Ent­eig­nun­gen wä­ren Gift für die so­zia­le Markt­wirt­schaft

Wenn der Staat den Markt nicht nur ein­he­gen, son­dern ihn au­ßer Kraft set­zen will, droht höchs­te Ge­fahr. Das soll­te auch der Wirt­schafts­mi­nis­ter ein­se­hen

Wertinger Zeitung - - Meinung & Dialog - VON BERN­HARD JUNGINGER [email protected]­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Dass heu­te ernst­haft über die Ent­eig­nung von Im­mo­bi­li­en­fir­men dis­ku­tiert wird, ist ein ver­hee­ren­des Si­gnal für un­se­re ganz be­son­de­re Form der Markt­wirt­schaft. Die da­für ge­sorgt hat, dass Deutsch­land über Jahr­zehn­te mehr Wohl­stand schaf­fen und die­sen brei­ter im Volk ver­tei­len konn­te als die meis­ten an­de­ren Staa­ten die­ser Er­de. Das Sys­tem hat sich des­halb so be­währt, weil es dem Grund­satz nach so­zi­al sein soll, aber eben auch frei.

Noch wäh­rend aus­ge­rech­net Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Pe­ter Alt­mai­er von der CDU mit sei­nen Vor­schlä­gen zur künf­ti­gen In­dus­trie­po­li­tik ge­fähr­lich mit plan­wirt­schaft­li­chen Stra­te­gi­en flir­tet, kommt der nächs­te An­griff auf den Qu­ell un­se­res Er­folgs. Und zwar aus der Haupt­stadt Berlin, wo vor dem Hin­ter­grund ex­plo­die­ren­der

Mie­ten ge­ra­de ein Volks­be­geh­ren zur Ent­eig­nung gro­ßer Woh­nungs­bau­kon­zer­ne ge­star­tet ist. Al­lein die De­bat­te dürf­te in­des da­für sor­gen, dass am En­de we­ni­ger neue Woh­nun­gen ge­baut wer­den und sich der „Mie­ten­wahn­sinn“, den vie­le Bür­ger mit Recht be­kla­gen, noch ver­schärft. Kä­me ein Pro­zess der zwangs­wei­sen Ver­ge­sell­schaf­tung tat­säch­lich in Gang, wä­re er nicht nur lang­fris­tig und teu­er, er wä­re vor al­lem ab­schre­ckend. Wel­cher Un­ter­neh­mer wür­de denn noch in ei­nem Um­feld Miets­häu­ser bau­en, in dem ihm lang­jäh­ri­ge Rechts­strei­tig­kei­ten und mas­si­ve fi­nan­zi­el­le Ver­lus­te dro­hen?

Heu­te geht es um die Ent­eig­nung gro­ßer Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten, de­ren Ge­schäfts­ge­ba­ren in vie­len Fäl­len durch­aus frag­wür­dig ist. Und de­nen die öf­fent­li­che Hand des­halb auch deut­lich bes­ser auf die mit­un­ter all­zu gie­ri­gen Fin­ger se­hen – und wenn nö­tig klop­fen soll­te. Doch es droht die Ge­fahr, dass bei den gro­ßen Im­mo­bi­li­en­rie­sen ein Ent­eig­nungs­stru­del be­ginnt, in den dann auch klei­ne­re Haus­be­sit­zer ge­ra­ten. Der Ruf nach Ent­eig­nun­gen ist pu­rer Po­pu­lis­mus von Links. Er zielt auf ei­ne Spal­tung der Ge­sell­schaft und ver­teu­felt frei­es Un­ter­neh­mer­tum, weil es un­ter den vie­len an­stän­di­gen Ver­mie­tern schwar­ze Scha­fe gibt. Nach genau die­sem Prin­zip het­zen rech­te Po­pu­lis­ten ge­gen Mi­gran­ten. Wenn mit Ro­bert Ha­beck der Chef der Grü­nen, ei­ner Par­tei, die an neun Lan­des­re­gie­run­gen be­tei­ligt ist und auch im Bund nach der Macht schielt, Ent­eig­nun­gen nicht klipp und klar aus­schließt, müs­sen al­le Alarm­glo­cken klin­geln.

Dass die Woh­nungs­not und der da­mit ver­bun­de­ne mas­si­ve An­stieg der Mie­ten ge­ra­de in Bal­lungs­räu­men ein ge­wal­ti­ges Pro­blem ist, das so viel so­zia­len Spreng­stoff birgt wie kaum ein an­de­res, liegt auf der Hand. Ver­ant­wort­lich da­für ist al­ler­dings haupt­säch­lich die Po­li­tik. Zu­mal in Berlin, wo die Re­gie­rung hun­dert­tau­sen­de von Woh­nun­gen an Groß­kon­zer­ne ver­kauft hat, die nun na­tür­lich mög­lichst viel Geld da­mit ver­die­nen wol­len. Und es ist lei­der so, dass das durch staat­li­che Feh­ler ver­ur­sach­te Pro­blem nun oh­ne staat­li­che Ein­grif­fe nicht mehr zu lö­sen ist.

Doch da­für gibt es deut­lich bes­se­re An­sät­ze als Ent­eig­nun­gen. Die Schlupf­lö­cher bei der Miet­preis­brem­se müs­sen ge­stopft, der so­zia­le Woh­nungs­bau eben­so wie der Er­werb von Wohn­ei­gen­tum ge­för­dert wer­den. Auch schnel­le­re Bau­ge­neh­mi­gun­gen und we­ni­ger un­sin­ni­ge Vor­schrif­ten wür­den hel­fen. Der Staat soll den Markt sti­mu­lie­ren, ihn in ei­ne so­zi­al wün­schens­wer­te Rich­tung len­ken und sei­ne Aus­wüch­se be­gren­zen. Das gilt für den Woh­nungs­bau eben­so wie für die Wirt­schafts­po­li­tik ins­ge­samt. Wenn Pe­ter Alt­mai­er et­wa gro­ße In­dus­trie­un­ter­neh­men qua­si un­ter Ar­ten­schutz stel­len will, ist der in­no­va­ti­ve deut­sche Mit­tel­stand zu recht ent­setzt. Denn wenn die Po­li­tik den Markt nicht nur steu­ern, son­dern ihn au­ßer Kraft set­zen will, kann das nur schief­ge­hen.

Die größ­ten Feh­ler hat die Po­li­tik ge­macht

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