ers­te Halb­fi­na­le wie­der in die Ver­län­ge­rung. Nach ge­spiel­ten 103.34 Mi­nu­ten stand am Sonn­tag um 18.15 Uhr der Sie­ger fest. Der Außenseiter Augs­burg geht nach dem 2:1 (1:0, 0:1, 0:0, 0:0, 0:0, 1:0)-Sieg mit 2:1 in der Best-of-Se­ven-Se­rie in Füh­rung.

Bra­dy Lamb schoss das Tor des Ta­ges von der blau­en Li­nie. „Das war wie­der ei­ne emo­tio­na­le Ge­schich­te. Mün­chen hat­te ein op­ti­sches Über­ge­wicht und ein Chan­cen­plus, aber so zwin­gend wa­ren die Mög­lich­kei­ten nicht“, mein­te Sigl zum Sieg sei­ner An­ge­stell­ten. Zum Auf­takt hat­ten sich die baye­ri­schen Klubs mit 102 Mi­nu­ten be­reits das siebt­längs­te Match der DEL-His­to­rie ge­lie­fert, jetzt ging es noch län­ger. Der AEV und der EHC stel­len jetzt schon ei­nen DEL-Re­kord auf. Noch nie ging ei­ne Se­rie in zwei XXL-Ver­län­ge­run­gen. „Es war ein har­tes Stück Ar­beit und wir ha­ben nach drei Par­ti­en ge­gen Mün­chen un­ge­fähr schon 14 Drit­tel ge­spielt. Aber wir sind fit“, sag­te AEV-Trai­ner Mi­ke Stewart und er­zähl­te ei­ne Sze­ne aus der Um­klei­de di­rekt nach dem Sieg­tref­fer: „Ich ha­be Roy ge­fragt, wie er sich fühlt und er hat nur ge­sagt: Ach, ich hät­te noch zwei Drit­tel spie­len kön­nen.“

Zu Be­ginn des lan­gen Eis­ho­ckey­Nach­mit­tags fühl­ten sich die Zu­schau­er wie in ei­ner viel zu frü­hen Tat­ort-Wie­der­ho­lung. Wie am ver­gan­ge­nen Mitt­woch brach hin­ter dem Tor von Oli­vier Roy nach 73 Se­kun­den ein gro­ßes Loch an der Ban­de auf. Doch die Münch­ner Eis­meis­ter sind in­zwi­schen ge­üb­te Loch-Fül­ler. Mit ei­nem Ve­rei­sungs­ge­rät in der Form ei­nes Feu­er­lö­schers war die Pan­ne in­ner­halb von vier Mi­nu­ten be­ho­ben.

Die Pan­ther lie­ßen sich im ers­ten Drit­tel nicht mehr so stark ins ei­ge­ne Drit­tel drän­gen wie noch in Spiel eins. Die Augs­bur­ger er­ar­bei­te­ten sich ein po­si­ti­ves Schuss­ver­hält­nis von 16:13 in den ers­ten 20 Mi­nu­ten. Den ent­schei­den­den Ver­such ver­wan­del­te Ja­mie Ar­ni­el nach Vor­la­ge von Tho­mas Holz­mann zum 1:0 (10.). Der erst vor we­ni­gen Wo­chen aus Wi­en ge­hol­te Ka­na­di­er spar­te sich sei­ne Tor-Pre­mie­re im AEVDress für den rich­ti­gen, den wich­ti­gen Mo­ment auf. Über­ra­gend im ge­sam­ten Match war wie­der ein­mal Tor­wart Oli­vier Roy, der in der 20. Mi­nu­te mit ei­nem sen­sa­tio­nel­len Spa­gat ge­gen Na­tio­nal­spie­ler Ma­xi­mi­li­an Kast­ner ret­te­te.

Augs­burg war bei fünf ge­gen fünf die bes­se­re Mann­schaft. Der EHC Mün­chen be­nö­tig­te ei­ne um­strit­te­ne Straf­zeit ge­gen Adam Pay­erl in der 33. Mi­nu­te zum Aus­gleich. John Mit­chell traf in Über­zahl zum 1:1. Da­vor hat­ten der EHC-Ka­pi­tän Micha­el Wolf den Pfos­ten und De­rek Jos­lin die Qu­er­stan­ge ge­trof­fen.

Rund 1800 AEV-Fans in der mit 6142 Zu­schau­ern dies­mal aus­ver­kauf­ten Hal­le feu­er­ten un­er­müd­lich den AEV an. In der 89. Mi­nu­te be­kam Ver­tei­di­ger Ar­vids Re­kis ei­nen Schuss von Mün­chens Ya­sin Eh­liz un­glück­lich ans Kinn. Blu­tend stapf­te der mit 40 Jah­ren äl­tes­te DEL Pro­fi vom Eis und kehr­te nach dem Nä­hen der Platz­wun­de am Kinn wie­der zu­rück. „Durch sei­nen Play-off-Bart muss­ten die Ärz­te erst mit ei­ner Bürs­te die Haa­re zur Sei­te schie­ben“, er­zähl­te Stewart lau­nig und füg­te an: „Aber er war so schnell wie mög­lich wie­der zu­rück auf der Bank.“Recht­zei­tig, um mit Lamb den sen­sa­tio­nel­len 2:1-Sieg zu fei­ern. Die Münch­ner, die zehn Play-offs-Se­ri­en lang un­be­siegt sind, ha­ben an den Pan­thern arg zu bei­ßen. Am Mitt­woch um 19.30 Uhr muss der deut­sche Meis­ter wie­der in der Höl­le des Sü­dens. Die Augs­bur­ger lie­fern dem EHC ein Du­ell auf Au­gen­hö­he. Und un­be­zahl­te Über­stun­den auf Top-Ni­veau leis­ten die Eis-Ar­bei­ter oben­drein, was nicht nur Klub­chef Sigl freut.

Augs­bur­ger Pan­ther Roy – Lamb, Töl­zer; Se­zems­ky, Re­kis; McNeill, Haa­se; Rogl – Fra­ser, Gill, Holz­mann; Pay­erl, LeBlanc, Whi­te; Ha­fen­rich­ter, Sti­e­ler, Sch­m­ölz; Detsch, Ar­ni­el, Stern­hei­mer

Fo­to: Kol­bert-Press

Ein Bün­del Freu­de wa­ren die Spie­ler der Augs­bur­ger Pan­ther nach Spie­len­de in Mün­chen: Wie schon im ers­ten Auf­ein­an­der­tref­fen dau­er­te es über 100 Mi­nu­ten, bis ein Sieg­tref­fer fiel. Dies­mal sieg­te der AEV aber und führt nun mit 2:1 in der Se­rie.

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